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Unser Top-Tipp


Das schönste Cover

Der Main Event wählt ab 07/2006 das schönste Album Cover. Hier geht es zur Abstimmung.



In the Wee Small Hours

Infos:

"In The Wee Small Hours" wurde 1984 das erste Sinatra-Album, das Aufnahme in die "Grammy Hall Of Fame" fand (inzwischen ist 1998 mit "Sinatra Sings For Only The Lonely" ein zweites Sinatra-Album dazugekommen). 2001 wurde "In The Wee Small Hours" als erstes Sinatra-Album überhaupt in die "Jazz Hall Of Fame" aufgenommen.

Stimmen zum Album:

Alfred Terschak:

Franks Leistung ist grandios, die Balladen sind umwerfend. Dennoch, in der heutigen Zeit wäre/ist es hauptsächlich ein Album für Fans oder die Kritiker, aber es würde heute wohl nicht den großen Frank-Rummel auslösen. Kein Wunder, daß - vom Hauptitel abgesehen - die Nummern einfach kaum im Radio oder in Lokalen gespielt werden oder auch nicht den Weg auf die üblichen Sampler finden, ja meines Wissens nicht einmal besonders intensiv ins Konzert-Programm Aufnahme fanden. Auch bei Only The Lonely ist es aus heutiger Sicht ähnlich, nur sind da halt zwei seiner allergrößten Songs dabei, was die Sache relativiert.
WOHLGEMERKT, das ist meine Meinung aus HEUTIGER Sichtweise, quasi wenn das Album jetzt auf den Markt käme. Hier fehlt aus meiner Sicht einfach die sonst oft sinatratypische Zeitlosigkeit der Arrangements, wodurch sein Werk häufig jahrzehntelang allen Mainstream-Popströmungen trotzt(e) und das wohl noch ein paar tausend Jahre. Gerade das fehlt hier, denn sorry, aber ein wenig staubig wirken manche Nummern schon, auch wenn ich damit die künstlerische Leistung keinesfalls schmälern möchte und schon gar nicht Franks Beitrag. Hier geht es in erster Linie um die Arrangements. Hall Of Fame ist ja gut und schön, aber Frank Sinatra steht da ohnedies drüber. Wenn ein ganzes Stadion sein NYNY andächtig hört, wenn Leute nach dem World Trade Center-Einsturz mit Tränen in den Augen stammeln, aber Frank Sinatra hat doch dort oben gesungen, dann ist es - so denke ich - eher den zeitlosen Klassikern, den schmissigeren Nummern zu verdanken, die grandiosen Saloon-Songs One For My Baby und Angel Eyes einmal ausgenommen.


Holger Schnabl:

Die Arrangements scheinen mir genauso zeitlos zu sein wie alles an dem Album. Zudem sind sie noch absolut unaufdringlich und die dezente Instrumentierung ist in keiner Sekunde Selbstzweck sondern dient allein dazu, Sinatras Leistung (die ich nicht anders kann als geradezu überirdisch zu bezeichnen) kongenial zu unterstützen und zu untermalen. In der Tat, Sinatras absolute Kontrolle über sein Tun, sein emotionales Ausloten der Songs, dieser unglaubliche und beredte Nuancenreichtum seines Gesangs erstaunen mich bei jedem neuerlichen Hören... zuweilen ist man ganz perplex ob einer derartigen Meisterschaft. Nebenbei bemerkt: Die Platte entfaltet die beste Wirkung sicherlich, wenn man sie nach Einbruch der Dunkelheit hört.
Auch empfinde ich das Album nicht als „Rückfall“ in die Columbia-Zeit, schon allein der Stimme wegen nicht: Zu Columbia-Zeiten war Sinatra der junge Romantiker, hier präsentiert sich ein in jeder Hinsicht gereifter Charakter in seinem immerhin auch schon vierzigsten Lebensjahr mit rund zwanzigjähriger Erfahrung als Sänger.
Gegenüber der Columbia-Zeit ist die Platte vor allem natürlich auch tontechnisch ein Quantensprung und die hervorragende Aufnahmequalität trägt zur Zeitlosigkeit des Werks bei. (Meine CD-Ausgabe ist ein Larry-Walsh-Remaster, es gibt noch andere, wie ich hörte, ob diese klangtechnisch besser sind, ersuche ich jemanden zu beurteilen, der die Möglichkeit zum direkten Vergleich hat). Man stelle sich vor, die Aufnahmetechnik wäre schon anno 1940 so weit gewesen wie 1955 – die Columbia-Aufnahmen wären noch um ein Vielfaches erquicklicher, als sie es ohnedies sind...

Tim Bialek:

Das Rolling Stone Magazin hat nach meiner Erinnerung mal "Wee Small Hours" als "Meilenstein der Popgeschichte" bezeichnet und bewertet das Album nach wie vor noch mit fünf Sternen. Dazu ist zu sagen, dass ich mich eigentlich von diesem Schubladendenken (Pop, Rock, Jazz usw.) versuche zu befreien (klappt freilich nicht immer) und auch die Bewertungen mit Punkten, wie es einige hier angefangen haben, eigentlich vermeiden möchte.
Für mich handelt es sich hier schlichtweg um einen "Meilenstein der Musikgeschichte", wenn man einfach mal konstatiert, dass es nur gute oder schlechte Musik für mich gibt. Das schließt auch eine Diskussion darüber aus, ob das Album zeitgemäß ist oder nicht. Für mich geht das am Kern der Sache vorbei: Es geht einfach darum, ob die Musik mich anspricht, ob ich etwas dabei empfinde; ja ob sie mein Herz trifft. Und ich hab' mich nun mal in dieses Album verliebt und diese Liebe währt schon ziemlich lange; es war keine Liebe auf den ersten Lausch, das hat sich entwickelt. Man muss sich Zeit nehmen dafür und man muss in der Lage sein, sich fallen zu lassen, wie unser Sänger es (nicht nur) auf diesem Album schafft. Das soll ja bei anderen Tätigkeiten auch durchaus von Vorteil sein...
Sowas beim Autofahren zu hören, wäre für mich schlicht ein Frevel; das sollte man nicht tun. Womit ich auf keinen Fall unterstellen möchte, dass das irgendjemand hier tut.
Interessant ist für mich, dass Nelson Riddle in jeder der vier Aufnahmesessions mit etwas anderen Instrumentierungen arbeitet, basierend auf einer fünfköpfigen Rhythmusgruppe. Diese Rhythmusgruppe mit zwei Keyboards (Bill Miller, p und Paul Smith, celesta) bildet den Kern des Ganzen. Die „Sinatra Symphonette“ aus Sinatras Radioshow „To Be Perfectly Frank“, die später „Bobbi Show“ hieß, standen hierfür Pate.
Bei der ersten Session am 08.02.1955 ist es nur die Rhythmusgruppe, erweitert um die Celesta, die sowieso ein tragendes Element des Albums ist und die „Dämmerungsstimmung“, wie sie Friedwald richtig bezeichnet hat, genial herüberbringt. Dieses Quintett schafft bei „Dancing On The Ceiling“, „Can’t We Be Friends“, „Glad To be Unhappy“ und „I’ll Be Around“ eine sehr intime Atmosphäre.
Bei der zweiten Session am 16.02. wird das Ganze um die geniale Trompete Harry Edisons, vier Holzbläser und sechs Streicher erweitert, während wir einen Tag später satte 20 Streicher + Rhythmusgruppe haben.
Zu guter Letzt schafft Riddle am 04.03. ganz neue Klangfarben mit der ungewöhnlichen Besetzung von vier Hörnern, vier Flöten und elf Streichern + Rhythmusgruppe („It Never Entered My Mind“, „Deep In A Dream“ und „I’ll Never Be The Same“).
Auf dem Album sind diese unterschiedlichen Besetzungen gut gemischt und ergeben eine abwechslungsreiche musikalische Reise.
Das Entscheidende dieses Albums, das natürlich auch richtungsweisend für die gesamte Capitol-Zeit werden sollte, war, dass der süße, säuselnde Columbia-Sinatra mit der hohen Stimme und dem Geigensound endgültig out ist; es lebe dagegen der dunklere, tiefere Sinatra, dessen Interpretationen gerade der Balladen jetzt noch gehaltvoller werden.

In The Wee Small Hours Of The Morning (Dave Mann/Bob Hillard)
Wie wunderbar wird die dämmerige Stimmung des Albums gerade beim ersten Titel am Anfang eingefangen, wenn Celesta und Harfe das Thema eröffnen. Es liegt eine herrliche melancholische Stimmung über der ganzen Platte, auch gerade über diesem ersten Titel, die man einfach nicht in Worte fassen kann.
Eben wie auf dem phantastischem Cover: Ein einsamer Mann mit einer Zigarette in der Dämmerung in einer nebeligen Gasse. Er schaut gedankenverloren nach unten. Er nimmt die Welt um sich herum nicht wahr, weil er eben nur an "sie" denkt, die jetzt nicht bei ihm ist und die ihm nicht zum Einschlafen kommen lässt bzw ihn viel zu früh aufwachen lässt.
Man kann nicht erklären, wie Meister Riddle das hingekriegt hat und daran erkennt man das Genie. Es ist auf jeden Fall wahnsinnig schwer, diese Schwermütigkeit, diese Melancholie so einzufangen und es trotzdem leicht klingen zu lassen.
Und man muss einen Sänger haben, der eben auch diesen Spagat beherrscht. Das man dafür 13 Takes braucht, wundert mich nicht. Das Ergebnis ist phantastisch.
In Sinatras Stimme liegt diese gedankenverlorene Schwermütigkeit; fast scheint es so, als würde er im Halbschlaf singen. Vielleicht ein wenig zu weit hergeholt aber was soll's...
"In the wee small hours of the morning,
that's the time you miss her most of all."
Das ist eine der Stellen in den Texten in Sinatras Liedern, die ich jederzeit aus eigener Erfahrung heraus unterschreiben würde. Wer schon jemals eine "long distance Beziehung" hatte, wird mir da vielleicht beipflichten können. Es stimmt!

Mood Indigo (Duke Ellington/I. Mills/Barney Bigard)
Die leicht schrägen, man könnte sagen progressiven, Harmonien am Anfang erinnern mich sofort an Ellington und Strayhorn; jenes Gespann, das für die afro-amerikanische Musik so stilbildend war. Die Holzbläser (Flöten und Klarinetten) erinnern vielleicht an Barney Bigard, der wohl in die Komposition des Liedes involviert war und als Ellingtons Star-Klarinettist bei ihm 15 Jahre unnachahmlich spielte.
Riddle, dessen musikalisches Vorbild laut Mit Bernhart Duke Ellington war, wechselt immer wieder den Rhythmus und kreiert zwischen Sinatras Textstellen gegen den Rhythmus laufende Einwürfe. Zusammen mit der gestopften Trompete Harry Edisons und den Harmonien der Holzbläser kommt richtiges Ellington-Feeling auf, ohne dass die Grundstimmung des Albums dabei verlassen wird.
Sinatra spielt im zweiten Chorus herrlich mit der Melodie, fast schon könnte man es Improvisation nennen, was selten genug bei ihm vorkommt.
"Always get that Mood Indigo, since my baby said Good Bye.
In the evenin' when the lights are low, I'm so lonely I could cry
'cause there's nobody who cares about me
I'm just a soul who's bluer than blue can be
when I get that Mood Indigo
I could lay me down and die."
Vielleicht das düsterste aller Lieder auf dem Album, vielleicht hätte es eher auf "Only The Lonely" gepasst. Sei's drum...ein weiterer Höhepunkt unter den Höhepunkten.

Glad To Be Unhappy (Richard Rogers/Lorenz Hart)
Der Widerspruch im Titel gibt im Grunde das ganze Motto des Albums wieder. Der Held ist zwar totunglücklich, ist aber froh, sich immer wieder an seine Liebste zu erinnern und die Erinnerung zu konservieren. Text, Interpretation und die sparsame Instrumentierung sind meisterhaft.

I Get Along Without You Very Well (Hoagy Carmichael)
Der Text gibt phantastisch die ganze Zerrissenheit, ja die Selbstlüge unseres "Helden" wieder, dessen inneres Ringen mit dem (Nicht-)vergessen. Sinatra interpretiert das für mich perfekt.
Hervorstechend ist einmal mehr der Anfang mit dem ungewöhnlichen Streichermotiv, das Sinatra urplötzlich in einer völlig anderen Tonart ablöst. Ebenso hörenswert Sinatras Zwiegespräch mit Felix Slatkins Geigenspiel im zweiten Teil des ersten Chorus'.

Immer wieder Spaß macht es für mich, Stellen neu zu finden, wo der Arrangeur den Text des Stückes instrumental wiedergibt. "except when soft rains fall" ist so eine Stelle, denn ganz leise kann man an der Stelle im Hintergrund die Regentropfen hören (gespielt von Bill Miller auf der Celesta).

Deep In A Dream (Jimmy van Heusen/Eddy De Lange)
"I dim all the lights and I sink in my chair.
The smoke from my cigarrette climbs through the air.
The walls of my room fade away in the blue
and I'm deep in a dream of you."
Besser könnte man die Atmosphäre nicht beschreiben, in der sich dieses Album bewegt, und dieses Stück im besonderen. Das sollte im Prinzip auch die Atmosphäre sein, die man sich selber schaffen müsste, um diesem Album als Hörer gerecht zu werden. Aber wenn nicht ich selber, dann hat es mir spätestens Frau Schmidt ausgeredet, dass ich noch mit dem Quarzen anfange.
Spaß beiseite, Sinatra ist hier wirklich "Deep In A Dream" und wie jeh wird er von den Träumen um seine Verflossene herausgerissen (hervorragend musikalisch eingefangen an der Stelle durch einen plötzlichen Einwurf von Hörnern und Pizzicato-Strings).

I See Your Face Before Me (Arthur Schwartz/Harold Dietz)
"I can't erase your beautiful face before me"
Den Anblick, das Gesicht, das man einfach nicht vor seinem geistigen Auge "wegradieren" kann - schon erstaunlich, wie viele Komponisten und Texter des "All American Songbooks" sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Und jeder umschreibt es anders.

Can't We Be Friends (K. Swift/P. James)
Der bittersüße Abgesang auf die große Liebe, die den "Helden" fallen lässt.
Sinatra ist hier einmal mehr mit dem Sound der Rhythmusgruppe zu hören, den es schon bei der fast zeitgleich im Radio laufenden Reihe "To Be Pefectly Frank" zu hören gab.

When Your Lover Has Gone (E. A. Swan)
Der Song, der sich neben "It Never Entered My Mind" am längsten im Sinatra-Reportoire gehalten hat. Welch glorreiche Stunde war es, als er ihn z.B. in der Carnegie Hall am 25.06.1980 wieder hervorkramte und eine sensationelle Version davon zum Besten gab. Die Version lehnt sich sehr eng an das Original-Arrangement von Riddle an, das Sinatra zunächst bei den Versen viel Raum lässt und ganz sparsam instrumentiert ist.
Der Refrain schwingt sich, ganz in Gegensatz zu den meisten anderen Titeln auf diesem Album, zu einem dramatischen Höhepunkt auf, der von den Streichern akzentuiert wird.

What Is This Thing Called Love (Cole Porter)
21 Takes brauchten Sinatra und Riddle um diesen Klassiker des "All American Songbooks" von Cole Porter im Kasten zu haben. Das klagende Klarinettenmotiv, das als Gegengewicht zur Melodie dient und später von den Streichern gespielt wird, verstärkt die verzweifelte Anklage des Liedes noch:
"That's why I ask the lord up in heaven above:
Just what is this thing called love?"

Last Night When We Were Young (Harold Arlen/E. Y. Harburg)
Ein Jahr zuvor aufgenommen, passt aber sehr gut in den Ablauf des Konzeptes. Sinatra hat dieses Lied gerne in seine Saloon Medleys im TV eingebaut, so z.B. 1973, wobei erster und zweiter Chorus gekonnt getrennt wurden und sowohl am Anfang wie am Ende des Medleys als Rahmen dienten.

I'll Be Around (Alec Wilder)
Nach den mehr orchestralen letzten drei Stücken nun wieder nur die Rhythmusgruppe, die mich mehr an die Dämmerungsstimmung des Albums erinnert.
Der Text von Sinatra-Freund Alec Wilder erzählt von dem "Nicht-Loslassen-Können" des Helden, der stets zur Stelle sein will, wenn "der Neue" der großen Liebe wieder Geschichte sein wird.

Ill Wind (Harold Arlen/Ted Koehler)
Der Wind, der hoffentlich bald verschwinden möge, wird am Anfang durch das dissonante Klarinettenmotiv perfekt charakterisiert.

It Never Entered My Mind (Richard Rogers/Lorenz Hart)
Zusammen mit "The Gal That Got Away" schrieb Riddle (und Don Costa) für "She Shot Me Down" ein Medley aus diesen Stücken, in dem ich "Mind" noch besser finde, weil nur vom Klavier begleitet.

Dancing On The Ceiling (Richard Rogers/Lorenz Hart)
Wieder einmal das Kernmotiv des Albums: Der wach im Bett liegende Held, der nicht schlafen kann, die Augen schließt und von seiner verflossenen Liebsten träumt, die in seinem Traum an der Decke über ihm tanzt. Er fleht sie an, ihn nicht mehr zu quälen und aus seinen Gedanken zu verschwinden und doch genießt er jede Sekunde seines Traums.
Sinatra liefert eine absolut grandiose Interpretation, eine der Höhepunkte des Albums.
"I love my ceiling more
since it is a dancing floor
just for my love."
I'll Never Be The Same (Malneck/Signorelli/Kahn)
"Though there's a lot that a smile may hide
I know down deep inside
I'll never be the same, never be the same again."
Das haben Arrangeur und Sänger perfekt zum Ausdruck gebracht.
This Love Of Mine (Parker/Hank Sanicola/Frank Sinatra)
Zum Schluss der Song, an dem Sinatra beteiligt war (inwiefern eigentlich?). Schon bei Dorsey und zu Columbia Zeiten gesungen, nahm er den Song auch später immer wieder in sein Konzertreportoire auf. Die Melodie ist herrlich, wenngleich ich Dorseys sanfte Posaune schon etwas vermisse. Keine zwei Wochen vorher trafen die beiden anlässlich Dorseys 20jährigem Jubiläum als Bandleader zusammen und gaben das Stück nochmal zum Besten.
Soweit meine Gedanken zu den einzelnen Songs. Insgesamt muss ich sagen, dass ich das hier für das Beste halte, was Frank und Nelson je zustande gebracht haben.
Eine Abstufung zwischen den einzelnen Liedern vorzunehmen erscheint mir mehr als schwierig. Aber ich würde vielleicht den Songs einen minimalen Vorzug geben, die für mich am deutlichsten die Stimmung des Albums symbolisieren, als da wären der Titelsong, „Mood Indigo“, „Deep In A Dream“, Dancing On The Ceiling“ und „I Get Along Without Very Well.“
Diese Aufzählung soll mitnichten suggerieren, ich würde die anderen Titel irgendwie schlechter finden. Das ist nicht der Fall. Für mich ist dieses Albums durchgehend meisterhaft, eben ein Meisterwerk.

Andreas Kroniger:

Trotz des (fast) einhelligen Urteils zum Album "In the wee small hours", möchte ich meine persönliche Betrachtungsweise noch einbringen. Wie angedeutet, habe ich dieses Wochenende Zeit und Lust gefunden das Album zu hören. Dass ich es erst noch einmal hören musste, bevor ich etwas dazu schreibe, zeigt, wie selten das Album im CD-Player landet. Zuerst einmal gibt es für mich keinen einzigen Song auf diesem Album, den ich mir herauspicken würde um ihn gezielt zu hören. Wie schon geschrieben wurde, liegen alle Songs etwa auf gleichen Niveau (und das ist jetzt nicht negativ von mir gemeint) und Sinatra arbeitet fast durchweg mit der gleichen Phrasierung.
Herausheben möchte ich allerdings doch 3 Songs, die mir besonders gut gefallen: "In the wee small hours of the morning", "Last night when we were young" und "This love of mine". Zum Einen hebe ich diese 3 Songs hervor, da sie mich persönlich am meisten ansprechen, zum Anderen, weil diese Songs tatsächlich gesungen werden! Ich finde das Album "In the wee small hours" auch weiterhin sehr anstrengend zu hören. Dies liegt für mich daran, dass Sinatra häufig zwischen hohen und tiefen Tönen hin und her jongliert und die Songs sogar leicht in Sprechgesang ausarten. Die Lücke zwischen Gesprochenem und Gesungenem wir hier sehr gut vermischt. Dies liegt an der ausgezeichneten stimmlichen Verfassung Sinatra´s und an der maßgeschneiderten Musik. An anderer Stelle wurde dies als "Sinatra nutzt seine Stimme wie ein Musikinstrument" bezeichnet.
Zu keiner Zeit möchte ich das Album schlecht machen, Sinatra´s oder Riddles Leistungen schmälern, jedoch auch von mir noch einige Anmerkungen zu einigen Songs:
"In the wee small hours of the morning" - Ein wunderschöner Song, der auch Live nie besser gesungen wurde. Die Reprise-Version steht ein deutliches Stück hinter dieser Version.
Mood indigo - Der Song gefällt mir einfach in der Doris Day Version besser, obwohl mich diese Version dann auch nicht überzeugen kann.
I get along without you very well - Live - in späteren Jahren - gehört dieser Song zu meinen absoluten Favoriten. Insbesondere die Live-Aufnahmen aus den 70ern sind genial.
Last Night When We Were Young - Einer der schönsten Songs auf dem Album. Dennoch ziehe ich hier die Live-Versionen der 70er vor (z.B. Montreal 75).
When Your Lover Has Gone - Bis jetzt kann ich mich noch nicht entscheiden, ob der Song besser ist MIT "It never entered my mind" oder doch nicht. Zumindest gibt es nicht viele Möglichkeiten den Song in seiner Gänze zu hören und darum zähle ich ihn hier zu den Highlights.
What is this thing called love - Leider, leider zu selten live gesungen.
This love of mine - Hier gehen die Punkte ganz klar an die Live-Versionen (z.B. Montreal 1975).
Ist "In the wee small hours" heute noch DAS SINATRA-ALBUM schlechthin? Für mich nicht - wahrscheinlich gibt es aber auch nicht DAS SINATRA-ALBUM. Würde ich für Sinatra typische Musik nennen müssen, dann würde ich Swing nennen. Das ist "In the wee small hours" aber auf keinen Fall! Aus heutiger Sicht bleibe ich dabei, dass es damals bahnbrechend gewesen sein mag, aber für das heutige (ungeschulte) Ohr eher altbackend wirkt.

Marcus Prost:

Das Album wird sicher zurecht als großer Klassiker bezeichnet. Es hat ohne Zweifel die Musikgeschichte des 20ern Jahrhunderts mitgeprägt.
Allerdings gehört es wohl zu den Schicksalen vieler Klassiker trotz aller Bedeutung kaum noch im realen Leben wahrgenommen zu werden. Kaum einer, der abstreiten würde, Goethe sei einer der größten deutschen Dichter gewesen. Wenn man aber fragt, wer wirklich mal "Faust" gelesen hat, wird da schon Schwierigkeiten haben, jemanden zu finden.
Ähnlich geht es wohl "In The Wee Small Hours". Ein großes Album, zweifelos, aber beim täglichen Musikkonsum wird es wohl von den wenigsten regelmäßig aufgelegt.
Für mich gilt dies jedenfalls. Eine Ausnahme ist das Titellied
In The Wee Small Hours Of The Morning ist ein großes Lied, das trotz aller künstlerischen Bedeutung auch persönlich "unter die Haut" geht. Für mich ein regelmäßig gehörter Standart.
Mood Indigo höre ich dagegen offengestanden eher selten. Schön, aber etwas artifiziell.
Glad To Be Unhappy Ebenso
I Get Along With Yout You Very Well
Ich liebe spätere Aufnahmen dieses Liedes. Die Aufnahme auf diesem Album hat aber sicher die Grundlage dafür gebildet, daß spätere Aufnahmen gemacht worden sind, dafür kann man dankbar sein.
Deep In A Dream
Stimmt, das Lied gibt es auch noch;) Es ist bislang noch nie von mir richtig wahrgenommen worden.
I See Your Face Before Me
Schön, einfach schön!;)
Can´t We Be Friends
Ebenso
When Your Lover Has Gone
Nach dem Titellied für mich der zweite Höhepunkt des Albums.
What Is This Think Called love
Der dritte Höhepunkt
Last Night When We Were Young
gefällt mir in späteren Fassungen besser.
I´ll Be Around
Der vierte Höhepunkt
I´ll Wind
Für mich weniger bedeutend.
It Never Entered My Mind
Ein großes Lied, daß allerdings erst in späteren Medleyfassungen zu wahrer Größe aufgestiegen ist.
Dancing On The Ceiling
wurde bislang von mir wenig beachtet.
I´ll Never Be The Same
ebenso
This Love Of Mine
Der fünfte Höhepunkt. Einfach toll.
Soweit zu meiner Wahrnehmung dieses Albums.

Besucher des "Main Event" zum Album:

UMFRAGE (Start: 01.06.2004)

Ein geniales Album mit erstklassigen Songs
Ein überdurchschnittliches Album
Ein durchschnittliches Album
Ein unterdurchschnittliches Album
Nur ein Album für Hardcore-Fans

Jonathan Schwartz [TOWN & COUNTRY JANUARY 2001]

THE ULTIMATE SINATRA
IN THE WEE SMALL HOURS
From the depths of February 1955
emerged the greatest album of any kind
of music I've ever heard. The first of the
"concept albums," that is, a work of twelve
or more thematically related songs, "In the
Wee Small Hours"[Capitol] is the only Sinatra
album of any kind with sixteen songs[among
them "Last Night When We Were Young" and
"I See Your Face Before Me"], all of them high
standards, understated by both the singer and
his arranger, Nelson Riddle. No bombast, no self-
pity, no hundred violins. The whole work is touched
by the economy of its presentation, with a deeply
felt melancholy. Forty-six years later, I still pack it
for any trip, carry it to any occasion, with the hope
of getting it up on the machine to let the truth be heard.

 

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