Unser Top-Tipp
Das schönste Cover
Der Main Event wählt ab 07/2006 das schönste Album Cover. Hier geht es zur Abstimmung.
Point of No Return
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1. When the World Was Young
2. I'll Remember April
3. September Song
4. A Million Dreams Ago
5. I'll See You Again
6. There Will Never Be Another You
7. Somewhere Along the Way
8. It's a Blue World
9. These Foolish Things Remind Me of You
10. As Time Goes By
11. I'll Be Seing You
12. Memories of You
CD Bonus Tracks:
13. Day In-Day Out
14. Don't Make a Beggar of Me
15. Lean Baby
16. I'm Walking Behind You
Stimmen zum Album:
Tim Bialek:
Nicht nur die wunderschönen Songs, die ich ausnahmslos toll finde, sowie die phantastische Orchestration von Axel Stordahl und Heinie Beau, sondern auch die Entstehungsgeschichte des Albums mit den damit verbundenen "Legenden", machen die Produktion zu einer der interessantesten von The Voice.
Wie ihr sicher wisst, ist "Point Of No Return" vom September 1961 das letzte Capitol-Album Sinatras. Der Name steht geradezu sinnbildlich für den Wechsel von Capitol zu Sinatras eigenem Label Reprise, für das er bereits im Laufe des Jahres zwei Produktionen veröffentlicht hatte ("Ring-A-Ding-Ding"; "Sinatra Swings").
Bereits im Laufe des Jahres 1959 hat Sinatra konkrete Pläne in Angriff genommen, bald sein eigener Herr zu sein. Hierzu war es für ihn notwendig, aus dem eigentlich bis zum Jahr 1965 laufenden Vertrag mit Capitol auszusteigen. Es erbrannte anscheinend ein furchtbares Hickhack zwischen den beteiligten Anwälten, denn Capitol wollte seinen Star natürlich so schnell nicht ziehen lassen. Schließlich einigte man sich darauf, dass FS noch fünf Alben für das Label produzieren sollte, in dieser Zeit aber schon unter eigenem Stern weitere Alben veröffentlichen durfte.
Zur Legendenbildung rund um "Point Of No Return" trägt wieder einmal Will Friedwald bei, der in seinem Buch davon spricht, Sinatra habe die Produktion des letzten Albums immer wieder vor sich hergeschoben, weil er nicht mehr gut auf Capitol zu sprechen gewesen sei. Es soll ihm auch völlig egal gewesen sein, welcher Arrangeur dafür ausgewählt wird. Es soll ihm überhaupt so ziemlich alles egal gewesen sein...
Es ist kaum anzunehmen, dass es Sinatra gar nicht berührte, als man sich für Axel Stordahl entschied; seinen alten Weggefährten aus Columbia-Tagen, mit dem er noch die allererste Session für Capitol bestritten hatte (02.04.1953) und dabei drei Songs sang, die sich zusammen mit "Lean Baby" - ebenfalls an diesem Tag entstanden - als Bonustracks auf der CD befinden. Ein höchst unglücklicher Griff der Macher, passen doch "I'm Walking Behind You"; "Day In, Day Out" und "Don't Make A Beggar Of Me" in ihrer Stimmung gar nicht zu den 12 Songs von "Point Of No Return."
Als eine bloße Pflichterfüllung, so wie es uns Friedwald glauben machen will, kann man das Album schon deshalb nicht ansehen, weil Sinatra zu diesem Zeitpunkt gewusst haben muss, dass diese zwei Tage im September 1961 für seinen Freund Stordahl etwas ganz besonderes sein müssen, denn der gebürtige Schwede war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer an Krebs erkrankt, der ihn keine zwei Jahre später besiegt haben würde.
Friedwald widerspricht sich in diesem Abschnitt des Buches praktisch selber, in dem er zwar immer wieder mit dem Bassposaunisten Milt Bernhart einen Kronzeugen dafür präsentiert, dass es "Frank egal war", aber trotzdem selbst von einem "wunderschönen Album" spricht. Bernhart ist es auch, der angibt, Sinatra habe praktisch jeden Song in ein oder zwei Takes auf das Band gebracht, was geradezu ungeheuerlich wäre, wenn ihr euch mal die Ergebnisse zu Gemüte führt. Auf der anderen Seite sind es tatsächlich nur zwei Tage (11. und 12.09.), die er für 12 Songs braucht; ein absoluter Rekord !
...
Eine weitere Legende ringt sich um das Ende von "These Foolish Things Remind Me Of You." Wenn ihr mal auf das letzte "you" am Ende des Songs hört, werdet ihr unschwer den Schnitt hören, der unmittelbar davor von den Technikern gemacht wurde. So etwas Grobschlächtiges findet sich in kaum einer anderen Aufnahme von "The Voice". Weil er den letzten Ton wohl nicht traf, aber es ihm - laut Milt Bernhart - eben "egal" war, nahm man entweder das "you" aus einem vorigen take oder - noch abenteuerlicher von Bernhart vorgetragen - sogar einen anderen Sänger ! Macht euch selbst ein Urteil...
Ist das alles nun wieder ein Beleg dafür, dass es Sinatra bei "Point Of No Return" nun doch nicht so drauf ankam?
Wer den großorchestralen Sound liebt und dabei die Gegensätze zwischen zartem piano und sattem fortissimo, zwischen zarten Holzbläser-, sowie wuchtigen Streicher- und Blechbläserabschnitten zu schätzen weiß, der wird dieses Album ganz sicher mögen. Ich finde, Nelson Riddle hätte das nie im Leben besser hingekriegt und ein Gordon Jenkins, der nur mit Streichern, aber weniger mit Holz- und Blechbläsern umzugehen wusste, schon gar nicht. Stordahl liefert hier, kurz vor Ende seines viel zu kurzen Lebens (er wurde 50), sein Meisterstück in Arrangierkunst ab. Gerade in seiner Arbeit mit den Holz- und Blechbläsern - da hat Friedwald völlig recht - hat er sich gegenüber Columbia-Zeiten enorm verbessert.
Es gibt für mich keine Schwachpunkte auf diesem Album. Vielleicht noch ein bisschen besser als phantastisch finde ich "When The World Was Young", "There Will Never Be Another You" und den Casablanca-Klassiker "As Time Goes By". Bei letzterem finde ich so toll, dass das Stück zunächst nur mit Bill Miller und Sinatra beginnt, das Orchester langsam einsetzt, sich zu großen Höhen aufschwingt, um den Sänger mit seinem Pianisten am Ende wieder allein zu lassen.
Zum Schluss möchte ich euch noch auf das wunderschöne Tenorsaxophon-Solo von Ted Nash bei "A Million Dreams Ago" aufmaerksam machen.
Das schöne an diesem Album ist, dass man immer wieder neue tolle Sachen an der Instrumentierung entdecken kann. Achtet mal bei "I'll Be Seeing You" bei der Textstelle "the children's carousel" auf das Orchester...
So, jetzt heißt es eigentlich nur noch: Eine Flache Rotwein schnappen, ein bisschen guten Käse dazu, die richtige CD einlegen, die Füße hochlegen und nach Titel 12 auf "Stopp" drücken...
Bernhard Vogel:
Milt Bernhart ist natürlich als Musiker eine absolute Legende, und auch heute in seinem hohen Alter ist er immer noch aktiv als Funktionär/Lobbyist, u.a. als derzeitiger Präsident der renommierten "Big Band Academy of America". All seine Sessions mit Sinatra aufzuzählen, würde den Rahmen eines Postings sprengen - aber natürlich stammt von ihm das berühmteste aller Soli auf Sinatra-Aufnahmen, nämlich seine Posauneneinlage auf der Capitol-Aufnahme von "I've Got You Under My Skin", die Musikgeschichte geschrieben hat.
Natürlich wollen alle Interviewer immer von ihm wissen, wie es denn damals war mit Sinatra, Fitzgerald etc etc etc, und wie war das bei der und der Aufnahme usw usw. Das Problem mit solcher 'oral history' ist einfach, die Beteiligten erinnern sich einfach nach 30, 40 Jahren nicht mehr so genau daran. Erst recht nicht was Takes etc. angeht. Das ginge uns sicher nicht anders. Ich denke, daß das einer der Gründe ist, warum neben solchen Interviews auch der "langweilige Papierkram", sprich das Durchforsten von Session Sheets etc., wichtig bleibt, um die Geschichte bestimmter Alben oder Aufnahmen zu rekonstruieren. Niemand kann und wird es Milt Bernhart, der an die 3000 Aufnahmen gemacht hat, übelnehmen, wenn er sich an Details nicht mehr erinnern kann. Genauso wenig kann man es ihm vielleicht verdenken, wenn er einiges in der Retrospektive etwas glorifiziert - z.B. befragt über die legendäre Aufnahme von "Skin" für Capitol im Januar 1956 meinte er, das sei "take 2 oder höchstens 3" gewesen. Dabei hat Sinatra für kaum eine andere Studio-Aufnahme so hart und vor allem lange gearbeitet wie für diese, was wir alle kennen, ist Take 22! Sinatras Schnitt aus allen Studioaufnahmen, von denen die Master-Take-Nummern bekannt sind, liegt bei 3,8 - insofern ist sowohl die Mär vom "Take 1 Man" Legende als auch die Zahl 22 äußerst bemerkenswert.
Das vielleicht beste Buch über Sinatra, obwohl es nur einen kleinen Ausschnitt behandelt, stammt von Robin Douglas-Home. Es trägt den schlichten Titel "Sinatra" und erschien 1962 als kleines Paperback-Taschenbuch in England. Douglas-Home war der Sohn des langjährigen britischen Kabinettsmitglieds, Außenministers und (später 1963-64) Premierministers Alexander Douglas-Home. 1961 erhielt er auf eine Interview-Anfrage hin die schlichte Einladung von Sinatra, er solle einfach zu den nächsten Aufnahmesessions herübergeflogen kommen. So war Douglas-Home bei den Sessions für "Point Of No Return" dabei, und nur darauf baut im wesentlichen sein Buch auf. Eine faszinierende Lektüre, und wie ich finde wie gesagt bis heute das vielleicht beste Buch über das "Phänomen" Sinatra. Leider lange vergriffen - wers irgendwo 2nd hand sieht, sofort zu (fast) jedem Preis kaufen!!!!
"Point of No Return" ist wahrhaftig alles andere als ein "throw-away", Tim hat die Gründe bezüglich Axel Stordahl schon bestens geschildert. Natürlich würde Sinatra seinem alten Weggefährten niemals ein musikalisches Schulterzucken mit auf den Weg gegeben haben, einen Weg, der schon damals für Stordahl klar war, die Ärzte hatten ihn bereits im August 1961 aufgegeben. Daß er noch bis 1963 lebte, war eher ein medizinisches Wunder.
Genauso richtig allerdings ist, daß Sinatra die "Sache" mit Capitol so schnell wie möglich über die Bühne bringen wollte. Der leidige Streit hatte ja schon dazu geführt, daß Sinatra zwischen April 1959 und März 1960 fast ein Jahr lang KEINE EINZIGE AUFNAHME für Capitol machte - da wird einem heute schwarz vor Augen, was hätte Sinatra, der damals unangefochten "on top of his vocal game" war, alles in 11 Monaten machen können!!! Man zähle zum Vergleich mal all die Alben, die Sinatra von 1960 bis 1962 aufnahm... eine ganze kleine Bibliothek!
Als die Sache aber geregelt war, in Form eines Vertrages, der Sinatra nach drei weiteren Alben und einer weiteren Single den Ausstieg garantierte (daraus wurden: Sinatra's Swinging Session, aufgenommen im August 1960, Come Swing With Me, aufgenommen im Frühjhar 1961, und eben Point Of No Return, plus "I Got The Right To Sing The Blues" als Single, Sinatras allerletzte Capitol-Aufnahme im März 1962), war Sinatra sofort wieder 100% bei der Sache - und "Point Of No Return" wurde zu einem seiner allerschönsten Alben überhaupt.
Es wurde tatsächlich an nur zwei Abenden im September 1961 eingespielt (für ein Album ein Rekord für Sinatra, den Rekord für eine einzige Session hält aber der 1.7.1993 mit neun Songs für "Duets", gefolgt von acht Songs am 29.5.1958 bei der ersten Session für "Only The Lonely"), aber Sinatra sang hier keineswegs im "okay ich singe es und dann auf wiedersehen"-Verfahren. Ganz im Gegenteil! Da muß ich ganz Tims Höreindrücken beipflichten, wer dieses Album auch nur ein einziges Mal bewußt angehört hat, na, man HÖRT einfach, daß Sinatra hier nichts verschenkt. Al Viola erinnert sich daran, daß Axel Stordahls Frau im Studio und den Tränen nah war, weil sie wußte, es würden Axels letzte Sessions sein. Sinatra nahm sie beiseite und sagte: "I'll do it for him, now stop crying". Ich denke, das ist genau, was er auch getan hat.
..."When The World Was Young" gerät hier zum absoluten Meisterwerk. Ein französisches Chanson, ursprünglich mit dem Titel "Les Pommiers Doux", dann bald "Les Chevaliers de Paris". Johnny Mercer schrieb den englischen Text, und Peggy Lee hatte damit 1950 einen großen Erfolg. Doch Sinatras Version geriet so grandios, daß innerhalb kürzester Zeit zahllose Coverversionen entstanden, eine der besten davon war die deutsche von Marlene Dietrich ("Und die Welt war jung"), ja sogar wurde der Titel ins Französische rückübersetzt, um Sinatras Version Rechnung zu tragen. 1963 nahm die große Edith Piaf kurz vor ihrem Tod ihr letztes Lied auf, "L'homme de Berlin". Auch "Chevalier de Paris" wurde ihr angetragen. Sie lehnte ab: Der Song gehöre jetzt Sinatra.
Sinatra hat "When The World was Young" nach der Session nie mehr gesungen. Ich denke aber, der Song "gehört" ihm immer noch.
Sinatra hat nach den Sessions für "Point Of No Return" auch niemals mehr ein Stordahl-Arrangement gesungen, weder im Studio noch im Konzert.
Axel Stordahl starb am 30.8.1963. Sinatra trat an dem Abend mit Sammy und Dino in Las Vegas auf. Interviews lehnte er ab.
Point Of No Return.
Andreas Kroniger:
Ich lege „Point of no return“ sehr häufig ein. Zum einen, weil mir die Songzusammenstellung ausgesprochen gut gefällt, zum anderen, weil Sinatra bei diesem Album zum ersten Mal in dieser absoluten Souveränität singt, die er bei seinem eigenen Laben (Reprise) zwar häufiger, jedoch nie wieder in dieser Qualität ein ganzes Album lang tun wird. „Point of no return“ ist eigentlich kein Capitol-Album mehr. Stimmlich ist Sinatra längst in den 60er Jahren und wird in dieser Form noch einige tolle Songs aufnehmen. Es ist kaum noch etwas vom Capitol-Sinatra der 50er Jahre zu spüren und so rutscht mir die CD auch sehr häufig in die Reprise-Reihe.
Eigentlich sollte man denken, dass Sinatra lustlos bei seinem letzten Album für Capitol singen würde, aber genau das Gegenteil ist der Fall oder es ist das Geniale an diesem Album. Die Betonungen der Silben, das Spielen mit dem Rhythmus, gelang nie besser. Eigentlich wollte Sinatra das Album nicht mehr aufnehmen. „Sollen sie mich doch verklagen“, soll er gesagt haben. So soll er lediglich ins Studio gekommen sein, seinen Part gesungen haben und wieder gegangen sein.
Erwähnenswert ist sicherlich noch (wie Tim bereits schrieb), dass der langjährige Weggefährte Sinatras, Axel Stordahl, bei den Aufnahmen zu „Point of no return“ bereits an Krebs erkrankt war und knapp 2 Jahre später daran starb. Sicherlich bedeutete das Album für Stordahl mehr als für Sinatra, dennoch denke ich, dass auch Sinatra sich der Bedeutung – Abschied von Capitol und Abschied von der Zusammenarbeit mit Stordahl -bewusst war. Wie heißt es doch in „A million dreams away“? „Goodbye, good luck old friend, I'll smile and just pretend, There was no end, a million dreams ago”. Sicherlich doch ein lachenden und ein weinendes Auge....
Man achte die Aufnahmeleistung (ebenfalls von Tim ja bereits erwähnt):
11.09.1961 (6 Songs an einem Tag):
I´ll be seeing you
I´ll see you again
September Song
Memories of you
There will never be another you
When the world was young
12.09.1961 (Ebenfalls 6 Songs an einem Tag):
Somewhere along the way
A million Dreams ago
There foolish things
As time goes by
It´s a blue world
I´ll remember April
Absoluter Favorit auf diesem Album ist für mich „I´ll remember April“ ein Song, den ich den ganzen Tag rauf und runter hören könnte. Nie kam der Hall besser zur Geltung als bei diesem Song. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier mit einer anderen Aufnahmetechnik gearbeitet wurde (siehe den Beitrag in der „Hollywood Box“ von Chuck Granata über die verschiedenen Aufnahmetechniken). Ansonsten sind alle Songs mit Ausnahme von „I´ll be seeing you“ erstklassig. Bei „I´ll be seeing you“ hat man den Eindruck, es handelt sich um Mastertape 1 und Sinatra hält sich stimmlich stark zurück. Möglicherweise hätte man Sinatras Stimme auch nur in den Vordergrund mischen müssen....
So, hat Spaß gemacht das Album wieder gehört zu haben.


