Das schönste Cover
Der Main Event wählt ab 07/2006 das schönste Album Cover. Hier geht es zur Abstimmung.
Ol' Blue Eyes Is Back
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1. You Will Be My Music
2. You're So Right (For What's Wrong In My Life)
3. Winners (Theme From Maurie)
4. Nobody Wins
5. Send In The Clowns (from "A Little Night Music")
6. Dream Away
7. Let Me Try Again
8. There Used To Be A Ballpark
9. Noah
Review:
OL’ BLUE EYES IS BACK
Reprise, 1973
Nach zweijähriger Abstinenz von den Bühnen und Plattenregalen der Welt wagte Frank Sinatra im Herbst 1973 sein Comeback. Das zweite seiner Karriere, nachdem er sich bereits in den frühen Fünfzigern nach zahlreichen Niederlagen neu erfand und noch größere Erfolge als je zuvor feierte. Totgesagte leben länger. Und so schickte er sich mit dem „Rücktritt vom Rücktritt“ an, sich abermals neu zu erfinden und wieder dorthin zurückzukehren, wo er eigentlich hingehörte: an die Spitze der Welt.
An vier Abenden im Juni und einer Aufnahmesession im August 1973 entstand das Comeback-Album mit dem Titel „Ol’ Blue Eyes Is Back“. Ein Album, auf das viele Fans in aller Welt lange gehofft und gewartet hatten und dass sich etliche wohl doch „anders“ vorgestellt haben. Während des Retirements durchlief Sinatras Stimme eine merkliche Wandlung, sie klang nun weitaus tiefer und älter als noch vor zwei, drei Jahren.
Das Album schlägt wesentlich ruhigere Töne an, als wir sie von Sinatra bisher gewohnt waren. Vor allem durch die streicherlastigen Arrangements Gordon Jenkins entsteht ein vollkommen neuer Sinatra-Sound. Kein Swing, aber auch keine richtigen Balladen, so wie er sie vor fast zwei Jahrzehnten für Capitol aufgenommen hat. Eine Mischung aus Melancholie und Ungewissheit, aus Aufbruchsstimmung und Zweifel, Nachdenklichkeit und Wehmut.
Sinatra war im Umbruch, auf der Suche nach neuer Form. Er versuchte sich in einer neuen, musikalisch revolutionierten Welt zu positionieren. Kein einziger Standard befindet sich unter den 9 Songs, allesamt sind sie Werke der neuen Songwriter-Generation. Komplettes Neuland für Sinatra. Gleich vier Songs stammen aus der Feder von Joe Raposo, von dem er auch schon drei Jahre zuvor „Bein’ Green“ aufnahm.
Mit „You Will Be My Music“ bietet Sinatra einen würdigen Titelsong, der zugleich mit einer Textzeile aufwartet, die passender auf die Situation Sinatras nicht hätte sein können: „When I hear lonely singers / who are just as lost as me / making noise, not melody“. In einer Welt voll Lärm ist er auf der Suche nach Musik.
Ein weiteres Highlight der Platte ist sicherlich „There Used To Be A Ball Park“, geprägt von dieser omnipresenten Unsicherheit. Gordon Jenkins’ Arrangement ist bei diesem Song besonders lautmalerisch, das Bild des alten Stadions zusammen mit dem nachdenklichen Sinatra erscheint vor den Augen des Hörers.
Von Don Costa wurden „Winners“, „Dream Away“ und das äußerst theatralische „Let Me Try Again“ arrangiert. „Dream Away“ hingegen ist, ebenso wie „You’re So Right“ und „Nobody Wins“ ein liebliches Lied, voll von Weisheiten aus dem Munde des Philosophen Sinatra. Einzig „Send In The Clowns“ überzeugt in der 1976 nur mit Piano-Begleitung aufgenommenen Fassung eher als in der streicherlastigen Bearbeitung Jenkins’.
Einen missglückten Abschluss bildet hingegen das bombastische „Noah“, das durchweg zu überladen und kitschig klingt und dem Sinatra allerhöchstens in den langsameren, ruhigeren Passagen Tiefe verleihen kann. Alles in allem ein Album für ruhige (Herbst-)Tage und träumerische Stunden.
© Marc Rothballer, Dezember 2006, für Sinatra – The Main Event


