Musik
Allgemein
Das schönste Cover
Der Main Event wählt ab 07/2006 das schönste Album Cover. Hier geht es zur Abstimmung.
Some Nice Things I've Missed
![]() |
|||
1.You Turned My World Around
2.Sweet Caroline
3.The Summer Knows
4.I'm Gonna Make It All The Way
5.Tie A Yellow Ribbon Round The Ole Oak...
6.Satisfy Me One More Time
7.If
8.You Are The Sunshine Of My Life
9.What Are You Doing The Rest Of Your Life
10.Bad,Bad Leroy Brown
Some nice things I´ve missed
Zu den sicherlich am meisten verkannten Sinatra-Alben gehört “Some nice things I´ve missed“. Bei der Veröffentlichung im Jahre 1974 wurde Sinatra von den Kritikern vorgeworfen die Hits der letzten Jahre gecovert zu haben. Dem Grunde nach ist diese Aussage auch nicht ganz falsch, dennoch befinden sich auf diesem Album eine ganze Reihe von erstklassigen Songs, die Sinatra bis in die späten 80er Jahre in seinen Konzerten sang und nicht alle Songs sind tatsächlich Cover-Songs.
Die Songs „The Summer knows“ und „If“ wurden von Gordon Jenkins arrangiert, die restlichen acht Songs von Don Costa. Irv Cottler: „Wenn ich als Sänger eine Ballade singen wollte, würde ich sie von Don Costa arrangieren lassen.“ Wer einen Vergleich ziehen möchte zwischen einem Don-Costa-Arrangement und einem NICHT-Don-Costa-Arrangement, sollte einmal beide Versionen von „Lady Day“ (auf Watertown und Sinatra & Company) hintereinander hören.
Streichen wir einmal die Songs „Sweet Caroline“, einem Neil Diamond Hit aus dem Jahre 1969, „Tie a yellow ribbon“, einen Song, den Sinatra eher lieblos runtersingt und aus dem z.B. Dean Martin mehr rausholte. Verzichten wir auf eine Kritik von „Bad, Bad Leroy Brown“, dann bleiben einige echte Highlights über.
"If“ ist eine wunderbare Ballade, die mit einem phantastischen Arrangement von Gordon Jenkins zu den besten Sinatra-Balladen gehört. Irv Cottler: „Wenn ich als Sänger eine Ballade singen wollte, würde ich sie von Don Costa arrangieren lassen.“ Wer einen Vergleich ziehen möchte zwischen einem Don-Costa-Arrangement und einem NICHT-Don-Costa-Arrangement, sollte einmal beide Versionen von „Lady Day“ (auf Watertown und Sinatra & Company) hintereinander hören.
„I´m gonna make it all the way“ gehört zu meinen persönlichen Lieblingsliedern. Insbesondere den ironischen Teil bringt Sinatra überzeugend und mit Freude rüber. Übrigens handelt es sich bei „I´m gonna make it all the way“ nicht um einen Coversong und meines Wissens nach wurde dieser Song bis heute von keinem anderen Künstler neu aufgenommen.
„You are the sunshine of my life“ ist der bekannte Welthit von Stevie Wonder, den Don Costa und Frank Sinatra „leicht“ angeswingt haben. „You are the sunshine of my life“ sang Sinatra noch auf seiner Diamond Jubilee Tour, z.B. 1991 in Frankfurt am Main.
„You turned my world around“ stammt aus der Feder des deutschen Bert Kämpfert, der schon den Hit „Strangers in the night“ komponierte. „You turned my world around, eine popige Ballade und „What are you doing the rest of your life“, eine schwere und doch angenehme Ballade, runden den Genuss an diesem Album ab.
„I wanna see your face in every kind of light....“- wer auf leichte und positive Musik von Sinatra steht, dem bietet dieses Album eine breite Pallette von sehr guter Unterhaltung.
© Frank Sinatra - The Main Event
written by Andreas Kroniger
Stimmen zum Album:
Bernhard Vogel:
Das Album besteht aus acht dafür neu eingespielten Songs sowie einer etwas älteren Single. Zwei der Songs aus dem Album hatte Sinatra schon Ende 1973 aufgenommen und als Single herausgebracht, nämlich “Bad Bad Leroy Brown”/”I’m Gonna Make It All The Way”. (Der Erfolg der Single war bescheiden; sie blieb sieben Wochen in den Charts und erreichte nur Platz 83.)
Im Mai fand sich Sinatra dann im Plattenstudio ein, um in fünf Sessions insgesamt zehn Stücke für das geplante Album aufzunehmen (von denen dann zwei nicht auf die LP kamen), deren Arrangements größtenteils Don Costa besorgte. Die Ergebnisse waren so unterschiedlich wie die Songs, die Sinatra für “Some Nice Things I’ve Missed” ausgesucht hatte, und dem fertigen Album, das im Juli herauskam und während seiner elf Wochen in den Charts bis auf Rang 48 kletterte, mangelt es dementsprechend an einem tiefergehenden Konzept, was die Songfolge betrifft, oder auch nur einem “einheitlichen” Sound, wie er etwa auf “Ol’Blue Eyes Is Back” im Jahr zuvor noch zu finden war, ein Album, das diesem hier in vielen Belangen überlegen ist.
BAD BAD LEROY BROWN
Einer von Sinatras bekanntesten Cover-Songs: “Bad Bad Leroy Brown”, geschrieben von Jim Croce, wird von Sinatra sozusagen als “männliches” Song-Pendant zu “The Lady Is A Tramp” gedacht und hat Stärken vor allem in seiner im “Bad Guy”-Nachtklubmilieu angesiedelten Story, deren Interpretation durch Frank sozusagen automatisch zu autobiographischer Anteilnahme führen mußte: Auf seiner ersten “up-tempo”-Aufnahme nach dem Comeback swingt Sinatra aggressiv, und wenngleich der begleitende Vokalchor die Kommerzialität der Aufnahme unvorteilhaft in den Vordergrund rückt, so machen doch Franks Solo-Zeilen diebischen Spaß (“Leroy’s shootin’ dice/and at the edge of the bar/sat a lady named Doris/and hmmrrmmrmmh, she sure looked nice”). Sein imitiertes Hundegebell am Schluß paßt aber zur insgesamt nur durchschnittlichen Qualität des Songs, den anzuhören vor allem dank des guten mit zahlreichen Capitol-Veteranen (z.B. Harry ‘Sweets’ Edison) bestückten Orchesters Freude macht.
Sinatra sang das Stück in den kommenden drei Jahren in fast jedem Konzert, 1977 aber flog es aus dem Programm und wurde nur noch ein einziges Mal, bei einem Auftritt im April 1991 für eine verkürzte Version hervorgeholt.
I’M GONNA MAKE IT ALL THE WAY
“I’m Gonna Make It All The Way”, die ‘Rückseite’ der Single, stammt von Floyd Huddleston, bekannt durch seine Soundtracks zu zahlreichen Disney-Zeichentrickfilmen. Das gitarrendominierte (Al Viola und James Burton), relativ eintönige Arrangement, dessen hohes Tempo Sinatra zu Konzessionen in puncto interpretativem Tiefgang beim Text zwingt, mag dazu beigetragen haben, daß dieses Stück zumeist entweder gar nicht oder (wie in Friedwalds Buch) nur mit einem kurzen abqualifizierenden Satz erwähnt wird; doch wer genau hinhört, wird leicht den Charme des “ungewohnten” Sinatra entdecken und darüber hinaus feststellen, daß Text und Arrangement recht pointiert das Gefühl wiedergeben, wie es ist, wenn man den Verlust einer großen Liebe (ein klassisches Sinatra-Thema) überwunden hat und selbstbewußt, sozusagen als positive Fortsetzung der am Ende mancher Saloon-Songs vokalisierten verzweifelten Aussichtslosigkeit, auftrumpfen kann (“then I met my new friend/she’s just a passing-through friend/but treats me feel her love is here to stayyy/and it’s working out real well know/you can go to hell now...). Ich gestehe, mir dieses Lied öfter anzuhören als “Leroy Brown”! In seinen Konzerten hat Sinatra es nie gesungen.
YOU ARE THE SUNSHINE OF MY LIFE
Ganze zweieinhalb Sessions lang experimentierte Sinatra im Mai 1974 mit Stevie Wonders “You Are The Sunshine Of My Life”, und wenngleich nach mehreren Overdubs eine ganz nette Swing-Nummer dabei herausgekommen ist, so kann man schon darüber streiten, ob das Stück diesen bislang für Sinatra untypischen Aufwand wert gewesen ist (im kommenden Jahr 1975 würde er sogar nochmals eine Neuaufnahme versuchen!). Frank hingegen scheint den Song sehr gemocht zu haben und behielt ihn über Jahre hinweg, mit Unterbrechungen bis 1988, im Konzertprogramm.
YOU TURNED MY WORLD AROUND
“You Turned My World Around”, einer der ganz wenigen Sinatra-Songs deutscher Herkunft in Sinatras Repertoire (komponiert von Bert Kaempfert und Herbert Rehbein), der das fertige Album eröffnet und auch als Single-Auskoppelung auf den Markt kam, gibt eine Linie vor, der vielleicht das ganze Album hätte folgen sollen; Don Costa beweist sein gutes Händchen bei der Aufbereitung moderneren Materials für Sinatra, und The Voice liefert dazu eine überzeugende Aufnahme ab.
Ein schönes Lied, dessen englische Fassung Sinatra als erster sang.
SWEET CAROLINE / TIE A YELLOW RIBBON...
Zwei weitere Cover-Songs sind Neil Diamonds “Sweet Caroline” und der damalige Kassenschlager der längst vergessenen Popgruppe Dawn, “Tie A Yellow Ribbon Round The Old Oak Tree”. Auf Sinatras teilnahmslos dahingeworfene Versionen, die man wohl zu den allerschwächsten Aufnahmen seiner Karriere zählen muß, kann man allerdings getrost verzichten – da stimme ich ganz Andreas K’s Wertung zu. In Sinatras Konzertrepertoire spielten sie erfreulicherweise auch keine Rolle.
IF / THE SUMMER KNOWS
Zu den Highlights des Albums zählt sicher Sinatras wunderschöne Version von “If”, geschrieben von David Gates und arrangiert von Gordon Jenkins, mit dem Sinatra noch zwei weitere Stücke einspielte, nämlich ein bislang unveröffentlicht gebliebenes Remake von “Empty Tables” und “The Summer Knows”, das von Michel Legrand komponierte Titelthema des Films “The Summer of 42” (1971), zu dem Alan und Marilyn Bergman einen einfühlsamen Text beisteuerten. In “If” strahlt Sinatras poetische Phrasierungskunst in gewohnter Helligkeit, während ihm in “Summer Knows” eine genau den Ton zwischen ‘Saloon Song’ und nachdenklicher Heiterkeit treffende Interpretation gelungen ist. Allerdings lassen die fertigen, im Falle von "Summer Knows" aus Part-Takes zusammengesetzten Aufnahmen dieser beiden Stücke kaum noch erahnen, wie sehr Sinatra bei seiner Session mit Jenkins (7.5.74) gegen seine stimmlichen Schwächen anzukämpfen hatte; ein Beobachter der Szenen aus den Reihen der Studiomusiker dieses Abends meinte später, niemals sonst habe er Sinatra in solch verzweifelter Verfassung gesehen.
Während es im Falle von “Summer Knows” bei der Studioversion blieb, sang Sinatra “If” bis 1976 regelmäßig und dann nochmals 1987/88 auch in seinen Konzerten.
WHAT ARE YOU DOING THE REST OF YOUR LIFE?
Im Falle der eben erwähnten Balladen hat sich die Mühe aber mehr als gelohnt, und das gilt auch und besonders für “What Are You Doing The Rest Of Your Life?”, ein wiederum von Legrand und den Bergmans komponiertes, Oscar-nominiertes Stück aus dem Film “The Happy Ending” (1969). Es ist Sinatras beste Aufnahme auf dem Album, und eine der besten seiner “Harvest Years” – der Kontrast etwa zu “Sweet Caroline” könnte nicht größer sein. Mit jeder Zeile, bis in einzelne Silben hinein (es lohnt sich, einmal auf seine unglaublich subtile Phrasierung des Reimes “...the candles on a cakkkke/...the silent wish you makkkke” zu achten) unterstreicht Sinatra hier meisterhaft, daß seine künstlerische Substanz unter dem ‘Retirement’ nicht gelitten hatte; dazu trägt auch bei, daß die Lyrics ihren eigenen, von Klischees erfreulich freien romantischen Charme entfalten.
Ein toller Song – mein Lieblingsstück auf dem ganzen Album, und eines der schönsten Sinatra-Lieder überhaupt “as far as I’m concerned”. Leider hat Sinatra das Lied nur einige wenige Male 1974 im Konzert gesungen und dann noch ein weiteres Mal 1983.
SATISFY ME ON MORE TIME
So als ob Sinatra es darauf angelegt hätte, gezielt möglichst wenig zueinander passende Songs für das Album auszusuchen, wirkt schließlich die Einbeziehung der Nummer(!) “Satisfy Me One More Time” aus der Feder des bereits erwähnten Floyd Huddleston, deren garantiert nicht jugendfreier Text (“if you don’t want me climbin’up the wall/don’t fool around my fertile ground at all”) dem Stück seitens böser Zungen auch den Namen “The Blowjob Song” eingetragen hat. Ein echter “throw-away” natürlich, den man als solchen aber gut anhören kann, denn Sinatra hatte hörbar Spaß an der Aufnahme dieses speziell für ihn getexteten Liedchens, und das jazzige, vom Vibraphon (Emil Richards) getragene Arrangement swingt immerhin um Längen besser und ansteckender als etwa “Yellow Ribbon”. Das Stück bildete auch die Rückseite der zweiten aus dem Album ausgekoppelten Single. Weil Sinatra mit dem Remake von “Empty Tables” wie erwähnt unzufrieden war und nach einem Take auch den Versuch aufgab, Gordon Lightfoots schöne Ballade “If You Could Read My Mind” aufzunehmen, nahm man stattdessen die beiden bereits als Single veröffentlichten “Bad Bad Leroy Brown” und “I’m Gonna Make It All The Way” mit auf das Album.
Mein Fazit – eine echte „Mischung“ im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Konzeptalbum, eher ein „Pick-Up“ aneinandergereihter Einzelsongs, von denen manche ziemlich grottig, einige jedoch sehr sehr gut und mindestens einer sogar „SPITZE“ ist. Andreas'Fazit "leichte, angenehme Unterhaltung" -mitunter ist es auch eher seicht als leicht und in zwei Fällen sogar ärgerlich flach- würd ich insgesamt zustimmen, auch wenn Sinatra nur in "What Are You Doing..." und in den beiden Stücken mit Gordon Jenkins sein wahres Können aufscheinen läßt, und die Chance ungenutzt blieb, dem recht gelungenen Konzept von "Ol'Blue Eyes Is Back" ein weiteres Konzeptalbum folgen zu lassen.
Trotzdem, so oder so ähnlich hätte es weitergehen können (vielleicht mit etwas weniger "Nachgesungenem", das Album leidet auch unter den vielen Cover-Version und mangelnder Originalität, auch wenn, wie Andreas richtig schreibt, nicht alle Songs gecovert sind, so sind es wie gesehen doch die meisten)– ist es aber bekanntlich leider nicht. Es war Sinatras letztes Studioalbum für fünf lange Jahre, bis „Trilogy“ (aufgenommen 1979).
Holger Schnabl:
Dieses nunmehr zweite Album der Post-Retirement-Phase wurde im Dezember 1973 und im Frühjahr des darauffolgenden Jahres in den Burbank-Studios in Hollywood aufgenommen. Die Nummern Bad Bad Leroy Brown und I´m Gonna Make It All The Way entstanden bei den ersten Sessions im Dezember 1973, während die restlichen Nummern der Platte im Mai des nächsten Jahres eingespielt wurden.
Eine ausgewogene Mischung von Balladen und Up-Tempo-Nummern macht diese Platte jedenfalls um einiges abwechslungsreicher als ihren faden Vorgänger Ol´ Blue Eyes Is Back. Allerdings variiert die Qualität der für das Album ausgewählten Songs. Insgesamt gesehen erweist sich die Platte weitestgehend als eine Sammlung von eher leichtgewichtigen Pop-Songs im Big-Band-Gewand, leicht zu hören und absolut Hintergrund-tauglich. In jeder Hinsicht von erstklassiger Qualität ist lediglich die Nummer The Summer Knows, gewohnt einfühlsam arrangiert von Gordon Jenkins. Sinatra bemühte sich bei diesem Song offensichtlich sehr und war erst mit dem acht- zehnten Take zufrieden.
You Turned My World Around und ganz besonders der Song If gehören mit Sicherheit zu den wohl schönsten Balladen des angejahrten Sinatra, während hingegen die Songs I´m Gonna Make It All The Way und vor allem das nun wirklich höchst entbehrliche Tie A Yellow Ribbon Round The Ole Oak Tree keineswegs zu den Sternstunden des Sängers zu zählen sind. Vor allem den zuletzt genannten Song hätte der Sänger sich und vor allem seinem Publikum ersparen sollen. In den späten 60er und auch noch in den 70er Jahren nahm Sinatra bekanntlich allerlei fragwürdiges Liedgut auf, Tie A Yellow Ribbon Round The Ole Oak Tree steht aber sogar in der Reihe vergessenswerter Songs dieser Periode beinahe konkurrenzlos schlecht da.
Die Pop-Songs Bad, Bad Leroy Brown, Sweet Caroline und You Are The Sunshine Of My Life sind in der Fassung von Sinatra gar mächtig vorwärts galoppierende, von Don Costa fett arrangierte Big- Band-Fetzer, die ihre Wirkung nicht verfehlen, wenngleich hier gewisse Unsauberkeiten in der Phrasierung doch nicht abzuleugnen sind. Einige Takes mehr hätten diesen Stücken womöglich gut getan. Die Original-Versionen der Songs, welche von Jim Croce, Neil Diamond und Stevie Wonder stammen, vermag Sinatra jedenfalls nicht zu übertreffen.
Satisfy Me One More Time zeigt einen hörbar ausgelassenen Sinatra in einer rasant swingenden Jazz-Nummer. Leider leistet sich der Sänger aber bei diesem Titel die größten gesanglichen Unsauberkeiten des Albums. What Are You Doing The Rest Of Your Life? ist eine durchaus ansprechende Ballade, die recht gut zu der seit dem Comeback ganz merklich abgedunkelten Stimme des Sängers passt und stammt wie auch der Titel The Summer Knows aus der Feder des sehr talentierten Songschreiber-Duos Alan und Marilyn Bergman.
Alles in Allem ein durchaus nicht allzu unangenehm anzuhörendes Album, wenngleich Sinatras Stimme auf einigen der Songs nicht gerade in allerbester Verfassung ist. In der Tat hat sich die stimmliche Verfassung seit dem letzten Album noch weiter verschlechtert. Verglichen mit den allermeisten früheren Produktionen des Sängers ist auch dieses Album kaum mehr als gerade noch durchschnittlich.
Tim Bialek:
Zunächst mal ist dieses Album natürlich mitnichten ein Konzeptalbum sondern ein Sammelsurium aus (teilsweise) relativ swingmäßig aufgedonnerten "Pop-Nummern" (Sweet Caroline, Bad, Bad Leory Brown, You Are The Sunshine Of My Life, Tie A Yellow Ribbon) und sehr anspruchsvollen und ausnahmslos gelungenen Balladen (If, What Are You Doing The Rest Of Your Life?, The Summer Knows).
Besonders "Tie A Yellow Ribbon" und "Sweet Caroline" finde ich ziemlich schlimm. Der eingespielte grässlich grell klingende Applaus zum Ende hin lässt mich bei jedem Hören von Ribbon immer noch erschaudern; vorher war das Ganze schon sehr lieblos heruntergesungen.
Bei "Caroline" liegt er besonders bei den tiefen Tönen der Verse (z.B. "going strooonng") furchtbar daneben. Auch dieses Werk wirkt sehr heruntergenudelt.
Noch am besten von denen sind für mich "Leroy" und "Sunshine." Beide sind allerdings bei den Live-Aufnahmen mitreißender. Genauso wie später bei "Mack The Knife" musste sich Sinatra mit denen erst anfreunden.
"I'm Gonna Make It All The Way" ist schön leichtlebig und lädt zum Mitwippen ein. Allerdings leidet Sinatras Phrasierungskunst unter dem Tempo.
"Satisfy Me One More Time" ist ein echter Swinger und daher - ob anrüchig oder nicht - immer gut.
Wie gesagt - Höhepunkte sind für mich die Balladen. "If" ist eins der wenigen Lieder, die mir im Jenkis-Gewand gefallen, denn seine Streicherarrangements sind für meinen Geschmack häufig überladen. Allerdings gefallen mir auch hier die Live-Auftritte noch besser, bei denen Sinatra zunächst nur mit Gitarrenbegleitung eine sehr intime Interpretation des Liedes abliefert.
"What Are You Doing The Rest Of Your Life?" und "The Summer Knows" stehen "If" kaum nach. Schön nachdenklich und besinnlich.
Zu guter Letzt noch Bert Kaempfert: "You Turned My World Around" ist vielleicht der beste der vier Kaempfert-Songs Sinatras. Costa schafft es hier hervorragend, den typischen Kaempfert-Sound einzufangen. Außerdem hat die Melodie was.
Fazit: Ein Album mit Höhen und Tiefen, aber besser als sein hier einige Male kolportierter Ruf. Über Holgers Auffassung war ich jedenfalls überrascht.
Allerdings teile ich seine Ansicht, dass es vom rein künstlerischem Standpunkt kaum die Staubwolke der Capitol- oder frühen Reprise-Alben sehen kann. Dafür gibt's hier einfach zuviel Müll.
Übrigens: Das setzt sich im Grunde genommen bei "Trilogy" ja fort: Wenn auch "The Past" ein überwältigender Teil ist, findet sich auf "The Present" erneut zahlreicher Schrott. Leider hatte Sinatra also auch 1979 noch nicht das für mich unsägliche Konzept des Coverns von halbaktuellen Pop-Nummern sein gelassen.
P.R., STEREO REVIEW SEPTEMBER 1974
FRANK SINATRA:SOME NICE THINGS I'VE MISSED
PERFORMANCE: THE MASTER AT SUNSET
RECORDING: GOOD
Although his public behavior has become increasingly like that of a petulant adolescent, on records Frank Sinatra is still the master romantic of popular imagination. It won't really matter to his fans, I'm sure, that his voice is thinning as rapidly as his hair,
that his nonchalence is now sloppiness, or that he seems uneasy in so many of his performances. Sinatra still looms larger than any one film, any one recording, or any one performance. He is not only an entertainment legend, he is the talisman of an entire generation.
His latest album makes a halfhearted attempt to conjure up the old magic once again, but with the exception of one stunning track, "What Are You Doing the Rest of Your Life", in which he gives the kind of performance the personifies grace and style in modern popular singing, it is a generally lifeless exercise in Starmanship. Don Costa's production
tiptoes around him, and the charts reflect a sycophantic nervousness about doing anything but repeating the big, lush sounds that have been trademarks of his recordings for the last couple of decades. The result is a "Bad, Bad Leroy Brown" that lies there in a "hip" Sixties lump like a fin-tailed Cadillac of that era parked in the driveway of a once "cool" night club; a "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree" given such a throwaway performance that one has the feeling he's doing a crossword puzzle at the same time; and a rushed, over-bust interpretation of "You Are The Sunshine of My Life" that only Stevie Wonder's accountant could love. Neil Diamond's "Sweet Caroline" doesn't get any better treatment than it deserves; it is flicked off like a piece of lint.
BUT, Sinatra remains Sinatra, the master of the lyric phrase, the man who, when he wants to, can transform the banal into the riveting [listen to the way he sieves the clumsy, fathead sentimentality of the Bergman's words for "Rest of Your Life" here to get a pure, passionate love song]. And, most important of all, there is the ability to create
a performing personality that is half knight errant and half street kid; grown older and wiser but still charmingly impertinent. Maurice Chevalier, late in his life, said he thought Sinatra was the greatest American entertainer he had ever seen[and kids from Menilmontant don't easily give compliments to kids from Hoboken]. Chevalier may have been right. But at the moment Sinatra's recorded performances don't do much credit to his past beyond reminding us how great he was.



