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Am 30.12.2003 schrieb Werner Stulz

Herzliche Gratulation zu dieser wirklich informativen und professionellen Webseite über den wohl erfolgreichsten Sänger des letzten Jahrhunderts!

Mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz

Event & Consulting
Werner Stulz


Am 21.12.2003 schrieb Edith

It is wonderful to know there are other people out there who just ache when they here "I'm a Fool to Want You" and and cannot help but to dance and sing at the top of their voice when they hear "Summerwind". LONG LIVE SINATRA!!!


Reisebericht New York

New York, New York

Reisebericht von Christian Förster

Die Neue Welt

Eine Stadt als Inbegriff Amerikas, ein Mekka des 21. Jahrhunderts, ein Stück Größenwahn und eine Superlative des neuen Milleniums. Nicht zu vergessen: ein Song über diese Stadt, der weltberühmt wurde.
Was New York ist kann man nicht in Worte fassen, kann man nicht beschreiben, diese Stadt muss man gesehen haben. Der Faszination dieser Megacity kann man sich nur schwerlich entziehen. New York ist Schmelztiegel verschiedener Nationen und Religionen, sie strahlt Unbeschreibliches aus und ist Anziehungspunkt für viele Menschen.

Diese Stadt bedeutet gleichermaßen Anregung und Herausforderung. Nirgendwo sonst stößt man auf so viele überzeugte Existentialisten. Diese Stadt ist für Besucher körperliche und geistige Anstrengung zugleich; das Depot für erste Eindrücke bereits nach wenigen Stunden überlastet. Vieles Erlebtes und Gesehenes kann man erst verarbeiten, wenn man zu Hause ist und die Reisefotos betrachtet. Man kommt in diese Metropole, hat vorher viel über sie gehört und im Kino gesehen, der Kopf ist voll von mitgebrachten Vorstellungen, welche sich eigentlich alle ohne große Bemühungen bestätigen lassen. Man sammelt Beobachtungen wie Beweise und will sich bestätigen, wie gut man die Stadt schon kannte, bevor man dort gewesen ist. Dennoch ist New York überraschender, aufregender und überwältigender als jede Vorstellung. Es gibt keine Alternativen, man liebt oder hasst diese Stadt. Ich gehöre zweifelsohne zu den Menschen, die sich in diese Stadt verliebt haben, in ihren magischen Bann gezogen wurde und der nie mehr von dieser Stadt loskommen wird. Dennoch werde ich versuchen, meinen Reisbericht objektiv zu gestalten.
Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch in N.Y.C im Jahre 1998, war Hauptanliegen bei meiner letztjährigen Reise die Spurensuche nach Sinatra in der Stadt, „die niemals schläft“. Ein mitunter doch recht schwieriges und enttäuschendes Vorhaben.

Frank Sinatra ist ein Stück Amerika mit Hauptwohnsitz New York, ist beschwingtes Lebensgefühl, ist ein Stück „Leitkultur“ und einer der letzten Ikonen der amerikanischen Traumfabrik.
Für viele ist Sinatra der Beweis für den wahrgewordenen amerikanischen Traum, die personifzierte Glücksgestalt, die bei der alten Geschichte vom Tellerwäscher anfängt und beim Millionär endet. Sinatra wurde und wird geliebt, verehrt und bewundert. Sein Talent, sein Wesen und seine Begabung bis zur „Göttlichkeit“ hochstilisiert, seine Person - ich schließe mich nicht aus - gerade zu verklärt.

That’s Entertainment

Sinatra trifft man in New York überall: auf den vergilbten Fotografien, die ähnlich wie Heiligenbildern, in den Bars und Restaurants in „Little Italy“ an den Wänden hängen; an den vielen großen und „heimlichen“ Sinatra-Altaren in den Straßenschluchten des Big Apple. „The Voice“ ist verankert im Lebensgefühl der Menschen, die Ameisen ähnlich, in den Strassen krabbeln und kriechen. Doch was ist geblieben von New York eines Frank Sinatras?
Viele der Orte an denen Sinatra weilte, arbeitete und sich amüsierte sind aus dem heutigen, schnelllebigen Stadtbild verschwunden und mussten Superlativen der Architektur aus Glas, Stahl und Beton weichen. Viele der Studios, Bars und Restaurants, die Sinatra besuchte, sind in letzten Jahren von Immobilienmaklern dezimiert worden. Man sucht vergeblich berühmte Bars wie das „Toot´s Shoor“ in der 51. Strasse oder „Jilly´s“ an der 52. Strasse, welches bereits zu Lebzeiten Sinatras leider vergänglichen Kultstatus erreichte. An diese Lieblingskneipen Sinatras erinnert heute nur noch der Song „Me and My Shadow“, den Sinatra 1962 mit Sammy Davis jr. einspielte.

Arenen großer Triumphe

Das „Paramount“-Theater, ein Relikt aus der guten alten Zeit, kennt - von einigen Stadthistorikern abgesehen - heute fast keiner mehr. Dabei ist dies der Ort an dem 1943 ein neues Phänomen ausbrach: „Swoonatra“. Synonym für den unaufhaltsamen Aufstieg einen Sängers, der in dieser goldenen Ära als „The Sultan of the Swoon“ bezeichnet wurde. Nur ein Jahr später am Columbus-Day (12.Oktober 1944), legten über 30.000 hysterische „Bobbysox“ den ganzen Block lahm, um ihre „Voice“ zu sehen. Ein vergleichbarer Massenauflauf konnte, wie der damalige Polizeichef zu Protokoll gab, nur festgestellt werden, als New York Frauen erstmals Nylons zum Kauf angeboten wurden.

Wenn man heute an den Standort dieses Theaters kommt (Broadway/zwischen 44th und 43rd St.), wird man vom Megatower einer Transportfirma erschlagen, weshalb man doch einiges an Fantasie benötigt, um sich diesen Ort und diese Situation vor 57 Jahren vorzustellen. Die Suche nach dem Nachtclub „Riobamba“, in welchem Sinatra am 17.März.1943 seinen ersten Nachtclub-Auftritt absolvierte - womit er den Inhaber des Clubs Arthur Jarwood vor der Schließung seines Lokals retten konnte - erbrachte ebenfalls keine Resultate.
Aber nicht alles ist dem modernen Bauwahnsinn gewichen, es gibt durchaus noch so manches Sehenswerte, was direkt oder indirekt mir Sinatra zu tun hat.

Ganz besonders empfehlen kann ich diesbezüglich eine Besichtigung der Radio City Music Hall, welche am 27.Dezember 1932 feierlich eröffnet wurde (im Rockefeller Center, zwischen Avenue of the Americans und 50th Strasse, Eintritt für Führung: $18). Gelegentlich werden hier Filme aufgeführt, wodurch die Hall mit 6200 Sitzen zum größten Kinosaal der Welt wird. Ein Besuch dieses Unterhaltungspalastes lohnt immer. Trotz unscheinbarer Außenfassade, fühlt man sich im Innenraum in die stilvolle Zeit alter Tage versetzt. Inmitten grandioser Architektur im klassischem Art Dèco-Stil könnte man wirklich noch glauben, Sinatra komme jeden Moment auf die Bühne. Unvergessen die Auftritte Sinatras in diesem traditionsreichen Haus. Die Konzertreihe vom 13.-22.Oktober 1978, der „Ultimate Event“ im März 1984 mit anderer Besetzung - Diana Ross und Luciano Pavarotti gaben sich die Ehre - als üblich, die Konzerte mit Sammy Davis jr. vom 06.-09.April 1988 und die frenetisch umjubelten Live-Auftritte im Oktober 1992 mit Shirley Mc Laine u. v. m.

Hier wird Sinatra an den unterschiedlichsten Orten in vielfacher Form gehuldigt: Sein im März 1984 getragenen Smoking in der Garderobe, sein Bild im „Treppenhaus“ eingereiht unter den renommiertesten Stars der Musikbranche, sein gerahmtes Portrait neben den Präsidentenaufnahmen im elitären und vornehmen Aufenthaltsraum der Künstler. Gibt man sich bei einer Führung als Sinatra-Anhänger zu erkennen, kann man sicher sein, das einem wirklich alles von Sinatra im Zusammenhang mit der Hall erzählt wird. Vorgetragen werden diese wertvollen Anekdoten nicht ohne eine gewisse Ehrfurcht und mit großem Respekt vor der Person Sinatra. Der Besuch ist Pflicht, da dies einer der wenigen Orte ist, an denen man Sinatra noch fühlen und in gewisser Weise „erleben“ kann.

Eine Führung durch die Carnegie Hall (154 West/57th Stasse, Ecke 7th Avenue) würde ich ebenfalls einem Sinatra-Anhänger - durch die Menschenmassen in New York entnervt und gehetzt- empfehlen. Ein Besuch der Carnegie Hall wirkt beruhigend und entspannend. Ein Ort der gediegenen Ruhe und Eleganz. Das Haus verfügt über eine hervorragende Akustik und wurde im Stil italienischer Opernhäuser errichtet. Der hufeisenförmige Saal bietet Platz für über 1000 Konzertfreunde.

Ein Ort zahlreicher und historischer Sinatra-Auftritte, wie u.a. dem Tribute-Konzert zu Ehren Martin Luther Kings am 27.Januar.1961 (hierbei Sinatra in ebenbürtiger Gesellschaft wie Count Basie, Tony Benett und Mahalia Jackson) und das Konzert vom 27.April 1977 mit Robert Merill. Auch bei diesem Besuch rate ich, dem Führer einmal die Hand zu schütteln (vorzugsweise wechselt beim Händedruck eine 10 Dollar-Note den Besitzer), um möglichst viele detaillierte und interessante Hintergrundinformationen über Sinatra und dessen Wirken in diesem Hause zu erfahren.


Ein anderer Ort, mit dem man Sinatra in Verbindung bringt, also auch besichtigt werden sollte, ist der Madison Square Garden (zwischen 7/8Avenue, sowie 31/32 Strasse). Er ist vor allem wegen der zahlreichen und legendären Boxkämpfe berühmt geworden. Die wahrscheinlich größte Sportveranstaltungsstätte der Welt beherbergt zugleich auch ein superlatives Vergnügungszentrum. Die Arena bietet Platz für 20.000 Zuschauer. Der Garden ist Sitz des Hockey-Clubs der New York Rangers sowie des New Yorker Basketball-Clubs Knickerbockers. Hier können Hunde- und Pferderennen abgehalten und Zirkus- und Eislaufvorführungen veranstaltet werden. Das „National Art Museum of Sports“ ist hier zu Hause. Einziges Manko: architektonische Einfallslosigkeit. Legendäre Konzerte, die Ol´ Blue Eyes hier bestritt: „The Main Event“ am 13.Oktober 1974, das Konzert mit Davis jr. vom 19.Oktober 1967 und die Abschiedskonzerte der „Diamond Jubilee World Tournee“ die hier vom 16.-18. Oktober 1991 gemeinsam mit Steve Lawrence und Eydie Gorme stattfanden. Auch in diesem Gebäude erhält Sinatra die ihm zustehende Ehrung: im Treppenaufgang ein übergroßes Sinatra-Plakat, sein Name in der „Hall of Fame“ in Stein verewigt (zwischen den Legenden aus Sport, Musik, Kultur und Politik), sein Bild in der Ehrenloge für Prominente und im exklusiven „Madison Restaurant“. Eine beindruckende Arena, die es wert ist, näher betrachtet zu werden. Die Garderobe in der sich Sinatra für seine Konzerte vorbereitete und der Korridor durch den er schritt, bevor er sich einen Weg durch die begeisterte Menge zum Podium bahnte. Jeder kennt die Bilder. All das zu sehen, selbst abzulaufen, macht Sinatra in diesen Räumlichkeiten nahezu greifbar.

Nebenschauplätze

Die folgenden Sehenswürdigkeiten haben zwar nur indirekt mit Sinatra zu tun, dennoch sollte zu einem Besuch dieser Örtlichkeiten nicht nur „The Voice“ motivieren. Mein erster Tipp ist der fast schon zwingende Besuch des United Nations Headquaters. Eine Führung durch diese Institution ist eines der interessantesten Unternehmungen, die man in New York erleben kann. Man mag über die Notwendigkeit, den Nutzen und die Erfolge dieses Weltenbundes unterschiedlicher Meinung sein, aber dennoch ist es schon ein tief beeindruckendes Erlebnis im Raum des Weltsicherheitsrates oder der Generalvollversammlung Platz zu nehmen. Die Weltpolitik, die hier praktiziert wird, liegt förmlich in der Luft und flösst Respekt ein. Am Rande möchte ich erwähnen, dass Sinatra hier am 13.September 1963 einen Live-Auftritt absolvierte.


Meine zweite Empfehlung für einen Besichtigung ist die Metropolitan Opera im Lincoln Center, die 1966 in Betrieb genommen wurde, 3.718 Klassikfreunden Platz bietet und mit einer Bühne von einer Breite von 70m als das größte Opernhaus der Welt gilt. Ein Haus mit Weltruhm, auf dessen Brettern die „Creme de la Creme“ der Operstars zu Hause sind. In den Spielplänen ist es keine Seltenheit Namen wie Pavarotti, Domingo & Co. zu finden. Hier traten von jeher die Größten der Großen auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl es bestimmt nicht die Gage ist, die die Künstler lockt: Spitzentenöre verdienen in Europa das Zehnfache dessen, was ihnen die MET bietet. Dafür aber, so formulierte es einmal der Manager Bruce Crawford, zahlt man hier >mit Renomee< . Der Auftritt in diesem Haus ist noch immer die Krönung einer jeden Sängerkarriere. Die MET ist daher nicht ohne Grund ein Garant für erstklassige Inszenierungen und großartige Besetzungen. Ob nun Operfreund oder nicht, eine Operaufführung in der MET ist ein wirklich zu empfehlendes Ereignis. Auch auf diesen „Brettern, die die Welt bedeuten“ konnte man Sinatra im Oktober 1979 bewundern. Wenn man diese „Bretter“ sehen möchte, kann man dies am besten im Zusammenhang mit einer Opernaufführung.
Wenn einem die italienischen Meister nicht liegen, empfiehlt sich als Alternative der Besuch eines Wagner-Werkes.

Wem Oper allgemein zu schwer im Magen liegt, sei folgendes empfohlen:
Am Broadway läuft seit 2000 ein Musical mit dem Titel „Our Sinatra“, dessen Besuch für alle Sinatra-Fans natürlich zum absoluten „Muss“ in New York gehört. Ich räume ein, dass die Bezeichnung Musical hier nicht ganz zutreffend ist. Es handelt sich nicht um ein Musical im klassischen und bekannten Stil. Man sollte dieses Stück eher als Hommage dreier Künstler an Sinatra betrachten. Auch in der Erscheinung unterscheidet sich dieses Stück doch sehr von einer kommerziell ausgerichteten Massenproduktion. Das Theater gleicht eher einem Restaurant der 50er Jahre, in dessen Mitte sich eine kleine Bühne mit Klavier befindet. Die Vorstellung beginnt um 20Uhr, kann aber mit einem Menü um 18 Uhr kulinarisch abgerundet bzw. delikat vorbereitet werden. Eine - von freundlichen Kellnern - kredenzte Flasche Rotwein italienische Herkunft sorgt für zusätzliche schmackhafte Einstimmung. Man fühlt sich in diesem „Theater“ in die Zeit Sinatras zurückversetzt. Das unterhaltsame Programm beinhaltet die bekanntesten Sinatra-Songs und wird von zwei Sängern und einer Sängerin dargeboten. Neben den gängigen Sinatra-Songs werden auch die eher melancholischen Songs vorgetragen, die im Publikum ihre Wirkung nicht verfehlen. Zwischen den einzelnen Songs gibt es kurze Geschichten der Darsteller über ihren Erinnerungen an Sinatra und kleine Storys aus dem Leben des Entertainers.

Der gemeinsame Toast auf Ol´ Blue Eyes führt zur innigen Verbrüderung mit anderen „Jüngern“ der Sinatra-Gemeinde. Nach der Vorstellung - Spielzeit inkl. Pause 2 Stunden - bietet sich willkommene Gelegenheit, um in gepflegter und eleganter Umgebung mit Gleichgesinnten über Sinatra zu sprechen.

Ein schöner und unvergesslicher Abend!

Aus dem Nichts

Der Höhepunkt bei einem New York Aufenthalt ist jedoch für einen Sinatra-Anhänger die Ehrung von „The Voice“ an dessen Geburtsstätte. Diese Pilgerfahrt nach New Jersey ist für einen leiden-schaftlichen Anhänger von „The Chairman of the Board“ unerlässlich.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Hudson River Richtung New Jersey zu überqueren:

Die günstigste Möglichkeit nach Hoboken zu gelangen, ist die Fahrt mit der Fähre. Die Ablegestelle für Fähren Richtung Jersey befindet sich im Battery Park in der Nähe des Financial-District und unweit der Wall Street mit dem nahegelegenen New Yorker Yachthafen. Eine Überfahrt mit der Fähre des „N.Y-Waterway“ kostet 2 Dollar und fährt stündlich zwischen 7 Uhr morgens und 22 Uhr abends.

Dieses Ticket bringt einen innerhalb von 15 Minuten in eine andere Welt, die nichts mit dem Pomp, der Größe und dem Glanz der feudalen Insel Manhattan zu tun hat. Langsam zeichnen sich die ersten Gebäude von Hoboken ab. Alte, verfallene und trist anmutende Bauten, die trostlos in den Himmel ragen. Hier scheint die Zeit still zu sehen. Gebäude die seit Jahrzehnten vom Fortschritt und der Erneuerung vergessen wurden. Erreicht man die Anlegestelle von Hoboken meint man sich zurück versetzt in die Zeit eines vergangenen Krieges, dessen Wunden und Narben noch heute sichtbar sind. In sich zusammengestürzte Bauwerke und verlassene Strassen und Gassen. Man glaubt, man bewege sich in einer Geisterstadt; die ersten Eindrücke deprimierend und niederschmetternd. Gedanken kommen auf, ob man dieser Trostlosigkeit nicht entfliehen sollte, mit der nächsten Fähre gleich wieder zurückfahren sollte. Nur fort aus dieser Sackgasse, die dieser Ort für viele Menschen sicherlich darstellt.

Hoboken ein Mikrokosmos einer anderen Zeit, längst vorbei, die großen Jahre als in dieser Stadt riesige Werften gigantische Schiffe bauten. Keine große Industriekonzerne mehr, die für den Lebensunterhalt tausender Familien sorgten. Man wird unweigerlich an Filme wie „Die Faust im Nacken“ (On the Waterfront/Elia Kazan/1954) erinnert, der in Hoboken gedreht wurde und die wirtschaftliche Depression solcher Industriestädte sehr gut wiederspiegelt. Städte, die von wirtschaftlichen Aufschwüngen nicht mehr oder zu spät partizipieren konnten. Die daraus resultierende Verbitterung hat diese Stadt geprägt und dem absehbaren Verfall keinen Einhalt mehr bieten können. Diese Stadt scheint sich in einem defätistischen Zustand zu befinden, bereit sich auch weiter deklassieren zu lassen. Den erschreckenden Gegensatz zwischen Eleganz und Hässlichkeit, Reichtum und Armut, den Hoboken mit seiner Nachbarstadt jeneits des Wassers teilt, kann man hier als unveränderliche Gegebenheit betrachten
Auf der Suche nach der Monroe-Street führt der Weg - vorbei an die der Verwahrlosung preisgegebenen Wohnblöcke - zur Hauptstrasse Hobokens. Deutlich sichtbar der verzweifelte Versuch, die Stadt für Touristen attraktiver zu gestalten.

Kleine Läden, Bars und Restaurants sollen zum Verweilen einladen, großzügig angelegte Gehwege - eingerahmt in eine Allee - sollen zum Flanieren animieren. Überquert man die Hauptstraße, dringt tiefer ein in diese Stadt - in „Das Herz der Finsternis“ - entdeckt man stellenweise ein Stückchen des (aus europäischer Sicht) typischen Amerikas. Schmale, hohe rote Backsteinhäuser reihen sich wie Dominosteine aneinander, in den Gärten die typische Kleinbürgeridylle mit Hollywoodschaukel und Kohlengrill. Das aus Filmen gewohnte Bild von an Autos schraubenden Männern und tüchtigen Frauen bei emsiger Gartenarbeit bestätigen das klischeehafte Bild eines „heilen“ Amerikas. Unübersehbar: Hier wird der Patriotismus „linientreuer“ Amerikaner zelebriert. Kaum ein Haus ohne amerikanische Fahne, man zeigt: Ich bin stolz auf mein Land! Eine gewisse Art der Harmonie und der Gemütlichkeit versuchen die sozialen Probleme, die man hier als objektiver und sensibler Besucher sofort feststellen kann, Vergessen zu machen. Doch je weiter man sich ins Innere der Stadt bewegt, desto offensichtlicher treten diese Probleme zum Vorschein.

Nach zehnminütigen Spaziergang stößt man auf die Monroe-Street. Was man hier vorfindet, hat nichts mehr gemein mit einer schönen Wohngegend: die Strasse im absolut desolaten Zustand, Holzhäuser - wahrscheinlich nur noch von ihrer Farbe zusammen gehalten - umrahmt von abgebrochenen Gartenzäunen. Überquellende Papiereimer bilden eine Allee, Säcke voller Müll säumen die Gehwege, aufgeplatzter Asphalt auf der Strasse. Ein Meer von Strommasten, von denen sich Hunderte von Kabeln von Haus zu Haus ziehen. Die letzte Möglichkeit, diese Strasse als Einheit zu bewahren? Kurzum: Ein Anblick der Trostlosigkeit. Keinerlei Anzeichen, dass hier überhaupt noch Menschen wohnen. Es fällt schwer zu glauben, dass hier ein Mann geboren wurde, der sich aus diesem Umfeld befreite konnte und Weltruhm erlangte. Eine deutliche Verbesserung der sozialen Schicht und des Ansehens erreichte die Familie Sinatra erst im Dezember 1932 mit dem Umzug in die Garden Street 841.

Die Suche nach Hausnummer 415 wird dadurch erschwert, dass sich an den meisten Häusern keine Zahlenangaben mehr finden lassen. Endstation Sehnsucht: Ein unscheinbares Holztor markiert das Ziel der Reise. Hier stand einst das Haus, in dem Francis Albert Sinatra am 12. Dezember 1915 das Licht erblickt hat. Die in den Boden gelassene Gedenktafel gibt über dieses Ereignis magere Auskunft und ist einziges Indiz für topographisch korrekten Standort zu devoten Kniefall vor anbetungswürdiger Stätte. Hinter dem Holztor einer jener Hinterhöfe, in dem sich Regenpfützen wochenlang halten und in dessen Ecken verwaiste Einkaufswägen sinnentleert herumstehen. Abgerundet wird dieses melancholische Bild von zur Gebirgsform gestapelten Müllsäcken der angrenzende Bar Namens „From here to Eternity“. Bonjour tristesse!

Obwohl dieser Ort nichts Spektakuläres bietet, entbehrt es nicht gewisser Erregung dort zu stehen, wo Frank Sinatra geboren wurde. Hier hat er seinen ersten Kampf erfolgreich gewonnen: das Überleben seiner schwierigen Geburt. Reich mir die Hand, mein Leben ...
Eine weiterer Besichtigungsvorschlag ist der „Sinatra-Memorial-Park“, der im Juli 1996 zu Ehren Sinatras angelegt wurde. Die schnellste Route: Zurück zur Fährstation, entlang der Hafenpromenade „Sinatra-Drive“ zum „Sinatra-Memorial-Park“. Der Weg endet nach wenigen Minuten am „Sinatra-Park-Cafe“. Die Bezeichnung „Cafe“ im Zusammenhang mit dem Wort „Sinatra“ im Firmennamen ist eine Beleidigung an den großen Künstler. Es handelt sich um ein drittklassiges Fast-Food-Restaurant ohne jeden Bezug zu Sinatra. Legitimiert wird die Bezeichnung „Sinatra-Park-Cafe“ anscheinend einzig durch eine Gedenktafel auf der Rückseite des Gebäudes, die man zwischen den „Restrooms“ angebracht hat. Die Namen der ehrenwerten Gesellschaft Hoboken`s, die diese Projekt finanziell unterstützt haben, nehmen den größten Teil der Tafel in Anspruch. Trotzdem scheint man noch den Platz für ein Sinatra-Bild gefunden zu haben; stolze Überschrift: „Frank Sinatra - Hoboken´s Gift to the World“.

Im Park selbst sollte man sich die Zeit nehmen, um die Aussicht auf die gigantische Skyline Manhattan´s - zu genießen. Was das Kind Frank wohl dachte, als er diese atemberaubende Kulisse betrachtete? Diese Skyline - sich wie eine Gewinnstatistik am Horizont abzeichnend - muss auf ihn attraktiv und vorwurfsvoll zugleich gewirkt haben. Manhattan und Hoboken sind nur 2 km voneinander entfernt und durch den Hudson-River in „Arm“ und „Reich“ getrennt. Vielleicht in den Vorstellungen von Frankie eine unüberwindbare Grenze zu einer anderen Welt .... Es ist nachvollziehbar, daß sich Frank Sinatra Zeit seines Lebens nicht unbedingt positiv über seine Heimatstadt geäußert hat. Nach dem ihm zu Ehren abgehaltenen Sinatra-Day am 30. Oktober 1947 (an dem ihm der Schlüssel der Stadt überreicht wurde) und dem im September 1952 stattgefunden Firemen´s Ball im Hobokener Union Club ist er nicht mehr zurückgekehrt. Der „offiziell“ letzte Besuch in Hoboken war am 23. Mai 1985 anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde für das Ingenieurwesen durch das Steven Institute of Technology. Am gleichen Tag wurde er von Präsident Ronald Reagan mit der Freiheitsmedaille - höchster Orden Amerikas für Zivilisten - ausgezeichnet. Man kann nur darüber spekulieren, welche Auszeichnung für Sinatra wohl den höheren Stellenwert einnahm.
Das nervöse Schäumen der Wellen bei der Rückfahrt ist begleitet von sentimentalen Gefühlen und schockierenden, weil unerwarteten Einblicken in die Schattenseiten des „amerikanischen Traums“. Wem Willy Loman („Der Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller kennt) ein Begriff ist, weiß um das Schicksal von Hoboken und seinen Bürger. Die Erinnerung an die Geburtsstätte von „The Voice“ wird immer mit den traurigen Bilder einer desillusionierten Stadt vermischt sein. Man versteht jetzt, warum in den Hochglanz-Reiseführern über New York die Stadt Hoboken keine Erwähnung findet (im Gegensatz zu den noch viel weiter entfernten Städten und Sehenswürdigkeiten). Die meist beiliegenden Übersichtskarten von New York schneiden Hoboken sprichwörtlich von der Karte ab. Treffender kann eine Metapher nicht sein.

Für ein paar Dollar mehr …

Natürlich besteht New York nicht nur aus Sehenswürdigkeiten und Besichtigungsprogrammen. New York ist Tempel des Konsums und Hochburg des Kapitalismus. Natürlich bieten sich sehr viele Möglichkeiten die eigenen finanziellen Mittel drastisch zu schmälern. Es gibt nichts, was man nicht kaufen könnte. Das Angebot ist schier erdrückend. Bleiben Wünsche offen, liegt die Ursache hierfür nicht am mangelnden Angebot, sondern an zu niedrig kalkuliertem Reisebudget.

Mekka für Sammler

Ich beschränke mich hier in der Aufzählung verlockender Kaufangebote lediglich auf das von uns so begehrte Sinatra-Material.
In New York sind alle großen Musik-Filialketten Amerikas - meist sogar mit Hauptsitz in NY -vertreten. Wichtig ist hier vor allem Tower-Records mit großzügig verteilten Filialen in der ganzen Stadt. Die dort angebotenen Waren aus den Bereichen CD, Video und DVD sind topaktuell und finden sich in deutschen Regalen meist wesentlich später oder werden erst gar nicht über den „großen Teich“ verschickt. Im Bezug auf Sinatra wird allerdings nichts wirklich Außergewöhnliches angeboten. Man findet hier eher Capitol- und Reprisescheiben und die auch bei uns erhältlichen Billigscheiben und Editionen. Überraschend gut sortiert hingegen das Angebot an Videos mit Spielfilmen und Konzertmitschnitten von Frank Sinatra. Die leise Hoffnung bisher nicht offiziell angebotenes Videomaterial aufzuspüren, wird leider nicht erfüllt. Ein Besuch lohnt trotzdem.

Gleiches gilt für das größte Musikgeschäft der Welt, dem Virgin Megastore. Ein riesiger Laden wie ein lichtbunter Magnet, der fast die ganze Nacht geöffnet als ein „Tempel der Musik“ bezeichnet werden darf. Die sprichwörtlichen „Melodien für Millionen“ finden sich am Broadway; die angebotenen Scheiben (In den Regalen: 300.000 Tonträger!) sind nach Genres auf 6 Etagen verteilt. Ein Paradies für den Musikfreund. Für den Besuch dieses Musikkaufhauses sollte ein ganzer Reisetag eingeplant werden. Absolut sehenswert! Im Bezug auf Sinatra-Scheiben gilt zwar dasselbe wie in den anderen zahlreichen Musikgeschäften, dennoch ergibt sich hier vielleicht die Möglichkeit die eigene Sammlung - teilweise auch mit „kleinem Geldbeutel“ - zu vervollständigen.

Eine wirkliche Fundgruben hingegen ist - nur einen Steinwurf vom Times Square entfernt - „Colony-Music“ (Broadway/49 Str. Dieser Shop sollte auf jeden Fall frequentiert werden. Hier gilt: Man höre und staune (augrund der höheren Preise evtl. auch ohne zu kaufen)! Was hier an Sinatra-Material offeriert wird, lässt wohl jedes Sinatra-Sammlerherz höher schlagen. Präsentiert werden - wie in einem Heiligenschrein- zahlreiche und seltene Sinatra-Artikel. Hier findet man alles von Konzertkarten und Programmen, Büchern, alten Zeitungen, Pins, Postkarten, Münzen, Tellern und Wecker mit Sinatrakonterfei bis hin zu Autogrammen, Aschenbechern vom Jilly´s und der Cal Neva Lodge. T-Shirts, Schirmmützen, Aufnähern, Sinatra-Pasta-Soßen, persönliche Sinatra „Thank you“-Gift-Boxen (bestehend aus Feuerzeug mit Sinatra-Schriftzug, Serviette aus Sinatras Privatjet, Schlüsselanhänger und Einstecktuch, inkl. Geschenkschatulle mit der Aufschrift: „with Love and Affection“-Frank Sinatra) runden das reichhaltige Angebot ab. Sinatra-Menükarten aus dem Caesar´s Palace und die wertvolle Musikbox (spielt „My Way“), die Gästen bei der Tribute-Veranstaltung zu Sinatras vierzigjährigen Jubiläum im Show-Business am 12. Dezember 1979 in Las Vegas überreicht wurde, sind wahre Leckerbissen für jeden Sammler. Besonders erwähnenswert auch die Original-Konzertplakte z. B. für das „Hollywood Bowl“ vom 14. August 1943 oder für Sinatras Auftritt mit der Tommy Dorsey Band im „Paramount“ im Jahr 1942. Für genannte Artikel Preise zu nennen, erledigt sich von selbst. Diese möglichen Highlights einer jeden Sinatra-Sammlung sind für den „normal sterblichen“ Geldbeutel unbezahlbar. Dieser Laden scheint wohl eher die betuchten Sammler unserer internationalen Sinatra-Fangemeinde ansprechen zu wollen. Wenig „Günstiges“ wie z. B. die seltenen Sinatra-Sampler „Come back to Sorrento“ und „Reflections“ auf CD kann man hier allerdings noch zu einigermaßen humanen Preisen erwerben. „Träumer“ sollten diesem „Museum“ ihre Aufwartung in jedem Falle machen.

Ein weiterer Shoppingvorschlag für Sinatra-Anhänger, die sich auch dem Medium Vinyl nicht verschließen, ist der Besuch von Footlight-Records (113 East/12th Strasse). Nicht ohne Grund wird dieses Musikparadies in der offiziellen „Sinatra-Price-List“ als Mekka für Sinatra-Schallplatten bezeichnet. Die Auswahl und das Angebot an Sinatra ist atemberaubend. Das Einzige was einem noch mehr die Luft zum Atmen kostet, sind die stolzen Preise die hier gegebenenfalls zu bezahlen sind. Es fällt schwer, sich zu beherrschen. Es hilft sich die Tatsache vor Augen zu führen, daß man nicht weiß, wann man mal wieder in New York ist und einer solch gigantischen Auswahl gegenübersteht, die sich im Second-Hand-Laden um die Ecke in Deutschland ohnehin nicht finden lässt. Dadurch wird man regelrecht zum Großeinkauf gezwungen; „und führe mich (nicht) in Versuchung ...“ Für eine (große) Handvoll Dollars wird aber auch jeder Wunsch befriedigt. Also bitte: Geld ausgeben! In den Regalen findet man so seltene Vinyl-Scheiben wie z. B. „I sing the Songs“, „ A Salute to Nat King Cole feat. Sinatra and Davis jr.“ oder “The Unissed Sinatra”. Das Angebot an Sinatra-CDs ist hingegen relativ bescheiden und nicht weiter erwähnenswert. Interessant übrigens auch die Auswahl an Musicalscheiben.

Hier findet man nicht nur die neuesten Einspielungen vom Broadway und vom Westend in London, sondern u. a. auch einen Live-Mitschnitt des Musicals „Der König der Löwen“, dass in einem Augsburger Laientheater gespielt wurde. Ich führe dies nur deshalb so detailliert aus, weil ich auf die gutsortierte Auswahl hinweisen will, die diesen Laden ganz besonders auszeichnet. Prädikat: Sehr empfehlenswert!


Hier noch kurz einige weitere „Geheim“-Tipps für Sinatra-Einkäufe in New York. Als lohnend kann sich der Besuch der wöchentlich stattfindenden Flohmärkte erweisen. Es besteht eine reelle Chance zwischen antiken Möbeln, amerikanischem Kitsch, Geschirr, Büchern und deutschen Orden aus einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte, das ein oder andere Sinatrastück aufzustöbern. Voraussetzung für derartige Schnäppchen ist natürlich ein gute Portion Geduld. Die interessantesten und größten Flohmärkte sind der Annex Antique Fair & Flea Market (105 West/16th Strasse) sowie der Canal Street Flea Market (entlang der Canal und Greene Street). Die Öffnungszeiten entnimmt man einer der zahlreichen örtlichen Tageszeitungen. Kleingeld für den Eintritt (2-3 $) nicht vergessen!
Auch einen Besuch des Stadtviertels Greenwich Village kann ich empfehlen. Schon der Schriftsteller Henry James fand hier jene seltene Gelassenheit vor, die andernorts in dieser schrillen Stadt nicht oft zu finden ist. Die Straßen im Village haben es gut: Sie dürfen etwas, was ihren Artgenossen fast überall sonst in Manhattan strikt verboten ist: Sich biegen, kreuzen, schneiden und krümmen wie sie wollen. Niedrige Häuser - die Mehrzahl stammt aus dem vorigen Jahrhundert -, hübsche Portale und begrünte Vorgärten verleihen diesem Viertel seinen unvergleichlichen Charme. Hier findet man sie: die kleinen Künstlergalerien, die multikulturellen Lädchen, die gemütlichen Cafes und Restaurants, die urigen kleinen Musikläden um die Ecke, bemüht den Kampf ums Überleben gegen die großen Musikkaufhäuser zu bestehen.

In diesen Musikgeschäften kann man stöbern nach Platten, die genauso so alt sind, wie ihre Besitzer selbst. Wo nur er noch weiß, wo und was in seiner Musikbibliothek zu finden ist. Diese Läden, in denen die Wände mit Plattencovern tapeziert sind, das systematische Chaos vorherrscht, der edle Geruch von Altertum und Antikem einen in die Nase steigt und der Inhaber der mit zum Inventar gehört, mit seiner kleinen Nickelbrille darauf wartet, einen Teil aus seinem riesigen Fundus an angehäuften Musikwissen einem interessierten Musikliebhaber mitzuteilen.

Der dankbar lächelt, wenn man mit einem Stück Musikgeschichte seinen Laden verlässt. Besonders empfehlenswert ein Besuch von „House of Oldies“ (35 Carmine Street) und „Bleeker Street Records“ (239 Bleeker St.). Hier kann die Frage nach inoffiziellen Sinatra-Scheiben doch so manchmal für eine angenehme Überraschung sorgen. Das Village ist ein Ort der Künstler, Maler und Schauspieler. An Kneipen, Musikkellern und berühmten Jazzschuppen besteht kein Mangel.

Kleine „Off-Off-Broadway-Theater“ offerieren Interessantes und das gemütliche Bummeln in dieser grünen Oase im Herzen Manhattans ist Balsam für die Seele.

City Lights

Ein weiteres „Highlight“ im wahrsten Sinne des Wortes ist ein Besuch des Empire State Building (bis 1973 höchstes Gebäude der Welt). Architektonischer Mythos: 60.000 Tonnen Stahl, 6500 Fenster, 5600 Kilometer Telefonkabel, 96km Wasserleitungen, 73 Aufzüge in Schächten von elf Kilometern Länge sind nur einige bautechnische Superlativen des Empire State Building. Und dann natürlich die Höhe: 381 Meter! Majestätisch ragt es in den Himmel; dieses Wahrzeichen des babylonischen New Yorks. Das Empire State Building wurde an Sinatras Todestag als Zeichen stiller Trauer der New Yorker Bevölkerung in magisch blaues Licht getaucht. Goodbye, ol’ blue eyes ...
Trotz großem Ansturm vor den Liften lohnt sich das Warten. Die im 102. Stock gelegene Plattform bietet eine phänomenale Aussicht; in den Nachstunden vereinen sich Millionen von Lichtern zu einem Ozean des Lichts. „Und es ward Licht“: der natürliche Wechsel zwischen Tag und Nacht scheint bezwungen. Der Eindruck so erhaben, so unwirklich: Bilder nicht von dieser Welt.

Gänsehaut pur mit einem portablen Discrecorder im Gepäck: Es gibt keinen besseren Ort, um sich Frank Sinatras Hymne „New York, New York“ anzuhören. Dabei der respektvolle Blick auf den Wald von Wolkenkratzern und in der Ferne stolz verharrenden Freiheitsstatue. Unvergesslich!

Mondän!

Noch ein Tipp für den betuchten Sinatra-Freund: Wer es gewohnt ist, aristokratisch, feudal und elegant zu nächtigen, dem sei empfohlen, für die Dauer des New York-Aufenthaltes im Waldorf Astoria zu logieren. Diese Luxusherberge ist und war beliebte Anlaufstelle für berühmte Stars und Sternchen. In diesem Hause kann man sich in gediegener Atmosphäre an die Konzerte von Frank Sinatra am 01.Oktober 1943 und 01. Juni 1976 erinnern. Sollten die 300 Dollar für die günstigste Übernachtungsmöglichkeit im einfachsten Zimmer doch abschrecken, sollte man im elitären Salon einen Espresso genießen und sich auf das Beobachten des regen Treibens von „Reichen und Schönen“ beschränken. Ein stillvolles Erlebnis zum stillvollen Preis: Der Espresso zu 8 Dollar ist teuer bezahlte „Eintrittskarte“. Preis inkl. Dekadenz. Das Einhalten der Etikette ist für den Concierge oberstes Gebot, von daher ist ein Besuch in diesem vornehmen Haus nur mit entsprechender Garderobe zu empfehlen.

Metropolis

New York war Anregung für viele Romane, Erzählungen und Filme. Im Oktober 1924 wurde hier von Fritz Lang die Idee für seinem filmischen Epos „Metropolis“ geschaffen. Seine damaligen Eindrücke sieht man bestätigt und glaubt seinen Erzählungen: „Ich sah eine Straße, durch Neonlampen taghell beleuchtet, und, alles überragend, ständig wechselnde, an- und ausgehende, spiralförmige, riesige Lichtreklame. Diese Eindruck gab mir die erste Ahnung von einer Stadt der Zukunft.“ Weiter führt er aus: „Die Wolkenkratzer wirken fast schwerelos, eine luxuriöse Kleidung, die vom dunklen Himmel herunterhängt, um zu blenden, zu verwirren und zu hypnotisieren. Nachts macht die Stadt einen leblosen Eindruck; sie lebt, wie Illusionen leben.

Lang voller Faszination: „Und dabei müsste alleine der Anblick von New York bei Nacht genügen, um dieses Fanal der Schönheit zum Kernpunkt eines Films zu machen. Da blitzt auf, kreist in Rot, Blau und leuchtendem Weiß, schreit in Grün dazwischen und versinkt in schwarzes Nichts, um gleich darauf neugeboren wieder das Spiel der Farbe zu erleben. Straßen, die Schächte voller Licht sind, voll drehendem, wirbelndem, kreisendem Licht, das wie eine Bekenntnis zum frohen Leben ist. Und darüber, himmelhoch über den Autos und Hochbahnen, tauchen Türme auf in Blau und Gold, in Weiß und Purpur, von Scheinwerfen aus dem Dunkel der Nacht gerissen. Reklame ragt noch höher, bis zu den Sternen, die diese an Licht und Glanz besiegen, lebend in immer wieder neuen Variation“.
Der Gedanke an „Metropolis“ ist entstanden. Dieses Essay Langs ist eine der gelungensten Schilderungen dieser Weltmetropole.

Strangers in the night

New York - von Sinatra in einem seiner populärsten Songs gesungen - schläft wirklich nie. Morgens um fünf atmet die Stadt einmal kurz durch und schon beginnt der Wettlauf mit der Zeit von Neuem. Als wären alle Einwohner verzweifelt darum bemüht, dem Leben auf der Überholspur davonzulaufen. Ein Mythos darf eben niemals ruhen; muss jeden Morgen neu belebt werden. Aus den U-Bahn-Schächten quillen Menschen und atmen den Smog wie ein Lebenselixier. Die schmutzige Sonne leuchtet zwischen den Wolkenkratzern und spiegelt sich in deren unruhigen Augen. New York für viele ein Moloch, ein Geschwür, das in die Höhe wachsen muss, weil an den Seiten kein Platz mehr ist. Und dennoch so faszinierend. Diese Stadt macht niemals Pause und wer sich ihrem Rhythmus nicht anpasst, wird verschlungen. New York ist eine Megacity, deren U-Bahn-Stränge Viertel wie Brooklyn, Queens und Staten Island mit ihr verbinden. Ein anderes New York. Nicht das New York aus unseren Träumen, ein New York mit schmutzigen Häusern, Straßenkriminaliät und Bandenkrieg. Ein New York, dass wir nicht kennen, nicht kennen wollen. Triste Bilder und Schattenseiten einer Großstadt passen nicht in unsere Vorstellung eines sauberen New Yorks; nicht in unser vorgefasstes Bild. Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Ja, es gibt sie, die dunklen und düsteren Seiten. Hier vielleicht sogar deutlicher sichtbar als in anderen Weltmetropolen.

New York das ist einer der wichtigsten Börsenplätze, hitziges Parameter einer nervösen Weltwirtschaft. Makler, Baulöwen und Geldhaie auf der zu Hochglanz polierten Seite, Arme und Obdachlose in den Ghettos auf der anderen - uns abgekehrten - schmutzigen Seite. Wenn wir an New York denken, sehen wir die Bilder von Downtown Manhattan. Sind in unserer Vorstellung beim kleinsten Teil der Stadt mit all seinen Anhäufungen beeindruckender Superlativen. Wir vergessen den anderen, weitaus größeren Teil ...

Manchmal mag es gelingen, dass sich ein unbekannter Sänger aus sozialschwachen Umfeld befreit, an sich glaubt und den Sprung in diesen galaktischen, herrlichen und faszinierenden Teil New Yorks schafft. Ausnahme oder Beweis für die These: Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Vom Tellerwäscher zum Millionär?
New York ist steingewordenes Denkmal menschlichen Größenwahns; magisch anziehender Großstadtdschungel für Sinatra-Anhänger aus aller Welt. Die Stadt ist eine einzige große Show: Nehmen wir einige Tage teil als Statisten an unbedeutender Stelle!

Frank Sinatra hat hier - als „Master of the Universe“ - gewirkt, unvergessliche Songs aufgenommen und seinen unaufhaltsamen Weg an die Spitze vorangetrieben. Frank Sinatra war in dieser Stadt einst „The King of the Hill“; unvergessen in den Köpfen der Menschen. Die neuen Herrscher sind Donald Trump und „Gordon Gekko; ihr Reich: Finanzhochburg Wall Street. Der König ist tot, es lebe der König!
Und wenn Du es hier schafft, dann schafft Du es überall …

Autor:

Christian Förster Kontaktadresse: chfoerster@t-online.de für Frank Sinatra - The Main Event

Quellenverzeichniss:
“Die Stimme von Metropolis oder Siegfrieds Tod in Manhattan”, Martin Förster, 1999
Frederic W. Ott, The Films of Fritz Lang, Seacaucus
Filmkurier, 6.Jahrgang, Nr. 292, 11.12.1924
Sinatra - His Life and Time, Fred Dellar, Omnibus Press
Sinatra - The Artist and the Man, John Lahr, Scherz Verlag
Sinatra - The Way You Wear Your Hat, Bill Zehme, Harper Collins
Sinatra - An American Legend by Nancy Sinatra, GPG
Sinatra - The Sinatra Scrapbook, Gary L. Doctor Citadel Press
ADAC Special New York, ADAC Verlag
ADAC Reiseführter New York, ADAC Verlag
New Yorker Lesebuch, Knaur
BUNTE Travel Guide New York, BUNTE Verlag
HB Bildatlas New York, BUNTE Verlag
New York, Christine Metzger/Bernd Obermann, Könemann
Literatur zum Thema:
„Im Land der letzten Dinge“, Paul Auster, Rowohlt
„Gegen Ende der Zeit“, John Updike, Rowohlt
„Frühstück bei Tiffany“, Truman Capote, Rowohlt
„Fegefeuer der Eitelkeiten“, Tom Wolfe, Kindler„Tod eines Handlungsreisenden“, Arthur Miller, Fischer TB

Der Reisebericht wurde von Christian Förster für Frank Sinatra - The Main Event geschrieben und erstmalig im Magazin der DSS “The Voice” veröffentlicht.

 

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