'All That Swing" - Der Bericht
Inmitten von Berlin-Neukölln ragt das Estrel in den Himmel: Ein beeindruckender Bau aus Glas und Stein, der einer kleinen „Stadt in der Stadt“ gleicht und zur Premiere von „All That Swing“ an diesem 4. Januar 2006 noch in weihnachtlichem Glanz erstrahlte. Schon als wir - Marcus Prost aus Berlin und die Regensburger Gäste Franz Lanzl und Andreas Bergmann - die Empfangshalle betraten, wurden wir von swingenden Klängen eines Pianisten begrüßt. Wen wundert’s, daß wir uns nach dem Lösen unserer Karten in dessen Nähe gesetzt haben, um die Zeit bis zum Showbeginn zu überbrücken. An einen bedienungsfreien Tisch zwar (und manch einer hätte schon einen Kaffee vertragen), aber dafür unmittelbar unterhalten durch Klassiker unserer Helden. Nach einer halben Stunde Plaudern und Vorfreuen ging es um 20.30 Uhr in das stilvoll arrangierte Festival Center, wo man – ganz Vegas-like – an runden Tischen sitzen und Drinks genießen kann. Nun noch schnell eine gekühlte Flasche Sekt bestellt, und die Showpremiere konnte beginnen.
Begrüßt wurden wir vom Sound des Savoy Dance Orchestra, das zum Einstieg zwei mitreißende Instrumentalnummern hinlegte – „In The Mood“ und „Sing Sing Sing“ stimmten uns auf die Show aus Las Vegas ein. Im Anschluß fand Frank-Darsteller Brian Duprey mit „Come Fly With Me“ einen flotten Einstieg in seine Rolle, die er, um es vorwegzunehmen, wirklich gut ausfüllte. Wenn auch die stimmliche und optische Täuschung natürlich nicht astrein war – und wer erwartet das bei einem Charakter wie Sinatra - vor allem in Sachen Habitus überzeugte Duprey als „Ol’ Blue Eyes“. Als nach „Luck Be A Lady“ Andy Dimino alias Dean Martin die Bühne betrat, war die Illusion allerdings perfekt: Der groß gewachsene Schauspieler war unserer Meinung nach das verblüffendste Double des Rat Packs. Natürlich begann er seinen Auftritt „direct from the bar“ mit dem typischen „When You’re Drinking“ und riß das Publikum dann mit einigen Dino-Swingern mit.

The Pack is back!
© mit freundlicher Genehmigung des ESTREL HOTEL & CONVENTION CENTER für Sinatra - The Main Event
Als die nächste Künstlerin die Bühne betrat, schlugen mindestens alle Männerherzen höher. Marylin ist nicht mehr unter uns? Von wegen! Die Reinkarnation heißt Susan Griffiths und dürfte Einigen aus dem Kultstreifen „Pulp Fiction“ bekannt sein. Die bezaubernde Blondine legte täuschend echt mit „I Wanna Be Loved By You“ los, flanierte singend durchs Publikum und begann, einen älteren Herren zu umgarnen, den sie für ihre nächste Darbietung gewinnen wollte. Nach anfänglichem Zögern traute sich „Jo“ (so seine verdutzte Antwort auf Marylins Frage nach seinem Namen) mit auf die Bühne und wurde zur Belohnung während „My Heart Belongs To Daddy“ liebkost… Eine sehr amüsante Einlage! Nach einem Duett mit Dean verabschiedete sich Marylin vorerst und gab die Bühne frei für Sherie Rae Parker, die zwei Songs im typischen Bette Middler-Stil zum Besten gab. Nach dieser schrillen Darbietung – unserem Geschmack nach eine Durststrecke, ohne die engagierte Darstellerin schmähen zu wollen – fragten sich Frank und Dean zurecht, wo denn Sammy bliebe.

Marcus Prost und Andreas Bergmann
'We've got the world on a string. Sitting on a rainbow."
Dieser (alias Louie Velez) ließ sich nicht lange bitten und beeindruckte uns mit einem stimmlich täuschend echten „The Birth Of The Blues“. Vor der Pause war das nunmehr komplette Rat Pack gemeinsam mit „The Lady Is A Tramp“ zu hören. Nach viel zu langen 20 Minuten Unterbrechung rief uns die Savoy Big Band mit einem Drum & Rhythm-Solo zurück auf die Plätze und legte einen heißen „One O’Clock Jump“ hin. Eine swingende Stunde lang ging es dann weiter, in der die Künstler mit viel Einsatz die jeweiligen Klassiker und andere Perlen des Great American Songbook darboten – unterlegt mit passenden Filmaufnahmen der „echten“ Vorbilder auf seitlichen Großleinwänden. Die ohnehin gute Stimmung steigerte sich zum Ende hin immer mehr. Zu Evergreens wie „Volare“ und „The Candyman“ wurde mitgesungen und die bereitgelegten Sternwerfer geschwenkt. Die gelöste Atmosphäre hinderte das Publikum allerdings nicht daran, andächtig dem sehr guten „What Kind Of Fool Am I“ von Louie Velez zu lauschen. Natürlich durfte auch „Theme From New York, New York“ nicht fehlen, das die Crew gemeinsam sang. Anschließend kam als Dirigent auch noch Arrangeur Buddy Bregman zu Ehren, der ja immerhin bei einigen Alben von Sammy Davis Jr. mitwirkte und auch mit Frank und Dean zusammenarbeitete. Als Krönung eines swingenden Abends verabschiedeten alle Darsteller ihre Gäste mit einem überzeugend klingenden „We Loved Bein’ Here With You“ – das galt wechselseitig – und der Zeile „We love Berlin“. Und Berlin liebte die Show, wie der anschließende Applaus bewies!
Eine besonders nette Überraschung folgte noch: Die Darsteller verschwanden nicht etwa in ihren Garderoben, sondern unterhielten sich im Saal angeregt mit ihrem Publikum und boten Gelegenheit zu denkwürdigen Schnappschüssen. Und heutzutage hat ja nicht jeder die Gelegenheit, seine Wand durch ein Photo in trauter Umarmung mit Marylin Monroe zu schmücken…
Bericht: Franz Lanzl & Andreas Bergmann für Sinatra - The Main Event, 2006

'Marylin Monroe' & Franz Lanzl
'Happy birthday Mr. President...äääh, Mr. Lanzl"
SONGLISTE:
1. In The Mood (Band Instrumental)
2. Sing Sing Sing (Band Instrumental)
3. Come Fly With Me (Brian Duprey)
4. Luck Be A Lady (Brian Duprey)
5. When You’re Smiling – When You’re Drinking (Brian Duprey, Andy Dimino)
6. Ain’t That A Kick In The Head (Andy Dimino)
7. Please Don’t Talk About Me When I’m Gone (Andy Dimino)
8. I Wanna Be Loved By You (Susan Griffiths)
9. My Heart Belongs To Daddy (Susan Griffiths, Gaststatist „Jojo“)
10. Baby It’s Cold Outside (Andy Dimino & Susan Griffiths)
11. That’s Amore (Andy Dimino)
12. Chapel Of Love (Sherie Rae Parker)
13. Boogie Woogie Bugle Boy (Sherie Rae Parker)
14. Monologue (Brian Duprey & Andy Dimino)
15. The Birth Of The Blues (Louie Velez)
16. Mr. Bojangles (Louie Velez)
17. That Old Black Magic (Louie Velez)
18. The Lady Is A Tramp (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez)
(Pause)
19. Drum’n’Rhythm Solo – One O’Clock Jump (Band Instrumental)
20. Chatanooga-Choo-Choo (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez, Susan Griffiths, Sherie Rae Parker)
21. You’re Nobody Till Somebody Loves You (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez)
22. I Get A Kick Out Of You (Brian Duprey)
23. Miss Otis Regrets (Sherie Rae Parker)
24. Me And My Shadow (Brian Duprey, Louie Velez)
25. Long As I Get A Kiss (Andy Dimino, Sarah Griffiths)
26. Diamonds Are A Girl’s Best Friends (Sarah Griffiths)
27. Volare (Andy Dimino)
28. The Candyman (Louie Velez)
29. What Kind Of Fool Am I (Louie Velez)
30. (Theme From) New York, New York (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez, Susan Griffiths, Sherie Rae Parker)
31. Buddy Bregman conducts Big Band
32. It Don’t Mean A Thing If It Ain’t Got That Swing (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez, Susan Griffiths, Sherie Rae Parker)
33. We Loved Bein’ Here With You (Brian Duprey, Andy Dimino, Louie Velez, Susan Griffiths, Sherie Rae Parker)
34. Sing Sing Sing (Band Instrumental)

Andreas Bergmann, 'Dean Martin" & Franz Lanzl
'Come smile with me" & im Hintergrund: 'When you're drinking'








