Baubles, Bangles And Beads
Infos
Zwei sehr unterschiedlich Versionen dieses Song nahm Sinatra auf. Die erste Aufnahme, von Billy May arrangiert und am 22.12.1958 in L.A. aufgenommen, erschien auf dem Capitol-Concept-Album "Come dance with me". Wenn man genau hinhört, kann man Sinatra bei dieser Aufnahme sogar mit dem Finger schnippen hören; dies zeigt, wieviel Spaß er bei der Aufnahme gehabt haben muss.
Die zweite Aufnahme ist ein Duett mit dem brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim. Diese Version wurde von Claus Ogerman arrangiert und am 30. Januar 1967 in Hollywood für das Album „Sinatra & Jobim“ aufgezeichnet und hält dem Vergleich mit der ursprünglichen Version m. E. nach zu keiner Zeit stand.
Übersetzung
Baubles, bangles, and beads
Protziger Schmuck, große Armreifen – hör’ mal, wie das klimpert!
Schmuckspielereien, Modeschmuck, hell strahlende Perlen,
Funkelndes, Flitter – Dein Herz wird jubeln,
Wenn Du große Ketten, Anhänger und Glasperlen trägt.
Du wird glitzern und schimmern und so jemanden zum Träumen verlocken,
So daß er Dir eines Tages vielleicht doch einen Ring kaufen;
Ich habe nämlich gehört, wohin es führt,
Wenn man Straßschmuck, Klunkergehänge und Halsschmuck aus künstlichen Perlen trägt.
Protziger Schmuck, große Armreifen – hör’ mal, wie das klimpert!
Schmuckspielereien, Modeschmuck, hell strahlende Perlen,
Funkelndes, Flitter – Dein Herz wird jubeln,
Wenn Du große Ketten, Anhänger und Glasperlen trägt.
Du wird funkeln und strahlen, jemanden zu einem Traum verführen;
Und so wir er wohl einen Ring für Dich besorgen,
Denn das soll doch die Folge sein,
Wenn jemand Glitzerschmuck, Armschmuck und Ketten mit großen Perlen trägt,
All diese klimpernden Armreifen und diese großen Perlenhalsbänder.
© Uwe Domnick für Frank Sinatra – The Main Event, 2010
Diskographie
CD: 46013-2 The Complete Reprise Studio Recordings Disc 11
CD: 1021-2 Francis Albert Sinatra & Antonio Carlos Jobim
LP: FS1021 Francis Albert Sinatra & Antonio Carlos Jobim
Stimmen zum Song:
Marcus Prost:
Ich sehe den Kontrast zwischen den beiden Fassungen aber noch deutlich größer: Die Capitol-Fassung ist m.E. ein wirklich großartiger Swing-Titel, den Sinatra in seiner typischen Lockerheit ins Mikrophon swingt, die spätere Fassung würde ich unter die Rubrik "Hochverrat an der US-amerikanischen Kultur" einordnen. Dieses Lied hat nichts mehr mit dem Stil der All-American-Songbook-Titel zu tun, er ist entfremdet und völlig entstellt. Das ist so, als ob man "Preußens Gloria" mit chinesischen Instrumenten spielen würde. Neben dem langweiligen "Blue Hawaii" und der Jobim-Fassung von "Change Partners" gehört die Reprise-Fassung von "Baubles..." zu meinen absoluten Anti-Favoriten.
Würde ich nur diese drei Lieder von Sinatra kennen, wäre ich sicher nie Fan geworden.
Holger Schnabl:
Zwei sehr unterschiedliche Fassungen eines Songs stehen ... zur Diskussion. Sinatra hat ja immer wieder Titel erneut eingespielt, oftmals aber ohne den jeweiligen Song wesentlich zu verändern. So etwas ist unproduktives Auf-der-Stelle-Treten und einem Künstler wie Sinatra eigentlich nicht geziemend. Im Falle von „Baubles...“ macht diese Vorgangsweise allerdings Sinn, denn die beiden Fassungen dieses Songs haben nur mehr den Text gemeinsam. Das ist sehr löblich von Sinatra, im Gegensatz dazu hinterlassen Neuaufnahmen von Titeln wie „All The Way“ oder „In The Wee Small Hours“ ja immer einen etwas schalen Nachgeschmack, man weiß nach dem kopfschüttelnden Hören nicht, wozu war das jetzt eigentlich gut, ganz zu schweigen von eindeutig verhunzten Neu-Einspielungen wie etwa „Stormy Weather“, „This Is My Love“ oder „Some Enchanted Evening“ für die es weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung geben kann. Ich gestehe freimütig, wenn ich obige drei Titel höre – was relativ selten geschieht, wie ich anfügen muss – wird mir als Kenner der Materie ganz unbehaglich zumut.
Nun stehen hier aber nicht etwa die verhunzten Neuinterpretationen zur Diskussion, sondern „Baubles, Bangles And Beads“. Wohlan, Freunde lasst uns zur Sache schreiten, sage ich, wenngleich ich mir das meiner Ansicht nach höchst interessante und ersprießliche Thema „Unnötige, fragwürdige bzw. verschandelte Neuinterpretationen von diversen Songs, die Sinatra schon zuvor aufgenommen hatte“ schon jetzt für ein in Bälde zu eröffnendes und dann hoffentlich regen Zuspruch findendes Diskussions-Thema reservieren möchte.
Auf dem furiosen Swing-Album „Come Dance With Me“ finden wir eine derartige Fülle von hervorragenden Up-Tempo-Nummern, das „Baubles...“ auf diesem Album ziemlich in den Hintergrund abgedrängt wird, wie mir scheint. Ein routiniert vorgetragener Swinger allenthalben, der aber von allen Songs des Albums meiner Auffassung nach der unauffälligste ist. Im Kontext des Albums ist der Song nur Durchschnitt, er fällt weder positiv noch negativ auf. Tatsächlich halte ich „Baubles...“ von allen Songs des Albums für am ehesten verzichtbar, er würde mir jedenfalls kaum abgehen...
...sehr viel anders verhält es sich allerdings bei der Version, die wir auf „FAS & ACJ“ aus dem Jahre 1967 finden. Hier präsentiert sich das Lied in einem balladesk-leichtfüßigen Bossa-Nova-Arrangement, das Claus Ogermann hervorragend gelungen ist. Lob, Lob und immer wieder Lob! Ein tolles, facettenreiches Arrangement! Das beginnt schon mit dem gezupften Gitarrenintro und hört bei der tollen Rhythmusarbeit noch lange nicht auf. So viele Details sind hier zu entdecken, dass sich wiederholtes Hören in jedem Falle lohnt. Meine Freunde, ich bin fraglos sehr beeindruckt! „Baubles...“ welche – auch das muss gesagt werden - an sich kaum mehr als eine Durchschnitts-Komposition mit einem ziemlich dümmlichen Text ist, gewinnt durch dieses großartige Arrangement sehr, sehr viel dazu. Sinatra singt den Song auch mit wesentlich mehr Tiefgang (kein Wunder, handelt es sich hier ja um eine herrlich entspannte Balladenfassung) und phrasiert wunderbar. Diese Tatsache halte ich für ganz besonders wichtig, da die Aufnahme nach 1965 gemacht wurde und Sinatra nach diesem Zeitpunkt stimmlich meist alles Andere als auf der Höhe war. Auch auf diesem Bossa-Nova-Album, das ja an sich fast nur aus Höhepunkten besteht, ist „Baubles...“ natürlich lange nicht der beste Song, aber verdient dennoch (beinahe) das Prädikat „hervorragend“ und ist für mich die deutlich bessere Fassung des Songs. Die Zusammenarbeit mit Jobim/Ogermann war augenscheinlich für den damals in die Jahre kommenden Sinatra sehr inspirierend.
Andreas Bergmann:
Die Capitol-Version von "Baubles" finde ich absolut genial - ein ausgelassener Swinger, der einen einfach mitreißt. Wie fast alles auf dem phänomenalen "Come Dance With Me"! (da ist das überschwengliche Lob schon angebracht )
Der 1967er Fassung kann ich - sorry an alle Jobim-Fans - nur wenig abgewinnen. Ich hörte diese Fassung erst zu einer Zeit, als ich die Capitol-Version schon kannte und fand sie sterbenslangweilig. Der Bossa Nova passt bei diesem Song m.E. kein bisschen, außerdem kann man sich mit der Neuaufnahme nur schwer anfreunden, wenn man den Song sozusagen schon "3 Gänge höher" kennt.
Weil hier auch "Change Partners" angesprochen wurde... ich male mir gerade aus, was für ein stürmisches Meisterwerk dieser Song auf dem Album "Come Dance With Me" geworden wäre. Billy's hartes Swing-Arrangement, ein ausgelassener, kämpferischer Sinatra - Mann, ich denke dieses Lied hätte als 1959er Fassung seine Erfüllung auf dem Album gefunden. Stattdessen gibt's leider nur die saft- und kraftlose Jobim-Fassung und die fantastische Liveperformance von 1986. Naja, letztgenannte ist auch nicht zu verachten!
