Don’t Ever Be Afraid To Go Home
Infos
Diese Columbia-Single wurden am 06.02.1952 mit einem Axel Stordahl-Arrangement in Hollywood aufgenommen.
Stimmen zum Song:
Bernhard Vogel:
Sinatra covert hier einen Popsong, den Carl Sigman ("What Now My Love") und Bob Hilliard ("In The Wee Small Hours") für Bing Crosby komponierten, der das Lied mit einigem Erfolg als Single herausbrachte, und dessen Version mir auch besser gefällt als die von Sinatra. Sinatras Single (die sowohl auf 78rpm als auch auf 45rpm erschien) blieb in den Charts bedeutungslos, danach kam der Song erst wieder auf der 12-CD-Box zum Vorschein.
The Voice ist hier aber schön bes(ch)wingt anzuhören, begleitet von einer netten kleinen jazzigen Truppe (nur Bläser und Rhythmusgruppe) und einem schönen Solo von Babe Russin. Beides, Swing-Sound und kleine Besetzung, waren zukunftsweisend - Capitol am Horizont! Das gilt auch für das Arrangement, das offiziell Axel Stordahl zugeschrieben wird, das aber wohl eher von George Siravo stammen dürfte (der als 'Ghostwriter' zahlreicher Stordahl- und auch einiger Riddle-Charts anzusehen ist). Das Stück gehört sicher zu den vielen schönen kleinen liebenswerten Entdeckungen, die man auf einer Reise durch die Columbia-Welten Sinatras machen kann.
Holger Schnabl:
Hier tritt uns - wieder einmal- die Columbia-Phase in einer ihrer reizvollsten Facetten entgegen, nämlich ausgelassen swingend.
Ist Sinatras Leistung, verglichen mit anderen Swing- und Schmalz-Sängern jener Tage, ein Beweis wirklicher Überlegenheit, so stellt sie dem unerachtet innerhalb von Sinatras Swing-Schaffen doch nur eine Durchschnittsleistung dar, welche zwar durchaus wohlbekömmlich ist, aber den meisten anderen Swing-Nummern der Columbia-Phase nicht Paroli zu bieten vermag.
Kein Song also, über den zu schwärmen es sich verlohnte, aber immerhin liebenswürdig und stellenweise sogar übermütig – kurzum ein Song, den man sich von Zeit zu Zeit gerne und nicht ohne ein gewisses Behagen einschlürft, der aber keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterläßt.
Wenn man also dermaleinst, Generationen von heute, das Gesamtschaffen einer sorgfältigen Gewichtung unterzieht, wird der Song wohl im hinteren Drittel angesiedelt werden. Dennoch ist der Titel selbstredend sehr viel hörenswerter als alle Swing-Versuche des alten Sinatra, wie er sie beispielsweise auf dem Album „L.A. Is My Lady“ zum Besten gibt. Im Übrigen ein Album aus dem Jahre 1984 (dies nur für die weniger Kundigen unter den Lesern), auf welchem der arg ramponierte Bariton – nebstbei bemerkt, offenbar von falscher Eitelkeit verleitet – meinte, er hätte noch die (musikalische) Potenz, um „Bäume auszureißen“.
Wo Sinatra ein Swing-Feuer entzünden wollte, blieb es leider bei einem kümmerlichen Flämmchen, kaum angetan, auch nur ein gemütliches Pfeifchen zum Glimmen zu bringen.
Wie auch immer, seinerzeit im Jahre Neunzehnhundertundzwoundfuenfzig verhielten sich die Dinge noch ganz anders und somit vergebe ich für das dieswöchige Lied von maximal zehn Punkten immerhin sechs Punkte, was in Worten bedeutet: etwas über dem Durchschnitt liegend, aber nur ganz, ganz, ganz knapp darüber.
