Everybody’s Twistin’
Infos
Arrangiert von Neal Hefti, mit einer Sinatra-untypischen Twist-Melodie, nahm Frank Sinatra den Song am 27. Februar 1962 in Los Angeles auf. Er ist als "Bonussong" auf dem Reprise-Album "Sinatra and Swingin' Brass" zu finden. „Everybody´s Twistin´“ steigt am 7. April 1962 in die amerikanischen Billboard Charts ein. Der Song bleibt insgesamt 2 Wochen in den Charts und belegt als höchste Platzierung Platz 75.
Übersetzung
Alle twisten
(Everybody's Twistin)
Nun, sie mussten etwas neues haben
Einen Tanz, der ihnen richtig Spaß macht
Deshalb fing jemand an, zu twisten
Eine richtig hippe Biene tanzte ein paar neue Schritte
und bald haben alle Kids getwistet
Es hat nicht lang gedauert bis die Erwachsenen es probierten
Das Who's who der ganzen Stadt hat es gekauft
Alle sieht man sich herumwinden und drehen und twisten
Es hat sich wie ein Feuer ausgebreitet
und wurde zu einer Mode, die die ganze Nation packt
Alle twisten, hüpfen, springen und drehen sich
Alle twisten - Bop!
Übersetzung: Andreas Bergmann
für
Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Andreas Bergmann:
Ich persönlich höre ihn sehr gerne, da er unheimlich viel Drive hat und einer der schnellsten Sinatra-Songs überhaupt ist. Auch finde ich, dass Frank mit dem Tempo so swingend und spielerisch umgeht, dass der Song einen nur noch mitreißen kann. Wer die Sessions zum Song hört, erkennt sofort, dass "The Voice" den Song mochte! Der Höhepunkt von "Twistin'" ist wohl erreicht, wenn Frank nach dem großartigen, etwas exotisch klingenden Orchesterpart wieder mit einem übermütigen "well oh, well oh, well oh..." einsetzt und nochmal richtig powert.
Kurzum, ich halte die erste Zusammenarbeit Sinatras mit Neal Hefti für absolut gelungen - "Everybody's Twistin'!" ist der Partysong schlechthin und eines der ausgelassensten Sinatra-Stücke, das einfach Spaß macht.
Holger Schabl:
Everybody´s Twistin´” ist eine nicht üble Party-Nummer, aber sie passt eigentlich doch nicht sehr zu Sinatra. Sinatra war ein großartiger Balladeninterpret und ein grandioser Swinger, aber keinesfalls war er ein „Shouter“. Deswegen hat er auch wohlweislich vom Rock´n´Roll oder Rhythmn´n´Blues weitestgehend die Finger gelassen. Auf diesem Feld (und die zur Diskussion stehende Nummer bewegt sich für meine Begriffe ziemlich nahe an diesem Feld) war für ihn wenig zu holen, für diese Art Musik hatte er eindeutig die falsche Stimme. Hätte Sinatra ausschließlich Nummern wie „Everybody´s Twistin´“ aufgenommen, niemand wäre je auf den Gedanken gekommen, ihn als DEN Sänger des 20. Jhdts. zu bezeichnen...All die Vorzüge Sinatras, die ihn groß gemacht haben, werden ihm von dieser Nummer nicht abverlangt, daher ist die ganze Sache Sinatra-untypisch.
Der eine Sänger eignet sich eben besonders gut für diesen Stil, der andere wiederum für jenen. Elvis Presley hätte sich wohl auch schwer getan, „I´ve Got You Under My Skin“ zu singen... Das Lied hebt sich nicht wesentlich ab von jenen Nummern, die Sinatra am Ende seiner Columbia-Zeit öfters gezwungen war, zu singen, wie etwa „Bim Bam Baby“. Damals hat er ja eine Reihe solcher „Novelty“-Songs zurückgewiesen, was dann ja auch einer der Gründe war, warum man seinen Vertrag bei Columbia nicht verlängert hat. Seltsam, dass er später bei Reprise eine ganze Reihe von eher fragwürdigen Songs, die er seinerzeit mit Sicherheit abgelehnt hätte, plötzlich freiwillig gesungen hat. Sicher kein Song, für den ich extra die CD aus dem Regal nehmen würde, kein Geniestreich von Sinatra, und würde es den Song nicht geben, wäre es auch nicht allzu schade.
Bernhard Vogel:
Sinatra hat für diese Single (Rückseite: "Nothing But The Best Is Good Enough For Me") sehr sehr lange geprobt und eine ganze Reihe verschiedener Versionen abgeliefert; bewußt wählte er dabei einen 'moderneren' Rhythmus, um jenseits seiner durch die Alben abgedeckten klassischen Arrangements sein Chartglück zu versuchen. Das ging zwar schief (die Single war ab dem 3.4.62 nur zwei Wochen in den Billboard-Charts und erreichte nur #75), aber dafür war Sinatra hellauf begeistert von dem Arrangeur Neal Hefti, mit dem er hier zum ersten Mal zusammenarbeitete und den er nach diesem "Test" gleich für das "Swinging Brass"-Album (April 1962) und danach für "Sinatra-Basie" (Oktober 1962) verpflichtete.
Mir gefällt die Nummer, die sicher kein Spitzensong ist, ausnehmend gut, denn sie zeigt Sinatras frische Vielseitigkeit zu Beginn der Reprise-Jahre, dazu ein paar peppige Starsolisten im Orchester (u.a. Benny Bailey).
Jan Lachmann:
Zuallererst einmal ist der Titel natürlich kein klassisches Sinatra-Material, sondern vielmehr eine Art Novelty-Song, also Liedern wie "Bim Bam Baby", "Tennessee Newsboy", "Since Marie Has Left Paree" und "French Foreign Legion" nicht ganz unähnlich, soll heißen, musikalisch und textlich eher sparsam.
Wie sieht es nun mit dem reinen Unterhaltungswert aus? Sinatra scheint beim Singen des Stückes tatsächlich seinen Spaß daran gefunden zu haben und er bringt uns das auch gut rüber. Das Tempo ist extrem, etwa so wie bei "The Most Beautiful Girl In The World", das Arrangement ist energiegeladen, der Text durchaus witzig. Für mich ergibt sich daraus in der Gesamtheit ein Song, der mir gut gefällt (früher fand ich ihn sogar mal sehr gut), auch wenn er alles andere als ein Meisterwerk ist.
Mir gefällt es durchaus gut, wenn Künstler einmal von ihrer Art Songmaterial abweichen und etwas neues, unerwartetes machen (solange es sich in Grenzen hält, versteht sich), unabhängig davon, ob dieses Neue höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird. Sogar ein Schrott-Titel wie "Mama Will Bark" ist hin und wieder ganz lustig zu hören, ebenso wie ich die Disco-Versionen von "Night And Day" und "All Or Nothing At All" nicht missen will, nicht zu vergessen die Love & Peace Schmonzette "Noah".
Andreas Kroniger:
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Nun, "Everybody´s twistin´" gehört sicherlich zu den Song,..., die man mit z.B. "Bim Bam Baby" in einem Atemzug nennen kann. Ich habe mal gelesen, der Song ist "a little bit like car crash", was eine ziemlich gute Beschreibung für diesen Song ist. Man denkt an nichts "Böses" und wird von Frank Sinatra mit einem absolut untypischen Song überrascht. Dies ist nicht negativ gemeint, obwohl dem Song, abgesehen vom Überraschungseffekt, nicht viel abzugewinnen ist. Eine andere Anmerkung am Rande: Der Twist war 1962 doch auch schon lange wieder vorbei. Ich kann nicht nicht vorstellen, dass Sinatra ein Freund des Twist oder auch des Rock´n Roll war. So bleibt es wohl ein Geheimnis, warum er den Song aufgenommen hat. Sicherlich keine Überraschung hingegen scheint, dass der Song erst 1992 als Bonus dem Album beigefügt würde.



