Five Hundered Guys
Infos
the bIra Kosloff und Donald Canton, zwei Songschreiber der „zweiten Reihe“, über deren sonstiges Wirken heute kaum noch etwas zu ermitteln ist, außer daß sie auch für z.B. Perry Como und Peggy Lee einige Stücke geschrieben haben, komponierten 1956 für Sinatra das Lied „Five Hundred Guys“. Ein Popsong, den Sinatra am selben Tag aufnahm wie seinen großen Charterfolg (#6 bei Billboard) „Hey Jealous Lover“. Nelson Riddle arrangierte das Stück, in ähnlichem Stil wie „Hey Jealous Lover“, mit Begleitchor und Big Band als (nur damals?) „moderne“ Nummer. Der Song erschien bei Capitol als Rückseite der Single „How Little We Know“ und geriet danach, sieht man von einer speziellen LP der 70er Jahre ab, in Vergessenheit, bis er auf der Capitol Singles Collection auf CD erschien. Sinatra selbst kam auf den Song nie mehr zurück.
Obwohl gleich der erste Take gut gelang, nahm Sinatra weitere 13 Takes dieses Liedes auf (take 14 wurde dann die Platte). Der Begleitchor war live im Studio, wurde also nicht später dazugemischt. Zum Chor gehörte Ralph Brewster, dessen Vokalgruppe (Ralph Brewster Singers) Sinatra ein Jahr später im Juli 1957 auf seinem Capitol-Weihnachtsalbum „A Jolly Christmas from Frank Sinatra“ begleitete.
Infos: Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event
Diskographie:
CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 9.4.1956 (take 14)
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower
Begleitchor: Ralph Brewster, Marilyn Lewis, Alicia Adams, Allan Davis, John Mann, Lee Gotch
Arrangement von Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Capitol Single #3423 (Rückseite von „How Little We Know“)
CD: Complete Capitol Singles Collection (CD 2 track 20)
Übersetzung
Fünfhundert Männer
(Five Hundred Guys)
500 Männer haben 1000 Augen
für mein Mädchen
Sie stehen herum und starren, ganz gleich wohin sie geht
500 Männer haben ein großes Verlangen
Für mein Mädchen
Sie würden ihr gerne Diamantringe und Klamotten kaufen
Ich musste wirklich viele Wettbewerbe gewinnen
Und ich werde nicht verraten, wie ich meine Nummer Eins-Position erreicht habe
Aber 499 verschwenden ihre Zeit mit meinem Baby
Und hier ist der Grund, warum mein Mitgefühl haben:
Weil mein Mädchen auf mich steht!
500 Männer haben 1000 Augen für mein Mädchen
Sie stehen herum und starren, egal wohin sie geht
500 Männer haben ein großes Verlangen
Sie würden ihr gerne Diamantringe und Klamotten kaufen
Ich musste wirklich viele Wettbewerbe gewinnen
Und ich werde nicht verraten, wie ich meine Nummer Eins-Position erreicht habe
Aber 499 verschwenden ihre Zeit mit meinem Baby
Und hier ist der Grund, warum sie mein Mitgefühl haben:
Weil mein Mädchen zwei Augen hat,
großartige, große, leuchtende, blaue Augen
Mein Mädchen steht auf mich!
Mein Mädchen steht nur auf mich!
Übersetzung © Marc Rothballer für Sinatra – The Main Event, 2006
Stimmen zum Song:
Tim Bialek:
Der Song hat einen Touch von Rock'n'Roll, ist das nun zeitgebunden oder nicht? Wie bei "Wee Small Hours" ist das für mich eine sehr müßige Diskussion. Ich finde Musik gut oder schlecht; ob sie nun angestaubt oder taufrisch ist, spielt dabei für micht keine Rolle. "Five Hundred Guys" ist "Hey Jealous Lover" und "How Little It Matters" vom Rhythmus her sehr ähnlich.
Insgesamt eine sehr schmissige, fast überschwengliche Nummer mit einem umso überraschenderen ruhigen Schluss mit der typischen "Riddle-Bassposaune."
Marcus Prost:
Das genannte Lied ist ein frohliches Lied, das im positivsten Sinne "anspruchslos" ist. Sinatra beweist wieder einmal, daß er auch das schwierige Metier der eingängigen Unterhaltungsmusik beherrscht. In Deutschland wir ja oft auf diese "U-Musik" hochnäsig herabgeblickt, ich halte hiervon aber nicht. Eines nettes eingängiges Lied aufzunehmen, kann genau so schwierig sein, wie eine einsamen Salon-Song einzuspielen, oft sogar schwieriger. ...Für mich ist dieses Lied ein wirklich nettes Musikstück, daß sich nicht zu verstecken braucht. Presleys "Return to sender" könnte es locker ausstechen, würde es nur einmal richtig vermarktet werden. Welche Gründe auch immer dafür verantwortlich waren, daß dieses Lied nie ein weltweiter Erfolg geworden ist, am Lied selbst hat es nie gelegen. Ein Jahrhundertlied ist es zwar sicher nicht, kann aber locker mit den meisten heute noch allgemein bekannten Liedern aus der Zeit mithalten.
Alfred Terschak:
Es ist eine typische B-Seite, aber viele Frank.B-Seiten könnten mit entsprechender Vermarktung auch oder gerade heute echte Erfoge werden. Der Chor ist ein wenig schrecklich, der Song aber an sich wahrlich ganz nett - keine Big-Number, aber vielleicht sogar ein interessanter Stimmungsmacher.
Andreas Est:
Nettes Lied, angenehme Unterhaltung. Genau das, was ich an FAS so liebe - ein (wie fast immer) gutes Arrangement und ein Song, der schlechte Laune (die ich wohl auch wegen Frank recht selten habe) vertreibt .......
Katharina Herrmann:
Der Chor im Hintergrund gefällt mir persönlich nicht besonders, aber hier passt er dazu, er vervollkommnet dieses unbekümmerte Swinggefühl von dem der Song getragen wird.
Sinatra in einer guten Zeit, bei guter Stimme mit gutem Orchester.
Bernhard Vogel:
Sinatras Ausflüge ins musikalische Tagesgeschäft der 50er waren insgesamt nicht besonders erfolgreich, ich finde dieses Lied und "Hey Jealous Lover" (aufgenommen am selben Tag) aber erheblich besser als z.B. die beiden Nummern mit den "Nuggets" (From The Bottom To The Top und Two Hearts Two Kisses Make One Love). Irgendwie hat "500 Guys" was, der Sound einschließlich Chor ist jedenfalls sehr homogen.
Der Text ist inhaltlich völlig belanglos, sicher, aber er ist auch sehr stark durchgereimt, wie aus der Wiedergabe im Eröffnungsposting ersichtlich. Darin unterscheidet er sich, wie ich meine positiv, z.B. völlig von den Texten entsprechender "Pop-Liedchen" der 60er wie z.B. "Somewhere In Your Heart" oder manch anderem der Sinatra-Freeman-Songs. Riddles Arrangement weiß die zahlreichen Binnenreime der Liedzeilen gekonnt in seinem Arrangement zu unterstreichen, für mich immer ein weiteres Kriterium für Riddles Genialität. Manch anderer Arrangeur, z.B. Ernie Freeman oder gelegentlich auch Don Costa in seinen schwächeren Arbeiten, arrangierte *gegen* den Text, das kam bei Riddle eigentlich nie vor.
Summa summarum ein nettes kleines 'Schätzchen' aus den Fünfzigern, sicher wert öfters gespielt zu werden.
