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Have Yourself A Merry Little Christmas

Titel

Have Yourself A Merry Little Christmas

Text & Musik

Hugh Martin & Ralph Blane

Infos

"Have yourself a merry little christmas" ist sicherlich der schönste aller Sinatra-Weihnachtssong, den "The Voice" insgesamt 4x im Studio aufnahm. Der Song stammt aus dem Judy Garland Film "Meet me in St. Louis" aus dem Jahre 1944. Am 26.06. und am 03.07.1947 nahm Sinatra den Song mit einem Axel Stordahl Arrangement in Hollywood für Columbia auf. Der als Single erschienene Song wurde auf dem Album "Christmas Dreaming" (Columbia 1957) veröffentlicht. Im gleichen Jahr nahm Sinatra den Song übrigens für Capitol ebenfalls in Hollywood auf. Diesmal mit allerdings mit einem Gordon Jenkings Arrangement und den Ralpf Brewster Singers. Die Aufnahme stammt 16.07.1957.

Auf den Tag genau sechs Jahre später, am 16.07.1963, nahm Sinatra den Song für den Columbia Film "The Victors" (Colpix Records, 1963) auf. Der Song ist auf der Box "In Hollywood", CD 6 - Song 14, zu finden. Die vierte und letzte Studioaufnahme des Song stammt vom 13.10.1963 - der Orchsterpart vom 30.04.1963. Die Aufnahme, ebenso mit einem Gil Grau Arrangement wie die Soundtrackaufnahme, erfolgte in Los Angeles. Der Song wurde auf dem Reprise-Album "Have yourself a merry little christmas" im gleichen Jahr veröffentlicht.

Sinatra sang den Song übrigens u.a. am 23.12.1950, am 25.12.1951 in "The Frank Sinatra Show" und am 21.12.1967 in der "Dean Martin Christmas Show".

Übersetzung

Stimmen zum Song:

Andreas Bergmann:

"Have Yourself A Merry Little Christmas" finde ich von Frank klasse, wie das gesamte "Jolly Christmas"-Album. Es gibt nichts, was ich in der Weihnachtszeit lieber höre.

Tim Bialek:

Also ich kann keine Version schlecht finden. Sie haben alle was. Ein sehr liebliches Arrangement von Stordahl. Ein sehr wirkungsvolles (weil FS alleine anfängt) mit den Ralph Brewster Singers von Jenkins (Chor als Begleitung bei Weihnachtsmusik macht sich immer gut), aber ich finde das Orchesterarrangement von Gil Grau und damit die kommerzielle Reprise Version am besten. Die "Victors"-Version fällt wegen der mäßigen Soundqualität (Rauschen) etwas ab.

Bernhard Vogel:

Denn ob man nun selber Weihnachten mag oder nicht, die um dieses Fest kreisenden Lieder trafen schon immer den interpretatorischen Nerv von "The Voice", jedenfalls wenn man sich seine verschiedenen Interpretationen von Weihnachtssongs zwischen 1943 und 1991 anhört, und viele davon gehören zu seinen besten Aufnahmen. Das trifft eigentlich auch schon auf seine Columbia-Aufnahmen von "Have Yourself A Merry Little Christmas" zu, die sich nur in Kleinigkeiten voneinander unterscheiden (zu den Dates und den Platten siehe mein früheres Mail in diesem Thread), wie überhaupt die ganzen "Season's Songs", die Columbia/Legacy auf dem schönen Sampler "Christmas Songs By Sinatra" versammelt hat, einfach nur 'wunderschön' sind.
Die Capitol-Version von 1957 aber ist ein Meisterstück, viele, die in den 50er Jahren zu Sinatra-Fans geworden sind, sagen heute noch, daß diese Aufnahme dazu beigetragen hat, sie endgültig "zu überzeugen" bzw. "umzuhauen". Wie das ganze Album "A Jolly Christmas from Frank Sinatra"(für mich DAS Weihnachtsalbum überhaupt), so ist, finde ich, besonders dieser Track kaum besser zu singen. Zumal Gordon Jenkins in seinem Arrangement mit den Streichern entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten eher sparsam umgeht, und Sinatra auf dem Höhepunkt seiner phrasierend-interpretatorischen Genialität die poetischen Feinheiten der Lyrics in bezaubender Weise hervorhebt. Hmmh, klingt ja ein bischen abgehoben, was ich da schreibe, aber sonst ist es kaum in Worte zu fassen. Ich hätte allenfalls stattdessen einfach schreiben können. Garland hatte den Song 1944 als traurigen Abgesang auf eine verlorene Jugend interpretiert, Sinatra behält zumindest die Melancholie bei, ohne gleichzeitig auf eine "Zuversicht" in seinen stimmlichen Nuanchen zu verzichten. Besser geht es eigentlich nicht. Oder doch?
Zweimal nahm Sinatra den Song 1963 erneut auf, innerhalb weniger Monate. Die zweite Fassung (Oktober 1963) erschien auf einem leider nie als CD wiederaufgelegten wunderschönen Reprise-Album (RS 50001) "Frank Sinatra and Friends want you to Have Yourself A Merry Little Christmas" (zu hören auf dem "Koffer" und der Reprise-Sampler-CD mit allen Sinatra-Wewihnachtssongs auf Reprise), vielleicht eines der wenigen Male, wo ein "Remake" auf Reprise einer Capitol-Fassung zumindest gleichkam.
Der heimliche Gewinner aber ist die Fassung für "The Victors" (zu hören auf der "Hollywood-Box"). Sinatra klingt hier (Juli 1963) erheblich 'zerbrechlicher', manchmal auch harscher und, so mag es einem beim ersten Hören vorkommen, unkonzentrierter als auf der Oktober-Version. Doch gelang ihm dadurch in gewisser Weise ein Rückgriff auf die Emotionen, die einst Judy Garland in die Worte hineingelegt hatte, in denen reale Trauer gewünschte 'Festlichkeit' überdeckt. Das war kein Zufall. Denn diese Aufnahme, die als Duett mit Bill Miller am Klavier entstand (das Orchester wurde später dazugemischt), war ja als Filmsoundtrack gedacht. Und aus den Filmen, in denen Sinatra nur zu hören (und nicht selbst zu sehen) ist, gibt es ganz sicher keine bewegendere Szene als diese aus "The Victors".
Carl Foreman ("Die Kanonen von Navarone") produzierte dieses eindringliche Antikriegsmelodram als Episodenfilm, der in mehreren nur sehr lose miteinander verknüpften Geschichten versucht, Stimmungen aus Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs einzufangen. Eine dieser Episoden handelt vom Schicksal eines amerikanischen Deserteurs, der nach verzweifelter Flucht durch einsame, tief verschneite Landschaften schließlich doch von der US-Militärpolizei gestellt und sogleich hingerichtet wird. Die Schlußszene wurde an einem klaren Wintertag auf einem zugefrorenen See in Schweden gedreht. Das Exekutionskommando nimmt Aufstellung, legt an und erfüllt seinen Befehl - und zu dieser Szene, zu den stummen Schüssen der Brigade und dem Sterben des Soldaten, erklingt Sinatras "Have Yourself A Merry Little Christmas".
Wer diese Szene, und die grandios photographierten Bilder, die endlose Weite der Winterlandschaft und ihren Kontrast mit 'close-ups' von dem Geschehen, einmal auf Leinwand gesehen hat, wird sie sicher nie mehr vergessen.
Warum von all dem in den Liner-Notes der Hollywood-Box nicht die Rede ist (dort wird lediglich davon gesprochen, der Song untermale im Film eine "Schlüsselszene", ohne daß dies näher erläutert wird), darüber lohnt es sich vielleicht 'gerade an Weihnachten' (aber natürlich auch sonst) einmal nachzudenken. Genauso wie darüber, warum dieser Film eigentlich so gut wie nie mehr im Kino oder im TV zu sehen ist.
In London hatte ich vor Jahren die Gelegenheit, den Film zu sehen, ohne auch nur eine Ahnung von dieser Szene zu haben. Als sie dann kam, habe ich mich meiner Tränen nicht geschämt.



 

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