Here’s That Rainy Day
Infos
Jimmy van Heusen und Johnny Burke, Sinatras „altes“ Komponistenteam vor allem der Vierziger Jahre, schrieben das Lied 1953 für die Broadway-Show „Carnival in Flanders“, wo es von John Raitt und auch von Dolores Grey interpretiert wurde.
Für das Capitol-Album „No One Cares“ machten Frank Sinatra und Gordon Jenkins daraus im März 1959 eine der tieftraurigsten Balladen, die The Voice jemals im Studio eingespielt hat (= Version #1). Wenn man diesem Album das Etikett „suicide album“ gegeben hat, dann nicht zuletzt aufgrund dieser Aufnahme. Sinatras Fassung beeinflußte zahllose spätere Interpretationen anderer Künstler.
Im Dezember 1959 sang Sinatra das Lied dann auch in seinem ABC-TV-Special „An Afternoon with Frank Sinatra“ (= #2), wiederum als Ballade, aber diesmal begleitet vom Red Norvo Quintett, mit dem er zu dieser Zeit auch auf Konzerttourneen unterwegs war.
Im November 1961 ließ Sinatra für sein neues Label Reprise eines seiner Solo-Konzerte im legendären „Copa Room“ des Sands in Las Vegas aufzeichnen, darunter auch eine Live-Darbietung dieses Songs. Die Aufnahme blieb allerdings bislang offiziell unveröffentlicht (= #3).
Zweimal verwendete Sinatra dann nahezu das komplette Lied für einen seiner epischen Saloon-Medleys in seiner Fernsehshow: 1968 baute er das Stück als „Rahmensong“ in den von Don Costa arrangierten Saloon-Teil seiner CBS-Fernsehshow „FAS Does His Thing“ ein (= #4), und 1973 schrieb Gordon Jenkins eine mit diesem Lied schließende „Saloon-Trilogie“ für Sinatras Comeback-Show (= #5).
Letztere Saloon-Trilogy sang Sinatra dann bis 1979 zahlreiche Male bei seinen Konzerten, unter anderem auch im April 1974 in der New Yorker Carnegie Hall (= #6), ein Konzert, das wiederum von Reprise aufgezeichnet und als LP gemastert wurde, ohne jedoch bis heute offiziell veröffentlicht zu werden. In seinen Konzerten der 70er und 80er Jahre sang Sinatra das Lied aber auch immer wieder ‚solo‘ (also nicht als Teil eines Medleys), zum Beispiel auch bei seinem „Sinatra In Japan“ Special von 1985 (= #7). Leider fiel letztere Aufnahme der Schere zum Opfer und wurde nicht auf dem Warner/Reprise-Video und der DVD veröffentlicht (auf der auch noch weitere Songs des Abends fehlen).
Zum Anhören bleiben also vor allem die beiden Medleys, die Version mit dem Quintett und die Studioaufnahme von 1959. Letztere gehört seit langem zu meinen absoluten Top-5-Favoriten von Sinatra – für die Melancholie, die zu jedem echt gelebten Leben dazugehört, gibt es kaum etwas besseres.
© Bernhard Vogel für Sinatra – The Main Event
Übersetzung
Hier Ist Dieser Bedrückende Tag
(Here's That Rainy Day)
Vielleicht hätte ich diese übriggebliebenen Träume verwahren sollen?
Komisch, aber hier ist dieser bedrückende Tag
Hier ist dieser bedrückende Tag
Von dem sie mir erzählt haben und ich habe gelacht
Als ich ihn mir so vorgestellt habe
Wo ist dieser ausgediente Traum, den ich beiseite warf
Nachdem er meine Liebste so nahe brachte?
Komisch, wie Liebe zu einem kalten, bedrückenden Tag wird
Komisch, dieser bedrückende Tag ist hier
Es ist komisch, wie Liebe zu einem kalten, bedrückenden Tag wird
Komisch, aber dieser bedrückende Tag ist hier
Übersetzung: Marc Rothballer für Sinatra – The Main Event
Diskographie:
(1) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 25.3.1959
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower (take 21)
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
im Instrumentalteil am Ende um 30 Sekunden gekürzte Fassung:
Album/CD: No One Cares (Capitol, Erstveröffentlichung 1959)
ungekürzte Fassung:
CD: The Capitol Years (3 CD set, Capitol 1990)
(2) „An Afternoon With Frank Sinatra“ (ABC TV/Timex) vom 13.12.1959
aufgenommen am 10.12.1959 in Hollywood
Arrangement: Gordon Jenkins & Nelson Riddle
Begleitung: The Red Norvo Quintet
(3) REPRISE – LIVEAUFNAHME vom 2.11.1961
aufgenommen in Las Vegas, The Sands, Copa Room
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Antonio Morelli
OFFIZIELL UNVERÖFFENTLICHT
(auf einer Reihe von Bootlegs erschienen)
(4) „Francis Albert Sinatra Does His Thing“ (CBS TV/Budweiser) vom 25.11.1968
Medley: Glad To Be Unhappy/Here’s That Rainy Day/It Never Entered My Mind/Gone With The Wind/Here’s That Rainy Day (reprise)
aufgenommen im August 1968 in Hollywood
Medley-Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Don Costa
Reprise/Warner Video & DVD
(5) „Ol’Blue Eyes Is Back“ (CBS TV/Magnavox) vom 18.11.1973
Medley: Last Night When We Were Young/Violets For Your Furs/Here’s That Rainy Day
aufgenommen im September 1973 in Hollywood
Medley-Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
Reprise/Warner Video & DVD
(6) REPRISE-LIVEAUFNAHME vom 8.4.1974
Medley: Last Night When We Were Young/Violets For Your Furs/Here’s That Rainy Day
aufgenommen in New York City, Carnegie Hall
Medley-Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Bill Miller
OFFIZIELL UNVERÖFFENTLICHT
(auf einer Reihe von Bootlegs erschienen)
(7) WARNER-LIVEAUFNAHME vom 18.4.1985
aufgenommen in Tokio/Japan, Budokan
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Joe Parnello
OFFIZIELL UNVERÖFFENTLICHT (nicht auf Reprise/Warner Video & DVD „Sinatra In Japan“ enthalten)
(auf einer Reihe von Bootlegs erschienen)
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Die Fernsehshow-Geschichten finde ich sensationell, die Capitol-Studio Version beginnt überragend , verflacht aber zusehends. Aber wie gesagt "FS Does His Thing" ist gleich ganz was anderes, denn gerade aus dem Verschneiden der Songs schöpft er aus der Melancholie Kraft und Ruhe, während die Capitol-Studio-Version ja wirklich nur traurig wirkt - ein Problem von "No One Cares", trotz teils gewaltiger Nummern (vor allem Stormy Weather).
Holger Schnabl:
Es handelt es sich bei dieser Aufnahme um ein astreines Meisterwerk, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Ja in der Tat, hier haben wir alle Zutaten, die nicht nur einen sehr guten sondern in diesem Fall einen perfekten Sinatra-Song ausmachen, auf hohem, ja höchstem Niveau versammelt: Text, Melodie, Arrangement und Sänger ergänzen sich in idealer Weise und so entsteht ein beeindruckendes Meisterwerk von zeitloser Strahlkraft!
Hier haben wir ein Paradebeispiel für Sinatras Talent, einen Text bis ins letzte Detail auszuloten und zum Leben zu erwecken, einen Text, der nur auf dem Papier betrachtet zunächst eher unscheinbar erscheint. - Was das Zum-Leben-erwecken eines Songtextes angeht, wird Sinatra wohl in den nächsten tausend Jahren, ja vielleicht niemals seinen Meister finden. In der Tat, ich denke in dieser Beziehung stellt Sinatra – natürlich nur der Sinatra seiner Glanzzeit – den vorläufigen und vielleicht auch endgültigen Schlusspunkt einer Entwicklung dar. Tatsächlich, wertes Publicum, Sinatra singt den Song nicht nur, sondern lebt ihn im Moment der Aufnahme – ich frage mich, wie damals wohl die Stimmung im Aufnahmestudio gewesen sein mag...
Gordon Jenkins wiederum beweist einmal mehr schon in der Einleitung seine Meisterschaft im Umgang mit Streichern – was soll man zu diesem Arrangement noch viele Worte machen, es ist schlicht wunderbar. Hört zu und verharrt gleich mir in atemlosem Staunen, einfach perfekt, wie Jenkins hier die Stimmung des Songs einzufangen und an uns Hörer weiterzuvermitteln versteht.
Je nun, „Here´s That Rainy Day“ ist eines der absoluten Glanzlichter auf einem an solchen Höhepunkten wahrlich auch sonst nicht arm zu nennenden Album, welches darüber hinaus noch zu Sinatras größten Erfolgen zu zählen ist – soweit ich weiß, eroberte das Album „No One Cares“ Rang Numero Zwo der amerikanischen Charts. Mithin ein Beweis also, dass Anspruch und Erfolg einander nicht zwangsläufig ausschließen müssen. „No One Cares“ zeigt uns Sinatra als wirklichen Künstler mit ureigener, unnachahmlicher Handschrift – wie dürftig, ja armselig dünkt mir im Vergleich dazu vieles, was er später zu Reprise-Zeiten aus rein kommerziellen Überlegungen heraus aufgenommen hat.
Höret und staunet, staunet und höret, worauf Ihr erneut staunen werdet!
Andreas Kroniger:
Im großen und Ganzen bin ich der Meinung, dass Sinatra und vor allem Gordon Jenkins zu wenig aus dem Song gemacht haben. Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde: Der Song ist großartig, aber, da gebe ich Alfred recht: die Capitol-Fassung kann dem sehr hohen Niveau des Anfangs leider nicht bis zum Ende standhalten. Insbesondere in den 70er Jahren, dann hervorragend dargeboten, verschwindet der Song leider im Medley. Dem Medley (Last night when we were young/ Violets for your furs/ Here´s that rainy day, z.B. Montreal 75, gebe ich die volle Punktzahl. Den Song als Ganzes, also von der Capitol-Version, erreicht diese Punktzahl bei mir (leider) nicht.
Marc Rothballer:
Ich kenne zwar nur die Capitol-Fassung - umso neugieriger machen mich die anderen Versionen - aber auch ich würde dieses Lied unter den 10 oder 20 besten Sinatra-Songs einreihen. Der Einsatz der Streicher schafft, wie von Holger schon angesprochen, gleich zu Beginn eine ziemlich "einsame" Stimmung. Dann diese traurige Interpretation Sinatras: die langen Töne, dieses wunderschöne "Fuuuuuunny", bei dem man am liebsten heulen möchte, und die anhaltend vorhandene Traurigkeit und "sadness". Schade, dass man Frank bei der Aufnahme nicht sehen kann - wie schon Holger schrieb muss im Studio eine unheimliche Atmosphäre geherrscht haben.
Auch der Text ist grandios, nicht zu viel und nicht zu penetrant, aber dennoch prägnant, gefühlvoll und mitreissend. Den Song könnte ich mir auch gut auf "Only The Lonely" vorstellen, vielleicht noch etwas "düsterer" und "einfacher" arrangiert...
Das ist Einsamkeit und Verzweiflung, Emotion pur - "I'm A Fool To Want You" hat eine ähnliche Wirkung...
Kurzum: Ein Song, den man Sinatra einfach abkaufen muss - wenn Sinatra hier nicht glaubwürdig wirkt und man sich nicht berührt fühlt...
Marcus Prost:
Wenn ich an das Lied denke, denke ich automatisch an das genannte Medley. Die Bildinszenierung mit Sinatra als introvertiertem, nachdenklichen und von innerer Trauer erfülltem Menschen, ist einfach genial.
Here´s That Rainy Day war das ideale Hauptmotiv, das Leitlied des Medleys.
Heute wäre es wohl unverstellbar, daß ein solch setimentales Lied in einer am Markt positionierten Show platziert würde; freuen wir uns umso mehr, daß uns das Bildmaterial erhalten geblieben ist.
Tim Bialek:
Frank hat dem Song sicherlich in jedem dieser Aufnahmen seinen Stempel aufdrücken können (vielleicht mit Ausnahme von Japan). Er war genau die Person mit dem latenten Hang zur Depression, die den Text dieses "Selbstmordliedes" absolut glaubwürdig rüberbringen konnte.
Die Sache steht und fällt allerdings mit Arrangement und Besetzung:
Das, was mich an Jenkins' Aufnahme stört, ist einmal mehr das Konzert, das der Maestro hinter Sinatra schreibt; das wirkt an mancher Stelle überladen und unpassend. Man hat zuweilen das Gefühl, da legt einer weniger Wert darauf, der Begleiter eines Sängers als vielmehr eine Art "Nebensolist" zu sein. Wenn ich mir ein Jenkins-Arrangement für einen Sänger wie Sinatra anhöre, dann erinnere ich mich immer wieder an den Spruch von der "Kunst des Weglassens" oder den "Mut zur Lücke", die er ein ums andere Mal hätte beherzigen sollen. Oder wie es das deutsche Ehrenmitglied der DSS in der TV-Biographie über ihn neulich ausdrückte: "Auch eine Pause ist Musik."
Hochinteressant ist dagegen die Einspielung mit Red Norvo bei der TV-Show, bei der viele Anleihen beim obigen Arrangement genommen werden. Mit dem Sextett und dem Weniger an orchestralen Einlagen zwischendurch wirkt das Ganze viel intimer, ja intensiver und damit dem Text angemessener. Auch bekommt der Song dadurch eine jazzigere Note (man achte nur auf das Alt-Solo am Ende).
Absolut unter die Haut geht der Song in dem Medley bei "Does His Thing", wenn ein in sich gekehrter Sinatra mit gesenktem Haupt in dem leerstehenden Haus sich seiner Melancholie hingibt. Und obwohl das Donnergetöse im Hintergrund ebenso übertrieben-künstlich wie nervtötend wirkt und sich der Regen, der gegen die Scheibe klopft, eher wie eine angelassene Dusche anhört, beweist Don Costa, das man einen Sänger eben mit dem passenden Arrangement zu noch höheren Leistungen animieren kann.
Ebenfalls sehr stilvoll ist das Saloon-Medley der 70er bei "Ol' Blue Eyes Is Back" inszeniert; mit der dunklen, leeren Bar, der ewig langen - ebenfalls verlassenen - Theke, dem Zigarettenrauch und dem Barhocker. Am beeindruckendsten an diesem Medley ist für mich der Song, der quasi alles zusammenhält und zu dem Frank immer wieder zurückkomt: "Last Night When We Were Young." Nun ist Jenkins erneut als "Saloon-Arangeur" engagiert worden und seine Bearbeitung fängt sicher die Stimmung der Lieder gut ein, aber auch diesmal stören mich die teilweise virtuosen Instrumentaleinlagen bei "Rainy Day" ein wenig. Sinatras etwas brüchiger gewordene Stimme wiederum passt noch besser zu den Songs als die der 50er und 60er.
Schon erstaunlich ist es, dass Jenkins dann nochmal ein neues Arrangement geschrieben hat, das Sinatra dann z.B. in Tokio 1985 bringt. Franks Interpretation ist aber längst nicht mehr so tiefgründig wie bei den Medleys oder in "No One Cares." Schade, denn gerade hier hält sich Jenkins mit der Instrumentierung von filigranen Konzerten hinter dem Gesang deutlich zurück, was man schon bei den anderen Spätwerken wie "She Shot Me Down" oder "Future" erkennen konnte.
Meine Reihenfolge ist "Does His Thing" vor "Ol' Blue Eyes Is Back" und "An Afternoon with Frank Sinatra." Und ich habe einmal mehr festgestellt, dass vor allem Riddle und sogar zuweilen Costa für mich die besseren Saloon-Arrangements geschrieben haben. Aber das ist wohl eher ein Thema für das nächste Monatstopic...
Andreas Est:
Auch wenn ich das Lied nicht "sofort im Ohr" hatte, so sagte mir meine Erinnerung bereits bei den ersten Tönen "klasse Song". Den Regen bringt Frank auch ohne den auf "does his thing" seh - und hörbaren Regen perfekt rüber. Irgendwie klingt FS - auf der "no one cares" CD - wie eine Geige, eine für meinen Geschmack perfekte Symbiose von Band und Sänger.
