How Do You Keep The Music Playing?
Infos
Sinatra nahm diesen wunderbaren Song gleich mehrfach auf. Die erste Aufnahme, mit einem Joe Parnelle Arrangement, wurde am 16.03.1983 aufgezeichnet. Von dieser Session wurde leider kein Masterband erstellt.
Am 17.03.1984, diesmal mit einem Quincy Jones Arrangement, nahm Sinatra den Song in New York erneut auf. Herausgekommen ist einer der schönsten Sinatra-Songs überhaupt. Dieser Song wurde 1984 auf dem QWest Album "L.A. is my Lady" veröffentlicht.
Unveröffentlich blieb auch eine Aufnahme vom 17.05.1984, die Sinatra mit einem Bob Florence Arrangement in Los Angeles aufnahm.
Zu guter Letzt wurde Sinatra´s Song "My funny Vatentine" mit dem Gesang der Country Sängerin Lorrie Morgan und eben "How do you keep the music playing" für das 94er Capitol-Album "Duets II" gemischt. Das Arrangement stammt von Patrick Williams.
Im Gegensatz zu vielen anderen Fans finde ich diese Fassung wunderbar und sie gehört für mich zu den Highlights des "Duets II"-Albums.
Stimmen zum Song:
Holger Schnabl:
Nun, liebe Freunde, dieser Song ist der einzige Grund, um das L.A. Is My Lady-Album ab und zu aus dem Regal zu nehmen und nicht auf den Kehricht zu werfen!
Schon beim ersten Hören der Klavier-Einleitung wurden meine Ohren größer und ich erahnte etwas Besonderes. Wunderbar schon die ersten Zeilen, die Sinatra nur zum Klavier singt, da blitzt die alte Sinatra-Magie, die man nach 1973 gar so selten gewahrt, endlich wieder einmal auf. Eine großartige Melodie, ein guter Text und von Sinatra sehr gefühlvoll interpretiert, ist der Song die Sternstunde des Albums. Auch das Arrangement mit dem Wechsel von Getragenheit und Dramatik ist sehr gelungen. Sinatra ist hier in großer Form und wie er bei den langgezogenen Tönen seine Stimme strömen lässt, das ist angesichts seines Alters in der Tat beeindruckend – man wundert sich hinterher umso mehr, warum er beim Rest des Albums in so kläglicher Form ist. Wahrscheinlich wusste Sinatra damals, dass er es mit einem grandiosen Song zu tun hat und bemühte sich ungleich mehr als bei den anderen Songs des Albums.
„How Do You Keep The Music Playing“ ist ein Kabinett-Stückchen und rangiert bei mir persönlich unter den fünf besten Reprise-Songs und ist sogar im Gesamtschaffen ohne weiteres unter die – sagen wir – zwanzig besten Songs einzureihen. Ein Sampler von Reprise-Songs ohne diesen Titel ist bloß die Hälfte wert.
Marcus Prost:
Ich bin hier etwas anderer Ansicht als Holger und frage mich, warum wir eigentlich, ähnlich wie neulich mit "Noah" schon wieder mit dem schwächsten Lied eines Albums anfangen müssen.
Zwischen all den großartigen Liedern des "L.A. Is My Lady"-Albums ist "How do you keep..." doch ein glatter Aussetzer. Rundum dieses Lied swingt Quincy Jones` Orchester nach bester Manier, rundum dieses Lied ist Dynamik und eine lässige sinatratypische Athmospäre und dann dazwischen dieses verkrampfte, künstlich und leblos wirkende Lied. Auf mich wirkt es so steril wie Fahrstuhl- oder Kaufhausmusik und geht in Richtung der Allerweltspopmusik. "How Do you keep..." könnte man locker auch auf einem Sampler neben Janet Jackson und Celine Dion-Liedern rausbringen und keiner würde da einem was auffallen.
Später:
Das antiseptischte und seelenloseste Lied des ganzen Albums wird hier lobgehudelt und verheerlicht, obwohl "L.A. Is My Lady" doch nun wirklich einen Mitreißer nach dem anderen aufweisen kann.
Das alles ist jetzt doch ein Gag, oder?
Andreas Kroniger:
"How do you keep the Music playing" ist DER Song auf dem Album "L.A. is my Lady". Sicherlich ruhiger, aber voller Hingabe zur Musik. "How do you keep the music playing" ist - für mich - eine Hommage an den Künstler Sinatra.
Jan Lachmann:
Mir gefällt eindeutig das erste Drittel des Liedes am besten, indem Sinatra nur zu Klavierbegleitung singt, was eine wirkliche intensive Stimmung verbreitet. Sobald dann das Orchester dazu kommt, wird alles etwas lockerer, ja diese Ballade beginnt geradezu zu swingen! Stimmlich ist er besser als bei fast allen anderen Songs dieses Albums, insbesondere der einschläfernden Interpretation von „Stormy Weather“.
Um ein Fazit zu ziehen: Auf diesem Album befinden sich Lieder die mir noch besser gefallen als „How Do You Keep...“, aber unter die besten fünf kommt es locker.
Bernhard Vogel:
Der Song wurde im Frühjahr 1982 für den Film „Best Friends“ geschrieben; Patti Austin und James Ingram singen ihn im Soundtrack und wurden dafür für den ‚Oscar‘ (Best Film Song) nominiert. Der erste namhafte Künstler, der den Song gecovert hat, war unser DSS-Ehrenmitglied Tony Bennett, und er tat dies in so herausragender Weise, daß alle Kritiker sogleich meinten, nunmehr „gehöre“ der Song ihm... nur hatte man die Rechnung ohne Sinatra gemacht.
Sinatra ließ Joe Parnello Anfang 1983 ein Arrangement schreiben, das FS am 12.3.83 erstmals in einem Konzert sang; es ist etwas schneller als die spätere Album-Version und setzt andere instrumentale Akzente. Vier Tage später nahm er es (wie im ‚Main Event‘-Text erwähnt) für Reprise im Studio auf, doch verfügte Sinatra, die Aufnahme zurückzuhalten, weil er das Stück erstmal weiter auf der Konzertbühne probieren wollte, was er bei einem knappen Dutzend Gelegenheiten bis zum Herbst 1983 auch tat.
Als dann die Sessions für „LA Is My Lady“ bevorstanden, schrieb Joe Parnello sein ursprüngliches Arrangement um, nach Anweisungen von Sinatra, der dabei seine Konzerterfahrungen mit dem Stück einfließen ließ. Vor allem das Tempo wurde verändert. Andererseits hatte Sinatra das Stück im Konzert meistens nur mit spärlicher instrumentaler Begleitung gesungen, während es jetzt darum ging, der unter der Leitung von Quincy Jones versammelten All-Star-Big-Band zureichendes Gehör zu verschaffen. So experimentierte Sinatra während der LA Is My Lady-Sessions mit zwei verschiedenen Arrangements, nämlich dem umgeschriebenen von Parnello und einem leiseren, sanfteren, pointierteren von Bob Florence. Beide nahm er auf; der Parnello-Chart kam auf das Album, während Sinatra bei einigen zeitgleichen Konzertauftritten 1984 (so etwa in Atlantic City) das Florence-Arrangement sang.
Die Kritiken für das Album insgesamt waren allenfalls durchschnittlich, über dieses Stück jedoch gerieten Kritiker und Fans gleichermaßen ins Schwärmen... den Grund dafür hat Holger unten treffend beschrieben, und Andreas hat die wichtigsten Zeilen nochmal wiederholt, so daß ich das hier nicht erneut tun muß, ich könnte es nicht besser formulieren. Holger schrieb, jede „Top 20“ der späten Jahre sei ohne dieses Lied unvollständig... ich selbst würde das auch noch für „Top 5“ unterschreiben. Ein von jedem ernsthaften Musikliebhaber „unserer Sparte“ absolut unbestrittenes Sinatra-Meisterwerk ist hier entstanden, und es ist zugleich eines der wenigen Stücke aus Sinatras gesamter Karriere, an deren Beispiel ALLEIN man das Geheimnis seiner Kunst erklären könnte. Eine in jeglicher Hinsicht grandiose Aufnahme, die in jede noch so kleine Sinatra-Plattensammlung gehört.
Schade nur, daß Sinatra das Lied schon Ende Juli 1984 für immer aus dem Liveprogramm warf. 1987 hat er es nochmals in Konzertproben gesungen, aber leider sollte es dabei bleiben.
Die traditionell Sinatra-kritische „New York Times“ schrieb damals: „Seit mehr als 50 Jahren hören wir Sinatra... doch so etwas einzigartiges ist ihm bislang höchstens ein halbes Dutzend Mal gelungen... wer bislang gemeint hat, Sinatra nach 1973 sei nur noch ein Schatten seiner selbst, wird hier Note für Note, Takt für Takt, Zeile für Zeile, Strophe für Strophe lügen gestraft – nicht etwa weil ‚The Voice‘ noch dieselbe wäre wie zu Capitol-Zeiten, sondern weil ‚The Spirit‘, seine legendäre, unübertroffene Interpretationskunst, hier nochmals gesteigert zu sein scheint.“
Ein Teil des Erfolges lag sicherlich darin begründet, daß Sinatra mit dem Songwriter-Team schon beste Erfahrungen gemacht hatte; Alan & Marilyn Bergman (letztere damals noch als „Marilyn Keith“) hatten zum Beispiel schon seinen Capitol-Klassiker „Nice’n’Easy‘ geschrieben, und gemeinsam mit Michel Legrand zeichneten sie für „What Are You Doing The Rest Of Your Life?“ (1974 auf Some Nice Things I’ve Missed) und „Summer Me Winter Me“ (1979 auf Trilogy) verantwortlich, zwei Stücke, die ebenfalls zum besten „Sinatra-Output“ der späten Jahre gehören.
Für mich ist dieses Stück auch etwas persönliche Sinatra-Geschichte... um 1983 hatte ich begonnen, mich für Sinatra zu interessieren, und ich erinnere mich gut daran, als im Juni 1984 in Deutschland LA Is My Lady herauskam, es war das einzige Mal (außer später Duets 1 und 2), daß ich beim Erscheinen eines FS-Albums „live dabei“ war... ich hab gleich am ersten Tag die LP gekauft, hab sie einmal ganz gespielt und danach für Wochen und Monate nur noch dieses Stück... und ich hab damals das empfunden, was Andreas so schön als selbstegsungene „Hommage an den Künstler Sinatra“ beschrieben hat. Für mich war und ist dieses Lied immer so etwas wie ein ungleich besseres „My Way“ gewesen.
Wer an dieser Wertung noch zweifelt: Nehmt Euch mal das Textblatt und hört dazu Sinatras Interpretation auf Kopfhörer, und wer es besitzt, vielleicht auch eine der zeitgleichen Live-Versionen aus Atrlantic City... ich sage mal ganz subjektiv, wen das nicht tief berührt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen...
Tony Bennett, der das Stück bis heute regelmäßig in seinem Programm führt, drückte es einmal so aus: „Eines der schönsten Lieder, die je geschrieben wurden, und ich hatte damit einen Hit [in den Charts]... aber eigentlich dürfte ich es nicht mehr singen. Nein, niemand dürfte es mehr singen seit Frühjahr 1984... kennen Sie Frank Sinatras Version? Es ist die einzige, die zählt“.
Und wann war jemals ein irgendein Titel so sehr dazu geeignet, Sinatras Erbe auf den Punkt zu bringen:
THE MUSIC NEVER ENDS.
Andreas Bergmann:
Für mich ist "How Do You Keep The Music Playing" definitiv einer der besten Songs auf dem Album. Sicher hat er nicht viel mit den fingerschnippenden und, wie Du es so schön sagt, oft etwas schelmisch wirkenden Capitol- und Reprise-Klassikern gemeinsam - trotzdem finde ich diese Art Song für Sinatra mehr als geeignet und finde es schade, dass er in diesem Alter nicht mehr Lieder in diesem modernen, aber doch anspruchsvollen Stil aufgenommen hat. Das hätte seiner Stimme zu dieser Zeit besser zu Gesicht gestanden als manche lauten Swing-Songs, deren Sinatra-Sternstunde eindeutig in den 50er- und 60er-Jahren anzusiedeln ist.
Kurzum - ein gefühlvoller, nachdenklicher und zum Nachdenken anregender Song, den ich auf "L.A. Is My Lady" sehr, sehr gerne höre.
Michael Dörffler:
How Do You Keep The Music Playing ist in der Tat ein grandioses Lied und Sinatra liefert eine grandiose Interpretation ab. Fraglos ist es auch die beste Nummer auf L.A. Is My Lady. Allerdings so grandios Sinatra's Interpretaton auch ist, verbinde ich das Lied doch eher mit Tony Bennett und das obwohl Sinatra's Interpretation bestimmt "besser" ist. Bennett hat das Lied einfach viel öfter gesungen und singt es heute fast immer zum Abschluß seiner Konzerte.
