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Allgemein

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If I Forget You

Titel

If I Forget You

Text & Musik

Musik & Text von Joe Raposo

Infos

In den Fünfziger Jahren avancierte Maurice Stokes (1933-1970) zum Superstar der NBA (amerikanische Basketball-Nationalliga), mit dem sensationellen Schnitt von mehr als 17 rebounds pro Spiel. Die „Cincinnati Royals“ waren stolz auf ihren Star-Spieler: ein Gewinnertyp.

Im letzten Spiel der Saison 1957/1958, am 12.3.1958 gegen die „Minneapolis Lakers“, stürzte Stokes bei einem Korbwurf und fiel hart auf den Hinterkopf. Mehrere Minuten war er ohnmächtig, kam dann aber wieder zu sich und beendete das Spiel. Drei Tage später fiel er plötzlich ins Koma, die Ärzte diagnostizierten eine auf den Sturz zurückgehende schwere Gehirnverletzung. Als er nach langen Wochen aus dem Koma erwachte, war er vollständig gelähmt, konnte sich nicht bewegen und nicht mehr sprechen. Eine Heilung war nicht in Sicht, und seine Familie konnte die Krankenhauskosten nicht bezahlen.

Da trat Jack Twyman auf den Plan, einer seiner Teamkollegen von den Royals. Er verpfändete sein eigenes Vermögen, veranstaltete fortan jährlich Benfizturniere für seinen Freund, um die Spitalsrechnungen zu begleichen, und verbrachte jede freie Minute an seinem Krankenbett. In mühsamer, jahrelanger Arbeit gelang es ihm mit Hilfe der aus seinem Spendenfundus bezahlten Ärzte, daß Maurice über eine Buchstabentabelle wieder kommunizieren konnte. „Ein Gewinner gibt niemals auf, denn er kann Berge versetzen, wenn er will“, ‚diktierte‘ der Gelähmte seinem Kameraden. Schließlich konnte Stokes sogar noch im Rollstuhl an einigen Galas teilnehmen, bevor er am 6. April 1970 starb.

Den Stoff ließ sich Hollywood natürlich nicht entgehen – 1973 wurde die Story in „Maurie“ verfilmt, mit Ben Casey (als Maurice Stokes) und Bo Swenson (als Jack Twyman) in den Hauptrollen, unter der Regie von Daniel Mann. Die Musik zum Film komponierte Joe Raposo, ein junger Songwriter, der durch seine Lieder für die Kinderserie „Sesame Street“ (Sesamstraße) gerade zu Ruhm gekommen war. Musikalisches Leitmotiv des Films wurde das Lied „Winners“, dessen Text vom ungebrochenen Lebenswillen des Maurice Stokes erzählt.

Frank Sinatra war von dem Film zutiefst berührt und verpflichtete John Raposo gleich für sein Comeback-Album „Ol’Blue Eyes Is Back“, zu dem Raposo dann gut die Hälfte der Songs beisteuerte. Zu den Liedern, die Sinatra dafür aufnahm, gehört auch „Winners“ (= Version #1), arrangiert von Don Costa, aufgenommen mit Orchester unter der Leitung von Gordon Jenkins (eine recht seltene Mischung im Sinatra-Songbook!). Es blieb bei der Studioaufnahme, im Konzert brachte Sinatra das Stück nicht, das sich nahtlos in den Sound der Comeback-LP einpaßte.
Als Sinatra 1987 einen ‚Werbesong‘ für die Hotelkette Holiday-Inn aufnehmen wollte, fiel die Wahl auf „Winners“. Sinatra lud Joe Raposo dazu ein, der das Costa-Arrangement dafür etwas variierte. Im April 1987 entstand so in Chicago eine zweite Studioaufnahme des Liedes (#2), überhaupt Sinatras einzige Studioproduktion in diesem Jahr. An der Session, die Walt Levinsky leitete, nahm auch Raposa selbst teil.

„Winners“ ist ein schönes, optimistisches Lied – und in gewisser Weise auch ein Gedenksong für den Basketballhelden Maurice Stockes.

Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Diskographie:

(1) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 21.6.1973
aufgenommen in Hollywood, Goldwyn Studios
Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
Album/CD: Ol’Blue Eyes Is Back (Reprise)

(2) REPRISE/SPECIAL – STUDIOAUFNAHME vom 22.4.1987
aufgenommen in Chicago, Universal Studios
Arrangement: Don Costa & Joe Raposo
Orchester geleitet von Walt Levinsky
Gekürzte Fassung: Holiday-Inn-Werbespot
Ungekürzte Fassung: offiziell unveröffentlicht (auf verschiedenen inoffiziellen CDs erschienen).

Übersetzung

Stimmen zum Song:

Andreas Kroniger:

Sinatra nahm übrigens 6 Titel von Joe Raposo auf:
"It´s not easy beeing green", (Sinatra & Company), "Noah" und das wunderschöne "You will be my music", "Winners", There used to be a ballpark" ((Ol´blue eyes is back)"und das geniale "The hurt doesn´t go away" (Complete Reprise Studio bzw. als Single erschienen).
Vom Grundsatz und Text her ist "Winners" natürlich eher ein kurzweiliges Liedlichen, aber die Kombination Costa/ Sinatra bringt es auch diesmal wieder fertig aus diesem "Liedchen" eine Hymne zu schaffen - die Hymne auf den "Winner". Die zweite Fassung, die ich übrigens in keinem Buch finden konnte - Danke Bernhard für die Infos, fällt natürlich stimmlich und auch musikalisch hinter der 73er Fassung klar ab. Übrigens konnte ich auch zu "Maurie" im Internet nichts finden.
Allen Skeptikern sei an dieser Stelle einmal gesagt, dass Sinatra diese Art von Musik - wie auch - sehr mochte. Die Wahl auf Raposo-Songs zu setzen, zeigt wieder einmal, dass Sinatra immer wieder bereit war neue Wege zu gehen. Ich denke, dass es nicht einfach war Raposo-Songs durchzusetzen und es wäre ein leichtes gewesen alte Aufnahmen erneut aufzunehmen um das Stammpublikum anzusprechen. Raposo stand in den 70ern für die Musik der Jugend und Kinder (Sesamstraße) und war übrigens ein sehr gefragter Songwriter und dieses Album war sicherlich ein weiterer Schub für Raposo. Übrigens gilt dieses Urteil auch für den Songwriter Stephen Sondheim (u.a. "Send in the Clowns" auf "Ol´blue Eyes is back") - auch hier zeigt Sinatra ein Händchen für einzigartige Musik. Sinatra versucht auch mit diesem Album neue Hörer zu gewinnen - mich hat er mit diesem Album überzeugt.
"Here´s to the winners"!

Bernhard Vogel:

zum Sportler Maurice Stokes gibts einige Websites (einfach googeln), Infos zum Film "Maurie" gibts z. B. hier:
http://www.tvguide.com/Movies/database/showmovie.asp?MI=6527
Dein Plädoyer für Joe Raposo hat mir sehr gefallen, er war jedenfalls ein wichtiger Garant dafür, daß Sinatras Vorhaben, mit einem "neuen Sound" ins Plattengeschäft zurückzukehren, 1973 gelungen ist. In der Sonderausgabe des Magazins "Billboard" zu Sinatras Rückkehr vom Herbst 1973 ist ein schöner Artikel über Raposo und seine Musik drin. Für Raposo war es ein Höhepunkt, als Sinatra im Mai 1974 in der Carnegie Hall Raposos "There Used To Be A Ballpark" sang und anschließend den im Publikum sitzenden Raposo mit wärmsten Worten vorstellte. (Das Konzert wurde von Reprise aufgezeichnet).
Von den insgesamt sieben Raposo-Songs (Musik von Raposo bei "To Love A Child", Text von Hal David aus dem Jahre 1981) finde ich "There Used To Be A Ballpark" (auch ein Sport-Song) genial und auch "The Hurt Doesn't Go Away" (beide mit Gordon Jenkins), die anderen gut bis durchschnittlich (und "Noah" bleibt sicher Geschmackssache).
"Winners" mag ich sehr gern, Gordon Jenkins setzt ein paar nette Akzente in Costas Arrangement. Das Tempo bei der Neuaufnahme 1987 zu erhöhen, war Raposos eigene Idee, ich glaub aber auch, daß das dem Song nicht so gut bekommen ist, der Beat in der 73er Version ist erheblich besser.

Tim Bialek:

Ein Song mit absolutem Gänsehautcharakter, dessen "Steh-Auf-Botschaft" ich gerade in bestimmten Lebenslagen nicht missen möchte.
Das langsamere Tempo von 73 gefällt mir besser; die zweite Version ist ja eh nur ein Schnipsel.

Michael Dörffler:

Ich muß sagen, daß mir der Song noch nie besonders gut gefallen hat. Das Arrangement ist so überhaupt nicht nach meinem Geschmack, und melodisch reißt mich das Lied selbst wenig vom Hocker. Der Text ist zwar ganz nett, aber mehr eben auch nicht. Alles in allem: ein ganz nettes Lied(chen), das mir aber bestimmt nicht fehelen würde, wenn Sinatra es nicht aufgenommen hätte.

Marcus Prost:

Michael hat es schon gesagt: Ein ganz nettes Liedchen.
Sinatras Stimme ist genau die richtige für das Lied, von einem anderen Künstler könnte ich es mir kaum so gut vorstellen.
Er singt den Text etwas beiläufig runter und gerade diese Zurückhaltung macht das Lied interessant. Eine stärkere Emotionalität wäre genau das falsche.
Also: Ein ganz nettes Lied, das Sinatra gut vorgetragen hat. Nicht mehr und nicht weniger.
Marc Rothballer:

Ich schließe mich im großen und ganzen Michael an. Der Song selbst reißt ist nicht wirklich der Bringer, schon alleine vom Titel hätte ich mir mehr versprochen! Der Text ist auch nicht gerade recht einfallsreich, also ein weiterer Minuspunkt.Frank singt es wirklich nur mal so 'nebenbei' herunter, wie Marcus schon schrieb.
In dem Song fehlen mir die Akzente, da fehlt das Herausragende, das ihn zu etwas besonderem macht. Alles in allem ein ganz nettes Lied(chen), wobei auch ich ganz gut ohne den Song leben könnte...

Holger Schnabl:

Joe Raposo hat Sinatra zweifelsfrei mit dem einen oder anderen guten Text versorgt („You Will Be My Music“ etwa), im Fall von „Winners“ ist dies definitiv nicht der Fall. Sicherlich wollte Raposo der Botschaft des verunglückten Sportlers absichtlich nicht viele Worte hinzufügen, aber ein Satz und zwei Poesie-Album-Sprüche drumherum sind natürlich nicht wirklich ein ersprießlicher Songtext, sondern allenfalls ein Fragment – meinethalben gerade noch tauglich für die Werbung, wo dieser Song dann Jahre später denn auch gelandet ist.
Die Melodie bedient alle Hörklischees leichter Pop-Unterhaltung, in der Tat, ich bin ernstlich geneigt, dem Song das Prädikat „Schlager“ umzuhängen – dem entspricht naturgemäß denn auch das Arrangement: eine geballte Anhäufung von Plattitüden, ganz nach dem Schlager-Muster gestrickt: seicht dahinplätschernd zu Beginn und verkitschte Bombast-Theatralik gegen Ende.
Zur stimmlichen Verfassung des Sängers möchte ich mich nicht allzu weitschweifend äußern, auf alle Fälle aber war Sinatra zum Zeitpunkt der Aufnahme ein alter Mann, das wird einem nicht nur bei Betrachtung des Cover-Fotos von „Ol´ Blue Eyes Is Back“ bewußt, sondern vor allem beim Hören seiner Stimme. Zugegeben, Sinatra singt bei „Winners“ nicht ganz so schlecht wie bei manchen anderen Stücken dieses Albums – dennoch: bei den Sprech-Gesang-ähnlichen Teilen des Songs klingt er nahezu grämlich, während sich an jenen Stellen, an denen er stimmlich hochzieht, schon in Ansätzen jene Weinerlichkeit zeigt, die für die meisten Post-Retirement-Aufnahmen geradezu symptomatisch ist und die sich mit dem Fortschreiten der Jahre mehr und mehr ausprägte.
Kurz gesagt: Wem „Winners“ gefällt, dem gönne ich es von Herzen – ich für mein Teil werde mir das Lied in den nächsten Jahren sicherlich nicht mehr so bald zu Gemüte führen.
Die Frage, ob Sinatra denn mit dem Comeback-Album ein „Gewinner“ war, möchte ich was den künstlerischen Wert der Platte betrifft, glatt verneinen, kommerziell gesehen erreichte das Album immerhin Rang Numero Dreizehn, eine Platzierung, die eingedenk der nach dem Retirement sicher gesteigerten Kaufbereitschaft des Publikums und den massiven Zugeständnissen an den Sound der damaligen Zeit allerdings wiederum auch nur eher durchschnittlich ist.

 

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