I Sing The Songs
Infos
Bei einer Fahrt auf der Autobahn, wie er selbst schreibt, kam Bruce Johnston (*1944), seit 1965 Mitglied der heute legendären Popgruppe „The Beach Boys“, die Idee für ein neues Stück, und so komponierte er Ende 1974 ein Lied mit dem Titel „I Write The Songs“, gedacht als autobiographisches Bekenntnis eines Songschreibers.
Das Popduo „The Captain & Tennille“ (bestehend aus Toni Tennille, die sich später auch in den Fußstapfen von Linda Ronstadt an einigen Swing-Alben versuchte, und ihrem Mann Daryl Dragon) nahm den Song 1975 für ihr Debutalbum auf, mit mäßigem Erfolg. Erst in der Cover-Version von Barry Manilow (der fälschlicherweise oft für den Schöpfer des Liedes gehalten wird), die als Single-Auskoppelung seiner LP „Try To Get The Feeling“ herauskam, wurde „I Write The Songs“ zum Top-Hit, und Bruce Johnston gewann im Jahr darauf einen Grammy für seine Komposition.
Für Frank Sinatra, der sich schon Ende 1975 (noch bevor Manilows Version die Nummer 1 in den Charts wurde) für den Song interessierte, textete Johnston sein Lied Ende 1975 um und gab dem Stück den neuen Titel „I Sing The Songs“. Bei einem Engagement im „Caesars Palace“ in Las Vegas im Januar 1976 sang Sinatra zu einem Arrangement von Don Costa das Lied zum ersten Mal und ließ bereits wenige Tage später eine Konzertfassung (#1) von Reprise mitschneiden.
Mit dem Ergebnis war Sinatra aber nicht zufrieden, und so nahm er das Lied Anfang Februar 1976 im Studio auf (#2). Sinatras Fassung erschien als Single bei Reprise (Rückseite: „Empty Tables“), konnte sich aber gegenüber Manilows Version in den Charts nicht durchsetzen. Außer auf einer nur in Italien erschienenen Reprise-LP gleichen Namens (1978) blieb die Aufnahme danach bis zum Erscheinen des Reprise-„Koffers“ 1995 unberücksichtigt.
In den Jahren 1976 und 1977 sang Sinatra das Lied dann bei praktisch jedem seiner Konzertauftritte, teilweise warf er dafür sogar das von ihm gehaßte „My Way“ aus dem Programm und nahm Johnstons Stück als neuen „Show-Stopper“. Aus diesen beiden Jahren existieren dutzende von Aufnahmen, allerdings bislang nur auf inoffiziellen CDs. Ende November 1977 verschwand „I Sing The Songs“ aber wieder aus dem Repertoire, und Sinatra kam danach nur noch drei Mal für jeweils sehr wenige Tage im Konzert auf den Song zurück: 1980, 1987 und zum letzten Mal im März 1990.
Infos: Bernhard Vogel
Übersetzung
Ich singe die Songs
(I sing the songs)
Ich habe schon immer gelebt
Und ich sang den allerersten Song,
Ich fügte die Wörter und die Melodien zusammen,
Ich bin die Musik und ich singe diesen Song:
Ich singe die Songs, die die ganze Welt singt,
Ich singe die Songs der Liebe und spezieller Sachen,
Ich singe die Songs, die die jungen Mädchen aufschreien lassen,
Ich singe die Songs, ich singe die Songs.
Tief in dir ist mein zu hause
Und ich habe meinen eigenen Platz in deiner Seele
Wenn ich jetzt durch deine Augen sehe bin ich wieder jung
Obwohl ich schon alt bin
Ich singe die Songs, die die ganze Welt singt,
Ich singe die Songs der Liebe und spezieller Sachen,
Ich singe die Songs, die die jungen Mädchen aufschreien lassen,
Ich singe die Songs, ich singe die Songs.
Meine Musik läßt dich tanzen
Und sie hilft dir deine Chance zu ergreifen
Und wenn die Musik von Herzen kommt, ist das der beste Beginn
Sie ist von mir, sie ist für dich, sie ist von dir, sie ist für mich
Es ist eine weltweite Symphonie
Ich singe die Songs, die die ganze Welt singt,
Ich singe die Songs der Liebe und spezieller Sachen,
Ich singe ich die Songs, die die jungen Mädchen aufschreien lassen,
Ich singe die Songs, ich singe die Songs, ich bin die Musik und ich singe die Songs
Übersetzung:Verena Kroniger
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Diskographie:
(1) REPRISE-LIVEAUFNAHME vom 20.1.1976
aufgenommen in Las Vegas, Caesars Palace
Arrangement: Don Costa
Orchester Nat Brandwynne geleitet von Bill Miller
offiziell unveröffentlicht
(2) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 5.2.1976
aufgenommen in Hollywood, Western Recorders Studio
Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Don Costa
Reprise-Single
Album: I Sing The Songs (Reprise/WEA W 54093, nur in Italien erschienen, nicht auf CD erschienen)
CD: Reprise-20 CD Koffer/Box
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Naja, eigentlich ein ganz toller Song, gute STimmung, schmissig und vor allem gibt Frank dem Song etwas, obwohl er mit jemand anderem zum Welterfolg wurde. Gut, aus der Epoche gibt es (Vor allem: I Believe I'm Gonna Love You) auch stärkere Songs, aber der ist schon ein starker Titel, der es immerhin auf meinen Notfalls-Reprise-Urlaubsüberlebenscassette geschafft hat.
Studio gefällt mir in diesem Fall schon alleine ob der deutlich besseren Tonqualität auch entsprechend besser.
Andreas Kroniger:
Diesen Song könnte ich mehrmals täglich hören und mache dies auch sehr, sehr häufig.
Ich bevorzuge allerdings schon die Live-Aufnahmen und würde zu gerne die Aufnahme von 1990 hören. Für mich ist "I sing the songs" das echte "My Way" und nur ein kleiner Wermutstropfen sei angemerkt:
Die Eröffnung lautet "I've been alive forever", was man leider mit "Ich habe schon immer gelebt" übersetzen muss "Ich lebe für immer, denn ich sing die Songs" wäre geradezu gigantisch gewesen!!!
Michael Dörffler:
Meinem (Sinatra)Musikgeschmack entspricht dieser Song nämlich zu 100% nicht.
Von Anfang bis zum Ende finde ich das Lied eigentlich nur schrecklich. Das ist mir alles viel zu pompös und dann dieser "Disko-Anflug" bei "My music makes you dance...." gibt mir einfach den Rest. Nee, das ist wirklich nichts für mich.
Marc Rothballer:
Der Anfang des Liedes ist ja noch einigermaßen ok, aber alles was zwischen "My music makes you dance..." und "It's a world-wide symphony" ist, ist einfach nur schrecklich. Da bekommt es dann einen leichten Touch von "Love's Been Good To Me", ein Lied, das meiner Meinung nach überhaupt nicht zu Sinatra passt. Weniger vom Text her, sondern von der Musik allgemein. Es ist zu Weichspülerhaft und hat nichts, das zu Sinatra passt. Aber zurück zu "I Sing The Songs". Etwas mehr von "Let Me Try Again" hätte auch nicht geschadet, damit man sagen kann: "Ja, er singt die Songs!" Weil bei diesem so lustlos gesungenen Stück, bezweifle ich ernsthaft, dass er damit die Aussage "I sing the songs that make the young girls cry" verwirklichen kann - zumindest nicht in positiver Hinsicht. Zum Ende hin gefällt mir das Lied wieder etwas besser, aber am meisten stört mich immer noch dieses o.g. Zwischenspiel, das überhaupt nicht in den Song hineinpasst.
Marcus Prost:
Ich für meinen Teil mag jedenfalls "I Sing The Songs". Das Lied hat irgendwas süchtigmachendes ansich. Es ist wie mit diesen Lakritzstäbchen in Zuckerkruste. Wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören sie zu essen, und wenn einmal "I Sing The Songs" aufliegt, komme ich oft in Versuchung die Endlosschleifenfunktion einzuschalten.
Das Lied ist von Sinatra fröhlich interpretiert und hat eine sehr eingängige Melodie. Höhepunkt des Liedes ist ohne Frage "My music makes you dance....". Für mich die beste Stelle
Ich persönlich mag die Studiofassungen ebenso wie die mir bekannten Liveversionen (gab es nicht neben den Konzerten auch noch eine Fernsehsendung in der Sinatra das Lied sang (und dabei ein entsetzliches Hemd trug?)).
Wäre gar nicht mal so schlecht gewesen, wäre es Sinatra gelungen, durch "I Sing The Songs" "My Way" zu ersetzen. Ich mag "My Way" zwar durchaus und es war sicher gelegentlich nett dieses Lied zu hören, inzwischen kenne ich aber derart viele Konzerte mit My Way, daß ich es kaum mehr hören mag und kann mir vorstellen, daß Sinatra das Lied wirklich gehaßt haben muß.
Und was die Eingangszeile angeht, gebe ich Andreas 100%ig recht: Wie genial wäre es, man könnte das Lied zu einer Lebenshymne Sinatra stilisieren, die Sinatras ewiges Weiterleben veranschaulicht.
Das wäre dann wirklich unglaublich genial.
Holger Schnabl:
Schon die kurzen, abgehackt wirkenden Steicher-Klänge zu Beginn sind in ihrer Melodik derart simpel und anbiedernd, dass man sofort versucht ist, die Hände in schierer Verzweiflung über dem Kopf zusammenzuschlagen! „Song Contest-Niveau, unterstes Song-Contest-Niveau!!!“ schreit alles in mir auf angesichts dessen, was hier zu hören ist...
Der Text gibt Sinatra ausgiebig Gelegenheit, sich selbst zu beweihräuchern, was natürlich wie bei jedem anderen Künstler, so auch bei Sinatra abgeschmackt, prätentiös und peinlich wirkt.
Die Melodie ist, wie gesagt, zum Schreien simpel – abgeschmackt ist die treffendste Bezeichnung. Dazu noch an manchen Stellen fürchterlich ungelenk – man beachte das krampfhafte „spe-hhhecial Thiiiings“ mit dem Sinatra über die Unebenheiten und Sprünge der Melodie hinwegzutauchen bemüht ist. Das ist wenig professionell und ungeheuer ungeschlacht... Das Arrangement entspricht ganz der Melodie, pompös, aufgeblasen, trivial und auf Kommerz und Easy-Listening getrimmt, somit reinstes Song-Contest-Niveau.
Ich unterschreibe voll und ganz die oben gemachten Feststellungen wie „lustlos gesungen“ bzw. den Satz von wegen der „young girls“ und die Äußerungen bezüglich des „disco-artigen“ Teils des Songs... diese Beschreibungen treffen mitten ins Schwarze, sie erfassen exakt den Kern der Wahrheit in all ihrer Fürchterlichkeit, dem kann nichts mehr hinzugefügt werden. In der Tat klingt Sinatra in etwa so lustlos, als habe man ihn eben erst aus dem Bett gezerrt... Wie Marcus DAS eine „fröhliche Interpretation“ nennen kann, verwundert mich einigermaßen.
Tim Bialek:
"I Sing The Songs" war unzweifelhaft der Versuch Sinatras und seines Managements, einen Nachfolger für "My Way" zu finden. Sinatra muss "My Way" wirklich gehasst haben. Man höre mal das Konzert aus dem "Latin Casino" in Cherry Hill an (01.05.1977): Als das Publikum am Ende nach Ankas Song verlangt, sagt FS abschätzig: "Not my way - your way!" Warum Sinatra den Song so ungern sang, wird für mich ein Geheimnis bleiben; dazu mehr weiter unten.
Der Versuch, "My Way" durch "I Sing The Songs" das Wasser abzugraben, muss für meinen Geschmack größtenteils als misslungen angesehen werden. Und das hat nichts damit zu tun, weil "Songs" nach knapp zwei Jahren wieder aus dem Reportoire geflogen ist und "Way" somit natürlich bekannter geblieben ist; "Songs" hat klare Schwächen für mich.
Während ich im Gegensatz zu anderen hier beim Hören von "My Way" noch nie eine Ermüdung bei mir gespürt habe, obschon ich den Titel sicher hundertemal gehört habe, setzt das "Kribbeln" bei "I Sing The Songs" bei mir schon nach wenigen Hörproben nicht mehr ein.
Zugegeben, gerade die Verse haben was, aber nachher im Refrain wirkt das Ganze doch recht aufgestzt und hochstilisiert (insbesondere nach dem Discoteil ist es viel zu bombastisch aufgeblasen). Der Discoteil ist nicht so schlecht, wie ihn einige hier machen, aber erstaunlich ist es schon, dass der Teil bei jeder Live-Aufnahme schneller gesungen wird, so als wollte Sinatra sagen: "Bloß schnell hinter mich bringen!"
Aber das kann natürlich auch andere Gründe haben, zum Beispiel den, dass das Tempo der insgesamt müden und uninspirierten Studioaufnahme zu langsam gewählt ist. Aus diesen Gründen ziehe ich der Studioaufnahme jede Konzertaufnahme vor.
Ich bevorzuge da die Aufnahmen aus dem Sabre Room vom 14.05.1976 und den Auftritt in der Tonight Show vom November des selben Jahres. Dort ist das wesentlich ehrlichere "some" young girls eingefügt, obwohl es sicher noch ehrlicher gewesen wäre, er hätte an der Stelle "I Sang The Songs" gesungen, denn die Zeiten waren ja wohl eindeutig vorbei.
Der Song hat eindeutig phonetische Schwächen: "Special Things" ist bereits angesprochen worden. Man höre sich mal die Live-Aufnahmen an und dann fällt einem unweigerlich auf, welche intonationsmäßigen Probleme FS an dieser Stelle hatte. Nicht von ungefähr...
Übrigens fügt er nicht nur "pretty", sondern in der "Tonight Show" auch "lovely" things ein.
Beim Konzert in Lake Tahoe vom 11.09.1976 unterliegt er übrigens dem von Bernhard angesprochenen Irrtum bzgl. der Urheberschaft des Liedes, als er es in der Anmoderation Barry Manilow zuschreibt...
Wenn ich die Texte von "My Way" und diesem Lied gegenüber stelle, dann werden meine Präferenzen eigentlich noch deutlicher. Für mich charakterisiert der Text von "My Way" wunderbar die Person Sinatra. Die Kompromisslosigkeit spricht aus dem Text, die aber ab und zu von der Zerbrechlichkeit des "Helden" übertüncht wird. Weshalb Sinatra das wohl nicht so sah, entzieht sich meiner kenntnis. In "I Sing The Songs" kann ich diese Tiefe nicht erkennen, das klingt - einige haben es bereits gesagt - eher nach Selbstbeweihräucherung.
Sicher hat "Songs" Phasen, die ihm einen gewissen Stellenwert in Sinatras Reportoire einbringen, aber Frank wird nicht von ungefähr Ende 77 gewusst haben, dass es damit micht dauerhaft weitergehen kann.
Bernhard Vogel:
Die starken Momente liegen vor allem im Text der Verse - die vier Zeilen "my home is deep within you..." könnten ja fast sowas wie eine Beschreibung dessen sein, was Sinatras Musik für viele von uns und andere Fans weltweit bedeutet, bzw. wo Sinatra mit seiner Musik "sitzt". Seit ich das Lied zum ersten Mal hörte, haben sich diese Zeilen jedenfalls bei mir "eingegraben" und sind eigentlich der Hauptgrund dafür, daß ich den Song recht oft spiele, wenn mir danach ist.
Der Refrain hingegen fällt demgegenüber etwas ab - daß das zum Teil am phonetisch unpassenden Text liegt ("speehecial things") und Sinatra natürlich nicht zufälligerweise gerade diese Stellen auf der Konzertbühne anders gesungen hat, wurde ja schon von einigen herausgearbeitet. All diese Schwierigkeiten sind von Sinatra, wie Tim treffend beschrieben hat, in den Live-Fassungen ungleich besser gelöst.
Verglichen mit anderen Songs zeitgenössischen Ursprungs (wohlgemerkt, verglichen nur *damit*), die Sinatra in dieser Schaffensperiode gesungen und aufgenommen hat, finde ich das Lied aber im Großen und Ganzen nicht so übel. Von den erwähnten Versen abgesehen, die Sinatra auch gefühlvoll unterstreicht, gibt Don Costas Arrangement Sinatra auch Gelegenheit zum "trademark"-Schlußton in der letzten Zeile, und der "kommt" schon irgendwie unwiderstehlich daher. Bombastisch, ja, aber Sinatra selbst dreht den Bombast schon ins positive, jedenfalls für meinen Geschmack.
Als Ersatz-"My Way" taugte das Lied nicht, aber der Versuch ist unverkennbar. Das Lied "wanderte" allerdings im Laufe der Konzerte von 1976 und 1977 langsam vom Schluß weiter nach vorne, um schließlich im Wechsel mit dem Disco-Arrangement von "Night and Day" die Eröffnungsnummer zu bilden - dort war das Lied, im Sinne von Jupps "Arbeitsphilosophie", wohl auch besser aufgehoben.
Fazit: Auch bei den zeitgenössischen Sinatra-Liedern der 70er gibt es erheblich besseres (All By Myself, Never Gonna Fall In Love Again, Remember) und als Hymne taugt es nur teilweise, und an die großen Standards des American Songbook kommt das Stück sowieso nicht heran. Doch im Rahmen von Sinatras spärlichen Studioaufnahmen der 70er fällt "I Sing The Songs" positiv auf, "it has its moments", auf die zu verzichten ich jedenfalls nicht gewillt wäre.
