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Allgemein

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It Never Entered My Mind

Titel

It Never Entered My Mind

Text & Musik

Richard Rodgers & Lorenz Hart

Infos

Das bewährte Team Richard Rodgers/Lorenz Hart („The Lady Is A Tramp“) schrieb diese Ballade für das Musical „Higher and Higher – A Connecticut Yankee “, das 1940 seine Broadway-Premiere feierte und dort von Shirley Ross interpretiert wurde. (Mit dem gleichnamigen Filmmusical „Higher and Higher“ von 1943, in dem Sinatra mitspielte, hat das Stück übrigens nichts zu tun). Aus diesem Musical, das auf einem Roman von Mark Twain basiert , gingen eine ganze Reihe von ‚Evergreens‘ hervor, z.B. „My Heart Stood Still“, und eben unser Song der Woche. Viele Künstler nahmen in der Folgezeit Versionen des Songs auf.
Sinatra widmete sich dieser Ballade erstmals gemeinsam mit Axel Stordahl bei Columbia 1947. In kleiner Besetzung (neun Musiker) wurden mehrere Fassungen eingespielt, von denen zwei bislang offiziell erschienen sind (siehe #1 a und b). Das Arrangement von Stordahl gab Sinatra in den Jahren darauf auch gelegentlich im Radio zum Besten.
Für seine erste ausgedehnte Europa-Tournee 1953 nahm Sinatra das Stück in sein Konzertprogramm und sang es als Duett mit Bill Miller am Klavier – darauf würde er später wieder zurückkommen und das Lied (allein, nicht als Medley-Teil) gelegentlich in den frühen 80er Jahren zusammen mit Vincent Falcone jr. wieder als Klavierduett interpretieren, 1983/84 (z.B. 1984 bei seinem umjubelten Engagement in der New Yorker Carnegie Hall) einige Male auch als Duett mit Gitarre (Tony Mottola). Leider gibt es bislang von keinem dieser beiden Duette offiziell erschienene Aufnahmen.
Zunächst nahm er es aber 1955 für Capitol erneut auf, mit Nelson Riddle für sein legendäres Album „In The Wee Small Hours“, das bei vielen Sinatra-Freunden als sein vielleicht bestes Album überhaupt gilt. (siehe #2).
Dreizehn Jahre später tauchte das Stück wieder im Repertoire auf, im studiogerfertigten Saloon-Medley seiner CBS-TV-Show von 1968 (siehe #3), zu dem Don Costa ein neues Arrangement beigesteuert hatte.
Von nun an führte der Song sozusagen ein zweites Dasein in Sinatras Schaffen, als Teil verschiedener Saloon-Medleys. Zunächst nahm Sinatra 1975 ein neues, tolles Medley in sein Konzertprogramm, bestehend aus „Just One Of Those Things/It Never Entered My Mind/Here’s That Rainy Day“, das er z.B. bei seinen Deutschlandkonzerten 1975 sang. Leider nie im Studio. Don Costa hatte es arrangiert.
Seit 1977 dann hatte Sinatra ein neues Saloon-Medley in seinem Bühnenprogramm, „The Gal That Got Away/It Never Entered My Mind“, arrangiert von Nelson Riddle und Don Costa, der die Klavierbegleitung zum „Mind“-Teil arrangierte. Dieses Medley sang FS fortan zahllose Male, zuletzt Ende 1992 in Las Vegas – und er nahm es 1981 für Reprise auch im Studio auf (siehe #4), zu hören auf dem Album „She Shot Me Down“.
Für einige Jahre hatte Sinatra den Song unter der Ägide von Falcone Anfang der 80er auch als Teil eines dritten Saloon-Medleys im Programm, das mit „It Never Entered My Mind/In The Wee Small Hours“ zwei Songs aus dem Capitol-Album von 1955 kombinierte. Auch davon gibt’s leider bislang keine offizielle Aufnahme.

Infos: Bernhard Vogel

DISKOGRAPHIE

(1) COLUMBIA – STUDIOAUFNAHME vom 5.11.1947
Aufgenommen in New York City, Liederkranz Hall
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Axel Stordahl (zwei verschiedene Takes erschienen)
--------- (1a) Take 1 (Laufzeit 3:18 Minuten)
Album „Frankly Sentimental“ (Erstveröffentlichung 1949)
CD: „The Voice-The Columbia Years“ (CK 40364, 4 CD-set)
(Diese Fassung ist NICHT auf der 12-CD-Box zu hören)
-------- (1b) Take –PB (Laufzeit 3:34 Minuten)
CD: Columbia 12-CD-Box, CD 8 (Erstveröffentlichung 1993)
(2) CAPITOL – STUDIOAUFNAHME vom 4.3.1955
Aufgenommen in Hollywood, KHJ Studios
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Nelson Riddle
Album (LP/CD): „In The Wee Small Hours“
(3) „Francis Albert Sinatra Does His Thing“ (CBS TV) vom 25.11.1968
Teil eines Saloon-Medleys: Glad To Be Unhappy/Here’s That Rainy Day/It Never Entered My Mind/Gone With The Wind
Aufgenommen im Herbst 1968
Arrangement: Don Costa
Orchester Don Costa und Begleitchor
(Erschienen auf Video, Laserdisc und DVD)
(4) REPRISE – STUDIOAUFNAHME vom 8.4.1981
Teil eines Saloon-Medleys: The Gal That Got Away/It Never Entered My Mind
Aufgenommen in Hollywood, Wally Heider Studios
Arrangement: Nelson Riddle und Don Costa
Orchester Gordon Jenkins
Album (LP/CD): „She Shot Me Down“

Übersetzung

The nearness of you

Nicht der bleiche Mond erregt mich,
Fasziniert mich und entzückt mich – oh nein,
Es ist einfach deine Nähe.

Es ist auch nicht deine charmante Unterhaltung,
Die dieses Gefühl hervorbringt, nein,
Es ist schlicht deine Nähe.

Wenn du in meinen Armen bist
Und ich dich so nah bei mir fühle,
Erfüllen sich selbst meine kühnsten Träume!

Ich brauche kein sanftes Licht, um verzaubert zu werden,
Wenn du mir nur das Recht gewährst,
Dich auf ewig festzuhalten
Und in der Nacht deine Nähe zu spüren!

© Uwe Domnick für Frank Sinatra – The Main Event, 2011

Stimmen zum Song:

Alfred Terschak:

Ein wundervolles Beispiel für einen Sinatra-Klassiker, der über die Jahrzehnte ein ständiger Begleiter von Frank war und entsprechend mitgewachsen ist, und wohl stets interessant war. Ich selbst mag den Song am liebsten in der She Shot Me Down-Version.
Ich finde es auch bezeichnend, daß es die Eröffnungsnummer der (letzten?) von Frank persönlich zusammengestellten Compilation "Everything Happens To Me" (SEHR EMPFEHLENSWERT, danach folgt gleich "Everything Happens To Me", WOW) aus dem Jahr 1996. Und genau auf die Version beschränke ich mich:
Mir gefällt die Stimmung besonders gut, diese Mischung aus Traurigkeit und Optimismus, Schwermut und Hoffnung - die Stimme rauchig wie ein guter Whiskey, aber doch voll Kraft, ja unheimlich viel Kraft. Natürlich besticht mich hier besonders "The Gal That Got Away" - aber das macht den Song einfach nur doppelt so groß.
Bei beiden Teilen des zu Einem gewordenen Song ist es eben diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit, aus Wehmut und Optimismus.

Marcus Prost:

Auch wenn ich die Einzelfassung dieses Liedes und andere Medleyformen durchaus kenne, ist für mich das Lied automatisch mit der Medley-Fassung "The Gal That Got Away/It Never Entered My Mind" verbunden. Die Zusammenfassung dieser beiden Lieder war m.A. nach eine gute Idee. Beide Lieder harmonieren hervorragend und der Unbeteiligte denkt, das Medley wäre ein einzelnes Lied aus einem Guß.
Trautig, einsam, sentimental.....aber schön!

Michael Dörffler:

"It never Entered My Mind" gehört zu meinen absoluten Lieblingsliedern seit ich es das erste Mail auf "In the Wee Small Hours" gehört habe. Somit ist es auch nicht sehr verwunderlich, daß "Mind" auf "Wee Small Hours" und (das Medley) auf "She Shot Me Down" meine Lieblingslieder der jeweiligen Alben ist.
Gerade vor ein paar Minuten habe ich das Medley von Gizeh '79 gesehen und war mal wieder absolut begeistert, trotzdem bleibt meine Lieblingsfassung des Songs, die auf "In The Wee Small Hours". Meiner Meinung nach ist "Wee Small Hours" Sinatra's bestes Album überhaupt. Stimmlich und interpretatorisch geht es einfach nicht mehr besser als auf diesem Album. Die zurückhaltenden Arrangements und Sinatra's Interpretation habe etwas Magisches an sich. Das Besondere an "It Never Entered My Mind" auf Wee Small Hours ist, daß (auch durch Riddle's Arrangement) der Song nicht so endgültig wirkt, daß doch noch Licht am Ende des Tunnels ist, es eben noch nicht für alles zu spät sein muß.
Im Medley kommt der Song hingegen trauriger und endgültiger rüber als auf "Wee", was ja im Medley auch perfekt passt. Trotzdem präferiere ich aber die Capitol Version.

Holger Schnabl:

Die Aufnahme von 1947 kann getrost als ein wahres Kleinod unter den Columbia-Balladen gelten – und das will einiges heißen in Anbetracht der vielen exzellenten Balladen, die uns aus dieser so hehren Zeit vorliegen! Mit soviel Gefühl und Seele hört man sogar den Columbia-Sinatra nicht auf jeder Aufnahme singen, meine lieben Freunde. Hier und nur hier liegt die wahre Magie!
Die Fassung aus dem Jahre 1955 kann einen – wenn man sie gleich im Anschluss an die Columbia-Version hört – gehörig in Erstaunen versetzen: Nur acht Jahre liegen zwischen den beiden Aufnahmen und doch: wie sehr hat sich Sinatras Stimme verändert! Auch diese Version ist sehr gelungen, wird von Sinatra mit der gewohnten und der Capitol-Periode permanent innewohnenden Meisterschaft interpretiert - und doch: Magie kann ich hier im Gegensatz zur Columbia-Fassung nicht heraushören. Aber das mag vielleicht zum Teil auch daran liegen, dass auf „In The Wee Small Hours“ einige Balladen zu finden sind, die mich noch stärker beeindrucken als „It Never Entered My Mind“.
Die Wirkung der 81er-Aufnahme muss immer in Verbindung mit „The Gal That Got Away“ gesehen werden. Diese Verbindung der beiden Saloon-Songs war eine sehr glückliche Idee, dieses Medley ist der absolute Höhepunkt auf „She Shot Me Down“ und hebt (zusammen mit „A Long Night“) den Wert dieses ansonsten höchstens gerade noch durchschnittlichen Albums um einiges. Wenn ich es recht bedenke, dürfte dieses Medley wohl den Höhepunkt von Sinatras Post-Retirement-Schaffen (1973-93) darstellen. Viel von der Wirkung des Medleys geht natürlich von dem gewaltigen und machtvollen „The Gal...“-Arrangement aus, aber auch der mittlerweile schon stark bejahrte Sänger hatte hier stimmlich eine seiner so seltenen späten Sternstunden. Die Piano-Überleitung zum „It Never Entered My Mind“-Teil des Medleys halte ich für besonders gelungen und Sinatra kann auch zur bloßen (und exzellenten) Piano-Begleitung überzeugen, vor allem auch deshalb, weil er das Klügste gemacht hat, was er machen konnte: Er versuchte beim „It Never Entered My Mind“-Teil erst gar nicht, seinen eigenen früheren Versionen direkte Konkurrenz zu machen, sondern ging die Sache völlig anders an. Sinatra rezitiert hier eher als dass er singt, er reduziert den Song zu sparsamer Klavierbegleitung aufs Wesentlichste und versteht es, dem Song durch diese eher karge Art der Interpretation eine Ausstrahlung zu geben, die der Fassung von 1955 atmosphärisch überlegen ist. Das ist ganz außerordentlich, wenn man bedenkt, wie erschreckend wenig erquicklich der Großteil von Sinatras Schaffen nach 1973 ansonsten ist.
Bei der Aufnahme dieses Titels haben sich offenbar alle Musen und Genien versammelt und den alten Sinatra zu einer Leistung verholfen, wie er sie nach 1973 in etwa allerhöchstens drei- oder viermal zuwegegebracht hat.
Fazit: Unerwartet, ja überraschend gut die Spaeth-Version, auf eher Sinatra-durchschnittlichem Niveau die Capitol-Version und völlig abgehoben, bis in alle Unendlichkeit unerreichbar und einzigartig betörend die Columbia-Version.

Tim Bialek:

Alle drei kommerziellen Studioaufnahmen sind großartig. Mir ist es selten so schwer gefallen, ein ranking zu finden. Aber die Klavierbegleitung und -überleitung bei der 81er Aufnahme als Hintergrund bei Sinatras leicht brüchiger Stimme (vielleicht nach "Strings" Costas beste Arbeit) jagt mir jedesmal wieder einen Schauer über den Rücken. Diese Aufnahme liegt einen Tick vor Capitol, das in seinem dramatischen Aufbau und der raffinierten Instrumentierung die Columbia-Aufnahme hinter sich lässt.

Bernhard Vogel:

Ich finde eigentlich alle gelisteten Versionen großartig... Die beiden Columbia-Versionen von 1947 sind bei der "harten Konkurrenz" etwas zu kurz gekommen, finde ich. Hier spielt eine wunderschöne kleine Besetzung (neun Musiker, darunter so bekannte Jazzer wie der Bassist Trigger Alpert, der Drummer Johnny Blowers und der als Produzent so 'berüchtigte' Mitch Miller an der Oboe), und zwei recht unterschiedliche Herangehensweisen des jungen Sinatra studieren zu können, find ich auch sehr reizvoll, gerade im Kontrast zur größeren Besetzung bei der Aufnahme mit Nelson Riddle siebeneinhalb Jahre später.
Mein Favorit unter den Solo-Versionen ist aber auch die Capitol-Fassung, da würd ich mich bei den Gründen Michael anschließen, besser als auf dem "Wee Small Hours" Album ist Sinatra vom künstlerischen Standpunkt her meiner Meinung nach nie gewesen. Einfach atemberaubend!
Die Medley-Fassung liegt aber nur einen Tick dahinter, finde ich... Sinatra hatte natürlich viel Routine mit dem Song gewonnen, durch die verschiedenen Medleys mit diesem Song, die er in beinahe jedem Konzert seit 1975 in der einen oder anderen Form gesungen hatte. Don Costas Piano-Arrangement in der 1981er Aufnahme ist phantastisch und läßt Sinatras großartige Phrasierungstechnik umso plastischer hervortreten.



 

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