It’s All Right With Me
Infos
„It’s All Right With Me“, geschrieben 1953 für das Musical „Can-Can“ und in der Broadwayfassung zuerst gesungen von Peter Cookson.
Nachdem MGM mit der Musicalverfilmung von „Gigi“ (1958) einen Kassenschlager gelandet hatte, versuchte 20th Century Fox im Jahr darauf dasselbe mit einer Verfilmung von „Can-Can“, in der neben Sinatra Shirley MacLaine, Maurice Chevalier und Louis Jordan in Hauptrollen zu sehen waren. Berühmt geworden sind die Dreharbeiten durch die Stippvisite des sowejtischen Parteichefs Chruschtschow, der für einige Stunden in den Studios in Hollywood beim Dreh zuschaute und hinter von Sinatra zu einem Galaessen gebeten wurde. Chruschtschow mokierte sich später über die „Unmoral“ der Can-Can-Tanzszenen.
Für Cole Porter, dem man 1958 ein Bein hatte amputieren müssen, war die Mitarbeit an der Verfilmung des Musicals auch ein Versuch, seiner schlechten Gesundheit zum Trotz wieder zu alter Schaffenskraft zurückzukehren. Bei der Einweihung der „Cole Porter Library“ an der Universiät von Southern California im Februar 1967 erinnerte sich Sinatra lebhaft an die Dreharbeiten und den recht schwierigen Umgang mit dem eigenbrödlerischen Porter.
Für Sinatra waren die Dreharbeiten die erste Begegnung mit dem Song, den er im August 1959 für den Soundtrack als Ballade aufnahm, arrangiert von Nelson Riddle (=Version #1). Capitol übernahm die Soundtrackaufnahme als Master und brachte sie 1960 auch auf LP heraus.
Im Dezember 1959 sang Sinatra das Lied in demselben Balladenarrangement auch in seinem Fernsehspecial „An Afternoon with Frank Sinatra“ (=#2), wobei die von ihm „angesungene“ Frau hier Juliet Prowse war, seine damalige Dauerverlobte, wodurch die Szene auch eine private Bedeutung bekam. Beim bereits erwähnten Cole-Porter-Abend 1967 sang Sinatra das Lied als Duett mit Klavier (gespielt von Roger Edens); davon hat sich eine inoffiziell erschienene Aufnahme erhalten.
Das Lied verschwand dann für einige Zeit aus Sinatras Programm, bis es unter der Ägide von Vincent Falcone jr. 1980 wieder in den Konzerten auftauchte, diesmal als hinreißendes Gitarrenduett mit Tony Mottola. Auch im Januar 1986 sang Sinatra es nochmals als Ballade mit Gitarre, als Falcone für kurze Zeit nach dem Tode Joe Parnellos nochmals das Szepter schwang.
Im April 1984 hatte Sinatra das Lied inzwischen aber erneut im Studio eingespielt, diesmal als flotten Swinger, arrangiert von Sam Nestico und mit einem Gitarrensolo von George Benson, für das Album „L.A. Is My Lady“ (1984) (=#3). Diese Version präsentierte Sinatra dann auch bis 1986 in vielen Konzerten, ein letztes Mal noch 1989.
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie:
(1) 20th CENTURY FOX/CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 27.9.1959
aufgenommen in Hollywood, 20th Century Fox Studios
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Album: Can-Can (Soundtrack)
CD: Sinatra In Hollywood (6 CD Box)
(2) „An Afternoon with Frank Sinatra“ (ABC TV) vom 13.12.1959
aufgezeichnet am 10.12.1959 in Hollywood
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
(3) QWEST-STUDIOAUFNAHME vom 16.4.1984
aufgenommen in New York City, A&R Studios
Arrangement: Sam Nestico
Orchester geleitet von Quincy Jones
Album/CD: L.A. Is My Lady
Übersetzung
It’s all right with me
Es geschieht zur falschen Zeit und am falschen Ort,
Und obschon dein Gesicht so bezaubernd aussieht: es ist nicht das richtige Gesicht;
Es ist nicht ihr Gesicht und doch ein so reizendes Gesicht,
Dass es mir ganz willkommen ist.
Es ist das falsche Lied mit dem falschen Klang;
Obgleich dein Lächeln lieblich ist, ist es nicht das rechte Lächeln;
Es ist nicht ihr Lächeln und doch ein so anmutiges Lächeln,
Und so kann ich ihm nicht widerstehen.
Du ahnst ja nicht, wie glücklich es mich macht, dass wir uns begegnet sind,
Denn irgendwie ziehst du mich an;
Ich versuche so sehr, an jemanden nicht mehr zu denken –
Gibt es nicht eine Person, die auch du vergessen möchtest?
Es ist ein falsches Spiel mit den falschen Chips;
Obschon deine Lippen so verführerisch sind, sind es die falschen Lippen;
Es sind nicht ihre Lippen, aber diese Lippen bringen mich so in Versuchung,
Dass, falls du eine Nacht mal frei sein solltest,
Ich nichts dagegen einzuwenden hätte,
Ja, es mir sehr lieb wäre.
(Kurzes Orchester-Zwischenspiel)
Wenn auch deine Lippen verlockend sind, sind es doch nicht die rechten Lippen;
Es sind ja nicht ihre Lippen, doch sind es so reizvolle Lippen,
Dass, wenn du dich einmal nicht gebunden fühlst,
Ich nichts mehr dagegen hätte –
Ja, es mir sehr recht wäre.
© Übersetzung: Uwe Domnick für Sinatra – The Main Event, 2009
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Naja, hier gibt es keine Diskussion, die Can-Can-Version ist für mich einfach unübertrefflich, wobei ich überhaupt auf das wunderbare Filmmusical hinweisen möchte, ich halte es für Franks bestes Musical (neben High Society). Sensationell Franks Zusammenarbeit mit Maurice Chevalier - Franks Darbietung war einfach eine Klasseleistung,, wobei mir "Cest Magnifical" noch um einen Tick bessser gefällt.
Bei den späten Aufnahmen, auch oder gerade bei der Studio-Version von LA Is My Lady kommt für mich noch die Botschaft dazu, "Da schaut her, ich bin immer noch da".
Tolles Topic, toller Song, dem Frank in jeder Version seinen unnachahmlichen Stempel aufgedrückt hat.
Marcus Prost:
Für meinen Geschmach hat Frank Sinatra die ultimative Fassung dieses Liedes erst 1984 erreicht. Auf "L.A. Is My Lady" klang das Lied kraftvoll, swinging, leidenschaftlich und eingängig zugleich.
Die Filmfassung ist sicher auch nicht zu verachten, kommt m.E. an die oben genannte aber leider nicht heran.
Tim Bialek:
Zwei gänzlich unterschiedliche Versionen haben wir hier zu bestaunen:
Ich bevorzuge eindeutig die langsame Version von "Can Can." Sie geht einfach zu Herzen, Sinatra legt seine ganze Leidenschaft in das Lied, das kann man hören.
Auch der Auftritt mit Roger Edens am Klavier 67 hat was, wenngleich die Stimme ein um's andere Mal leicht brüchig ist.
Was die Version von "L.A. Is My Lady" betrifft, so wird für mich hier eins deutlich:
Ähnlich wie bei "Mack The Knife" ist er phrasierungstechnisch noch längst nicht beim Optimum. Wenn man das mit späteren Konzertaufnahmen vergleicht, kann man die Entwicklung ganz gut mitverfolgen.
Einmal mehr sind bei dieser Aufnahme aber auch meine generellen Vorbehalte gegen das "Lady" Album zu Tage gefördert worden und für mich hat sich beim Anhören der Lieder und deren Vergleich mit späteren Konzertaufnahmen eines erwiesen: Die Band, die Quincy Jones zusammengestellt ist zwar gespickt mit Stars aus der Jazz Szene (Urbie Green, die Brecker Brothers, Frank Foster, Ray Brown, George Benson, Lionel Hampton und und), aber sie swingt nicht. Sie swingt einfach nicht! Vielleicht kann man das mit der Floskel beschreiben "Zu viele Köche verderben den Brei" (vergleicht auch mal "Knife" mit der Duets-Aufnahme).
Und weil dieses Sammelsurium von Stars nicht gut zusammenspielt, wird auch Sinatra gerade bei den up-tempo-Nummern nicht so inspiriert, wie es sein sollte. Er läuft dem Arrangement von Nestico praktisch hinterher. Er nimmt es nicht in sich auf, sondern singt es eigentlich nur runter. Er hätte auch von "It's All Right With Me" einen neuen Overdub produzieren sollen oder sogar das Arrangement nochmals mit seiner üblichen Begleitband einspielen sollen, denn wenn man den April 84 mit dem Oktober 85 oder Mai 86 z.B. vergleicht, dann fühlt sich FS später bei dem Stück wesentlich wohler. Denn hier spielt "seine" Band hinter ihm und intonationsmäßig ist er eh besser drauf.
Allerings bei all diesen Aufnahmen scheint FS dem Tempo trotz allem an einigen Stellen nicht gewachsen, was nicht unbedingt an ihm liegt, sondern eher an Nesticos Arrangement mit einem für mich überrissenen Tempo.
Meine Präferenzen sind klar.
Bernhard Vogel:
Auf dem LA Is My Lady-Album ist irgendwie "der Wurm drin", oder? Der 'spirit' ist irgendwo in der ja recht komplizierten Aufnahme- und Overdub-Geschichte des Albums etwas auf der Strecke geblieben. Obwohl das Arrangement für unsern Wochensong ein paar schöne Solo-Einsätze für George Benson bringt, mag ich die Live-Versionen der schnellen Nummer auch lieber.
Mein Favorit ist die Balladen-Version und insbesondere die mit Gitarre, gleichauf mit der Filmaufnahme von 1959. Einfach eine wunderschöne Interpretation von Sinatra.
Andreas Est:
Da das LA-Album zu meinen Lieblingsalben zählt, gefällt mir (natürlich) auch dieses Lied besonders gut. Die (von mir noch nicht oft gehörte) Hollywood-Fassung ist durchaus reizvoll und steht der "LA-Version" trotz des großen Gegensatzes in keinster Weise nach. Und genau dies ist ja nun auch die Stärke und der Reiz an FAS: Grundverschiedene Arrangements, eine durchs Alter veränderte Stimme und trotzdem ist jede Fassung HERVORRAGEND!
Michael Dörffler:
It's All Right With Me gehört sicherlich zu meinen absoluten Lieblingssongs. Allerdings ist es nicht irgendeine besondere Interpretation von Sinatra oder sonst wem, die den Song für mich so großartig macht, sondern einfach das Lied als solches. Cole Porter hat sich damit mal wieder selbst übertroffen - einfach grandios!
Was die verschiedenen Versionen angeht, tendiere ich ganz klar zur Balladeninterpretation. Zwar denke ich, daß der Song auch gut "geswingt" werden kann, aber die L.A. Is My Lady Fassung finde ich trotzdem ganz und gar nicht gelungen....
Andreas Kroniger:
Zuerst einmal hat mir die 84er Version noch nie zugesagt. Dies liegt daran, dass ich die "alte" Version im Ohr hatte, als ich auf das Cover schaute und zum anderen weil ich die TV-Aufnahme 13.12.1959 einfach liebe. Obwohl mir der "schmissige" Sound der 84er Version gefällt, geht die beste Version für mich klar an:
„An Afternoon with Frank Sinatra“ (ABC TV) vom 13.12.1959
knapp vor der CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 27.9.1959.
