Let Me Try Again
Text & Musik
Francois Caravelli, Michelle Joardan, Paul Anka, & Sammy Cahn
Infos
"Let me try again" stammt wie "My Way", ebenfalls von Paul Anka, ursprünglich aus dem Französischen. Mit "Let me try again" wollte Sinatra einen "Ersatzsong" für das von ihm so gehaßte My Way schaffen und gleichzeitig seinem Publikum seinen Rücktritt vom Rücktritt (Retirement 1971) erklären. Dennoch kam "Let me try again" beim damaligen Publikum nicht entsprechend an und so verschwand der Song nach 1976 fast ganz aus seinem Programm. Am 21.06.1973 nahm Sinatra den Song für sein Comeback-Album "Ol´blue eyes is back" auf. Das Arrangement stammt von Don Costa.
Live ist der Song auf "Sinatra - The Main Event" zu sehen, die Albumsversion wurde zusammengestellt aus verschiedenen Konzerten. Außerdem kann man den Song auf der DVD "Ol´blue eyes is back" (1973) sehen.
Obgleich, wie geschrieben, der Song nicht die erwartete Resonanz fand, so war "Let me try again" doch fester Bestandteil seiner Auftritte in den Jahren 1974 - 1976. Am 01.09.1975 sang Sinatra den Song auch beim "Muscular Dystrophy Telethon" im Fernsehen.
Übersetzung
GIB MIR EINE ZWEITE CHANCE
Let Me Try Again (Laisse Moi le Temps)
Ich weiß ich sagte, daß ich dich verlassen werde,
Aber ich konnte nicht Lebwohl sagen
Es wäre nur ein Selbstbetrug, von jemanden zu gehen,
der alles im Leben für einen bedeutet
Du lernst von jedem einsamen Tag,
Ich habe gelernt, und jetzt bin ich zurück um zu bleiben
Gib mir eine zweite Chance,
Gib mir eine zweite Chance,
Denk an das was wir vorher hatten
Laß es mich noch einmal versuchen
Wir könnten dies alles haben
Du und ich könnten dies alles wieder haben
Bitte verzeih mir oder ich sterbe
Bitte gib mir eine zweite Chance
Ich war so ein Dummkopf an dir zu zweifeln
Zu versuchen meinen Weg ganz alleine zu gehen
Ohne dich hat mein Leben keinen Sinn
Nun ist alles was ich tue existieren
Und darüber nachzudenken, welche Chancen ich verpasst habe
Zu Bitten ist keine einfache Aufgabe
Aber Stolz ist solch eine dumme Maske.
Gib mir eine zweite Chance
Gib mir eine zweite Chance
Denk an all das was wir vorher hatten
Laß es mich noch einmal versuchen
Wir könnten dies alles haben
Du und ich könnten dies alles wieder haben
Bitte vergib mir einfach oder ich sterbe
Bitte gib mir eine zweite Chance
Übersetzung:Verena Kroniger
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Holger Schnabl:
Der Song ist zweifelsfrei eines der besseren Stücke der insgesamt wirklich sehr lauen Comeback-Platte „Ol´ Blue Eyes Is back“. Bei näherer Betrachtung erweist sich das Lied aber als nicht viel mehr als ein reichlich pathetisch aufgemotzter Schlager mit englischem Text. Obgleich sich der Text offensichtlich an eine Frau richtet, können einzelne Passagen auch als eine Aufforderung an das Publikum verstanden werden, den Sänger nach seinem Retirement doch „bitte wieder ans Herz zu drücken“.
Der Song ist nett anzuhören, das ist das Positivste, was man darüber sagen kann. Zumindest tut er einem nicht weh... Sinatra hat den Song in Folge nur kurzfristig im Konzertprogramm gehabt, irgendwann ist er dann wohl auf Nimmerwiederhören aus seinem Repertoire verschwunden, ich denke, er hatte wahrscheinlich selber keine allzu große Freude mit dem Song. Ein Meisterwerk ist das an sich recht simpel gestrickte Lied ja wirklich nicht, sondern bloß Dutzendware, die nicht nachhaltig zu beeindrucken vermag.
Das Comeback war ja nicht unumstritten und viele der „alten“ Fans, die seinen Werdegang seit den 50er Jahren und teils schon davor mitverfolgt haben, waren bekanntlich enttäuscht von seiner völlig veränderten, um nicht zu sagen völlig ruinierten Stimme nach dem Comeback. Womöglich hat Sinatra in seinem zweijährigen Ruhestand aus Langeweile zuviel geraucht und zu oft zu tief ins Glas geguckt, jedenfalls war er nach 1973 stimmlich ziemlich im Parterre, was sich in der Folge nicht wesentlich geändert hat, ganz im Gegenteil. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jan Lachmann:
Nun, mit dem Song "Let Me Try Again" ist es wie mit sovielen späteren Aufnahmen Sinatras: Man hört ihn anfangs gerne und relativ oft, einige Tage später ist das Interesse dann verblaßt und man greift garantiert nicht mehr zur CD, nur um diesen einen Titel anzuhören. Vielmehr nimmt man ihn als ganz nett war, so man sich die komplette CD, in diesem Falle "Ol´ Blue Eyes Is Back", anhört.
Meiner Meinung nach, ist dieses Lied mit einem zu überladenen Arrangement aufgenommen worden, Sinatra hat teilweise Probleme stimmlich gegen dieses scheppernde und donnernde Orchester anzukommen. Leider war sein Stimmvolumen nicht mehr das Alte und ein weniger pompöses Arrangement hätte ganz sicher dazu beigetragen, mehr aus diesem Song herauszuholen, auch wenn er textlich wirklich nicht viel hergibt (die Mitarbeit Sammy Cahns ist nicht wirklich festzustellen).
Insgesamt fügt der Titel sich nahtlos in das Gesamtbild der LP/CD "Ol´ Blue Eyes Is Back" ein. Nichts bemerkenswertes, aber auch nichts wirklich schlechtes.
Andreas Kroniger:
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Ich finde das Arrangement der Studio-Aufnahme überhaupt nicht überladen, muss aber zustimmen, dass Sinatra nicht bei vollem Stimmvolumen ist. Dieser Song wurde tatsächlich für seine Rückkehr vom Rückzug geschrieben und somit scheint es logisch, dass der Song irgendwann aus dem Repertoir fallen musste. Ich finde es ist ein ausgesprochen schöner Text, der, wie Holger schon geschrieben hat, auch prima zu einer Frau gesungen werden kann. Vielleicht, aber nur vielleicht, hätten wir dann noch andere, gefühlvollere Arrangement dazu gehört. Irgendwie ist es ein Song zwischen "My Way" und "Something", der es verdient gehabt hätte noch länger auf der Bühne gesungen zu werden.
Viel besser gefallen mir allerdings die Live-Versionen des Songs. "The Main Event" ist schon klasse. Warum der Song für die CD dann zusammengeschnitten wurde bleibt mir ein Rätsel, denn das Sinatra den Song erstklassig singen konnte, bewies er z.B. 1974 in Sydney! Die Live-Versionen sind deutlich überladener und Sinatra sing dort mit gewaltiger Stimme mit. Dennoch passt dies eher zum Song und mir gefällt es.
Vor allem ist "Let me try again" aber auch ein Song, der das wiederspiegelt, was Sinatra nach seinem Rücktritt vom Rücktritt vornehmlich sang: Gute Pop- und Country-Songs. Mir gefällt besonders, dass man diese Song fast beliebig zu neuen Alben zusammenfassen kann und nicht konzeptgebunden den Hörer machmal fast langweilen.
Bernhard Vogel:
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Das Stück hat seine Momente und gefällt mir vor allem aus deswegen recht gut, weil es wirklich prima zu seinem Comeback paßte. Das Lied selbst wurde allerdings nicht extra dafür komponiert, sondern ist in seiner französischen Originalfassung schon älter. Lediglich der englische Text (Sammy Cahn) wurde dem Ereignis angepaßt. (Kleiner Nachtrag für Dein Songregister: Der Komponist heißt Vasori Caraveli).
Ob das Arrangement überladen ist oder nicht? Bischen Geschmackssache... Immerhin aber gibt die 'message' des Liedes "hey! I'm back" doch am meisten Sinn, wenn man sie auch musikalisch abbildet, also "mit Schmackes", sowohl stimmlich (was die Studioversion erfüllt, außer das FS noch etwas stimmliche Probleme hat) als auch mit dem Arrangement, also mit "Big Finale".
Sinatra selbst übrigens wechselte schon 1975 bei Live-Darbietungen dieses Songs zu einem recht flotten, neuen Swing-Arrangement, ebenfalls aus der Feder von Don Costa (weil er das andere nicht mehr singen mochte?), das jedenfalls das (vielleicht) "Überladene" gar nicht mehr enthielt. Allerdings sang er das Stück dann oft mit "nicht jugendfreiem" Text im Refrain (think of all we had before/why don't we try the floor?), machte sich also quasi selbst über das Stück lustig. Besonders in den Aufnahmen mit der Basie-Ban(Sept.1975) klingt die Swing-Version richtig gut.
Geprobt hat er das Stück übrigens noch im Mai 1993 vor dem Konzert in schwedischen Göteborg...
Michael Dörffler:
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"Let Me Try Again" gehört zu den Songs, die mir am wenigsten gefallen. Sicherlich scheint der Song beim Main Event gut zu funktionieren, aber das war's irgendwie leider schon. Für meinen Geschmack ist das Lied zu offensichtlich, pathetisch und oberflächlich (erinnert mich an ein anderes Anka Lied. Allerdings paßt wiederum das teilweise recht gewaltige Arrangement recht gut dazu.
Insgesamt würde ich sagen, daß das Lied beim Comeback seinen Zweck erfüllt hat und danach nicht mehr (bzw. nicht positiv) auffällt.



