Lonely Town
Infos
"Lonely Town" stammt aus dem Broadway Musical "On the Town", der leider keine Verwendung im gleichnamigen Sinatra Film aus dem Jahre 1949 fand. Mit einem Axel Stordahl-Arrangement nahm Sinatra den Song am 29. April 1957 für sein Capitol-Album "Where are You?" auf, das im gleichen Jahr erschien.
Eine spektakuläre und traumhaftschöne Version stammt vom 24. Oktober 1987 aus der Reunion Arena, Dallas, ist bis heute aber weiterhin offiziel unveröffentlicht. Sinatra hatt den Song viele Jahre zwischen 1975 und 1990 in seinem Konzertprogramm. Zweimal, am 23. Mai 1958 in der "Frank Sinatra Show" und am 15. Februar 1960 in "Here’s To The Ladies" sang er den Song im Fernsehen.
Übersetzung
Einsame Stadt
(Lonely Town)
New York, New York, oder ein Dorf in Iowa
Der einzige Unterschied ist der Name
Wenn du alleine bist, ob auf der Main Street oder auf dem Broadway
Wenn du alleine bist, sind sie beide gleich
Eine Stadt ist eine einsame Stadt
Wenn du durch sie hindurch läufst und da ist niemand,
Der auf dich wartet
Dann ist es eine einsame Stadt
Du wanderst auf und ab
Die Menschenmenge eilt an dir vorbei
Eine Millionen Gesichter ziehen an deinen Augen vorbei
Und trotzdem ist es eine einsame Stadt
Es sei denn da ist Liebe, eine Liebe die scheint
Wie ein Leuchtturmfeuer, wenn du verloren bist in der Nacht
Wenn da keine Liebe ist, ist die Welt ein leerer Platz
Und jede Stadt ist eine einsame Stadt
Übersetzung:Verena Kroniger
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Jan Lachmann:
"I´ve got you under my skin" ist sicher eines der größten Sinatra-Standarts überhaupt und da bekomme ich automatisch ein gewisses Glänzen in den Augen, wenn ich etwas zu diesem Lies schreiben darf.
Ich finde bei diesem Lied kommt Sinatras ganze Genialität zum Vorschein. Sehr zum Leidwesen des als reichlich arrogant geltenden Cole Porter hat Sinatra dieses Lied nicht einfach streng nach Komponistenvorgabe heruntergesungen, sondern immer wieder ein wenig varriert. Die trockenen Studioaufnahen lassen davon wenig spüren, absolut genial sind hingegen Sinatras zahlreiche Livefassungen dieses Liedes. Phantastisch wie er das Publikum im Griff hatte, wenn er - wie z.B. im Main Event zu hören - das Lied scheinbar beendete, das Auditorium bereits applaudierte und Sinatra dann noch einmal einsetzte "I would sacrifice..." - einfach genial!!!
In seiner Konzertkarriere hat Sinatra so etwas öfter gemacht und jedesmal wirkte es anders. Ebenso wie "Mack The Knife" ist "I´ve got you under my skin" eines dieser Standarts, die es zwar in unzähligen Fassungen gibt, wo aber keine Fassung der anderen gleicht.
"Satthören" könnte ich mich an dem Lied nie. Wenn mir mal die eine Fassung über ist, weil ich sie zu oft nacheinander gehört habe, dann brauche ich mir nur eine andere Fassung anzuhören. Kaum zu glauben, daß es sich wirklich immer wieder um das gleiche Lied handelt.
Da merkt man immer wieder wie arm doch die aktuelle Popmusik ist, wo sich Studio- und Livefassungen so unglaublich ähnlich sind (wenn es nicht sogar - wie häufig - Playback-Gesang ist).
Michael Dörffler:
Das Lied ist grandios, das Arrangement ist grandios und Sinatra ist grandios. Ein wirkliches Meisterwerk!
Sinatra's Aufnahme von 1987 ist übrigens tatsächlich hervorragend und es ist mir ein Schleier, warum der Song nicht auf die "80th" gepackt wurde!
Welche Version man letztendlich favorisiert bleibt jedem selbst überlassen. Es ist sehr schwer sich festzulegen, aber ich tendiere auch eher zur Studio Aufnahme.
Holger Schnabl:
Von meiner Warte aus gesehen, kann ich dem von Jan abgegebenen Befund nur voll und ganz beipflichten. Wir haben es bei diesem Song mit einer der wirklich ganz, ganz großen Balladen-Interpretationen von Sinatra zu tun. Es sind solche Aufnahmen, die Sinatra – jedenfalls in den Ohren der am „Künstlertum“ des Sängers interessierten Hörer – einen Platz unter den unsterblichen Musikern sichern. Jene, die eher an „That´s Life“ oder „My Way“ oder „Sweet Caroline“ Gefallen finden, werden den Song „Lonely Town“ mit aller Wahrscheinlichkeit sogar langweilig finden, aber was dem einen behagt, muss nicht zwangsläufig auch dem anderen gefallen. Sei´s drum, es geht ja auch nicht darum, jemanden zu bekehren. - Die gesangliche Leistung von Sinatra bei „Lonely Town“ ist jedoch in der Tat über die Maßen beeindruckend. Das ist nicht mehr bloßes Entertainment bzw. (gehobene) Unterhaltungsmusik, sondern steht – für mich jedenfalls – im Range eines Kunstwerks im besten Sinne des Wortes. Angesichts der Leistungen des Sinatra der 40er- und 50er-Jahre, für die der Song „Lonely Town“ als Paradebeispiel herhalten kann, ist die Enttäuschung der überwiegenden Mehrheit der Sinatra-Anhänger über sein späteres Wirken und Werkeln nur allzu verständlich. ...
Der Song erweist sich als ein ideales Vehikel für Sinatra, um seine gesamte emotionale Bandbreite und den ganzen geradezu unwahrscheinlichen Nuancenreichtum seiner damals noch voll auf der Höhe befindlichen Stimme eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Nichts gegen Swing-Titel wie „It All Depends On You“ oder „You Make Me Feel So Young“ und dergleichen mehr, aber es sind doch eigentlich die Balladen, in denen Sinatra am Deutlichsten gezeigt hat, was wirklich alles in ihm steckte. Das war, ist und bleibt unnachahmlich, meine Freunde, und bei einer Nummer wie „Lonely Town“ gerät der gestandene Sinatra-Aficionado naturgemäß und nachhaltig in Verzückung. Der Song zeigt, wie gesagt, Sinatra in Best-Form, meiner Ansicht nach gibt es aber aus der Capitol-Zeit, sogar noch aus der ersten Hälfte der 60er-Jahre einige Sinatra-Balladen, die noch besser gelungen sind. „Lonely Town“ leidet meiner Meinung nach ein wenig darunter, dass sich der Text stellenweise gar nicht, an anderen Stellen wieder nur sehr ungelenk reimt. Für meine Ohren wird dadurch der Fluss des Songs etwas gestört.
Mir persönlich ist zwar unerfindlich, wie man zur Auffassung gelangen könnte, die Aufnahme die von einem Konzert von anno 1987 (Dallas) existiert, sei dem Original überlegen, mache aber gewiss niemandem das Recht auf die eigene Meinung streitig. Dass Sinatra damals 1987 nach allen bekannten schulmäßigen Kriterien wesentlich schlechter gesungen hat, lasse ich mir des ungeachtet nicht nehmen. Neben der Stimme als Solcher hat 1987 aber auch die Phrasierung und Interpretation stark, sehr stark nachgelassen. Wo, frage ich waren 1987 die emotionale Bandbreite, die feinsten Abstufungen, die lange gehaltenen sauberen Noten, der interpretatorische Nuancenreichtum der Capitol-Aufnahme? Ich kann 1987 nichts bzw. allenfalls Fragmente davon entdecken. Offen gestanden erwarte ich hier die Perfektion der Studioaufnahme ja gar nicht, denn wie sollte Sinatra mit 72 Jahren ein besserer Sänger sein als mit 42? Das kann wohl niemand ernstlich behaupten wollen. Die Perfektion von „Lonely Town“ hätte Sinatra live auch mit 45 nicht hinbekommen, ich denke diese Leistung war nur unter Studiobedingungen möglich. Der wievielte Take ist eigentlich das Master?
Erstaunlich, dass er sich in dem Alter 1987 bei einem Konzert noch an diesen schwierigen Song herangewagt hat, aber viel mehr als ein blasses Abziehbildchen ist naturgemäß nicht daraus geworden. ...
Keinesfalls vergessen möchte ich schließlich auf die Erwähnung des in der Tat wunderbaren Arrangements des Songs, der zur Wirkung von „Lonely Town“ das Seinige beiträgt. Jan hat das Arrangement in seinem Eintrag schon trefflich und sehr anschaulich abgehandelt, müßig, dass ich hier noch viele Worte mache. Auf der Platte „Where Are You“, von der dieser Song stammt, findet das geneigte Ohr aber noch jede Menge weiterer Perlen, allesamt Manifeste von Sinatras künstlerischer Höchstform, welche die Anschaffung von „Where Are You“ ratsam erscheinen lassen.
Andreas Kroniger:
"Lonely Town" ist sicherlich einer der herausragenden Songs aus dem banalen "Where are you"-Album. Musikalisch und gesangstechnisch sicherlich auf höchstem Niveau, dennoch ohne den letzten Kick.
Die 87er Live-Version - die übrigens auch mal als Real Audio auf dem "Main Event" zu hören war, klingt zerbrechlicher und doch ausdrucksstärker als die Studioaufnahme.
Marcus Prost:
"Lonely Town" zeigt wiedereinmal, was Sinatra alles aus einem Lied herauszuholen im Stande war. Um ehrlich zu sein: ich halte dieses Lied nicht für ein wirklich herausragendes Meisterwerk, Sinatra hatte da ganz andere große Werke in seinem Repertoire. Aber Sinatra verstand es dieses Lied in einer Weise zu interpretieren, daß man wirklich eine Gänsehaut bekam (und immer noch bekommt). Wenn FS´s Stimme vielleicht in der hier schon mehrfach erwähnten Livefassung etwas brüchig klang, dann unterstrich das nur die im Lied erwähnte Einsamkeit. Irgendwie klingen musikalisch vorgetragende Emotionen viel glaubhafter, wenn nicht alles so steril und perfekt ist, wie bei einer Studioaufnahme.
