Pick Yourself Up
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1936 entstand bei RKO Pictures mit „Swing Time“ eines der schönsten Filmmusicals aller Zeiten. Das eingespielte Team von Jerome Kern (1885-1945) und Dorothy Fields (1905-1974) schrieb die Musik dazu, und die singenden und tanzenden Hauptrollen wurden vom seinerzeitigen Traumpaar Ginger Rogers (1911-1995) und Fred Astaire (1899-1987) verkörpert. Ein Klassiker, den man immer wieder mit Genuß ansehen mag. Für den Song „The Way You Look Tonight“ gewann Fred Astaire auch einen Oscar.
Ein anderes Lied aus diesem Film ist „Pick Yourself Up“, im Film ebenfalls von Fred Astaire gesungen und zusammen mit Rogers zu einer der großen Tanznummern ausgebaut, die den Streifen so liebenswert machen. Für die Choreographie gabs eine Oscar-Nominierung.
Sinatra nahm das Lied im April 1962 zusammen mit Neal Hefti (*1922) für sein Reprise-Album „Sinatra and Swinging Brass“ auf; es sollte seine einzige Berührung mit diesem Stück bleiben. Der sechste Take wurde auf der LP veröffentlicht; zwei weitere komplette Alternate Takes aus den vollständig erhaltenen Sessions sind bislang nicht offiziell erschienen.
Wie der Titel des Albums bereits treffend formulierte, ist auch diese Aufnahme „Brass pur“: Fünf Trompeten (Al Porcino, Peter und Conte Candoli, Don Fagerquist, Gerald Wilson), fünf Posaunen (Dick Nash, Dick Noel, Frank Rosolino, Lew McCraery, George Roberts), fünf Saxophone (Joe Maini, Harry Klee, Ben Webster, Plas Johnson, Chuck Gentry) – und dazu nur eine Rhythmusgruppe mit Klavier (Bill Miller), Gitarre (Al Viola), Bass (Al McKibbon) und Schlagzeug (Earl Palmer). Ein rassiger Sound für eines von Sinatras besten Swingalben.
In Sinatras Fassung bekommt der Text eher einen allgemeinen Sinn, so als Aufforderung „Laß Dich niemals unterkriegen“. Ursprünglich jedoch, im Film mit Astaire und Rogers, waren die Worte auch konkret auf Tanzstunden bezogen: „Stolpern gehört dazu, aber irgendwann wird es schon klappen!“ Das zeigen schön die Eingangsverse des Stücks, die Sinatra bei seiner Aufnahme weggelassen hat:
Please teacher, teach me something,
Nice teacher, teach me something.
I'm as awkward as a camel, that's not the worst,
My two feet haven't met yet,
But I'll be teacher's pet yet,
'Cause I'm gonna learn to dance or burst.
Nothing’s impossible....
Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event
Diskographie:
REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 11.4.1962
aufgenommen in Hollywood, United Recording Studios (take 6)
Arrangement: Neal Hefti
Orchester geleitet von Neal Hefti
Album/CD: Sinatra and Swinging Brass (Reprise, 1962)
Übersetzung
Richte dich auf
Pick yourself up
Nichts ist unmöglich, habe ich rausgefunden
Wenn ich also mit dem Kinn am Boden bin
Dann richte ich mich auf
Staube mich ab
Und fange wieder von vorne an!
Verliere nicht dein Selbstvertrauen, wenn du Fehler machst
Sei froh, wenn du was daraus lernst
Und richte dich auf
Staube dich ab
Und fang wieder von vorne an!
Arbeite wie ein Besessener
bis die Schlacht des Tages gewonnen ist
Du wirst zwar schlapp und müde sein
Aber, mein Sohn, du wirst ein Mann sein!
Erinnere dich an die berühmten Männer
die erst fallen und wieder aufsteigen mussten
Also atme tief durch
Richte dich auf
Staube dich ab
Und fang wieder von vorne an!
Übersetzung: Andreas Bergmann
für
Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Marcus Prost:
Ein nettes Lied, welches einprägsam, dynamisch aber für die Endlosschleife nicht geeignet ist, wie ich finde. Zu oft kann ich es nicht hören, denn mehrfach gehört, wird es schnell nervig.
Alfred Terschak:
Witziger Song, herziges, liebevolles aber dennoch recht cooles Arrangement - ein Song der mehr Beachtung verdient. Vor allem eine Super-Nummer ist, wenn die Stimmung schon oben ist; nicht untypisch für Swinging Brass.
Michael Dörffler:
Bei Pick Yourself Up handelt es sich meiner Meinung nach um ein wundervolles Lied des American Songbooks mit Ohrwurm-Qualität, der irgendwie aber schon Fred Astaire "gehört". Eine schöne Version hat übrigens auch Diana Krall abgeliefert.
Marc Rothballer:
Es ist ein wirklich schöner und peppiger Song, den ich wie gemacht für die Endlosschleife finde! Er hat Schwung, Sinatra ist bei der Sache und singt den Song wirklich gut und er verleiht dem Lied dadurch Charm und Glaubwürdigkeit.
Andreas Bergmann:
Ein schöner Song! Fügt sich mit seinem damals ziemlich modernen Arrangement perfekt ins "Swingin' Brass"-Album ein, dessen Hefti-Orchestrierungen mir eh sehr gut gefallen. Außerdem ein echter "Muntermacher", der in fast allen Situationen aufbauend wirkt! Liegt einerseits am witzigen, positiven Text, andererseits natürlich an Franks munterer und launiger Interpretation.
Bernhard Vogel:
"Launig" ist ein gutes Etikett für den Song und das ganze Album, Andi. Hat, denke ich, auch was mit der "Aufbruchsstimmung" zu tun, in der Sinatra sich knapp eineinhalb Jahre nach Gründung seines eigenen Labels immer noch befand: "Nothing's impossible I have found" eben. Fast für jedes Album ein neuer Arrangeur, und mit Neal Hefti klappte es ja besonders gut. Jedenfalls machten ihm die Sessions so viel Laune, daß er Hefti gleich als Arrangeur für die ganzen Sextett-Charts verpflichtete, für die wenige Wochen später beginnende Welttournee mit dem Bill-Miller-Sextett.
Tim Bialek:
DER absolute Bringer auf diesem Album! Selbst für unsere Katholen dürfte gelten: Da bleibt keiner auf dem Beichtstuhl!
Dieses Album hier ist das progressivste Big-Band-Album, das Frank je gemacht hat (da kommt selbst Basie nicht mit), und vielleicht auch das vor Spiel- und Singfreude überquellendste. Dieser Song enthält alles, was man dazu braucht: Fetzige Bläserriffs (witzig dagegen das eher klassisch-fugenartige Einleitungsthema der Saxophone), eine unglaublich druckvolle Rhythmusgruppe (man achte nur mal auf den Schlagzeuger) und ein Sänger, der, vom Arrangement in Hochstimmung versetzt, so viel Spaß hat, dass er die gesamte Mannschaft zu einer Wiederholung der Coda auffordert.
Und auch Hefti hatte bei seinen Arrangements geniale Einfälle: Man achte nur mal darauf, wie die Trompeten in der Coda nach "take a deep breath" wirklich "Luft holen."
Für Sinatra war das Lied vielleicht gerade wegen seines Hangs zur manischen Depression so eine Art Lebensmotto; deshalb auch die Abwandlung des Originaltextes. Eine Tanzstunde wäre da auch eher profan gewesen...
Marc Rothballer:
Eigentlich hat mir Tim mit seinem Post aus dem Herzen gesprochen. Das Lied ist wirklich eine Art "Lebensmotto" - und dieses Motto vermittelt Frank wirklich gut! Frank hatte hörbar Spaß am singen, das fetzige Arrangement ist einfach klasse und passt wie die Faust aufs Auge! Zu meinen Lieblingsstellen gehören ganz klar "once again now" und "that's enough now!".
Das "Luftholen" der Trompeten nach dem "take a deep breath" beispielsweise macht den Song witzig und 'glaubwürdig'.
Alles in allem ein wunderbarer Song, schmissig und voll charm - das ist Frank!
