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Roses Of Picardy

Titel

Roses Of Picardy

Text & Musik

Musik: Haydn Woods, Text: Fred Weatherly

Infos

Der englische Rechtsanwalt Fred E. Weatherly (1848-1929), dessen leidenschaftliches Hobby das Songschreiben war und der insgesamt über 1500 Liedtexte vornehmlich des 19. Jahrhunderts hinterlassen hat (darunter auch die berühmte Fassung von „Danny Boy“), dichtete das Lied um 1916. Die Musik stammt von Haydn Woods (1882-1959), einem Universalkomponisten, der auch Operetten, Suiten und viele Stücke anderer Stilrichtungen komponierte, heute aber hauptsächlich für seine Melodie zu „Roses Of Picardy“ in Erinnerung geblieben ist.
Die älteste Schallplattenaufnahme des Liedes stammt von 1919. Zu hören ist der irische Tenor John Francis McCormack (1884-1945), der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Sängern des 'belcanto' auf den britischen Inseln und später auch in den USA gehörte. (Die Aufnahme McCormacks ist im Netz als mp3 zu hören: http://www.ga.k12.pa.us/academics/us/TEC...audioROSES.html.Vielleicht ist „Roses Of Picardy“ auch Sinatras allererste Plattenaufnahme gewesen – vor einigen Jahren tauchte in den USA in einem Nachlaß eine (stark beschädigte) Scheibe auf, auf der „Roses Of Picardy“ zu hören ist und die um 1936 entstanden sein muß. Bei dem Sänger soll es sich um den blutjungen Sinatra handeln, begleitet von Walter Costello am Akkordeon. Leider sind aufgrund der Beschädigungen der Plattenoberfläche bislang nur zwei sehr sehr kurze Soundclips verfügbar. Vielleicht wird das Stück aber einmal restauriert werden. Es befindet sich in einem kleinen Museum in Sinatras Geburtsstadt Hoboken.
Sicher ist hingegen, daß Sinatra das Lied 1962 für sein Album „Great Songs From Great Britain“ auf Reprise einspielte, das im Juni 1962 nach Abschluß seiner Welttournee in den Bayswater Studios in London entstand und zu dem der kanadische Arrangeur Robert Farnon (unter Anleitung von Nelson Riddle) die Charts beigesteuert hatte. Sinatra war mit seiner Aufnahme von „Roses Of Picardy“ nicht zufrieden und verbannte das Stück aus dem Album, das im Herbst 1962 zunächst nur in England herauskam. Die Aufnahme wurde zu einem gesuchten Sammlerstück, und viele Fans hielten es sogar für die schönste Aufnahme des ganzen Sets. Nachdem das Lied zwischenzeitlich bereits auf einer japanischen LP-Pressung des Albums offiziell herausgekommen war, fand es dann aber seinen Weg auf die 1993 erschienene CD des Albums. Sinatra sang das Stück nie auf der Bühne.

Diskographie:

REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 13.6.1962
aufgenommen in London, Bayswater Studios (take 6)
Arrangement: Robert Farnon
Orchester geleitet von Robert Farnon
Album/CD: Sinatra sings Great Songs From Great Britain
(Hinweis: Ein vollständige Alternate Take [take 1] ist auf dem Session-Album "Inside Great Songs" zu hören).

Übersetzung

Sie hält Ausschau bei den Pappeln,
Colinette mit Augen so blau;
Sie hält Ausschau, sich sehnend und wartend,
Wo der helle Weg verläuft.
Und ein Lied schwebt durch die Stille,
Wie der Wind in hohem Geäst;
Sie lauscht, sie schreckt auf und zittert:
Es ist ihr erstes Liebeslied.

Rosen erstrahlen in Picardie*
In der Sanftheit des silbernen Taus;
Rosen erblühen in Picardie,
Doch es blüht keine Rose wie du!
Rosen vergeh’n wie die Sommerzeit,
Und ich mag auch weit weg sein von dir;
Aber die Rose stirbt nicht in Picardie,
Die ich in meinem Herzen bewahr’.

Und so schnell vergeh’n die Jahre,
Bis ein Schatten trübt ihr Glück;
Doch er hält die kleinen Hände fest,
Blickt tief in ihr seeblaues Aug’;
Und sie sieht den Weg bei den Pappeln,
Wo sie trafen sich viele Jahr’,
Denn das erste Gedicht von den Rosen,
Das ist nun auch ihr letztes Lied:

Rosen erstrahlen in Picardie
In der Sanftheit des silbernen Taus;
Rosen erblühen in Picardie,
Doch es blüht keine Rose wie du!
Rosen vergeh’n wie die Sommerzeit,
und ich mag auch weit weg sein von dir;
Aber die Rose stirbt nie in Picardie,
Die ich in meinem Herzen bewahr’.

Übersetzung: Uwe Domnick für Sinatra - The Main Event, 2008

*Die Picardie ist eine Region und historische Provinz Frankreichs. Sie liegt im Norden des Landes und setzt sich heute aus den Départements Aisne, Oise und Somme zusammen.

Stimmen zum Song:

Alfred Terschak:

Ich kann es gut verstehen, daß man sich in dieses Lied verliebt (das geht ja mit allen Songs). Tatsache ist aber, daß hier eine an sich beeindruckende Leistung von Frank geboten wird, es sich gleichzeitig um eine anspruchsvolle Nummer handelt (zum Thema anspruchsvolle Musik empfehle ich Reinhard Mey " mein Gott, was sind wir alle anspruchsvoll"), der aber irgendwie der allerletzte Pepp abzugehen scheint. Irgendwas stört mich an diesem Album und Roses Of Picardy ist da fast am schlimmsten. Es wirkt bei allem Gefühl, denn doch auch irgendwie steril. Klingt vielleicht unlogisch, trifft es aber vielleicht noch am besten.... Viel Tamtam, ein wenig Schmalz, aber vielleicht doch mehr Hirn als Herz, mir wird die Liebe denn doch ein wenig zu steril abgehandelt, wahrscheinlich wollte man damals zuviel. Beeindruckend am ganzen Album, sind einzelne ungewöhnliche Akzentuierungen in der Instrumentierung (auch wenn die Streicher am Dilemma dieses Albums mitschuld sind)- Robert Farnon hat gute Arbeit geleistet und doch irgendetwas fehlt dem Album, und das ist nicht nur der Schmiss und das obwohl Frank manchmal ganz schön Gas gibt. Es ist merkwürdig, aber an kann es öfter hören und findet immer noch spannende Momente, und dennoch liegt irgendwie Langeweile in der Luft.

Arne Wondracek:

Great Songs" wäre sicherlich ein hervorragendes Album geworden, wenn Frank besser bei Stimme gewesen wäre. So gern ich ab und an die Platte höre - ich leide immer ein bißchen, wenn ich "mitfühlen" muß, wie schwer es ihm fällt, die höheren Töne einigermaßen sauber zu treffen. Warum zum Teufel hat er nicht ein paar Wochen später im Studio "zuhause" neue Overdubs zu den Orchestertracks eingespielt? Obwohl er die "Live im Studio"-Atmosphäre bevorzugte, hat er so etwas doch zu mehreren Gelegenheiten von den 50er Jahren bis hinein in die 80er immer wieder getan. Warum also hier nicht? Man kann darüber nur spekulieren. Ich denke, nach getaner Arbeit war ihm dieses Album einfach nicht mehr wichtig; die Engländer hatten "ihr" Sinatra-Album, und in den USA sollte es ja ohnehin nicht veröffentlicht werden.
"Roses of Picardy" war immer mein Lieblingsstück dieser Platte, vielmehr kann ich dazu nicht sagen - die Session-CD zu "Great Songs" kenne ich leider nicht. Interessant für mich war, daß ich mir nach Franks Interpretation niemals hätte vorstellen können, daß man das Stück auch swingen kann - was Bobby Darin mit seiner (vorher aufgenommenen, worauf Bernhard unlängst an anderer Stelle hingewiesen hat) Version eindrucksvoll beweist. Darins Version habe ich damals (so um 1985) erst ein paar Monate später gehört, und war hin und weg.

Tim Bialek:

Ich finde den Song richtig gut, wenn er auch hier und da etwas schwülstig wirkt. Frank hat ohne Zweifel gewaltige stimmliche Probleme, was man vor allem durch die Sessionaufnahmen mitbekommt. Auch beim veröffentlichten Take hört man, dass er in den oberen Lagen doch sehr dünn und heiser wirkt. Bernhard, vielleicht kannst du verstehen, was er bei Take 5 sagt, als er seinen Einsatz nicht mehr findet oder nicht mehr finden will. Jedenfalls sorgt der Satz für große Erheoterung im Studio...
Übrigens: Das ständige Räuspern, um den Schleim, der sich auf die Stimmbander setzt, zu lösen, soll lt. Auskunft meiner Gesangslehrerin der größte Frevel sein, den man sich als professioneller Sänger antun kann. Frank hat's ständig gemacht...
Die Melodie ist nun mal wunderbar für mich, und ich kann mir kaum vorstellen, dass Darin in seiner Version auch die schönen Verse gesungen hat.
Ich habe diesen Titel schon in allen möglichen Versionen gehört: Ob als langsamer Walzer, als Shuffle oder auch hier einfach "frei im Vortrag", wie man so schön sagt.
Die Instrumentierung finde ich ebenfalls toll. Die Klarinettensoli haben was und der Schluss mit Bassklarinette, Celesata und Posaunen ist grandios.

Marcus Prost:

Ich weiß nicht, wie das Lied auf der angeblich ersten Tonaufnahme Sinatras klingt, die damals, als die Nachricht von der Entdeckung dieser Aufnahme vor ein paar Jahren rundging. Man konnte damals nur ein paar Tonfetzen hören, die nicht wirklich was hergegeben haben. Wäre toll , wen man eines Tages mehr hören könnte. Vorerst beibt mir nur das Lied von dem "Great Britain"-Album aus zu beurteilen, und da muß ich sagen: Es ist eher Mittelmaß.
Ein nettes Lied, ohne viel Enthusiasmus vorgetragen, von einem Sinatra der vielleicht wirklich nicht bei bester Stimme war. Das Lied ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht gut. "We'll Gather Lilacs in the Spring" oder "A Nightingale Sang in Berkeley Square" gefallen mir deutlich besser.


 

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