Stormy Weather
Text & Musik
Harold Arlen & Ted Koehler
Infos
"Stormy Weather" stammt aus der Feder von Harold Arlen & Ted Koehler aus dem Jahre 1933. Der Song wurde in erster Linie mit Ethel Waters in Verbindung gebracht, die den Song im legendären Cotton Club in New York City als Erkennungssong hatte. Sinatra´s erste Aufnahme stammt vom 03.12.1944 für Columbia Records. Axel Stordahl arrangierte den Song und Yank Lawson spielte die Trompete, die Ken Lane Singers sorgten für den Backgroundchor.
Drei Jahre später, am 03.11.1947, nahm Sinatra den Song erneute für die V-Discs der US Army auf. Diese Aufnahme hat ein gesprochenes Intro von Sinara und ein Gordon Jenkings Arrangement.
Fast 12 Jahre, am 24.03.1959, später nahm Sinatra den Song erneut für die Capitol LP "No one cares auf". Schliesslich nahm Sinatra den Song auch für "L.A. is my Lady" mit einem Sam Nestico Arrangement für QWest auf. Die erste Aufnahme vom 17.04.1984 blieb unveröffentlich, die Aufnahme von diesem Album stammt vom 17.05.1984.
Neben diesen Studioaufnahmen existieren noch Radioaufnahmen vom 23.02.1944 (The Frank Sinatra Programm) und 09.05.1945 (The Frank Sinatra Show), sowie eine TV-Aufnahme vom 29.05.1953 (The Colgate Comedy Hour) und einige Live-Aufnahmen insbesondere nach der Veröffentlichung des QWest-Albums.
Übersetzung
Stürmisches Wetter
(Stormy Weather)
Ich weiß nicht warum die Sonne nicht am Himmel ist
Stürmisches Wetter
Seit mein Mädchen und ich nicht zusammen sind
Regnet es die ganze Zeit
Das Leben ist leer
Überall Dunkelheit und Elend
Stürmisches Wetter
Ich kann meine Gedanken einfach nicht ordnen
Ich bin ständig müde, ständig
Ständig so müde
Als sie ging kam die Melancholie
Und sie traf mich
Falls sie weg bleibt
Kriegt mich dieser alte Schaukelstuhl
Ich bete immerzu, dass der Herr
mich einmal mehr der Sonne entgegen gehen lässt
Ich kann nicht mehr, alles was ich hatte ist weg
Stürmisches Wetter
Seit mein Mädchen und ich nicht mehr zusammen sind
Regnet es die ganze Zeit
Regnet es die ganze Zeit
Übersetzung © Marc Rothballer für Sinatra - The Main Event, 2007
Stimmen zum Song:
Robert Grüning:
Ich halte "Stormy Weather" auch für einen Höhepunkt des "LA Is My Lady"-Albums. Eine echte Blues-Aufnahme, bei der FS zwar hier und da etwas gequält klingt, aber das ist halt der Blues
Ich mag besonders den stetigen Aufbau des Songs, der ja erst ganz zurückhaltend startet (die ersten Takte singt er beinahe nur zum Bass), dann aber im Laufe der Minuten geradezu explodiert. Und Frank mit ihm! Daher kann ich nicht wirklich die Auffassung teilen, dass hier die Band die Aufnahme trägt. Ähnlich wie beim Ellington-Album stelle ich bei "LA" einfach nur fest, dass wir es mit einer "selbstbewussten" Band zu tun haben, bestehend aus einer Gruppe von hervorragenden Einzelinstrumentalisten, und diese Jungs lassen/ließen sich halt nicht die Butter vom Brot nehmen. Da war FS voll und ganz gefordert oder besser: herausgefordert! Aber die Herausforderung nahm er an und konnte durch eine leidenschaftliche und kraftvolle Interpretation des "Stormy Weather" die übrigen Interpretationen, die er im Laufe der Jahrzehnte von diesem Song machte, auf die Plätze verweisen.
Es handelt sich um eine Version, die zum Mitmachen animiert; die Finger schnippen und die Füße wippen im Takt, und spätestens bei der Wiederholung von "Caaaaan't Go On" muss man halt auch mitsingen, verdammt nochmal!
Die Aufnahme findet (wie das gesamte "LA"-Album) in meinem Nicht-Sinatra-Hörenden Freundeskreis ebenfalls regen Zuspruch, wobei den meisten dieser armen Tölpel auch besonders die Stimme des "Alten Frank" gefällt.
Tim Bialek:
Ich mochte diesen Song nie besonders, vielleicht weil Frank keine gute Version davon in petto hat. Die 44er und 47er-Version ist eine lupenreine Stordahl-Ballade, aber mit Sicherheit kein Blues. Der Chor wirkt zudem wie hingekleistert und völlig deplaziert. Frank hat überhaupt noch kein Feeling für diese Art von Musik, sondern macht daraus eine säuselnde Ballade, wie die meisten seiner anderen Songs von damals.
Jenkins schreibt mal wieder eine ganze Sinfonie hinter FS, aber was Blues bedeutet, das weiß auch er nicht. Sinatra ist in diesem düsteren Arrangement wie gefangen und kann das, was er ja schon in "Blues In The Night" oder "The Birth Of The Blues" angedeutet hat, überhaupt nicht umsetzen.
Vielleicht musste sich erst mit Sammy Nestico ein Schwarzer finden, der diese "schwarze" Musik für Frank richtig in Szene setzte; das ist endlich Blues.
Nur allein, und das ist leider die Krux, ist Frank stimmlich zu müde, um daraus etwas ganz Großes zu machen. Er deutet es wenigstens an. Was hätte daraus für eine tolle Aufnahme werden können, wenn sie ein paar Jahre früher gemacht worden wäre!
Eine ultimative Version gibt es für mich nicht, aber tatsächlich ist die auf "L.A. Is My Lady" noch die beste, weil sie Blues ist. Das andere ist alles Mögliche, bloß kein Blues.
Jetzt fragt mich bloß nicht, was das ist, der Blues oder wie man ihn erkennt. Das kann man nur spüren...
Andreas Kroniger:
Alsausgesprochener Reprise-Fan favorisiere diesmal deutlich die Columbia-und die V-Disc-Fassungen. Hier lebt der Song noch in Sinatras Stimme und diese Fassung dürfte Grundlage für andere Künstler gewesen sein, die den Song ebenfalls sangen. Die Capitol-Fassung ist mir zu flach - die Reprise-Fassung zu aufgesetzt.
Blues mag ich eh nicht!
Andreas Est:
Mir gefällt die Interpretation auf L.A. besser als die auf no one cares, auch wenn - zugegeben - die dort fast ausschließlich von Franks Stimme getragene Fasung durchaus ihren Reiz hat.
Ein gewisser Klaus Berger schrieb in meiner Lieblingszeitung zu L.A. Anno 84 u.a. folgendes:
"Sämtliche Songs auf dieser Platte erweisen sich als klingende und swingende Kostbarkeiten. Die zehn mit Akkuratesse und grandiosem Feeling gestalteten Titel sind das Ergebnis einer wahrhaft geglückten Zusammenarbeit zwischen Sinatra und dem Arrangeur Quincy Jones ....... Beim Evergreen "Stormy Weather" erweist sich Sinatra als einfühlsamer Balladen- Interpret ....... Und wenn "The Voice" schließlich "A Hundred Years From Today" singt, dann steht für den Zuhörer eines fest: Auch in hundert Jahren wird man sich an dieser Stimme Amerikas noch begeistern können." (aus: Die Welt 1984)
(Und auch in hundert Jahren werden mir viele Scheiben auf no one cares neu - im Sinne von erstmals gehört - vorkommen.)
Alfred Terschak:
Ich finde die Jenkins-Version spannend und bei der LA-Version - da sind wir uns ja wohl alle einig- happert es einfach ein wenig an der Stimme. In Summe sind wir aber nicht weit weg, Frank konnte "Stormy Weather" nicht so ganz den gewohnten Stempel aufdrücken - da wäre mehr drinnen gewesen, wie ich vermute vor allem in den 60-er Jahren; und wenn schon nicht mit Basie, dann vielleicht sogar mit dem von mir gar nicht so geschätzten Duke.
Bernhard Vogel:
Von den frühen Versionen gefällt mir diese V-Disc am besten (ist auf dem Columbia/Legacy 2-CD-set "The V Discs" zu hören), obwohl ich ähnlich wie Tim den Chor bei diesem Lied als ziemlich unpassend empfinde. Dafür hat der anspruchsvolle Text natürlich viele Einsatzmöglichkeiten für Sinatras stimmliches Können zu bieten.
Was die Arrangements betrifft, schließe ich mich ganz Tim an, das von Sam Nestico 1984 für "L.A. Is My Lady" ist das beste, und auch das einzige, in dem der 'Blues' zu seinem Recht kommt. Was Sinatras Darbietung betrifft, bin ich nicht ganz so hart wie Tim, das Stück hat, wie man so schön sagt, viele "Momente" und gehört m.E. zu den besseren auf dem Album. Vielleicht nur einen Tick zu spät aufgenommen... wie hätte er es 2-3 Jahre früher gesungen? (Ich hab da Sinatras phantastische, bluesige Versionen von "It Ain't Necessarily So" 1981/82 im Ohr).
Was die Capitol-Aufnahme betrifft, ich denke, es war ein falscher Song für "No One Cares" (eins meiner Lieblingsalben) bzw. Gordon Jenkins war nicht der richtige Arrangeur für dieses Stück. Tims Vergleich mit "Blues In The Night" (1958 aus "Only The Lonely", Arr. Nelson Riddle) ist schlagend - vielleicht wäre ein Riddle-Arrangement für die Capitol-Aufnahme besser gewesen, zumal sich "Stormy Weather" bestens für den Einsatz einzelner 'bluesiger' Bläser eignet und deswegen ja auch so häufig von Instrumentalkünstlern gespielt wird.
Also kurzum, die Reprise-Fassung gefällt mir am besten, danach mit großem Abstand Columbia/V-Disc und dann die beiden anderen.
