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All by myself

Titel

All by myself

Text & Musik

Eric Carmen

Infos

Eric Carmen schrieb Text und Musik zu diesem Song Ende 1975, bzw. eigentlich nur den Text, denn die Musik variiert lediglich ein Thema aus einem Klavierkonzert von Sergej Rachmaninoff.

Damit gehört das Lied zu dem knappen Dutzend Songs in Franks Repertoire, die auf Themen klassischer Themen aufgebaut sind. Der Song war erst einige Wochen auf dem Markt, als Sinatra ihn Anfang April 1976 anläßlich seines ersten Engagements im Westchester Premier Theatre in Tarrytown/NY in sein Konzertprogramm aufnahm. Für mich eine der besten "Neuzugänge" ins Sinatra Songbook aus der Sparte "Zeitgenössisches" der 70er Jahre. Auch stellt Don Costas zurückhaltendes Arrangement im Piano-Zwischenspiel eine schöne direkte Beziehung zu Rachmaninoff her, die Sinatras Live-Pianisten auf der Bühne auskosten und ausbauen konnten (Ray Cohen im April, Randy Waldman im Mai 1976). Leider flog der Song schon nach wenigen Monaten wieder aus dem Programm, ohne daß es zu einer (für Juni 1976 geplanten) Studioaufnahme gekommen wäre.

Eine offiziell veröffentlichte Version des Songs gibt es, auf der Artanis/TRAMA-CD "The Jerusalem Concert" (die allerdings, wie an anderer Stelle nachzulesen, bislang nur in Brasilien erschienen ist). Dabei handelt es sich um eine Aufnahme vom 4.4.1976 (Tarrytown, Westchester Premier Theatre), die zuvor schon auf einem Bootleg erhältlich war. Dabei finde ich auch die Fassung vom 2.4.76 (auch aus Westchester) am gelungensten. Auf beiden spielt Ray Cohen am Klavier (lustig, wenn ihn seine Band-Kollegen dann am Ende mit "Hoo-Ray" hochleben lassen). Schließlich gibts noch eine Version vom 13.5.76 aus dem "Sabre Room" in Hickory Hills/Illinois, auf der Randy Waldman am Piano zu hören ist.

Zwischen den verschiedenen Fassungen gibts auch einen ganz interessanten interpretatorischen Unterschied, und zwar in der letzten Strophe, in der der Song nach Interlude und einem weiteren Chorus durchaus etwas saloon-mäßig, weil nur vom Piano begleitet, ausklingt: Entweder Sinatra wiederholte die Zeilen "when I was young/never needed anyone/and making love was just for fun:/those days are done", oder aber die Zeilen "living alone/think of all the friends I've known/but when I dial the telephone/nobody's home". Die letztere Variante gefällt mir erheblich besser, weil sie einen direkteren "torch" hat, der Geschichte ein weniger versöhnliches, sondern ein traurigeres Ende gibt. Sinatra entschied sich interessanterweise vorwiegend für diese "traurigere" Variante.

"All By Myself" sollte Teil einer Saloon-Song-LP auf Reprise werden (Erscheinungstermin Oktober 1976), für die auch "Empty Tables", "Send In The Clowns" (piano-Fassung), "The Saddest Thing Of All", "Everything Happens To Me"(1974), "Just As Though You Were Here" und "The Hurt Doesn't Go Away" vorgesehen waren. Das Projekt wurde zugunsten einer LP "Here's To The Ladies" mit Nelson Riddle aufgegeben (Erscheinungstermin April 1977), aus der aber dann auch nichts wurde.

Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Übersetzung

Stimmen zum Song:

Alfred Terschak:

Großartiger Song, großartige Interpretation. Wieso All By Myself nie im Studio aufgenommen wurde bleibt mir ein Rätsel. Vor allem die unerreichbar gefühlvolle Interpretation hätte ein allseits anerkanntes FS-Meisterwerk werden können. Vor allem das weibliche Publikum "fährt darauf regelrecht ab" (zumindest meine Altersklasse). Mir geht es nicht anders, ich bin immer noch sprachlos, wenn ich sehe, was der ALTE da noch zaubert. Abgesehen vom Theme from NYNY vielleicht das beste, was Frank in den 70ern eingespielt hat (dabei gibt es da noch rund ein halbes Dutzend Songs aus dieser zeit, die man beileibe nicht unterschätzen darf). Würde der Song jetzt (im Vorjahr wäre da der noch bessere Zeitpunkt gewesen) auf den Markt kommen, wäre da posthum ein Spitzenplatz in den Charts drinnen.

Marcus Prost:

Regelmäßig trifft man in den verschiedenen Sinatra-Foren, die es weltweit so gibt auf die Frage, welche Lieder Sinatra denn am besten noch so alles im Studio hätte aufnehmen sollen.
Für mich gehört "All By Myself" da zu den ganz großen Favoriten.
Das Lied hätte zu Sinatra sehr gepaßt und sein Studio-Repertoire hervorragend ergänzt. Thematisch in der Nähe von "A Man Alone" anzusiedeln, hätte es meines erachtens stilistisch sehr gut auf "Triology - The Present" gepaßt. Als "Cover"version eines gängigen Erfolgsliedes eines anderen Künstlers, das dennoch von Sinatra besser als vom Ursprungsinterpreten gesungen wurde, hätte es perfekt zwischen "Something" und "You and Me" hingehört.
Schade, sehr sehr schade, das es so nicht gekommen ist. Wir Sinatra-Enthusiasten können uns mit den sehr schönen Live-Fassungen behelfen, die große breite Masse der Hörer wird aber so wohl nie mit einer Sinatra-Version dieses Liedes beglückt werden.
Ich schreibe es noch einmal: Schade

Holger Schnabl:

Ich meine mich ganz, ganz dunkel an das Original von Eric Carmen erinnern zu können – ein haarsträubend kitschiger Schmachtfetzen, wenn mich nicht alles täuscht! Was für ein Schmalz...
So leid es mir tut, aber zu diesem Song aus der ohnedies nicht zu Unrecht oft umstrittenen und vielfach geschmähten Post-Retirement-Phase Sinatras kann aus meiner Ecke beim besten Willen nichts Positives kommen...
„All By Myself“ ist meiner Ansicht nach ein Paradebeispiel dafür, wie Sinatra in diesen Jahren oft alles, aber auch wirklich alles danebenging: Er nahm sich wieder einmal eines ziemlich billigen, trivialen Chart-Toppers an, sang ein sentimentales Schlagerliedchen, war dabei - um es höflich zu formulieren - ausgesprochen schlecht bei Stimme, Don Costa schrieb dazu ein ziemlich grausiges Arrangement. Der schon bejahrte Sänger ist hier also wie so oft in den 70er Jahren wieder einmal auf völlig verlorenem, aussichtslosem Posten. Ich würde den Song jedenfalls keinesfalls in eine Reihe mit den anerkannt brillanten Spaethwerken „Something“ und „You And Me“ stellen.
Alles was recht ist, meine Freunde, aber was Sinatra hier bei „All By Myself“ vollführt, kann man über weiteste Strecken nicht mehr unter „Gesang“ einordnen. Vor allem zu Beginn der Nummer: was für ein brüchiges Alt-Herren-Gemurmel... das ist völliges stimmliches Versagen, ein Fiasko... das hört sich wie eine Probe an, Sinatra hat (abgesehen von der schrecklichen stimmlichen Verfassung) stellenweise eindeutig gar nicht den richtigen Zugang zur Melodie. Dazu ist der Song auch noch seeeeeeeeeeeehr langweilig: ...Sinatras stimmliche Verfassung enthält hier leider alles Unersprießliche, was für mich die Post-Retirement-Phase größtenteils unerträglich macht: die Brüchigkeit, das eingerostete Knarren in tieferen Lagen, die Weinerlichkeit, das fast schon Greisenhafte in höheren Lagen. Es... ist... schrecklich!
Das Arrangement macht natürlich alles noch viel schlimmer: Stellenweise scheint es ja überhaupt nicht einmal zum Song, zur Melodie zu passen... da erklingt ein Klavier, das man meinen könnte Richard Clayderman persönlich zu hören, da jubeln die Violinen grundlos und plötzlich wird ohne Sinn und Zweck auf die große Pauke gehauen. Für meine Ohren paßt das ganze Arrangement hinten und vorne nicht so recht zusammen und fast meine ich, Sinatra und Orchester sind mit zwei völlig verschiedenen Songs beschäftigt.
Eine Studiofassung des Songs wurde ja nie aufgenommen, aber sie wäre damals wohl auch nicht sehr viel besser ausgefallen, da Sinatra in den Jahren 1976/77 ausgesprochen schlecht bei Stimme war, wie man bei den wenigen in diesen Jahren entstandenen Studio-Aufnahmen nachhören kann. Ich will aber nicht ausschließen, dass Sinatra 1979 während seines überraschenden stimmlichen Höhenflugs bei den Trilogy-Sessions eine durchaus brauchbare Version hätte abliefern können, wenn man die Nummer damals in Betracht gezogen hätte. Ich glaube aber fast, den Leuten, die damals das Programm für Trilogy ausgewählt haben, war die Nummer dann nicht mehr aktuell genug und vor allem: zu kitschig.

Tim Bialek:

Ich habe drei unterschiedliche Aufnahmen von dem Song, die ich mir gerade alle angehört habe. Die von Holger einmal mehr blumig geschilderten Horrorszenarien kann ich beim besten Willen nicht heraushören. Es wäre doch einmal interessant zu erfahren, auf welchem Wege unser pfeifchenrauchender Rosamunde-Freund in den Besitz von "All By Myself" gekommen ist, wo doch meiner Information nach der Song bislang nur auf Bootlegs erschienen ist, die er bislang in Bausch und Bogen verurteilt hat... Aber sei's drum.
"All By Myself" ist zweifellos eine schöne, durchaus zu Herzen gehende Nummer, die Sinatra ruhig noch länger im Programm hätte haben können. Die stimmlichen Darbietungen sind auf meinen Aufnahmen allesamt in Ordnung, bis auf ein leichtes Knarzen in den ganz tiefen Lagen. Die im Westchester Theater vom 02.04.76 ist vielleicht die beste.
Aber der Song hat für mich längst nicht den lyrischen Tiefgang, wie zum Beispiel ein "Empty Tables", um mal Carmens Lied mit einem Konzert-Song aus dem gleichen Jahr zu vergleichen. Aber es ist vielleicht auch eine ganz andere Kategorie von Songs.
Wenn auch Sinatra hier sicherlich einen gelungenen Ausflug in die zeitgenössische Pop-Szene unternimmt, man merkt trotzdem stets, dass er mit den Saloon Songs eher verheiratet ist, als mit solchen Stücken.

Andreas Kroniger:

Ich denke es ist bekannt, dass "All by myself" zu meinen Lieblingssongs zählt. Aus einer belanglosen Trallala-Version von Eric Carmen hat Frank Sinatra mit Don Costa wieder einmal etwas Geniales gemacht.

 

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