A Nightingale Sang In Berkeley Square
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Von zwei Engländern, nämlich dem Komponisten Manning Sherwin (1899-1974) und dem Textschreiber Eric Maschwitz (1901-1968), stammt ein Song, der vor allem in der Kriegszeit der frühen Vierziger Jahre zu den populärsten Melodien in Europa gehörte: „A Nightingale Sang In Berkeley Square“, geschrieben für eine Revue namens „New Faces“, die 1940 in London Premiere hatte und in der das Lied von Judy Campbell interpretiert wurde.
Sinatra nahm das Stück, mit dem er zuvor nie in Berührung gekommen war, am 13.6.1962 für Reprise auf, passenderweise in London, bei den Sessions für sein Album „Great Songs From Great Britain“ mit Liedern ausschließlich britischer Herkunft. Das Arrangement stammt von dem gebürtigen Kanadier Robert Farnon, einem der profiliertesten Arrangeure und Orchesterleiter des ‚Easy Listening‘, der heute auf der Kanalinsel Jersey lebt. Sinatra war ihm flüchtig bereits in den Vierziger Jahren begegnet und hatte dann in den Fünfziger Jahren mit dem Orchester seines Bruders Brian Farnon in Las Vegas bei Liveauftritten zusammengearbeitet.
Das Album „Great Songs From Great Britain“ (das übrigens die einzigen Plattenaufnahmen enthält, die Sinatra jemals außerhalb der USA gemacht hat) blieb die einzige Zusammenarbeit von Sinatra und Robert Farnon.
Die Songs aus dem fertigen Album stellte Sinatra dem englischen Publikum im Oktober 1962 in einem (voraufgezeichneten) einstündigen Radio-Special auf BBC Radio ("Frank Sinatra personally presents Great Songs from Great Britain") höchstpersönlich vor, und "Nightingale" war das erste Lied, das in dieser Sendung gespielt wurde. Sinatras Kommentar dazu: "das schwierigste bei diesem Album war zu entscheiden, welche Songs weggelassen werden sollten - dieses Lied hier aber mußte dazugehören... ich erinnere mich, daß Glenn Miller und sein Orchester eine tolle Version davon gespielt haben".
Reprise brachte das Album im Herbst 1962 zunächst nur in England, 1965 dann auch in Kontinentaleuropa und in Japan heraus, während es in den USA erst 1993 (und gleich als CD) zum ersten Mal veröffentlicht wurde. „Nightingale“ war allerdings schon zwei Jahre zuvor 1990 auf dem 4-CD-Set „The Reprise Collection“ erstmals in USA erschienen.
Zu dem in dem Lied besungenen Platz in London, dem Berkeley Square, hatte Sinatra auch eine persönliche Beziehung, denn über mehrere Jahrzehnte hinweg besaß er dort eine kleine Wohnung, in der er schon 1950 bei seinen ersten Konzerten in London gemeinsam mit Ava Gardner gewohnt hatte und in der die beiden oft für einige Tage zusammenwaren. Und im ebenfalls erwähnten Hotel „Ritz“ wurde das Paar auch des öfteren gesichtet.
Infos: Bernhard Vogel
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Es sich zweifellos um ein besonderes Kleinod, ein Song, der vielleicht das Rad der Sinatra-Zeit um ein paar Jahre zurückdreht. Dennoch ein wundervoller Romantic-Song, wundervolles Arrangement und ausgesprochen gelungen Darbietung, dem höchstens die für diese Epoche sonst übliche Schmissigkeit fehlte, das ist aber das Problem oder vielmehr die Eigenheit des ganzen Albums.
Michael Dörffler:
Ich finde diese Version irgendwie einfach nur traumhaft. Das Arrangement ist wirklich wunderschön. Ich erinnere mich daran, daß Vinnie Falcone mal schrieb, daß Sinatra's Stil nicht Farnon's Stärke gewesen sei. Ich weiß nicht so genau, inwiefern er das meinte, aber ich finde hier Sinatra's Version eben einfach traumhaft, obwohl Sinatra nicht in stimmlicher Höchstform war.
Holger Schnabl:
Ein wunderbarer Song, soweit es mich anbetrifft! Text, Arrangement, Vortrag – das alles ist von höchster Qualität. Hier werden alle meine persönlichen Kriterien, betreffend was denn nun ein hervorragender Sinatra-Song ist, erfüllt. Robert Farnons Arrangement mit dem vertonten Vogel-Gesang zu Anfang und Ende des Stücks und vor allem dem herrlichen, sehnsuchtsvoll-wehmütigen Posaunensolo kann unmöglich anders als höchst erquickend bezeichnet werden!
Absolut überzeugend natürlich auch Sinatra, der hier einen Charakter portraitiert, der ganz an Erinnerungen an eine vergangene Romanze hingegeben ist. Vielleicht ein Amerikaner, der nach langen Jahren wieder die Stätten alter Erinnerungen aufsucht?
Im Übrigen fällt mir an Sinatras Stimme bei diesem Album eigentlich nichts Negatives auf, mir scheint er trotz anstrengender Tournee in der üblichen Früh-Sechziger-Jahre-Verfassung gewesen zu sein – ein kleines Zittern hie und da, eine kleine Unreinheit da und dort gab es in diesen Jahren auf jedem Album ab und wann einmal.
Tim Bialek:
Wenn ich an diesen Song denke, fällt mir immer noch zuerst die wunderbare Version mit Glenn Miller und seinem Bandsänger Ray Eberle ein. Wer weiß, wenn es mit FS und Miller geklappt hätte, hätte er dieses herrliche Lied vermutlich schon wesentlich früher geungen (die Aufnahme Millers stammt vom 11.10.1940). Die singende Nachtigall am Anfang wird hier von Millers Lead-Klarinettist Wilbur Schwartz gespielt, mit dem Sinatra später noch zigmal im Studio zusammenarbeiten sollte. Das gleiche gilt für Al Klink, der auf dem Tenor ein wunderschönes Solo abliefert.
Auch Farnons Arrangement zollt am Anfang und Ende der Nachtigall, diesmal mit der Flöte, seinen Respekt. Das Arrangement ist ganz sicher klasse, wie alles andere auf diesem Album auch.
Wenn man die Sessionmitschnitte sich dazu anhört, dann wird man an der einen oder anderen Stelle auch bei "Nightingale" daran erinnert, dass Sinatra eine anstrengende Tournee hinter sich gebracht hatte. Das Räuspern ist allerorten zu hören und die Stimme bleibt ein ums andere Mal weg. Trotzdem liefert Sinatra ein tolles Album ab, Holger hat alles Nötige dazu gesagt.
Was bei Miller in der Mitte das Tenorsaxophon war, ist bei Farnon die Posaune, deren Part tatsächlich so toll ist, dass Sinatra diesen Teil des Takes auf jeden Fall bewahren wollte und unmittelbar danach einen intercut setzte.
Andreas Kroniger:
Zum Einen ist "A Nightingale sang in Berkeley Square" tatsächlich auch für mich der beste Song auf "Great Songs from Great Britain", zum Anderen halte ich aber "Great Songs from Great Britain" für Sinatras schwächstes Album. Stimmlich schwach, ohne echte Überzeugungskraft und die Songauswahl ist mehr als bescheiden....Nichts gegen "A Nightingale sang in Berkeley Square", der Song gehört nur einfach auf ein besseres Album.
Marcus Prost:
Das Lied an sich würde ich im im oberen Mittelfeld des "Great Songs..."-Album ansiedeln. Ein schönes Lied, wenn auch sicher nicht unverzichtbar und sicher auch kein Meilenstein in Sinatras Werk; so wie das ganze Album.
Schon, daß es das Album und das besprochene Lied gibt. Gäbe es sie nicht, wäre es auch kein Beinbruch.
Bernhard Vogel:
Traumhaft wunderbar. Wunderschöne Melodie, tolles Arrangement von Farnon, und vielleicht Sinatras bestes Stück auf dem Album (obwohl mir "Roses Of Picardy" auch super gut gefällt).



