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Autumn Leaves

Titel

Autumn Leaves

Text & Musik

Joseph Kosma, Johnny Mercer & Jacques Prevert

Infos

Dieser Klassiker aus dem Jahre 1950 wurde von Gordon Jenkins arrangiert und am 10. April 1957 in Los Angeles aufgezeichnet, er erschien auf dem Capitol-Album "Where are you?"

Ergänzende Infos von Bernhard Vogel:

Neben der schon erwähnten Capitol-Studioaufnahme von 1957 (zwei unterschiedliche Fassungen sind erschienen) für „Where Are You“, Sinatras erstes Stereo-Album und seine erste Zusammenarbeit mit Gordon Jenkins, gibt es auch zwei TV-Fassungen aus demselben Jahr mit Nelson Riddle. Der Song gehörte nicht zum normalen Programm der Welttournee vom Frühjahr 1962, nur in London sang er das Stück, als Trio mit Gitarre und Flöte (wie kürzlich auch auf einer offiziellen CD erschienen).
Sinatra sang das Stück in den 80ern noch öfters mit phänomenalem Erfolf auf der Konzertbühne, u.a. in der Radio City Music Hall und in der Carnegie Hall, wo er für seine Darbietung besonders gute Kritiken erhielt. Seine Version aus Tokio (18.4.1985) wurde aus dem TV-Special „Sinatra In Japan“ (wie einige andere Lieder auch) leider herausgeschnitten und bis heute nicht restauriert, auch nicht auf der neuen DVD. Letztmals sang Sinatra das Lied im Oktober 1985 im „Golden Nugget“ in Atlantic City.

Diskographie:

(1) CAPITOL – STUDIOAUFNAHME vom 10.4.1957 (zwei Takes veröffentlicht)
aufgenommen in Los Angeles, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
Album: „Where Are You“ (Capitol)
Ein „Alternate Take“ erschien auf den ersten Mono-Pressungen der Album-LP

(2) „The Frank Sinatra Show“ #1 (ABC TV/Chesterfield) vom 18.10.1957
gesendet live aus Los Angeles
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Nelson Riddle

(3) „The Frank Sinatra Show“ (ABC TV/Chesterfield) vom 8.11.1957
aufgezeichnet in Los Angeles, El Capitan Theatre
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Nelson Riddle

(4) Live London/England, Royal Festival Hall, 1.6.1962
„For All God’s Children“-Benefizkonzert
Arrangement: Neal Hefti
Trio mit Al Viola (Gitarre) und Harry Klee (Flöte)
CD: „The 1962 London Concert“ (Artanis/TRAMA, offiziell nur in Brasilien erschienen)

(5) Live Tokio/Japan, Budokan, 18.4.1985
„Sinatra In Japan“ Gala, aufgezeichnet von Warner
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Joe Parnello (keine Streicher)
fehlt auf der Warner Video/Laserdisc/DVD-Ausgabe des Konzerts

Übersetzung

Herbst geht
(Autums leaves)

Die herabfallenden Blätter driften am Fenster vorbei, die roten und goldenen Herbstblätter
Ich sehe deine Lippen, die Küsse des Sommers, die sonnenverbrannten Hände, welche ich versuchte zu halten.
Seit du mich verlassen hast werden die Tage länger und schon bald werde ich diese alte Wintermelodie hören
Aber ich vermisse dich mehr als alles andere, mein Schatz, sobald die Herbstblätter beginnen hinabzufallen.



Übersetzung:Sascha Kohler
für
Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de

Stimmen zum Song:

Andreas Kroniger:

Ein großartiges Lied, obwohl mir diesmal die Doris Day-Version einen Tick besser gefällt.

Marcus Prost:

Ich finde die Sinatra-Aufnahme hier absolut großartig und kenne keine eine anderen Künstlers, die an sie heranreichen würde.
Obwohl ich das Lied sehr sehr schön finde, finde ich es übrigens richtig, daß Sinatra es nicht in sein reguläres Konzertrepertoire aufgenommen hat. So schön das Lied in der privaten Stube auch klingt, so unpassend wäre es auf der großen Bühne. Die bekannten Ausnahmen sind da die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Michael Dörffler:

Zu "Autumn Leaves" kann ich eigentlich nicht viel sagen, außer daß es einfach ein tolles Lied ist. Sinatra's London '62 Version ist wirklich grandios, finde ich. Ich glaube ich würde sogar diese Aufnahme fast der "Where Are You" Version vorziehen, aber so richtig festlegen kann ich mich nicht.


Holger Schnabl:

Die Capitol-Phase ist – wie wir alle, die wir uns von Zeit zu Zeit mit Sinatras musikalischem Vermächtnis befassen, wissen - mit hervorragenden Balladen-Interpretationen reich gesegnet, viele, ja sehr viele Tonbeispiele aus den Jahren 1953-61 legen beredtes Zeugnis über Sinatras außergewöhnliche Meisterschaft in diesem Fach ab. Diese Woche haben wir es mit einem unvergänglichen Klassiker, mit einem wahren Meisterwerk in jeder Hinsicht zu tun, sodass meine Expertise nicht anders als positiv - wenn nicht gar euphorisch - ausfallen kann, ja muss!
Dennoch, nichts Trotz desto und gerade deswegen, auch in der langen Reihe anrührender und bestrickender Balladenaufnahmen aus diesen Jahren sticht Sinatras Interpretation von „Autumn Leaves“ hervor. Exorbitant fürwahr! Meine Ergriffenheit – ich komme unmöglich um dieses Geständnis herum – war und ist bei jedem neuen Hören eine ganz und gar Außerordentliche und schmälert sich auch durch wiederholtes Hören nicht im Geringsten, ja, ich möchte fast bzw. und sogar absolut behaupten, mehrmaliges Hören steigert nur noch die emotionale Bewegung und zwar fast bis in ganz unausdenkbare und völlig ungeahnte Höhen. Ja, in der Tat: Die Verzückung ist immens, wenn ich so sagen darf. Immens, aber auch angemessen! - Diese Nummer scheint uns andächtig Lauschende geradewegs in eine Art akustisches Elysium zu führen, in welchem unsere Ohren es sich nur allzu gern für knappe drei Minuten wohl sein lassen.
Der ungewöhnlich lange, immerhin an die vierzig Sekunden währende instrumentale Einstieg in die Nummer dürfte allein schon genügen, um dem Arrangeur Gordon Jenkins immerwährenden Ruhm zu sichern – sein Umgang mit den Streichern ist zwar – wer würde es wagen, dies zu bestreiten - immer großartig, aber in diesem speziellen Falle ist jeder Superlativ nicht nur angebracht und gerechtfertigt, sondern sogar von Nöten, ja, ich denke sogar ganz und gar unabdingbar! Geradezu phänomenal, atemberaubend und unwiderstehlich! Diese Sphärenklänge sollten sogar meinen Oheim, welchem ich aus mancherlei Gründen zu größtem Dank verpflichtet bin und welcher fast ausschließlich Marsch- und Blasmusik hört, aufs Nachhaltigste beeindrucken. Sobald ich die Zeit dazu finde, werde ich die Probe aufs Exempel anstellen, sprich ihn, den ausgewiesenen Freund des Um-Ta-Ta-Rumms-Ta-Ta-Tschinderassassa, mit dieser Aufnahme konfrontieren und von seiner unmittelbaren Reaktion,welche unmöglich eine andere denn eine Begeisterte sein kann, hierorts umgehend und ohne Verzögerung berichten.
Sinatra selber legt eine ungemein gefühlvolle Interpretation hin, in der Tat, man kommt aus dem Staunen gar nicht heraus, obwohl man als profunder Kenner der Materie, als welcher man sich selber in aller Bescheidenheit sieht, von ihm in dieser Hinsicht ja vor Allem aus den Columbia- und Capitol-Jahren so einiges gewohnt ist. Man mag angesichts dessen, was man hier vernimmt, kaum glauben als wie bösartig Sinatras Charakter allenthalben mitunter mancherorts immer wieder und oftmals von manchen geschildert wird... Je nun, Bösartigkeit hin oder her – sogar die erklärten Feinde Sinatras kommen im Fall von „Autumn Leaves“ wohl kaum umhin, sein enormes Talent gleichsam nach dem Motto: „Man muss den Koch nicht mögen, um sich seine Suppe schmecken zu lassen“, anzuerkennen.
Bernhard Vogel:

"Autumn Leaves" gehört genauso wie "Lonely Town" zu meinen absoluten Lieblingsaufnahmen von Sinatra. Die Arrangements von Gordon Jenkins sind perfekt, und Sinatra wächst nicht nur ganz in deren Stimmung hinein, sondern eigentlich auch über sich hinaus... jedenfalls gehört "Autumn Leaves" zu denjenigen Aufnahmen von ihm, bei denen man auch nach dem x-ten Mal zuhören sprachlos ist. Sprachlos darüber, wie jemand so perfekt sein kann. Manchen gilt Jenkins' Stil als zu pompös - ich meine, er hat wie kein zweiter Sinatra zu interpretatorischen Leistungen getragen, die zu den besten seiner Karriere gehören.
Und das gleich doppelt, denn ich denke ähnlich wie Tim, daß die Live-Fassung aus London, die stimmungsmäßig ganz andere Akzente setzt, dieser Perfektion in nichts nachsteht. Bei Jenkins ist es sowas wie melancholische Erhabenheit des "Indian Summer", oder um im Bild zu bleiben, sind es viele goldfarbene Blätter, bei Neal Hefti nur ein verlorenes einzelnes, "gespielt" von Harry Klees Flöte... wunderbar.
Und als Sinatra zuletzt am 10. Oktober 1985 im "Golden Nugget" dieses Lied nochmals anstimmte, war es vielleicht mehr als nur das Echo vergangener Zeiten: Es war der Abend nach der Beerdigung von Nelson Riddle. Sinatra sang es großartig.

 

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