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Allgemein

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Day In, Day Out

Titel

Day In, Day Out

Text & Musik

Rube Bloom & Johnny Mercer

Infos

„tagein, tagaus verfolgt mich derselbe alte Zauber...“: das könnte eine gute Beschreibung unserer gemeinsamen Einstellung zu Sinatra und seiner Musik sein, oder? Das passende Lied dazu gibt’s auch: „Day In – Day Out“, geschrieben von Rube Bloom und Johnny Mercer im Jahre 1939 und erstmals vom Orchester Bob Crosby, mit Helen Ward als Sängerin, vorgestellt.

Nachdem Sinatra im Juli 1939 als Sänger beim Orchester Harry James angeheuert hatte, kam dieses damals brandneue Stück wohl ins Konzertprogramm, doch eine Aufnahme ist davon (leider) bislang nicht aufgetaucht. Erst 1951 sang Sinatra das Stück wieder, in seiner Fernsehshow vom 4.12.1951 (arrangiert von Axel Stordahl), die allerdings nie offiziell veröffentlicht worden ist.

Dennoch ist das Lied in Sinatras Studiorepertoire bestens vertreten: Insgesamt fünf Studioaufnahmen aus den Jahren 1953-1967 gibt es, davon allein vier bei Capitol (ein Rekord), die sich voneinander zum Teil völlig unterscheiden – ein reizvolles Thema also, wie ich denke, für unser Wochentopic!

Gemeinsam mit Axel Stordahl nahm Sinatra „Day In-Day Out“ bei seiner allerersten Capitol-Session am 2.4.1953 als Ballade auf. Die Aufnahme blieb mehr als 30 Jahre „im Schrank“, erst 1987 wurde sie veröffentlicht, als Bonus-Track der Album-CD von „Point Of No Return“. Sinatra nahm das Stück in sein Konzertprogramm auf und sang es z.B. während seiner ersten ausgedehnten Europa-Tournee im Sommer 1953, u.a. auch in einer speziellen Show im englischen BBC-Radio.

Ein knappes Jahr später, am 1.3.1954, nahm Sinatra das Lied erneut für Capitol auf, wiederum als Ballade, aber zu einem gänzlich neuen Arrangement von Nelson Riddle. Auch dieser Aufnahme war ein eher obskures Schicksal beschieden; sie erschien 1955 auf einer EP (also einer Art Maxi-Single mit jeweils zwei Songs pro Seite) mit dem Titel „Melody Of Love“, danach aber nur noch auf seltenen Sammler-LPs (z.B. der Capitol-LP „The Rare Sinatra“ 1978). Erst als Bonus-Track auf der Album-CD „Nice’n’Easy“ wurde diese Aufnahme einem breiteren Publikum bekanntgemacht.

Als Sinatra im Herbst 1958 sein legendär gewordenes Album „Come Dance With Me“ in Angriff nahm, schrieb ihm Billy May ein wiederum gänzlich neues Arrangement für „Day In-Day Out“, diesmal als Swinger. Sinatra nahm das Stück am 11.12.1958 auf, aber die Aufnahme blieb unveröffentlicht, am 22.12.1958 probierte er es erneut, und diese Fassung ist auf dem Album zu hören. Die Billy-May-Version sang Sinatra auch in seiner Fernsehshow vom 19.10.1959.

Für Sinatras Welttournee im Frühjahr 1962 schrieb Neal Hefti das Arrangement von Billy May für den Gebrauch des begleitenden Bill Miller Sextetts um. Sinatra sang es bei fast jedem seiner Konzerte dieser Tour; zwei davon (London und Paris) sind offiziell erschienen.

Mehr als fünf Jahre später schließlich nochmal eine wiederum andere Fassung des Liedes von Sinatra. Nelson Riddle schrieb für Sinatra ein neues, swingendes Arrangement, das Anfang Oktober 1967 für Sinatras Fernsehspecial „A Man And His Music plus Ella plus Jobim“ aufgenommen wurde. In dieser TV-Show (ausgestrahlt im November 1967) bildet der Song die Eröffnungsnummer. In dieser Zeit sang Sinatra das Stück auch gelegentlich wieder in seinen Konzerten.

Nur einmal noch würde Sinatra später für kurze Zeit auf der Konzertbühne auf den Song zurückkommen, bei einem Engagement im „Golden Nuggett“ in Las Vegas im Februar 1985. Und bei der „Diamond Jubilee“-Tour mit Steve Lawrence und Eydie Gormé 1990/1991 tauchte das Lied mit ein paar Zeilen im großen Schlußmedley auf.

Infos: Bernhard Vogel

Diskographie:

(1) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 2.4.1953
aufgenommen in Los Angeles, KHJ Studios
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
Erstveröffentlichung 1987 (als Bonus-Track auf der Album-CD „Point Of No Return“)

(2) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 1.3.1954
aufgenommen in Los Angeles, KHJ Studios
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
EP Album „Melody Of Love“ (Capitol EAP 590A, erschienen 1955)
Bonus-Track auf der Album-CD „Nice’n’Easy“

(3) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 11.12.1958
aufgenommen in Los Angeles, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Billy May
Orchester geleitet von Billy May
unveröffentlicht

(4) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 22.12.1958
aufgenommen in Los Angeles, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Billy May
Orchester geleitet von Billy May
Album: Come Dance With Me

(5) Live London, Royal Festival Hall, 1.6.1962
Arrangement: Neal Hefti
Bill Miller Sextett
Album: The 1962 London Concert (Artanis/Trama, offiziell nur in Brasilien erschienen)

(6) Live Paris, Olympia, 7.6.1962
Arrangement: Neal Hefti
Bill Miller Sextett
Album: Sinatra & Sextet Live In Paris (Reprise)

(7) „A Man and His Music plus Ella plus Jobim“ (CBS TV) vom 13.11.1967
aufgenommen in Los Angeles am 1.10.1967
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Erschienen auf Video/Laserdisc/DVD (Warner)

Übersetzung

Tagein, Tagaus
(Day in - Day out)

Tagein, Tagaus verfolgt mich derselbe alte Voodoozauber
dasselbe alte Hämmern in meinem Herzen, wenn ich an dich denke
und, Baby, ich denke an dich Tagein, Tagaus
Tagaus, Tagein, ich brauche dir nicht zu erzählen
wie meine Tage beginnen
Wenn ich aufwache, wache ich auf mit einem Kribbeln
mit nur einer Vorstellung im Kopf
Die Vorstellung, dich vielleicht zu sehen
Komme Regen oder Sonnenschein
ich treffe dich, und es ist ein toller Tag für mich
Dann küsse ich deine Lippen
und das Hämmern in meinem Herzen
wird zum Donnern des Ozeans, wie von tausend Trommeln
Kannst du nicht sehen, dass es Liebe ist
Besteht noch irgendein Zweifel?
Denn so ist es Tagein, Tagaus

Übersetzung: Andreas Bergmann

für
Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de

Stimmen zum Song:

Holger Schnabl:

Die Aufnahme vom 2. April 1953 zeigt Sinatra als technisch perfekten Sänger mit beeindruckender Phrasierung, also genau das, was für fast alle seine Arbeiten bis zu diesem Zeitpunkt (und noch einige Jahre darüberhinaus) kennzeichnend ist. Der Song selbst rückt in dieser Version etwas an den Rand der Langeweile, wovon dann allerdings bei späteren Versionen keine Rede mehr sein kann. Hier aber denkt man unwillkürlich „sehr schön, aber im Endeffekt nicht weltbewegend...“
Ich finde zudem, dass Sinatra im letzten Teil des Songs etwas zu dick aufträgt und den stimmlichen Bizeps allzu sehr schwellen läßt.
Die zweite Balladen-Version vom 1. März 1954 kann mich ansatzweise mehr überzeugen, Sinatra singt hier mancherorts deutlich zurückhaltender, Maestro Nelson Riddles Arrangement finde ich außerordentlich ansprechend und sogar besser als jenes von Stordahl. Doch leider, auch hier erspart man dem Hörer nicht das überzogene Ende, welches hier ganz am Schluß sogar noch bombastischer ausfällt als bei der Erst-Version. Ein ganz typisches und von mir nur in den allerseltensten Fällen geschätztes „Hollywood“-Ende, bei dem alle Musiker auf die Pauke hauen - ich persönlich finde das zumeist irgendwie einfallslos, primitiv und vulgär, viel zu sehr auf vordergründigen Effekt abzielend.
Die Swing-Version, die Billy May für das „Come Dance With Me“-Album arrangiert hat, beschert uns den Song in einem völlig anderen Kleid. Hier erinnert nur noch der Text an die früheren Fassungen. Erstaunlich fürwahr, wie man die Aussage ein und des selben Titels durch ein völlig anderes Arrangement von Grund auf ändern kann. Sinatra ist hier der großartige Finger-Snapper mit gelockerter Krawatte und zurückgeschobenem Hut, ein völlig anderer musikalischer Charakter als der schmachtende Balladier der vorangegangenen Versionen. Der Sänger ist in sehr guter Form und swingt lässig durch den Song, den er vollkommen im Griff hat. So und nicht anders sind wir es in den Mitt-Fünfziger-Jahren gewohnt und uns überfällt unwillkürlich leichte Wehmut, wenn wir daran denken, in welch vergleichsweise trauriger Verfassung Sinatras Stimme nur ein Jahrzehnt später sein sollte. Billy May arrangierte die Nummer effektvoll, aber trotzdem unaufdringlich, Sinatra ist in Best-Form und somit wird aus der etwas langweilig und verzopft erscheinenden Ballade plötzlich eine Swing-Perle von Format – eine der besten Nummern des durchgehend sehr guten „Come Dance With Me“-Albums und daher von all den Fassungen, die oben erwähnt werden, mein klarer und eindeutiger Favorit.
Die Live-Fassung aus dem London-Konzert vom 2. Juni 1962 ist mir nicht bekannt, ich denke aber, diese offenbar nur unter erschwerten Bedingungen zu erwerbende Aufnahme dürfte sich nicht wesentlich von der wenige Tage später aufgenommenen Version vom Paris-Konzert unterscheiden – und über eben diese sind mir wiederum einige Anmerkungen möglich. In erster Linie wird die Nummer hier durch die Sextett-Begleitung interessant und wieder einmal bedauere ich es, dass es in dieser Besetzung keine Studio-Platte gibt. Ansonsten allerdings erstaunt es mich auch hier wieder, dass Sinatra, der unter Studio-Bedingungen so Außergewöhnliches zu leisten imstande war, unter Live-Bedingungen nur selten über dem Durchschnitt liegende Leistungen zustande brachte. Alles was Sinatras Studio-Aufnahmen so einzigartig macht, geht ihm live in der Regel fast völlig verloren und aus der Lichtgestalt wird plötzlich und unvermittelt ein Durchschnittssänger, ein Phänomen, welches für alle seine Live-Alben charakteristisch ist und wohl als Hauptgrund dafür anzusehen ist, dass es aus seiner ungewöhnlich langen Karriere verhältnismäßig wenige offizielle Live-Platten gibt. (Besonders drastisch wird uns dieses Phänomen bekanntlich auf dem 1974 aufgenommenen Album „The Main Event Live“ vor Ohren geführt – hier drohte der Mythos, welcher schon auf dem „Sands“-Album zu wackeln begann, etliche Male krachend und endgültig vom Sockel zu stürzen)
Die Fassung vom 13. November 1967, welche man auf der oben erwähnten DVD bzw. dem Video zu hören (und sehen) bekommt, überrascht mit einem ungewöhlich perkussiven, damals vermutlich sehr zeitgemäßen Arrangement von Nelson Riddle und zeigt den damals immerhin auch schon ganze zwoundfünfzig Jahre zählenden Sinatra in gar nicht einmal so schlechter Form, wenngleich er, was die Beweglichkeit seiner Phrasierung anbetrifft, gegenüber der 58er-Studio-Version doch bereits stark abgebaut hatte und die Eleganz mit der er anno 1958 durch das May-Arrangement segelte, nun einer beinahe schon verknöchert anmutenden Steifheit weichen musste, die der Sänger auch durch eine betont agile Körpersprache nicht ausreichend kaschieren konnte. Sinatra schreit hier öfters mehr als er singt und das kann ich persönlich unmöglich akzeptieren.


Andreas Bergmann:

Mit diesem Song und dem dazugehörigen Album "Come Dance With Me" verbinden sich für mich so viele schöne persönliche Erinnerungen, dass ich fast schon als "befangen" gelten darf, was die Bewertung angeht
"Day In, Day Out" ist ein Song, der (vor allem in der 58er Capitol-Fassung) einfach kribbelt - geniales Billy May-Arrangement und ein Frank, der von Energie und Swing geradezu sprüht. Als ich die Platte das erste Mal hörte, war ich nur noch fasziniert von Franks Elan und fantastisch-kraftvoller Stimme!
Gerade ein Jahr später erhielt ich die Aufnahme von Franks dritter "Man And His Music"-Show. Da ich an eine Steigerung kaum noch gedacht hatte, war der Opener für mich das Genialste überhaupt - "Day In, Day Out" mit starker Rhythmusgruppe und einem Frank in Bestform: Swingend, ausgelassen, POWERFUL - einfach klasse!
Die Capitol-Balladenfassung hat auch durchaus ihre Reize, aber die ultimativen "Day In, Day Out"-Versionen bleiben für mich die Swinger - "come rain, come shine - I meet you and to me the day is fine..."

Alfred Terschak:

Ein Sinatra-Sng aus der guten alten Zeit, in der jede Sinatra-Aufnahme Größe zeigt. Ein starker Song, der mit entsprechendem Nostalgie-Appeal zur ausgesprochenen Big-Number werden kann.

Bernhard Vogel:

Ich finde die Balladen-Fassungen und die Swing-Fassungen vom Ansatz her so unterschiedlich, daß es eigentlich zwei ganz verschiedene Songs sind, die Sinatra hier aus ein und demselben Lied gezaubert hat (was wieder mal die ungeheure Spannweite seiner Interpretationskünste unterstreicht). So mach ichs mir auch etwas leichter mit dem Favoriten und nehme einen von jeder "Sorte" .
Bei den Swing-Versionen fällt mir die Wahl besonders schwer - auf jeden Fall klingt der Up-Tempo-Chart mit großem Orchester besser als nur mit Sextett (obwohl Neal Hefti Arrangement wirklich sehr clever gemacht ist), aber welche Orchesterfassung, May oder Riddle? Beide sind großartig... ein knappes Rennen. Schließe mich aber Tim an und wähle die Fassung von 1967, wegen Nelson Riddles tollem neuen Arrangement und Sinatras phantastischer Darbietung, die für mich zu den Höhepunkten dieses ohnehin einmalig guten TV-Specials gehört, hier konnte Sinatra nochmals alles entfalten, was ihm die Konzertroutine an zusätzlichen Nuancen bei der Interpretation als Swing-Song beschert hatte. Billy May kommt aber knapp dahinter, eins meiner Lieblingsstücke von "Come Dance With Me".
Bei den Balladen-Versionen fällt es mir leichter, zwar hat auch Stordahl großartige Arbeit gemacht für den Chart von 1953 (es war übrigens Sinatras allererste Session für Capitol, die sich bald zum 50. Male jährt), doch das Meisterstück ist die Version von 1954 mit Nelson Riddle. Sinatras Interpretation ist 'runder' (immerhin hatte er das Stück ja im zurückliegenden Jahr auch im Bühnenprogramm gehabt), aber auch 'tiefer', ich meine, man spürt den Auftrieb und das neue Selbstbewußtsein, das ihm seine ersten Capitol-Erfolge zwischenzeitlich eingeflößt hatten. Unglaublich, daß dieses 'Schätzchen' so lange mehr oder weniger verloren war. Eine der besten gemeinsamen Aufnahmen von Sinatra und Riddle überhaupt, "as far as I'm concerned".

 

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