Hello Young Lovers
Text & Musik
Richard Rodgers & Oscar Hammerstein II
Infos
Gleich zweimal nahm Sinatra den Song "Hello young lovers" aus dem Broadway Hit "The King and I" auf. Die erste Aufnahme, mit einem Axel Stordahl Arrangement, wurde am 02.03.1951 in New York für Columbia aufgenommen. Die zweite Aufnahme, diesmal für Reprise und einem Gordon Jenkins Arrangement, wurde am 13.04.1965 in Hollywood aufgenommen. Diese Aufnahme erschien auf dem mit einem Grammy (Album of the year) ausgezeichneten Album "September of my years". Der Song mit der 65er Version kann übrigens in Spike Lee´s Film "Jungle Fever" (1991) gehört werden. Neben einigen tollen, aber unveröffentlichten Live-Aufnahmen, sang Sinatra den Song am 05.05. und 20.11.1951 in "The Frank Sinatra Show" (TV) und am 25.11.1968 in dem TV-Special "Francis A. Sinatra Does His Thing".
Übersetzung
Hallo, junge Verliebte
(Hello Young Lovers)
Hallo junge Verliebte, wer immer Ihr seid
Ich hoffe, eure Probleme sind wenige
Alle meine guten Wünsche sind heute abend mit Euch
Ich war verliebt wie Ihr
Seid tapfer, junge Verliebte und folgt Eurem Stern
Seid tapfer, treu und ehrlich
Haltet Euch fest heute abend
Ich war verliebt wie Ihr
Ich weiß, wie es ist, Schmetterlinge im Bauch zu haben
Und die Straße wie in Trance hinunterzugleiten
Du fliegst die Straße hinunter auf einer Chance, die du treffen wirst
Und du triffst sie nicht zufällig
Weint nicht, junge Verliebte, was immer Ihr tut
Weint nicht, denn ich bin allein
Und heute sind alle meine Erinnerungen glücklich
Auch ich hatte eine große Liebe
Auch ich hatte eine große Liebe wie Eure
Auch ich hatte eine große Liebe
Übersetzung: Andreas Bergmann
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Jan Lachmann:
Version I:
Recorded: 02.03.1951
Arrangement: Axel Stordahl
Im Frühjahr 1951 nahm Sinatra drei formidable Titel des berühmten Musicals “The King And I” auf. Es handelte sich dabei um „We Kiss In A Shadow“, „I Whistle A Happy Tune“ und „Hello, Young Lovers“, die Arrangements schrieb Axel Stordahl. Generell könnte man die zwei Sessions, in denen diese Lieder entstanden, als einen Lichtblick in der ansonsten doch recht faden Mitch-Miller-Zeit bezeichnen.
„Hello, Young Lovers“ beginnt mit einer wunderschönen Streicherpassage, unterlegt von orientalisch anmutender Percussion und auch der Rest des Arrangements ist ausgesprochen streicherlastig, die Rhythmussektion hält sich sehr dezent im Hintergrund. Am Ende des Stückes setzt dann noch einmal die Percussion ein und bringt das Ganze zu einem perfekten Abschluss.
Sinatras Gesang ist sehr schwer und seine Interpretation des Mannes, der all den Frischverliebten alles Beste wünscht und dabei selbst einsam und allein ist, erscheint ausgesprochen glaubwürdig. Seine Stimme ähnelt hier schon sehr stark der des Capitol-Sinatras und hat mit seinem reinen, jugendlichen Gesang der Vorjahre nicht mehr viel zu tun.
Er soll übrigens laut seines Schlagzeugers Johnny Blowers 22 Takes für dieses Lied benötigt haben und es danach richtiggehend gehasst haben.
Version II:
Recorded: 13.04.1965
Arrangement: Gordon Jenkins
Diese Version stammt von einem der besten Sinatra-Alben überhaupt, “The September Of My Years”, arrangiert von Gordon Jenkins. Entsprechend streicherlastig und pompös ist dann auch das Arrangement von „Hello, Young Lovers“, ein einziges Meer an Violinen, Violas und Celli – prächtig!
Auch Sinatras Gesang ist ganz hervorragend, seine Interpretation des Textes von noch mehr Erfahrung geprägt als 1951.
Besonders gut gefällt mir die massiv zunehmende Intensität des Stückes ab den Textzeilen „I know how it feels to have wings on your heels / and to fly down the street in a trance / you fly down the street on a chance that you meet / and you meet not really by chance“ und der damit einhergehende Wechsel der Musik zwischen “a trance” und “you fly”, welcher dieses “vor Vorfreude die Straße praktisch runterfliegen” sehr schön verdeutlicht. Bei „and you meet not really by chance“, als klar wird, dass die Vorfreude unberechtigt war, setzt die Musik schlagartig ganz aus, um danach sofort wieder schwermütig zu werden. Genialer kann man das meiner Meinung nach nicht umsetzen.
Ich halte die Reprise-Fassung von „Hello, Young Lovers“ für die deutlich bessere. Die Columbia-Fassung ist zwar auch sehr gut, verfügt aber nicht über dieses grandiose Jenkins-Arrangement. Außerdem ist Sinatras Gesang hier einfach besser und präsenter. Für mich eine seiner vielen Top-Leistungen und ganz sicher die definitive Ausführung dieses Klassikers.
Holger Schnabl:
Nach Anhören beider Versionen kann ich mich gar nicht so recht entscheiden, welcher ich nun den Vorzug geben soll. Beide sind in all ihrer Verschiedenheit großartig und auf ihre Weise brillant. Das Arrangement von Gordon Jenkins ist umwerfend – eindeutig besser als das der Columbia-Version. Jenkins hatte den Umgang mit Streichinstrumenten wirklich großartig heraus, die Alben, die von Gordon Jenkins arrangiert wurden, sind allesamt musikalische Ohrenschmäuse par excellence. – Zumindest von der Instrumentierung her, denn ein Album wie „She Shot Me Down“ leidet natürlich an der bedauernswerten stimmlichen Verfassung des Sängers, gleichwohl ist die Musik auch dort grandios. Obwohl auf „She Shot Me Down“ auch ein, zwei unerträgliche Schlaftabletten zu finden sind, allen voran das katastrophale „Good Thing Going“ (DAS wäre einmal ein topic of the week...!) – Aber ich will nicht abschweifen, zurück zu „Hello Young Lovers“:
Die Columbia-Version hat den immensen Vorteil, dass Sinatra hier besser singt als 1965. Bei der Reprise-Version gibt es einige Töne, die Sinatra nicht so ganz gelingen und wo sich kleine Kratzer in die Stimme mischen. Der Anfang vom Ende rückte 1965 schon leicht ins Blickfeld, die nächsten Jahre sollten von immer schwächer werdenden gesanglichen Leistungen geprägt sein, bis dann nach 1970 der Totalabsturz erfolgte. - Insgesamt singt Sinatra aber auch auf der 65er-Fassung sehr gut, so dass ich die winzigen Fehler generös unter den Tisch fallen lassen will. Überhaupt ist „September Of My Years“ ein Meisterwerk reinsten Wassers, das einzige Reprise-Album überhaupt, das es jeder Hinsicht mit den grandiosen Balladen-Meisterwerken der Capitol-Phase wie „Where Are You“ oder „Only The Lonely“ aufnehmen kann.
Rein von der Interpretation her geht Sinatra 1965 vielleicht sogar noch besser mit dem Song um als 1951, er ist auch aufgrund seines damaligen Alters (50) glaubwürdiger, wenn er zu den „young lovers“ aus der Distanz des alternden Herren mit entsprechender Erfahrung spricht - aber auch an der ersten Interpretation gibt es nichts auszusetzen. Text und Melodie des Songs können ebenfalls gefallen, sodass wir es bei diesem Song mit dem raren und dafür umso erquickenderen Umstand zu tun haben, dass hier alle Ingredienzien stimmen: sehr guter Text, sehr gute Melodie, sehr gutes Arrangement, sehr guter Sänger. Dazu kommt im Falle der 1965 entstandenen Aufnahme noch ein weiterer nicht zu vernachlässigender Bestandteil: sehr gute Aufnahmequalität.
Natürlich gibt es viele noch viel mehr anrührende Balladen-Interpretationen von Sinatra, aber „Hello Young Lovers“ spielt zweifelsfrei in der ersten Liga mit – wenn auch nicht um einen wirklichen Spitzenplatz.
Andreas Kroniger:
Von den Studioaufnahmen bevorzuge ich auf jeden Fall die 51er Columbia-Version. Weniger ist oftmals mehr und in diesem Falle ganz besonders. Welch wunderbare Interpretationsmöglichkeiten der Song bietet, zeigt die Live-Aufnahme vom 25.06.54. Ich hoffe der eine oder andere von Euch besitzt sie...ansonsten kurze E-Mail an mich.
"Hello, Young Lovers" mit reiner Klavierbegleitung von Bill Miller. Ein absolutes Highligh!
Die Version von "Francis Albert Sinatra Does His Thing" reicht allenfalls als Einleitung, nicht aber als toller Song. Sorry, Marcus, da haben wir eine unterschiedliche Meinung.
Ansonsten kann ich Jan´s Ausführungen zu den Versionen nur unterstreichen - ich komme aber zu einem anderen Ergebnis: Die COLUMBIA-Verson ist die bessere.
Marcus Prost:
Mir gefällt die Fassung aus "Francis Albert Sinatra Does His Thing" deutlich am besten.
Zahlreiche Sänger haben schon dieses Lied interpretiert, alle meinten da einen "großen Song" draus machen müssen. Sicher ist er dies aus, aber irgendwie kann ich diese recht kunstvollen Interpretationen nicht mehr hören, vieles wirkt hier auch zu artifizell (wobei ich jetzt nicht die Sinatra-Fassungen meine). Aber Sinatra schafft mit den hier erwähnten Studiofassungen auch nicht den Ausbruch aus dem Rahmen der Interpretationsarten für dieses Lied, den er selbst und andere Größen geschaffen hat. Erst bei "Francis Albert Sinatra Does His Thing" schafft er es, das Lied zu entkünstlichen und daraus einen frischen, schmissigen Ohrwurm zu machen.
Das mag mancher nicht für Kunst halten, ich denke es ist aber gerade ein Aushängeschild Sinatras, daß er auch immer wieder einmal frischen Wind in die Standart des All American Songbooks gebracht hat; bei diesem Lied fällt es mal wieder auf.
Tim Bialek:
Obwohl ich normalerweise kein großer Jenkins-Fan bin (die meisten Sachen sind mir viel zu streicherbeladen), hat er bei diesem Lied die Nase vorn. Die nötige Dramatik kommt in seinem Arrangement besser rüber, und auch Sinatras Stimme wirkt nicht so glattgebügelt wie anno 51.
Bernhard Vogel:
seit mehr als zehn Jahren schon, also seit meinen ersten Gehvertsuchen in puncto Sinatra, zählt dieses Stück zu meinen absoluten Lieblingssongs, ein Stück, über dessen Sinatra-Interpretationen ich ein kleines Buch schreiben könnte ("If they'd ask me, I could write a book :) ... da war ich dann aber diese Woche bis heute "dank" meines Providers zwangsweise offline und dachte, ich hätte was verpaßt... war aber nicht so, denn Jan hat in diesem Fall wirklich alles, was ich hätte schreiben wollen, schon geschrieben, gerade bezüglich der Großartigkeit beider Fassungen, was Sinatras Darbietung betrifft, und dann, warum (auch meiner Meinung nach) erst mit Gordon Jenkins, erst mit Sinatra mit 50 (statt mit 36 wie bei der Columbia-Aufnahme), das größte Sangestalent des American Songbook im 20. Jht. die ultimative Version eines der besten Songs eben dieses Songbooks aufgenommen hat.
Das Musical ("The King and I"), aus dem der Song stammt, ist ja zu genüge wieder und wieder aufgenommen worden - keine Version reicht auch nur annähernd an eine der beiden Sinatra-Fassungen heran. 1951 bereits hatte Sinatra die Tiefe der Lyrics erkannt, aber weder war er damals selber reif genug, den 'wisdom' des lächelnden Alten ("I've had a love of my own") überzeugend singend zu können, noch hatte Stordahls Arrangement die in dem Song vorhandenen trüben Tiefen richtig ausgelotet. Letzteres gelang erst Gordon Jenkins 1965 auf Reprise (Album September Of My Years), und Sinatra tauchte zu Gordys Chart in mindestens ebensolche Tiefen wie 1951, aber jetzt eben mit einer Stimme, die schon von Alters wegen dem Text zusätzliche Überzeugungskraft verlieh... in einer Weise, die jedenfalls mir bei jedem Zuhören, auch wenns das 100ste Mal sei sollte, immer noch Schauer über Schauer über den Rücken laufen läßt... wobei auch die Columbia-Aufnahme Schauer erzeugt (wenn ich schonmal dabei bin).
Andreas hat schon die Piano-Fassung angesprochen (die allerdings keine "Live-Aufnahme" ist wie Du schreibst, sondern sorgsam in mehreren Takes im Studio entstand), die als Duett mit Bill Miller am 25.6.1954 für Sinatras Radiosendung "To Be Perfectly Frank" gesendet wurde (und auf diversen Mix-CDs derzeit auch in deutschen Plattenläden einfach zu finden ist)... vielleicht ist diese Fassung, die so ganz anders ist als die stets aufwallende Begleitung von Gordon Jenkins, ein 'zweiter erster Platz' neben der Reprise-Fassung. In jedenm Falle großartig und, da kann ich Andreas nur beipflichten, jede(r) sollte diese Version besitzen!
Für mich, in der Columbia- und der Reprise-Fassung, eines der persönlich bewegendsten, aufwühlendsten Lieder Sinatras überhaupt... und in seiner besten Fassung, mit nicht allzu großem Vorsprung vor Columbia, zu hören auf "September Of My Years", einem von Sinatras allerbesten Alben. Aber das hat Jan ja auch schon geschrieben.
