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Allgemein

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If You Are But A Dream

Titel

If You Are But A Dream

Text & Musik

Musik & Text von Moe Jaffé, Nathan Bonx und Jack Fulton
basierend auf „Romanze in Es-Dur“ von Anton Rubinstein

Infos

Die Melodie basiert auf der „Romanze in Es-Dur“ (op.44) des russischen Komponisten Anton G. Rubinstein (1829-1894), die in Amerika im frühen 20. Jahrhundert so populär wurde, das schließlich das damals sehr erfolgreiche Gespann aus Moe Jaffé, Nathan Bonx und Jack Fulton daraus einen Song machten. Das Swingquintett „Delta Rhythm Boys“ (vier Sänger und ein Pianist) stellten das Lied 1941 erstmals auf Schallplatte vor und landeten damit einen vielbeachteten Hit – und für Sinatra sollte es eines seiner bekanntesten frühen Erfolge werden.

Als sich Frank Sinatra 1944 erstmals mit dem Stück auseinandersetzte, herrschte immer noch der Gewerkschaftsbann für Studiomusiker, der ihn schon seit einem Jahr daran hinderte, für Columbia Records Platten mit Orchesterbegleitung einzuspielen. Für nichtkommerzielle Aufnahmen, wie zum Beispiel die „Victory Discs“ für die amerikanischen Streitkräfte, galt der Bann jedoch nicht, so daß Sinatra bei einer (von ihm privat finanzierten) speziellen V-Disc- Studiosession am 8.7.1944 das Lied erstmals aufnahm, arrangiert von Axel Stordahl (= Version #1). Sinatra, der an diesem Abend nicht weniger als 11 Lieder einspielte, war aber mit dem Ergebnis unzufrieden, und die Aufnahme ist bis heute nirgendwo erschienen.

Dafür begann er aber sofort, das Stück auch bei seinen Radioauftritten vorzutragen, und so finden sich zwei zeitnahe Radiofassungen aus dem Juli 1944 (#2) und vom September 1944 (#3). Während bei #2 das Stordahl-Arrangement zugrunde lag, ist die Version #3 ein kleines Schätzchen, denn Sinatra trat hier nochmals zusammen mit seinem alten Boss Tommy Dorsey und dessen Orchester an – und neben Dorsey ist an der Posaune auf dieser Aufnahme auch ein junger Nachwuchsmusiker namens Nelson Riddle zu hören!

Im Oktober 1944 machte sich Sinatra dann daran, die geplante Aufnahme für das „V-Disc“-Programm zu wiederholen, diesmal im Rahmen der von George Simon regelmäßig dafür veranstalteten Radioshow „For The Record“ und arrangiert von Raymond Paige (#4).

Wenige Wochen später ging der Musikerbann endlich zu Ende – und das allererste Stück, daß Sinatra bei seiner ersten „richtigen“ Aufnahmesession für Columbia Records in den „heiligen Hallen“ der legendären New Yorker Liederkrantz Hall einspielte, war wiederum „If You Are But A Dream“, arrangiert von Stordahl, der dafür ein komplettes Symphonie-Orchester aufbot. Zwei verschiedene Takes dieser Aufnahme sind inzwischen auf CD erschienen (#5a und #5b).

Aus dem Januar 1945 ist auch eine Radiofassung mit dem Orchester Freddie Rich verfügbar (#6); Sinatra sang das Lied nun bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit, während die Columbia-Single in die Charts kletterte.

Als Sinatra dann im Frühjahr seinen Kurzfilm „The House I Live In“ bei RKO Radio Pictures drehte, der ihm bekanntlich im kommenden Jahr den Oscar einbringen würde, suchte er für den Soundtrack neben dem neu geschriebenen Titellied auch „If You Are But A Dream“ aus. Die für den Film eingespielte Studioaufnahme vom Mai 1945 ist jetzt auf der Hollywood-Box zu hören (#7).

Der Erfolg des Films steigerte die Popularität des Liedes weiter, so daß Sinatra das Stück auch weiterhin öfters im Radio vortrug. Drei weitere dieser Radiofassungen sind erschienen, je eine vom Mai 1945 und März 1947 mit Axel Stordahl (#8 und #9), und eine weitere vom Januar 1950 mit Jeff Alexander (#10).

Für ein dann nicht vollendetes Albenprojekt bei Capitol (siehe Wochentopic „Everybody Loves Somebody“) nahm Sinatra das Lied dann im Dezember 1957 erneut im Studio auf, arrangiert von Nelson Riddle (#11). Die Aufnahme erschien dann auf dem „Konzeptsampler“ This Is Sinatra Vol.2. Zuvor brachte Sinatra das Stück in der Riddle-Fassung im Januar 1958 auch in seiner wöchentlichen ABC-Fernsehshow (#12).

Dreißig Jahre lang hat Frank Sinatra danach das Lied nicht mehr gesungen – bis er es im Januar 1989, für viele sehr überraschend, in sein Konzertprogramm aufnahm und bis 1991 noch eine ganze Reihe von Malen live vortrug, so auch bei einem der beiden Diamond-Jubilee-Konzert im japanischen Yokohama im März 1991 (#13). Und noch im Dezember 1992, mit 77, probte Sinatra das melodisch anspruchsvolle Stück mehrmals, ohne es freilich zu diesem Zeitpunkt nochmals vor Publikum zu singen.


Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Diskographie:

(1) COLUMBIA/V-DISC-STUDIOAUFNAHME vom 8.7.1944
aufgenommen in Hollywood, KFWB Radio Theatre
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
unveröffentlicht

(2) „Your Personal Album“ #112 (AFRS Radio) vom 12.7.1944

aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Old Time Radio Shows (Crappable Sound) Vol. 23

(3) „Your All-Time Hit Parade“ (NBC Radio) vom 17.9.1944
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: N.N.
Tommy Dorsey & His Orchestra ( darunter auch: Nelson Riddle, Posaune )
CD: The Voice and The Arm (Audio Arts)

(4) „For The Record“ V-Disc-Show (NBC) vom 23.10.1944
aufgenommen in New York City, NBC Studios
Arrangement: Raymond Paige
Stage Door Canteen Orchestra geleitet von Raymond Paige
CD: The V-Discs (2 CD set, Columbia/Legacy) CD 2 (Erstveröffentlichung, 1994)

(5) COLUMBIA-STUDIOAUFNAHMEN vom 14.11.1944
aufgenommen in New York City, Liederkrantz Hall
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
(5a) take 2
Erstveröffentlichung: Single (Columbia 36756, 1945) und V-Disc (393-Army, 1945)
LP: The Frank Sinatra Story In Music (Columbia, 1958)
CD: The Columbia Years (12 CD Box, Columbia/Legacy) CD 1
CD: Portrait Of Sinatra (2 CD set, Columbia/Legacy) CD 1
(5b) take X
LP: Greatest Hits – The Early Years Vol.1 (Columbia CL 2474) (Erstveröffentlichung, 1966)
CD: Greatest Hits –The Early Years Vol.1 (Columbia)

(6) „The Abbott and Costello Show“ (NBC Radio/Camel) vom 1.3.1945
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Freddie Rich
CD: Frank Sinatra & Friends (30 CD Box, Radio Spirits) CD 1

(7) RKO-STUDIOAUFNAHME vom 8.5.1945
aufgenommen in Hollywood, RKO Soundstage
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Sinatra In Hollywood (6 CD Box, Reprise/Rhino) CD 2

(8) „The Frank Sinatra Show“ (CBS Radio/Max Factor) vom 16.5.1945
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: The Max Factor Show (Gem Records)

(9) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold) vom 19.3.1947
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Old Time Radio Shows (Crappable Sound) Vol. 6

(10) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike) vom 24.1.1950
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: N.N.
Orchester geleitet von Jeff Alexander

(11) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 11.12.1957
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Erstveröffentlichung/LP: This Is Sinatra Vol. 2 (Capitol, 1958)
CD: This Is Frank Sinatra (2 CD set, Capitol/EMI)

(12) „The Frank Sinatra Show“ (ABC TV/Chesterfield) vom 10.1.1958
aufgenommen in Hollywood, El Capitan Theatre
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle

(13) TV-LIVEAUFNAHME (Japan) vom 10.3.1991
aufgenommen in Yokohama/Japan, Arena, Diamond Jubilee World Tour
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Frank Sinatra jr.
offiziell unveröffentlicht und nie gesendet; auf verschiedenen inoffiziellen CDs erschienen

Übersetzung

Wenn Du Nur Ein Traum Bist
(If You Are But A Dream)

Wenn du nur ein Traum bist
Erwache ich hoffentlich nie
Ich könnte es nicht ertragen
Im Stich gelassen zu werden

Wenn du eine Phantasie bist
Dann bin ich zufrieden damit
In dich verliebt zu sein
Und zu beten, dass mein Traum wahr wird

Ich möchte dich küssen
Aber ich würde es nicht wagen
Ich habe so sehr Angst davor,
du könntest dich in Luft auflösen

Liebling, wenn unsere Romanze
vergehen sollte
So erwache ich hoffentlich nie
Wenn du nur ein Traum bist

Übersetzung: Marc Rothballer für Sinatra – The Main Event

Stimmen zum Song:

Tim Bialek:

Dieses Lied ist eines der besten Klassik-Adaptionen, die Sinatra in seinem Reportoire hatte; wunderschön!
Eben dieses Lied stellt höchste Anforderungen an den Sänger, denn es erfordert sehr lange Bögen/Phrasen, die legato durchgesungen werden müssen; geradezu prädestiniert für den Sinatra in seiner Blütephase. Und eben dieses Werk gehört ganz sicher deshalb zu denen, die der alte Sinatra anno 1991 nicht mehr hätte singen dürfen, denn so abgehackt und hingewürgt, wie sich das Ganze in Japan anhört, kommt einfach der Glanz von "If You Are But A Dream" überhaupt nicht zur Geltung. Die Story des schmachtenden Helden, die einen ebensolchen Gesang erfordert, wird hier leider durch Sinatras angegriffene Kondition und Stimme fast schon karikiert.
Wieder würde ich - wie schon bei praktisch allen Songs von "Nice'n'Easy" - der Riddle-Version den Vorzug vor Stordahl geben - einfach raffinierter und ausgeklügelter, was Nelson da geschrieben hat (allein der Anfang), wenn auch Stordahls Arrangement sicher ohne Fehl und Tadel ist und zu den besten der Columbia-Zeit gehört. Das hängt sicher auch alles mit dem Fortschritt in der Arrangierkunst binnen 10 Jahren zusammen, und wenn man "Point Of No Return" hört, dann wird man, was Harmonisierung und Instrumentierung angeht, einen viel "moderneren" Stordahl hören als den zu Columbia-Zeiten.
Die dritte Version ist von Raymond Paige, der ein etwas anderes, aber stark an Stordahl angelehntes Arrangement geschrieben hat, weil sein Orchester einfach etwas dünner besetzt war. Die Aufnahme mit Jeff Alexander kenne ich nicht.
Bei der Aufnahme mit Dorsey kommt man wirklich kaum aus dem Staunen heraus. Zum einen ist mir jetzt nicht geläufig, ob das Kriegsbeil zwischen den beiden da schon wirklich begraben war (muss es wohl, denn auf meinem Mitschnitt scherzen sie miteinander), zum anderen kann man kaum glauben, dass da bei den Sinatra-Liedern ("I'll Walk Alone" und "If You Are But A Dream") wirklich das Dorsey-Orchester mitpielt. Wenn man die Solo-Nummern von Dorsey aus derselben Show hört ("South Of The Border" und "Summertime" mit einem hinreißenden Posaunen-Solo des Maestros), dann kommt das sehr jazzig, in einem völlig anderen Sound daher (obwohl auch da Streicher dabei sind). Ich kann mir nicht helfen, aber ich hatte von Anfang an den Verdacht, dass da noch ein zweites Orchester im NBC-Studio saß, das nur Frank bei seinen Nummern begleitet hat. Hört sich zwar ziemlich weit hergeholt an, aber meine Ohren machen mich halt misstrauisch... Zumindest müssen sie für Franks Lieder ein paar Musiker hinzugeholt haben, denn Oboe, Harfe, Hörner und wahrscheinlich auch Flöten hatte Dorsey mit Sicherheit nicht besetzt.

Holger Schnabl:

Die Columbia-Studio-Version (oben Numero 5a) bringt uns sehr überzeugend all jene Vorzüge, mit denen Sinatras Stimme in der Frühzeit seiner Karriere ausgestattet war, zu Gehör. Einziger Wermutstropfen ist hier vielleicht die Aufnahmequalität, der Dynamik der lauteren Passagen scheinen hier Mikrofon und/oder Tontechniker nicht so ganz gewachsen zu sein. Für Sinatras Interpretation gilt hier aber (wieder einmal): Columbia at its best! Einmal mehr möchte ich in diesem Zusammenhang Axel Stordahl hochleben lassen – einen wunderbaren Läufer hat er hier für Sinatra ausgelegt, auf das dieser mit der ihm damals zu Eigen gewesenen Leichtfüßigkeit darüberschreite – Hurra!

Die Film-Version (oben Numero 7) gefällt mir persönlich in mancher Hinsicht vielleicht sogar noch einen Deut besser: Sinatra bringt das Lied hier meiner Meinung nach am besten: romantisch mit einem Schuß Trauer, ohne den stimmlichen Bizeps mehr als wirklich notwendig anschwellen zu lassen. Ich halte auch die kurze Laufzeit für erquicklicher als etwa die Dehnung auf fünf Minuten, wie sie später bei der Capitol-Version praktiziert wird. Diese Version hier ist wesentlich „schlanker“ und wirkt auf mich natürlicher.

Die Capitol-Studio-Aufnahme (oben Numero 11) bringt naturgemäß die beste Tonqualität und besticht durch Sinatras Gesang, der Sänger macht hier ausgiebig Gebrauch von den Schattierungen und Nuancierungen, die ich im letzten Topic „So Long My Love“ schon erwähnt habe. Dennoch werde ich gerade von dieser Version emotional am Wenigsten berührt, was ich hauptsächlich auf die Orchestrierung zurückführe. Ohnehin kein Freund der Klassik, entsteht bei mir angesichts des Arrangements von Nelson Riddle der Eindruck, hier wollte man ein verhältnismäßig und vor allem von der Textaussage eher durchschnittlich beeindruckendes Lied gewaltsam in Richtung „Kunst“ drängen, leider mit dem Ergebnis, dass dieser eher einfache Song durch den (über)langen Orchesterteil für meine klassikungewohnten Ohren hoffnungslos überfrachtet wirkt. Die Romantik der Columbia-Version weicht hier einer überladenen Dramatik, die am Hörer – an mir zumindest – vorbei geht, ohne wirklich Eindruck zu machen. Virtuos, aber nicht berührend.

Dass Sinatra, dem in diesem Alter schon bei leichter zu singenden Stücken oft die Luft dünn geworden ist, sich noch 1991 dieser sehr schwierig zu bewältigenden Nummer angenommen hat, ist mir nicht ganz verständlich. Je nun, ich kenne diese Version nicht und möchte sie mir lieber auch gar nicht vorstellen.

Bei einer Reihung würde ich die drei mir bekannten Versionen wie folgt platzieren: Platz Eins mit minimalem Vorsprung die Columbia-Studio-Aufnahme, knapp dahinter die Film-Version und dann mit einigen Schritten Abstand die mir letztlich doch etwas zu schwerfällige Capitol-Version.

Andreas Kroniger:

Ich habe mir den Song nun auch einige Mal angehört. Allerdings muss auch ich gestehen, dass ich nicht alle Aufnahmen besitze und beziehe mich mal auf die 4, die ich gehört habe.
Als ersten habe ich mir die Capitolfassung zu Gemüte geführt. Ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Dieses schwere Arrangement spricht mich einfach nicht an. Stimmlich top, aber was soll daraus Frank machen? Sagt mir überhaupt nicht zu.
Als nächstes habe ich die Columbia-Aufnahme gehört. Typischer Crooner-Sound der 40er Jahre - nicht mehr und nicht weniger. Rüber zur V-Disc-Aufnahme, die mir schon besser gefällt. Zu guter Letzt habe ich dann die Version auf der Hollywood-Box gehört. Wenn mir einen Aufnahme gefallen müßte , dann wäre es diese. Beim Einlegen der Hollywood-Box habe ich mich aber vertan und tatsächlich aus Versehen CD 4 eingelegt: "YOU MY LOVE" - dies wäre mein Gewinner, zählt aber wohl nicht, oder?!
Also ich kann mir nicht vorstellen, dass die 91er Aufnahme noch was besonderes ist - zugesagt hat mir der Song eigentlich in keiner Fassung und wie geschrieben, wenn, dann am ehesten die RKO-STUDIOAUFNAHME vom 8.5.1945.

 

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