I Get A Kick Out Of You
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Wie die meisten Songs des genialen Cole Porter (1891-1964), so gehört auch „I Get A Kick Out Of You“ zu den bekanntesten Evergreens des ‚Great American Songbook‘, und unter den vielen Porter-Kompositionen, die Frank Sinatra wie kein zweiter interpretierte, nimmt das Stück ebenfalls eine Spitzenposition ein, und es begleitete Sinatra über fünfzig Jahre lang von 1943 bis 1994.
„I Get A Kick Out Of You“ stammt aus dem Musical „Anything Goes“, das am 21.11.1934 im Avalon Theatre in New York City Premiere hatte und dort von der unvergessenen Ethel Merman gesungen und sogleich zum Hit wurde. Nahezu alle „Großen“ haben das Lied seither interpretiert und auch im instrumentalen Bereich ist es zum ‚Standard‘ geworden.
Wie eine ganze Reihe anderer seiner bekanntesten Songs, sang Sinatra auch „Kick“ zum ersten Mal im Rahmen seiner zweiten eigenen Radiosendung „Broadway Bandbox“, die von Mai bis Oktober 1943 ausgestrahlt wurde. Begleitet von den Bobby Tucker Singers und dem Orchester Raymond Scott zu einem getragenen Arrangement von Axel Stordahl, gehört diese Aufnahme mit über sechs Minuten zu den längsten jemals von Sinatra gesungenen Stücken. In kürzerer Form und sang Sinatra das Stordahl-Arrangement noch mehrere Male, zuletzt 1951 in seiner Fernsehsendung.
Musikgeschichte schrieb Sinatra aber mit seinen beiden Studioaufnahmen von 1953 (mit Nelson Riddle für sein erstes Capitol-Album „Songs For Young Lovers“, zu einem Arrangement, das Riddle auf ein etwas früheres Arrangement von George Siravo aufbaute) und 1962 (mit Neal Hefti für sein Reprise-Album „Sinatra and Swinging Brass“). Die Aufnahme von 1953 enthält auch die Eingangsverse, die Sinatra zuvor, und später bei der Aufnahme mit Hefti, nicht gesungen hat.
Dazu treten einige Live-Versionen mit Orchester und mit Jazz-Sextett aus dieser Zeit. 1953 schrieb Buddy Bregman ein nur für eine Fernsehsendung (Colgate Comedy Hour) benutztes Arrangement, zu dem Sinatra den Song zusammen mit Bert Lahr und der erwähnten Ethel Merman sang, die das Lied 1934 vorgestellt hatte.
1965 schrieb Nelson Riddle ein komplett neues Arrangement für „Kick“, das Sinatra in seiner Grammy-gekrönten TV-Show „A Man and His Music“ sang, und für einige Zeit dann auch auf der Konzertbühne. 1973 sang Sinatra den Song in seinem Comeback-Fernsehspecial.
Für Sinatras Bühnen-Comeback 1974 überarbeitete Nelson Riddle dann sein altes Arrangement von 1953, erweiterte es um einen kurzen Instrumentalteil vor dem Refrain, übernahm aber wiederum die Eingangsverse. Mit diesem Arrangement tourte Sinatra dann zwanzig Jahre, bis zu seiner letzten Darbietung des Songs im „Sands“ in Atlantic City am 18.11.1994. 1977 sang er das Stück als Duett mit Natalie Cole; Anfang der 80er Jahre auch kurzzeitig auch als Jazz-Nummer mit einem von Vincent Falcone jr. geleiteten Quartett. 1993 nahm Sinatra das Lied noch ein drittes Mal für „Duets“ auf; diese Fassung ist aber bis heute unveröffentlicht geblieben.
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie:
(1) „Broadway Bandbox“ (CBS Radio) vom 9.7.1943
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Raymond Scott und The Bobby Tucker Singers
Aufgenommen im CBS Playhouse #3, New York City
(CD: „Broadway Bandbox“ Timeline TLCD 607)
Hinweis: Ausführliche Infos zur Geschichte der „Broadway Bandbox“ gibts im DSS-Magazin The Voice #6 (Sept.2002), S. 10-23, nachzulesen.
(2) „Frank Sinatra In Person“ (CBS Radio/Vimms Vitamins) vom 8.11.1944
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Axel Stordahl und The Vimms Vocalists
Aufgenommen im CBS Playhouse #3, New York City
(3) „Your Hit Parade“ (NBC Radio/Lucky Strike) vom 3.4.1948
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Axel Stordahl und The Hit Paraders
Aufgenommen in Hollywood
(4) „The Frank Sinatra Show“ (CBS TV/Bulova) vom 10.3.1951
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Axel Stordahl
Aufgenommen in New York City
(5) CAPITOL – STUDIOAUFNAHME vom 6.11.1953
Arrangement: Nelson Riddle und George Siravo
Orchester Nelson Riddle
Aufgenommen in Hollywood, KHJ Studios (take 12)
Capitol Album: Songs For Young Lovers
(6) „The Colgate Comedy Hour: Anything Goes“ (CBS TV/Colgate) vom 8.11.1953
Trio mit Ethel Merman und Bert Lahr
Arrangement: Buddy Bregman
Orchester Al Goodman
Aufgenommen in Hollywood (Ort und Zeit unbekannt)
(7) „The Frank Sinatra Show #1“ (ABC TV/Chesterfield) vom 18.10.1957
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Nelson Riddle
Aufgenommen in Hollywood, El Capitan Theatre
(8) „The Frank Sinatra Show #27“ (ABC TV/Chesterfield) vom 25.4.1958
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Nelson Riddle
Aufgenommen in Hollywood, El Capitan Theatre
(9) LIVE Seattle/Wa., Civic Arena, 9.6.1957
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Nelson Riddle
CD: „Sinatra 57 In Concert“ (Artanis ARZ 101-2)
(10) LIVE Melbourne (Australien), West Melbourne Stadium, 31.3.1959 (zweite Show)
Arrangement: Nelson Riddle, umgearbeitet für Quintett
Orchester: Red Norvo Quintet und Bill Miller, piano
CD: „Live In Australia 1959“ (Capitol/Blue Note 37513-2)
(11) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 10.4.1962
Arrangement: Neal Hefti
Orchester Neal Hefti
Aufgenommen in Hollywood, United Recorders (take 5)
Reprise Album: „Sinatra and Swinging Brass“
(12) LIVE Paris, Olympia, 7.6.1962
Arrangement: Neal Hefti
Orchester: Bill Miller Sextet
CD: „Sinatra & Sextet Live In Paris“ (Reprise)
Neal Hefti besorgte die Anpassung aller Arrangements dieser Tour für Sextett, so auch seiner eigenen. Viele weitere Konzerte mit „Kick“ im Programm wurden im TV gesendet; die Fassung aus London vom 1.6.1962 ist auch auf einer offiziellen CD erschienen (Artanis/TRAMA), wenngleich bislang nur in Brasilien. Die Reprise-CD mit dem Paris-Konzert hat eine falsche Zeit- und Ortsangabe ("5.6.62 Lido").
(13) „A Man And His Music“ (CBS TV/Budweiser) vom 24.11.1965
Arrangement: Nelson Riddle (neues Arrangement!)
Orchester Nelson Riddle
Aufgenommen in Hollywood am 17.11.1965
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(14) „Ol Blue Eyes Is Back“ (NBC TV/Magnavox) vom 18.11.1973
Arrangement: Nelson Riddle und Don Costa
Orchester Don Costa
Aufgenommen in Hollywood am 20.9.1973
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(15) LIVE „The Main Event“ New York City, Madison Square Garden, 13.10.1974
Arrangement: Nelson Riddle (neu überarbeitet)
Orchester Woody Herman & His Thundering Herd
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
Anmerkung: Auf dem Reprise-Album „The Main Event“ stammt nur der zweite Teil vom 13.10.74, die Eingangsverse aber vom 7.10.1974 aus Philadelphia, Spektrum Arena.
(16) „Sinatra and Friends“ (ABC TV) vom 21.4.1977
Duett mit Natalie Cole
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Nelson Riddle
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(17) LIVE „Concert For The Americas“
La Romana (Dominikanische Republic), Altos de Chavon Amphitheatre, 20.8.1982
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Buddy Rich geleitet von Vincent Falcone jr.
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(18) LIVE „Sinatra In Japan“ Tokio (Japan), Budokan, 18.4.1985
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Joe Parnello
Auch auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(19) LIVE Mailand (Italien), Palatrussardi, 27.9.1986
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Bill Miller
Video: „The Voice-The Event“
(20) Im TV übertragene Konzerte 1981-1992
Sinatra sang das Lied zu Nelson Riddles Arrangement von 1974 in zahlreichen weiteren Konzerten, die im TV übertragen wurden, aber nicht auf CD/Video erschienen sind, z.B. in Buenos Aires/Argentinien 1981, einigen „Ultimate Event“-Konzerten 1989, einigen „Diamond Jubilee“-Konzerten 1990/91, und Barcelona 1992.
(21) CAPITOL – STUDIOAUFNAHME vom 1.7.1993
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester Phil Ramone
Aufgenommen in Hollywood, Capitol Studios A
unveröffentlicht
Übersetzung
DU GIBST MIR DEN KICK
(I get a kick out of you)
Meine Geschichte ist viel zu traurig um erzählt zu werden,
Aber praktisch alles läßt mich total kalt
Die einzige Ausnahme, die ich kenne,
ist der Fall, wenn ich versuche bei einem ruhigen Einkaufsbummel die Langeweile zu bekämpfen
Und mich plötzlich umdrehe und dein fabelhaftes Gesicht sehe
Ich bekomme keinen Kick von Champagner
Der reine Alkohol erregt mich nicht
Also erklären mir warum soll es nicht wahr sein-
Du gibst mir den Kick
Manche mögen spanisches Parfüm
Ich bin mir sicher, wenn ich nur einen Atemzug machen würde
Würde es mich nur wahnsinnig machen
Aber du gibst mir den Kick
Manche mögen den Bop-Type Refrain
Ich bin mir sicher, wenn ich nur eine der ständigen Wiederholungen hören würde,
Würde es mich auch nur wahnsinnig machen
Aber du gibst mir den Kick
Manche stehen auf Kokain
Ich bin mir sicher, wenn ich nur einen Atemzug nehmen würde,
Würde es mich nur wahnsinnig machen
Aber du gibst mir den Kick
Es gibt mir jedesmal den Kick, wenn du vor mir stehst
Es gibt mir den Kick, obwohl es offensichtlich ist, daß du mich nicht willst
Ich bekomme keinen Kick im Flugzeug- Mit ein paar Mädels in den Himmel zu fliegen
Es wäre meine Idee mit ihnen nichts anzustellen
Denn du gibst mir den Kick
Übersetzung: V. Kroniger
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Laut Richard Peters hat Franks PR-Firma 1980 seine populärsten Songs erhoben, I Get A Kick Out Of You ist dabei auf dem (enttäuschenden) 12. Platz gelandet (Platz 1: "I've Got You Under My Skin" vor "The Lady Is A Tramp") Nun, ich denke, daß dieser Song in den FS-Fans-Charts sogar noch weiter vorne ist und auch bei den gelegentlichen Sinatra-Hörern zu den allerpopulärsten Songs zählt, zu denen die absolut jeder kennt.
"I Get A Kick Out Of You" gehört zu den Liedern, die Frank stets in absoluter Perfektion abgeliefert hat, die den Wandel seine Stimme, seiner Interpretation wundervoll beschreibt, und zwar ohne Anflug von Schwächen, wobei auch die Frühversionen bereits angenehm frisch klingen. ...Mein Favorit - Version 15, aber eigentlich gefallen mir alle.
Holger Schnabl:
Diese Nummer ist einer der ganz großen „Schlachtenrenner“ in Sinatras Karriere – zweifelsohne gehört „I Get A Kick Out Of You“ zu den zehn wichtigsten Sinatra-Songs. Viele zum Teil recht unterschiedliche Versionen liegen uns vor, darunter natürlich ungezählte offizielle und inoffizielle Live-Aufnahmen.
Mein absoluter Favorit wird bis zum Tage des jüngsten Gerichts die Capitol-Studio-Aufnahme von 1953 bleiben. Diese Aufnahme ist für mich mit Abstand die hörenswerteste. Das Arrangement mit der unwiderstehlichen Gitarre und der locker-leichten und jazzigen Atmosphäre bildet den idealen Background zu Sinatras damaliger Interpretation des Songs. Sinatra phrasiert hier unwiderstehlich, überlegen und zugleich ein wenig zurückhaltend. Unnachahmlich das Dehnen mancher Silben, das leichte Verschleppen des Tempos hie und da, grandios die feinen Schattierungen und Nuancierungen in seinem Gesang. Capitol at it´s best sozusagen. Ein Meisterwerk ohne Abstriche.
Ebenfalls durchaus reizvoll, wenn auch völlig anders gelagert ist die Reprise-Aufnahme auf „Sinatra And Swinging Brass“. Oberflächlich betrachtet, vom „brassy“ Arrangement her sicher eine noch effektvollere Version – aber Sinatra selbst singt absolut durchschnittlich, wie auch auf dem gesamten Album, welches für mich insgesamt zu seinen wenigen schwachen Reprise-Alben bis 1965 gehört. Hier fehlen die stimmlichen Vorzüge, die ich oben genannt habe, so gut wie völlig. Wo sind hier die Schattierungen, die Nuancierungen? Sinatra sagte hier der lockeren, souveränen Leichtigkeit der Capitol-Version ade und brachte den Song als vorwärtspreschende Big-Band-Nummer, die ihren Reiz vordergründig aus dem effektvollen Arrangement von Neal Hefti bezieht und machte das Meisterwerk zu etwas mehr oder weniger Gewöhnlichem. Ich würde es so ausdrücken: Sinatra wechselte hier vom Florett zum Breitschwert. Die Version ist zwar effektvoll, aber im Vergleich zur Capitol-Fassung in gewisser Weise plump. Wie gemacht für eine Durchschnitts-Kollektionen wie etwa dem „New York, New York“ Sampler.
Ein wirklicher Tiefschlag ist dann die Live-Version vom „Main Event“-Album: Sieht man von der tadellosen, swingenden Begleitung durch die Woody Herman Band ab und konzentriert sich auf Sinatras gesanglichen Vortrag, so drohen einem die Ohren abzufallen: So alt und verbraucht hörte sich Sinatras Stimme sogar in späteren Jahren selten an. Steif, unbeweglich und stellenweise mit einer beklagenswerten Heiserkeit arbeitet sich der Sänger durch den Song. Stellenweise entgleitet Sinatra jegliche Kontrolle über seine Stimme... Diese Version wird wirklich nur von der Band einigermaßen vor dem Total-Absturz bewahrt. Alfred ist bei seiner Beurteilung äußerst milde gestimmt, wenn er meint, der Song wäre „stets sehr gut vorgetragen“ und gerade diese Fassung favorisiert.
Zum Vergleich eine weitere Live-Version, diesmal aus dem Japan-Konzert von 1985: Hier nähert sich Sinatra – so will es meinem Ohr erscheinen - wieder an seine Capitol-Interpretation an, gibt sich dezenter, zurückhaltender, gealtert zwar, aber doch wesentlich souveräner als bei der „Main Event“-Fassung. Bei den sonstigen Spaeth-Live-Versionen wie „Mailand“, „Concert For The Americas“ und dergleichen macht Sinatra stets eine recht gute, manchmal zumindest annehmbare Figur, der Song ist verhältnismäßig einfach zu singen und so wurde auch der alte Sinatra nicht überfordert und bewahrt im großen und ganzen auch im Alter seine Würde, die ihm in späten Konzerten vorzugsweise bei Balladen öfter abhanden gekommen ist.
Von allen Live-Aufnahmen, die mir bekannt sind, gebe ich der entspannten Version vom „Live In Australia“-Album den Vorzug.
In Summe also einer der besten Songs von Sinatra, mit Ausnahme der „Main Event“-Fassung in jeder Version sehr gut bis zumindest annehmbar gelungen, wobei die Capitol-Studio-Fassung alle anderen mindestens um Haupteslänge überragt.
Andreas Est:
Diese Scheibe zählt auch von mir zu den immer wieder gern gehörten Liedern. Welche Fassung ist mir dabei fast egal. Er bringt den Song stets hervorragend rüber. Besonders gern höre ich I Get a Kick jedoch auf the Main Event sowie die Fassung auf New York. In beiden Interpretationen bringt FAS echte Lebensfreude rüber und man merkt er hat hat seinen Spaß mit diesem Lied ...
Tim Bialek:
Zweifelsohne zu den Top 10 in Sinatras Schaffen ist "I Get A Kick Out Of You" zu zählen. Kein anderer hat den Song so gebracht wie er. Sinatras Wandlungsfähigkeit in der Interpretation von einem getragenen, schmachtenden Liebeslied (Broadway Bandbox/1) über den lockeren, leichtfüßigen Swinger (Capitol-Studioaufnahme/5) hin zum krachendem Big Band Sound (Reprise-Studioaufnahme/11), bis zur Kombination aller drei Versionen (spätere Konzertaufnahmen) steht beispielhaft dafür.
Die erste Fassung von 09.07.43 ist auch gleichzeitig die längste. Zwei komplette Chori in sechs (!) Minuten mit dem Raymond Scott Orchestra und den Bobby Tucker Singers, die die Verse, die hier noch in der Mitte des Songs kommen, allein singen, während Scott den zweiten Chorus einleitet.
Ein komplett neues Arrangement im Rumba-Rhythmus von Stordahl vom 10.03.1951 (4) mit einer hervorstechenden Solo-Trompete (weiß jemand, wer das war?). Hier erklingen die berühmten Verse ("My story is much too sad to be told...") zum ersten Mal am Anfang.
Die schönste Studioaufnahme (einen Tick vor Reprise) ist für mich Capitol. Der Spannungsbogen ist einfach toll mit Sinatra und Miller allein zu Beginn mit den Versen und dem Einsatz des lockeren Swings mit einem (Gott sei Dank) sparsam besetzten Orchester, instrumentiert von Riddle und Siravo. Sinatras Gesang - outstanding!
Hefti lässt es dann bei der Reprise-Aufnahme so richtig schön krachen...z.B. am Ende bei "I Get A ... Kick, yes", und da knallt dann so schön das Blech dazwischen. So passt das.
Hier müssen die Verse dran glauben. Macht aber nichts, denn Sinatra will, ja muss auf diesem Album einfach nur swingen...da kann man ihn nicht an die Leine legen. Im Studio hat es wohl nie so gefetzt wie bei diesem Album - sagenhaft!
Wie gesagt, aufgrund des schönen Spannungsbogens bei Capitol hat diese Version um einen Hauch die Nase vor Reprise.
Die Capitol-Version wird auch zum Ausgangspunkt der Live-Darbietungen in den 50ern, so ein glänzender Auftritt in Seattle (9), bei dem er bereits herrlich phrasiert: Man denke an die ewig lange Pause nach "I Get A Kick.......Out Of You." Jedesmal, wenn ich diese Stelle höre, denke ich, er ist jetzt viel zu spät dran, aber mitnichten...es ist genial. Dieses Spiel treibt er bei den folgenden Gelegenheiten noch weiter.
Auch der ständig wiederkehrende Scherz über das "perfum from Spain" taucht hier zum ersten Mal auf.
Riddle schrieb sein Capitol-Arrangement für Australien 59 um (10). Eine Performance Sinatras mit einem Sextett, und wenn es dann noch Red Norvo ist, ist auf alle Fälle ein must-have!
Interessant, dass auch Hefti sein Reprise-Arrangement für die World-Tour 62 für Sextett umschreibt und dabei auch wieder die Verse einfließen lässt. London ist in der Performance einen Hauch vor Paris (12).
Im Grunde gibt es ja noch eine weitere Studio-Version, nämlich aus "A Man And His Music" (13). Riddle schreibt hier nochmal neu, und es ist praktisch eine Symbiose aus seinem eigenen Chart von 53 und Hefti 62. Sinatra kündigt einen "brand new song from an miidle age albim" an und stellt die Laterne, unter der er schon auf dem Cover von "Songs For Young Lovers" stand, als seinen alten Freund vor. Die Performance verbindet den gefühlvollen Teil mit dem fetzigen Swing und steht den anderen Studioaufnahmen kaum nach.
Sinatra einmal sechs Songs nur mit Klavier und das dann auch noch vor den Vereinten Nationen singen zu hören, zählt sicher zu den ganz besonderen Momenten seiner Karriere. So geschehen am 13.09.1963 in NYC.
Der virtuose Pianist Skitch Henderson kümmert sich kein bisschen um die Originalarrangements, und die Tatsache, dass beide tatsächlich kaum geprobt haben, kommt der Sache noch zugute. (Sinatra: "Here we go to these mysterious chords again.":-))
Ein komplett improvisierter Auftritt, herrlich! So hat Henderson natürlich auch nicht die Modulation am Ende von "Kick" im Kopf, die Sinatra gewohnheitsmäßig singt. Da kann man dann hören, was für ein absoluter Profi Henderson gewesen sein muss. Ich werde nie lernen, so gut zu mogeln...:-)
Was der Song für Sinatra wirklich bedeutete, kann man sicherlich an den Gelegenheiten ablesen, zu denen er ihn sang. Die TV-Show "Ol Blue Eyes Is Back" ist so eine besondere Gelegenheit, und wieder hören wir ein neu überarbeitetes Arrangement von Riddle und Costa (14). Sinatras Stimme ist auf jeden Fall besser als bei der nächsten besonderen Gelegenheit:
Die knisternde Atmosphäre des Main Event (15) und Woody Hermans "Thundering Herd" macht wahrscheinlich jeden Song zu etwas Besonderem, obwohl Sinatras stimmliche Verfassung nicht die beste ist. Bei "Kick" ist es noch ok, wenn auch nicht überragend. Riddle hat den Song schon wieder überarbeitet und auch diese Version hat was. Zum ersten Mal hatte sie Sinatra im April 74 in der Carnegie Hall vorgestellt, garniert mit einem kapitalen Textaussetzer ("Where the hell am I?").
Aber ich habe mir den Main Event bei der Gelegenheit nach langer Zeit mal wieder ganz angeschaut; bei einigen Sachen klingt seine Stimme, als hätte er mit Domestos gegurgelt. "Autumn In New York" ist furchtbar. Trotzdem läuft einem bei "My Way" der kalte Schauer den Rücken runter. Die Atmosphäre macht's.
Wenn wir mal über "Angel Eyes" reden (oder war das schon?), dann wird dieser Auftritt ganz, ganz oben in der Rangliste landen. Atemberaubend.
Wieder eine ganz neue Nuance erfährt der Song in der Ära von Vincent Falcone. Viele alte Standards wurden in einer Jazz-Combo gespielt, wahlweise in einem Quartett (Lake Tahoe 81, TV-Special "The Man And His Music") oder mit zusätzlich einem Bläser. Das ist ungewöhnlicherweise eine Posaune, gespielt von Robert Alexander (Sun City, Buenos Aires und Sao Paulo 81), der einige herrliche Soli spielt. In Sun City (July 81) spielt Falcone zum ersten Mal statt Klavier bei diesem Song E-Piano. Bei einem Live-Konzert habe ich das vorher und nachher nicht mehr gehört.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde nach wie vor diese Live-Auftritte eigentlich am schönsten, weil ich den (natürlich subjektiven) Eindruck habe, er habe den meisten Spaß dabei gehabt.
Von jetzt an wird nur noch das letzte überarbeitete Arrangement von Riddle gespielt, das beim Main Event seine Premiere hatte. Gute Auftritten davon beim "Concert For The Americas" (17) und in Budokan 85 (18). Bei letzterem wurden die Verse leider am Anfang rausgeschnitten. Weiß jemand, wieso?
Von da an setzt für mich doch allmählich der stimmliche Verfall ein. Schlimm ist schon Mailand 86 (19).
Die Höhepunkte für mich im Studio die Capitol-Version, bei den TV-Specials "A Man And His Music" (1965) und "The Man And His Music" (1981) und bei den Live-Auftritten die Combo-Auftritte 1981.
Marcus Prost:
Ein wirklich tolles Lied, ein Standart, das nur Sinatra in dieser Weise gesungen hat und ihm wohl ewig zugerechnet wird.
Alle genannten Fassungen, zumindest soweit sie mir bekannt sind, finde ich wohlgelungen (jawohl, ich schließe die "Main Event"-Fassung hier ausdrücklich mit ein),
Ich kenne keine Aufnahme dieses Liedes, auf der Sinatra das Lied nicht gut singt.
Bernhard Vogel:
Unter den Studiofassungen ist die Capitol-Version von 1953 auch mein Favorit, aus den Gründen, die schon Holger zu Beginn sehr treffend beschrieben hat. Hier ist Sinatra in jeglicher Hinsicht auf dem Höhepunkt seines Könnens, vor allem seiner einfach unglaublichen Phrasierungskunst. Dazu die kleine Besetzung... einfach Wahnsinn. In dieser Beziehung sind seine beiden ersten Capitol-Alben ("Songs For Young Lovers", mit 'Kick', und "Swing Easy") unerreichte Gipfel. Ich mag aber den Neil-Hefti-Chart von Reprise 1962 auch sehr, wie schreibt Tim so schön, es "kracht" richtig. Unterschätzt finde ich das zweite Nelson-Riddle-Arrangement aus dem Fersehspecial von 1965, das wiederum ganz anders klingt als seine beiden Studiovorgänger und häufiger mal gespielt werden sollte.
Mein Favorit unter allen ist aber die Live-Version mit dem Red-Norvo-Quintett (plus Bill Miller) auf der Capoitol/Blue-Note-CD vom Australienkonzert 1959, was Sinatra hier abliefert, ist überirdisch...
Anschließen kann ich mich auch der Feststellung, daß Cole Porters Evergreen zu den Stücken gehört, die Sinatra wohl nie richtig schlecht gesungen hat, auch nicht beim 'Main Event'. Das ist bis zum Schluß so geblieben, zweimal sang er das Lied ja auch bei seinen Konzerten in Deutschland 1993 (in Hamburg und Stuttgart), mit den Eingangsversen, die auf charmante Art das Publikum differenzierten: Bei "My story is much to sad to be told..." klatschten nur einige Dutzend, bei den ersten Zeilen des Refrains "I get no kick from champagne" dann auch der (Greatest-Hits-erzogene) Rest .
