Night And Day
Text & Musik
Musik und Text von Cole Porter
Infos
Eines von Cole Porters erfolgreichsten Musicals war „The Gay Divorcé“ von 1932, und sein Hauptdarsteller Fred Astaire wurde mit einem Song daraus zur Legende, nämlich „Night and Day“, ein Lied, das so etwas wie Astaires Erkennungsmelodie wurde, und einer der bekanntesten amerikanischen Standards bis zum heutigen Tage geblieben ist.
Doch hat über die Jahrzehnte hinweg kaum ein Interpret so häufig und in so verschiedenen Arrangements mit diesem Song experimentiert wie Frank Sinatra.
Schon als blutjunger Sänger bei seiner ersten USA-Tournee 1935/36, als seine „Hoboken Four“ Teil von „Major Bowes Amateur Hour“-Tingeltour waren, hatte er das Stück im Programm, und ebenso später bei seinem fast zweijährigen ‚Dauerengagement‘ im „Rustic Cabin“-Klub nahe Englewood, New Jersey. Über die Jahrzehnte hinweg blieb das Lied so sehr Sinatras Begleiter, daß Will Friedwald in seinem Buch „Sinatra! The Song Is You“ (1995) gleich das ganze Eingangskapitel mit diesem Titel überschrieb, um am Beispiel dieses Songs den „Sinatra Style“ exemplarisch zu analysieren.
Sinatras vielfältige Beschäftigung mit dem Song ist derzeit erstmals mit seiner RCA-Studioaufnahme faßbar, die er im Januar 1942 bei seiner allerersten regulären Solo-Session (wiewohl noch bei Dorsey unter Vertrag) zu einem Balladen-Arrangement von Axel Stordahl einspielte (=Version #1). Diese frühe Fassung läßt unschwer erkennen, wie vertraut Sinatra mit dem Song damals schon gewesen ist, da s(chw)ingt bereits die Routine hunderter Livedarbietungen mit.
Gut anderthalb Jahre später – Sinatra hatte gerade einige Tage zuvor bei Tommy Dorsey aufgehört – entstand Mitte September 1942 bereits die nächste Studiofassung (=#2), wiederum als Ballade von Stordahl arrangiert, mit dem Orchester Morris Stoloff (mit Stoloff würde Sinatra noch 1969 beim zweiten Jobim-Album zusammenarbeiten). Diese Aufnahme war für den Soundtrack des Columbia-Streifens „Reveille with Beverly“ (erschienen 1943) bestimmt, in dem Sinatra eine Rolle spielte.
Mit dieser Stordahl-Balladenversion ging Sinatra fortan „auf Tour“ und präsentierte sie im Radio, spezielle Aufnahmen sind auf CD erhalten von der Geburtstagssendung für Präsident Roosevelt im Januar 1943 (=#3), aus einer „Command Performance“ des ‚American Forces Radio Service‘ (AFRS) vom September 1943 (#5) und aus Sinatras eigener Radioshow „Songs By Sinatra“ vom Dezember 1943 (#6, mit den Bobby Tucker Singers). Auch bei „Symphony Under The Stars“, einem großen Live-Konzert in der legendären Hollywood-Bowl, sang Sinatra das Lied begleitet vom Philharmonieorchester Los Angeles (=#4) – Sinatras Konzert wurde komplett von Columbia Records, seinem neuen Label, aufgezeichnet und als 78“-Single-Sammlung gepreßt, jedoch offiziell bislang nie veröffentlicht.
Das „Screen Guild Theatre“ war eine regelmäßige Radioshow auf CBS, in der erfolgreiche Musicals zu Hörspielen umfunktioniert wurden. Als im März 1944 eine Adaption von Cole Porters „The Gay Divorcé“ produziert wurde, übernahm Sinatra die Hauptrolle und fertigte eine weitere, jetzt auch offiziell erschienene Aufnahme von „Night and Day“ dafür an (#7), für die Stordahl sein Balladen-Arrangement leicht überarbeitete.
Noch zwei weitere Male präsentierte Sinatra den Song in diesem Gewand im Radio, im Februar 1945 in „A Date With Judy“ mit dem Orchester Constantin Bakaleinikoff (#8), und Ende 1945 in einer speziellen Studioaufnahme für das Kriegsanleihen-Projekt „The March Of Dimes“ (#9), beide ebenfalls auf CD erschienen. Ab Herbst 1945 wurde „Night and Day“ dann zur Erkennungsmelodie von Sinatras neuer Radioshow „Songs By Sinatra“ (Old Gold) erhoben und war am Beginn jeder Sendung mit wenigen gesungenen Zeilen zu hören.
Im Oktober 1947 schließlich fertigte Sinatra auch eine kommerzielle Studioaufnahme für Columbia Records an – genauer gesagt deren zwei an einem Tag, eine etwas längere (#10a) und eine etwas kürzere Fassung (#10b), beide wiederum als Ballade von Axel Stordahl arrangiert und begleitet. Diese Aufnahmen, die in der berühmten Liederkrantz Hall in New York City entstanden, verschwanden jedoch im Columbia-Archiv und wurden erst 1993 auf der 12-CD-Box von Columbia/Legacy (#10a) bzw. einige Jahre später auf einer Doppel-CD desselben Labels (#10b) erstmals veröffentlicht.
Im April 1950 sang Sinatra die Stordahl-Fassung nochmals komplett im Radio (#11, jüngst auf Columbia/Legacy erschienen), im Rahmen seiner wochentäglichen Sendung „Light-Up Time“ auf NBC, die das Lied im übrigen ebenfalls als Erkennungsmelodie zu Beginn jeder Ausgabe erklingen ließ.
Als Sinatra im Frühjahr 1953 zu einer ausgedehnten Europatournee aufbrach, gehörte „Night and Day“ wieder zum Repertoire, aber in gänzlich neuem Gewand, nämlich als Duett mit seinem neuen Pianisten Bill Miller. Zwei Fassungen dieser Art von der Tour sind erschienen, eine im Rahmen einer speziellen Radiosendung vom Mai 1953 in Rom (#12), und eine vom Konzert im englischen Blackpool im Juli (#13).
Nur knapp ein Jahr später präsentierte Sinatra „Night and Day“ wiederum in einem völlig anderen Sound: Im Latino-Style! Für seine Radiosendung „To Be Perfectly Frank“ spielte er dieses gänzlich neue Arrangement zusammen mit dem „Sinatra Symphonette“ (Leitung Bill Miller) ein (#14), und erstmals im Juni 1954 kam diese Fassung über den Äther.
1956 schon der nächste nochmal komplett neue Ansatz, diesmal ein klassischer Swinger mit Nelson Riddle, aufgenommen bei Capitol für das Album „A Swingin‘ Affair“ (#15). Diese Version sang Sinatra begleitet von Riddle dann auch zweimal in seiner wöchentlichen TV-Show auf NBC 1957/58 (#16 und #17). Auf Riddles Arrangement, aber mit einer komplett neuen Einleitung von Red Norvo versehen, basierte auch die Fassung, die Sinatra im März 1959 bei seinen beiden Konzerten (2 an einem Abend) in Melbourne als Schlußnummer vortrug, wie auf dem Capitol/Blue Note-Album mit Mitschnitten dieses Abends zu hören (#18).
1961, Reprise, neues Label – und ein neues „Night and Day“! Diesmal wiederum als Ballade, aber komplett neu arrangiert von Don Costa für das Album „Sinatra & Strings“ (#19). Für diese Aufnahme nahm sich Sinatra besonders viel Zeit, insgesamt achtzehn Takes (darunter viele komplette Alternate Takes und fast vollständige Outtakes) brauchte der Perfektionist, um die Endfassung einzuspielen.
Weiter geht’s mit Night-and-Day-Experimenten! Die große Welttournee im Frühjahr 1962 mit dem Bill Miller Sextett erlebte gleich zwei neue verschiedene Varianten des Songs von Sinatra. Bei den meisten Konzerten zu Beginn der Tour (z.B. den beiden in Tokio im April, von denen es Videomitschnitte gibt) sang er das Lied up-tempo, als Swinger, zu einem von Neal Hefti geschriebenen Arrangement, das sich an den Chart von Nelson Riddle anlehnte; diese Fassung spielte Sinatra Ende Mai 1962 in Rom auch im Studio ein (#20), wo er mit dem Sextett ein Dutzend Songs aufnahm, die dann im italienischen TV einzeln ausgestrahlt wurden, gesponsort von der Süßwarenfirma Perugina.
Gegen Ende der Tournee aber sang Sinatra „Night and Day“ dann wieder als Ballade, diesmal als Duett mit Al Viola an der Gitarre. Zwei Versionen aus London (#21) und Paris (#22) sind davon bislang offiziell erschienen.
So als ob Sinatra vielleicht nun etwas habe verschnaufen wollen, was seine Darbietungen des Cole-Porter-Standards betrifft, machte sich „Night and Day“ fortan für lange Jahre rar in seinem Repertoire, sieht man von einer Fassung in der Fernsehshow seiner Tochter Nancy von 1967 einmal ab (#23) – in keiner seiner preisgekrönten „Man and His Music“-Specials der sechziger Jahre kam der Song zum Zuge, und bei den Konzerten fehlte er ebenfalls.
Das blieb so bis zum Frühjahr 1976 – da aber meldete sich Sinatra mit Macht mit „Night and Day“ zurück. Joe Beck hatte ein neues Arrangement geschrieben, das im Disco-Rhythmus gehalten war, und das Sinatra zunächst ab April 1976 bei fast jedem seiner Konzerte mit Orchesterbegleitung darbot. Im September war er damit im Rahmen des jährlichen „Jerry Lewis Telethon“ auch im Fernsehen zu bewundern (#24).
Im Februar 1977 spielte Sinatra diese Version dann auch für Reprise im Studio ein (#25), im Overdub-Verfahren zu einem vorproduzierten, deutlich elektronischer gehaltenen Instrumentaltrack. Diese „Disco-Single“ wurde ein Flop und verschwand bald in der Versenkung; allerdings wurde noch eine Maxi-Single mit einer gänzlich anderen Abmischung produziert, die bislang nicht auf CD erschienen ist (#25a). Die Orchesterfassung blieb hingegen noch bis 1978 in Sinatras Repertoire, und Anfang April nahm er sie mit Nelson Riddle auch für ABC im Studio auf, ausgestrahlt in seiner Fernsehshow „Sinatra & Friends“ (#26).
Als Sinatra zu Beginn der 80er Jahre unter der Ägide von Vincent Falcone jr. seine Konzertprogramme umkrempelte und viele neue Arrangements und überraschende Varianten bekannter Standards ins Programm kamen, durch die diese Epoche zu einer seiner innovativsten seit mindestens 20 Jahren wurde, fehlte auch „Night and Day“ nicht. Falcone schrieb ein gänz neues Swing-Arrangement für Quartett, das sich (mit dem ‚verse‘ in der Mitte statt am Anfang) ein wenig an dem Konzept der „To Be Perfectly Frank“-Fassung von 1954 orientierte, freilich ohne „Latino“. Von dieser faszinierenden Version gibt es leider bislang keine offizielle Veröffentlichung, es lohnt aber sehr, in Sammlerkreisen nach Mitschnitten zu suchen.
1986 kehrte Sinatra schließlich bei seinen Konzerten zum Capitol-Arrangement Nelson Riddles zurück, das er noch einige Male darbot; eine Fassung aus Mailand vom September 1986 ist auch offiziell erschienen (#27). 1989 sang Sinatra das Lied zum letzten Mal bei einem Konzert komplett, danach tauchte es nur noch, in wenigen Zeilen angesungen, im großen Schlußmedley der „Diamond Jubilee Tour“ mit Steve Lawrence und Eydie Gormé (1990/91) auf.
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie:
Hinweis: Nur komplette Fassungen sind berücksichtigt, nicht die zahlreichen verschiedenen „angesungenen“ Fassungen, die als Erkennungsmelodien in Sinatras Radiosendungen verwendet wurden (z.B. in Songs By Sinatra 1945-1947 oder Light Up Time 1949-1950), sowie Verwendungen einiger Passagen in Medleys (z.B. während der Diamond Jubilee Tour 1990/91)
(1) RCA-BLUEBIRD-STUDIOAUFNAHME vom 19.1.1942
aufgenommen in Hollywood, RCA Studios
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: The Song Is You (Complete Sinatra-Dorsey RCA 5 CD set) CD 4
(2) COLUMBIA-FILM-STUDIOAUFNAHME vom 17.9.1942
aufgenommen für den Film „Reveille with Beverly“ in Hollywood, Columbia Picture Studios
Arrangement: Axel Stordahl und Morris Stoloff
Orchester geleitet von Morris Stoloff
CD: Sinatra In Hollywood (6 CD Box) CD 1
(3) „America Salutes the President’s Birthday“ (CBS Radio) vom 30.1.1943
spezielle Aufnahme von Sinatra für diese Sendung und „March of Dimes“
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Sammy Kaye
Inoffizielle CD: A Treasury of Sinatra Vol. 1 (JRR Records 001-1)
(4) COLUMBIA-LIVEAUFNAHME vom 14.8.1943
aufgenommen in Hollywood, Hollywood Bowl bei „Symphony Under The Stars“
Arrangement: Axel Stordahl
Los Angeles Philharmonic Orchestra geleitet von Morris Stoloff
OFFIZIELL UNVERÖFFENTLICHT
( Hinweis: das komplette FS-Konzert wurde mitgeschnitten und auf 78‘‘-Singles gepreßt )
Inoffizielle CD: Sinatra On Stage (Starlite 827)
(5) „Command Performance“ (AFRS) #80 vom 5.9.1943
zuvor aufgenommen in Hollywood am 21.8.1943
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: The Radio Years (Meteor 6 CD set) CD 2
(6) „Songs By Sinatra“ (CBS/sustaining) vom 19.12.1943
aufgenommen in New York City, CBS Playhouse #3
Arrangement: Axel Stordahl – Begleitchor: The Bobby Tucker Singers
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Live 1942-46 Songs By Sinatra (Jazz Hour JH 1020)
(7) „The Screen Guild Theatre: The Gay Divorcé“ (CBS/Lady Esther) vom 6.3.1944
aufgenommen in Hollywood
Überarbeitetes Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Frank Sinatra & Friends (Radio Spirits 30 CD Box) CD 28
(8) „A Date with Judy“ (CBS/Tums) vom 20.2.1945
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Constantin Bakaleinikoff
CD: Frank Sinatra & Friends (Radio Spirits 30 CD Box) CD 9
(9) „Frank Sinatra Sings For The March Of Dimes“ von Ende 1945
Spezielle Studioaufnahme Herbst 1945, aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: The Unheard Frank Sinatra Vol. 4 (Vintage Jazz Classics VJC 1051)
(10a-10b) COLUMBIA-STUDIOAUFNAHMEN vom 22.10.1947
aufgenommen in New York City, Liederkrantz Hall
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
(10a) Take 1 (3:38 min.)
CD: The Columbia Years (Columbia/Legacy 12 CD Box) CD 7 (=Erstveröffentlichung)
CD: Best Of Columbia Years (Columbia/Legacy) und andere
(10b) Take 2 (3:16 min.)
CD: Portrait Of Sinatra (Columbia/Legacy 2 CD set) CD 1
CD: Sinatra Sings Cole Porter (Columbia/Legacy) mit falschem Datum „19.10.1947“ im Booklet
(11) „Light Up Time“ (NBC/Lucky Strike) AFRS-Ausgabe #75 vom 11.4.1950
aufgenommen in New York City
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Skitch Henderson
CD: Sinatra Songs Cole Porter (Columbia/Legacy) genaues Datum fehlt im Booklet
(12) „RAI Radio Club“ (RAI Radio, Italien) vom 20.5.1953
aufgezeichnet in Rom, RAI-Studios
Duett mit Bill Miller, Klavier
Inoffizielle CD: Frank & Bing (Boardwalk 502)
(13) LIVE-AUFNAHME vom 26.7.1953
aufgenommen in Blackpool/England, The Opera House
Duett mit Bill Miller, Klavier
OFFIZIELL UNVERÖFFENTLICHT
Inoffizielle CD: Blackpool 1953 (JRR Records 153)
(14) „To Be Perfectly Frank“ (NBC Radio) AFRSTV-Ausgabe #53 vom 8.6.1954
voraufgezeichnet, Ort und Datum nicht dokumentiert
Arrangement: N.N.
The Sinatra Symphonette geleitet von Bill Miller
CD: To Be Perfectly Frank (Bravura BRCD 103)
CD: The Radio Years (Meteor 6 CD set) CD 6
(15) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 26.11.1957
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower (take 5)
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle (Posaunensolo: Juan Tizol)
Album/CD: A Swingin‘ Affair (Capitol)
(16) „The Frank Sinatra Show“ (ABC TV/Chesterfield) #7 vom 29.11.1957
aufgenommen in Hollywood, El Capitan Theatre
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
(17) „The Frank Sinatra Show“ (ABC TV/Bulova) #31 vom 23.5.1958
aufgenommen in Hollywood, El Capitan Theatre
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
(18) CAPITOL/BLUE NOTE-LIVEAUFNAHME vom 31.3.1959 (zweite Show des Abends)
aufgenommen in Melbourne/Australien, West Melbourne Stadium
Arrangement: Nelson Riddle & Red Norvo
Red Norvo Quintett und Dennis Colison Orchestra geleitet von Bill Miller
CD: Live In Australia (Capitol/Blue Note) falsches Datum „1.4.1959“ im Booklet
(19) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 22.11.1961
aufgenommen in Hollywood, United Recording Studios (take 18!)
Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Don Costa
Album/CD: Sinatra and Strings (Reprise)
(20) RAI-STUDIOAUFNAHME von Ende Mai 1962
aufgenommen in Cinisello Balsamo bei Rom/Italien, RAI TV Studios, für Perugina Candy
Arrangement: Neal Hefti
Bill Miller Sextett geleitet von Bill Miller
(mehrfach ausgestrahlt im italienischen Fernsehen)
(21) ARTANIS/TRAMA-LIVEAUFNAHME vom 1.6.1962
aufgenommen in London/England, Royal Festival Hall
Duett mit Al Viola, Gitarre
CD: The 1962 London Concert (Artanis/Trama, offiziell nur in Brasilien erschienen)
CD: London 1962 (JRR Records 2 CD set JRR 162)
(22) REPRISE-LIVEAUFNAHME vom 7.6.1962
aufgenommen in Paris/Frankreich, Olympia
Duett mit Al Viola, Gitarre
CD: Sinatra & Sextet Live In Paris (Reprise) falscher Ort „Lido“ und falsches Datum „5.6.“ im Booklet und auf dem Cover
(23) „Movin’With Nancy“ (NBC TV/Royal Crown Cola) vom 11.12.1967
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Billy Strange
(24) „Jerry Lewis MDA Telethon“ (NBC TV) vom 6.9.1976
Sinatra-Liveauftritt aufgenommen in Las Vegas, The Sahara Hotel & Casino
Arrangement: Joe Beck
Orchester geleitet von Bill Miller
(25) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 16.2.1977
aufgenommen (overdub) in New York City, Media Sound Studios
Orchester aufgenommen am 15.2.1977 in New York City, Media Sound Studios
Arrangement: Joe Beck
Orchester geleitet von Bill Miller
Erstveröffentlichung: Reprise Single
CD: Complete Reprise Studio Recordings (Reprise 20 CD set) CD 17
(25a) neues Disco-Mix aus denselben Tracks
Reprise 12“-Maxi-Single (nicht auf CD erschienen)
(26) „Frank Sinatra and Friends“ (ABC TV/Sears) vom 21.4.1977
aufgenommen am 7.4.1977 in Hollywood
Arrangement: Joe Beck
Orchester geleitet von Nelson Riddle
(27) RAI-LIVEAUFNAHME vom 27.9.1986
aufgenommen in Mailand/Italien, Palatrussardi
Arrangement: Nelson Riddle
John Flanagan Orchestra geleitet von Bill Miller
Video: The Voice-The Event (Videoevent) (nur in Europa erschienen)
Übersetzung
Nacht und Tag
Night And Day
Nacht und Tag, du bist die eine
Nur du bist unterhalb des Mondes oder unter der Sonne
Ob nah bei mir oder weit weg
Es ist nicht wichtig, Liebling, wo du bist
Ich denke Tag und Nacht an dich
Nacht und Tag, warum ist das so
Hast du das Verlangen mir zu folgen wo immer ich auch hingehe?
In den tosenden Verkehrslärm
In die Stille eines einsamen Raumes
Ich denk an dich Tag und Nacht
Nacht und Tag unter meiner Haut
Gibt es ein OH, so ein hungriges Verlangen, das in mir brennt
Und diese Qualen vergehen nicht bis
Du mich mein Leben damit verbringen läßt, dich zu lieben
Tag und Nacht, Nacht und Tag
Übersetzung:Verena Kroniger
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Robert Grüning:
Die für mich herausragende Version ist das Don Costa Arrangement auf "Sinatra & Strings". Dabei handelt es sich überhaupt um eines jener Alben, die ich eigentlich immer hören kann, zumindest die tunes 1-5 und "All Or Nothing At All" (ich glaube, das wäre tune 9). Frank war bei den Aufnahmen dieses Albums m.E. auf dem Höhepunkt seiner stimmlichen Entwicklung: Selten hatte er soviel "Power" wie auf "Strings", dieses Album ist fantastisch zum "Laut-Spielen" geeignet. Und das merkt man natürlich auch bei Night And Day, eine einfach machtvolle Demonstration seiner Fähigkeiten als Sänger (wobei die Version von "All Or Nothing At All" noch ein wenig machtvoller erscheint, insbesondere die letzten Sekunden)
Die "Swinging Affair"-Version ist natürlich ein "Aufwecker", insoweit möchte ich Mathias Recht geben. Mir ist auch das Konzert "Mailand 1986" bekannt (das Video mal auf dem Flohmarkt erstanden), leider kriegt Sinatra aber am Anfang nicht ganz die Melodie hin. Offensichtlich hatte er im Geiste ein anderes Arrangement, er ließ am Anfang das "Day" lang nach oben klingen (wie das beim Costa bzw. den mir bekannten Stordahl-Arrangements so auch richtig wäre), obwohl das gespielte Nelson Riddle Arrangement ein kurzes, nach unten klingendes "Day" verlangt (ich denke, der letzte Teil meines Statements hier macht deutlich, dass ich normalerweise nicht über Musik und Songinterpretationen schreibe , aber ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine).
Die "Disco-Version" macht einfach nur Spaß (wobei mir auch hier die "All Or Nothing At All" Version wegen des Intros etwas besser gefällt). Mir ist neben der "Sinatra & Friends"-Version noch ein weiterer Live-Auftritt zu diesem Arrangement in Orchesterversion bekannt, und zwar Sinatra & Dino , "A Swinging Night At The Sabre Room" 1977. Der künstlerische Anspruch wurde aber bei diesem Auftritt wohl etwas geringer angesetzt, beide erschienen sturztrunken und ebenso klingt auch "Night And Day", aber die gute Laune, die man beim Hören dieses Auftritts verspürt, vermag's nicht zu stören!
Die Stordahl-Arrangements, die mir bekannt sind, stammen von der Columbia-Box sowie dem 5-CD-Set "Sinatra-Dorsey". Die Solos für das Bluebird-Label (Sinatra-Dorsy)sind fantastisch remastert (soweit ich das beurteilen kann) und der Klang der Streicher passt zur Stimme des jungen Franks wie die Faust auf's Auge! Hier hört man m.E. zum ersten Mal wirklich Frank Sinatra und nicht nur die männliche Gesangsstimme der Tommy Dorsey Band!
Leider bietet der Song auch viele Möglichkeiten für Spott und Hohn. Als der Song, wohl in der Riddle-Version, mal bei mir spielte und einige meiner Freunde (die vornehmlich so qualitativ wertvolle Musik wie "Heavy Metal" oder aber auch "Death Metal" hören) dies mitbekamen, war für die nächste Zeit für den Spott gesorgt; "Dein Sinatra singt ja Kaffee-Werbubg!" durfte ich mir in der Folgezeit mehr als einmal (und sicher kaum in der hier wiedergegebenen entschärften Version)anhören!
Abschließend möchte ich sagen, dass sich dieser Song wie ein roter Faden durch Sinatras Lebenswerk zieht, auch wenn er gerade in den letzten Jahren nicht wirklich ein Konzert-Standard wie "Where Or When" oder "All Or Nothing At All" (in der Riddle 1966 Version)war. Bedauerlich, dass er ihn für Duets nicht noch einmal reaktivierte.
Holger Schnabl:
Diese Nummer kann ganz zu Recht als einer der großen Sinatra-Klassiker gelten. Ein wunderbarer Song von zeitloser Schönheit, der nie an Faszination verlieren wird. Davon abgesehen wird es wohl von kaum einer anderen Sinatra-Nummer derart viele verschiedene Aufnahmen geben. Die Aufnahmen, die mir aus den Jahren nach 1965 vorliegen, fallen allerdings sehr stark ab und können sich mit den früheren Aufnahmen in keinster Weise messen. - Wertes Publicum, hier also meine Meinung über die mir vorliegenden Versionen, deren Zahl leider weit unter der oben aufgelisteten Zahl von Aufnahmen liegt. - Ich gehe dabei in umgekehrter chronologischer Reihenfolge, also nach dem Motto „zunächst sich durch das Unersprießliche durchkämpfen, um schlußendlich beim Erquicklichen anzulangen“, vor:
(27) RAI-LIVEAUFNAHME vom 27.9.1986
Wenn ich diese Version höre, ist mir offen gestanden gar nicht recht wohl zumut. Was für eine schnarrende, brüchige Stimme, kurzatmig, verwüstet von Alkohol, Zigaretten und schleichend einsetzender Greisenhaftigkeit – vom großen Künstler der früheren Jahre blieb hier nur mehr ein undeutliches Schemen, kaum mehr erahnbar, welch überragender Sänger Sinatra dereinst einmal war. Alles was ehedem Sinatras Stimme ausmachte, war veschwunden, untergegangen im Nebel der Zeiten... Glücklich zu preisen all jene, welche diese verunglückte Spaeth-Version nicht kennen!
(25) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 16.2.1977
(26) FRANK SINATRA & FRIENDS (ABC TV/Sears) vom 21.4.1977
Die Studio-Aufnahme erinnert im Sound frappant an die Soundtracks diverser 70er-Jahre-Fernseh-Serien. Sinatras Stimme wurde mit ungemein viel Hall unterlegt und wird vom aufdringlichen Schlagzeug- und Perkussionsgewitter förmlich niedergeknüppelt. Sinatra wollte sich bewusst zeitgemäß geben, ist aber in dieser musikalischen Umgebung ganz und gar fehl am Platz – ein musikalisches Experiment, welches Sinatra nicht nur künstlerisch sondern auch kommerziell völlig danebenging. Aus diesem rumpelnden, polternden Arrangement tritt uns schmähliche Verachtung einem Klassiker gegenüber entgegen. Diese Version kann man – wie auch jene, welche uns auf „Sinatra And Friends“ zugemutet wird – ruhigen Gewissens ins Feuer werfen, jawohl ich sage: Ins Feuer damit! Vor allem die Studio-Version (1977) sollte man so selten wie irgend möglich hören – einmal vielleicht, um sie zu kennen und ein zweites Mal, um sich zu vergewissern, dass man doch nicht schlecht geträumt hat. Dann aber sofort ins Feuer damit, hinwegtilgen vom Angesicht der Erde, auf dass sie Sinatras künstlerische Reputation nicht mehr länger aufs unfasslichste schädige! In der Tat: Reine Zeitverschwendung angesichts der viel ansprechenderen Fassungen, die uns aus den Jahren zuvor vorliegen. Über den kommerziellen Misserfolg dürfen wir ein gerüttelt Maß an Genugtuung empfinden, denn dadurch blieben uns weitere derartige Experimente (womöglich gar ein ganzes Album in diesem Sound) erspart...! Je nun – mit Anhören dieser verhunzten Fassungen haben wir nunmehr das Schlimmste hinter uns gebracht und dürfen uns auf einige gute bis sehr gute Versionen freuen, als da wär zunächst eine Live-Aufnahme aus dem Jahre 1962:
(22) REPRISE-LIVEAUFNAHME vom 7.6.1962
Diese Fassung ist für Sinatra sehr ungewöhnlich, weil nur mit Gitarrenbegleitung vorgetragen. Unter Studiobedingungen hätte diese Variante unter Umständen ein echtes Highlight werden können, hier allerdings – gegen Ende einer ausgedehnten Tournee – ist die Stimme des Sängers nicht mehr in der wünschenswerten Verfassung und klingt streckenweise reichlich spröde. Zudem: ganz ohne weitere Instrumente büßt der Song – so scheint mir - einiges an Ausstrahlung ein.
(19) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 22.11.1961
Nicht Sinatras romantischste Version des Klassikers, aber sicherlich seine dramatischste. Hier singt nicht mehr der Jüngling der RCA-Version, aber Sinatras wiewohl deutlich veränderte Stimme war zu Beginn der Reprise-Phase in ausgezeichneter Verfassung und diese Version ist mindestens genauso beseelt wie die RCA-Fassung. Insgesamt gesehen, die zweit-beste Fassung des Songs, nicht zuletzt auch des glanzvollen Arrangements von Don Costa wegen. Meiner Treu, wenn da nicht die unerreichbare Erst-Aufnahme (oben als (1) gelistet) wäre, ich würde in der Tat diese Aufnahme aus „Sinatra And Strings“ auf das Siegespodest heben.
(18) AUSTRALIEN 1959
In dieser Version mit der langen Instrumental-Einleitung ist eher der Vibraphonist Red Norvo der Hauptakteur. Sinatra liefert eine zunächst sehr entspannte Interpretation und hält sich eher im Hintergrund, bis er dann im letzten Drittel, nachdem die Band mit einsteigt, deutlich aufs Gaspedal tritt. Insgesamt gelungen, aber nicht eben herausragend. Die bescheidene Klangqualität dieses Mitschnitts erschwert zudem eine Beurteilung von Sinatras gesanglicher Leistung.
(15) CAPITOL-Studioaufnahme
Der Klassiker in völlig neuem Gewand – die Tiefe und Bedeutung des Songs geht hier leider verloren, es wird eine rasante Swing-Nummer daraus, die hervorragend arrangiert und von Sinatra gut gebracht wird. Diese Version kann sehr gut gefallen, nur, wie erwähnt, Stimmung und Ausdruck gehen in diesem Arrangement verloren.
(10a) COLUMBIA-Studio-Aufnahme
Ganz ähnliche Ergriffenheit wie bei der RCA-Fassung (erste Solo-Session) bemächtigt sich des Hörers bereits nach den ersten Streicher-Klängen. Dennoch gelingt es Sinatra nicht so ganz, die wahrhaft königliche Erst-Fassung des Songs zu übertreffen. Aber dessen unerachtet ist auch diese Aufnahme ein Kleinod und schöner Beweis für die weitverbreitete Ansicht, der Sinatra der Columbia-Phase sei der beste Sinatra.
(2)COLUMBIA-Film-Studioaufnahme
Auch diese Version geht Sinatra ausgezeichnet von der Hand, auch hier fängt er die Stimmung vorbildlich ein. Unweigerlich unterliegt man der Versuchung, sich die Nummer gleich noch ein zwotes Mal zu Gemüte zu führen, auch hier lauscht man mit nicht geringer Ergriffenheit.
(1) RCA-Bluebird-Studioaufnahme
Dieser Version gebe ich den Vorzug und zwar mit großem Abstand vor jeder anderen mir bekannten! Wahrscheinlich werden die wenigsten Leser und Leserinnen davon überrascht sein und sehr wahrscheinlich werden die meisten zum selben Urteil gelangen. – Man ist beinahe geneigt, vor Verzückung in die Knie zu brechen! Ein Quell der Labsal, ein niemals versiegender Brunnen der Erquickung! Wertes Publicum, mit dieser ersten Studio-Aufnahme der Nummer stellte sich Sinatra damals den bestmöglichen Empfehlungsbrief für künftiges Schaffen aus. Sinatra findet hier zu der dem Song am gemäßesten Interpretationsform. Unvergleichlich die Stimme des jungen Sinatra, wer Ohren hat zu hören, der höre! Dies ist Sinatra mit einer Leistung, die man noch in hundert Jahren preisen wird! Prachtvoll, hier hören wir den Sänger in seiner Blüte, hier wuchert er geradezu mit seinem außergewöhnlichen Talenten, welch ein Kontrast zu den welken Spaeth-Versionen, in denen von all dem nichts mehr spürbar ist und uns Sinatra auch gar nicht mehr als Sinatra erscheint. In der Tat, ich weiß gar nicht recht, als was uns nun Sinatra 1977 bzw. 1986 erscheint... am ehesten als blasses Abziehbildchen seiner Selbst, eine Legende, ja, das war er vielleicht, aber sicherlich kein großer Künstler mehr, eher ein alter Mann, der einst The Voice war.
Marcus Prost:
Dieses Lied ist ein großer Klassiker! Und es zeigt in beeidruckender Weise die Bandbreite und Veränderungsfähigkeit Sinatras.
Während andere Sänger in Jahrzehnten gewisse Erfolgslieder immer wieder ähnlich vorgetragen, machte Sinatra in jeder Schaffensphase unterschiedliches draus.
Wie wenig haben doch die Diskofassung mit der RCA-Fassung gemein? Fast nichts und trotzdem doch das gleiche Lied.
Ich persönlich schätze die meisten Fassungen sehr. Ich kann nicht versprechen, ob ich es schaffen werde bis Wochenende zu den einzelnen genannten Fassungen noch ausführlicher was zu sagen, da ich momentan recht ausgelastet bin, werde es aber zumindest versuchen. Unerläßlich aber sich die genannten Fassungen zuvor noch einmal zu vergegenwärtigen.
Robert Grüning (2):
Nach Holgers brennendem Plädoyer für die RCA-Bluebird-Version habe ich gestern Abend gleich die Sinatra-Dorsey-Box herausgeholt, um mir diese Aufnahme nochmal etwas genauer anzuhören. Und auch mich ergriff -mal wieder- die Begeisterung. Es handelte sich um ein Wiederkennenlernen, denn die CDs der Dorsey-Box werden bei mir nicht wirklich häufig gespielt. Zu sehr habe ich Vorbehalte gegen die Songs, die er mit Dorsey aufgenommen hat. Es waren natürlich fantastische Songs ("The One I Love", "Polka, Dots..", "East Of The Sun.." und viele, viele mehr). Aber die genannten Titel und viele mehr sind für mich in der Dorsey-Version nicht wirklich erquickend. Und wenn ein Arrangement mal für meinen Geschmack erträglich war, kamen bestimmt die Pied-Pipers dazwischen und machten alles kaputt!
Nun aber zu "Night And Day" 1942: Wie schön konnte Axel Stordahl arrangieren! Leider ist das in den Folgejahren m.E. etwas verloren gegangen, die späteren Columbia-Aufnahmen (nicht unbedingt "Night And Day" aber nehmen wir mal "When Your Lover Has Gone" oder "Where Or When") waren für meinen Geschmack z.T. "überarrangiert". Das 1942er "Night And Day"-Arrangement war da erfreulich anders: Eine schlanke und schnörkellose, tief romantische Version. Kein Chor, der uns in die Ohren schreit; keine Streicher-Kompanie, die den Song zu einem ohrenbetäubenden Geigensalat aufbläht. Ein Arrangement, dass mich ein wenig an die späteren Früh-Arrangements des Duos Sinatra-Riddle (z.B. "Wee Small Hours") erinnert. Mit seiner jugendlich weichen Stimme konnte er den Standard mit einer romantischen Note interpretieren, was ihm später auf "Strings" so nicht mehr gelang.
Dabei stellt sich aber auch die Frage, ob das bei "Strings" überhaupt beabsichtigt war. Hier ging es um eine dramatische und große Version, wie Holger völlig zutreffend feststellt. Das Pathos bei "Strings", welches nicht nur bei "Night And Day", sondern eigentlich bei allen Nummern des Albums ("I Hadn't Anyone 'Till You", grandios!!!) deutlich mitklingt, musste aber ein älterer Sinatra vortragen, der mit diesen großen (und dennoch schnörkellosen) Costa-Arrangements umzugehen wusste. Und daher stören mich die massiven und pathetischen Arrangements auf "Strings" kein bisschen. Ganz im Gegenteil, ich halte dieses Album für ein wahres Meisterwerk! Der 1942er Sinatra wäre an Costas "Geigensalat" nach meiner bescheidenen Auffassung hingegen hoffnungslos gescheitert.
Besondere Freude verursachte am 1942er "Night And Day" die Wiederholung der letzten Strophe nach kurzem Instrumentalsolo: Bereits hier wurde von Frank mit dieser einzigartigen Betonung vorgetragen, die bei allen späteren Versionen ebenfalls zu finden war.
Die negativen Gefühle zur Disko-Version 1977 teile ich nicht (insbesondere würde ich die Aufnahme nicht den Flammen übergeben!), kann sie aber nachvollziehen. Der Mix und der hallende Sinatra sind i.d.T. gewöhnungsbedürftig. Auch kann man die Auffassung vertreten, dass da ein gewisser Schindluder mit einem großen Klassiker betrieben wurde. Dennoch, die Aufnahme hat ihre eigene Dynamik, und wenn man mal auf der Autobahn unterwegs ist und den Disko-Track dabei hört, dann geht die Version direkt in den rechten Fuß! Und hätte er ein ganzes Album in dem Stil aufgenommen: Es würde bei mir im Schrank stehen!
Bernhard Vogel:
Das Arrangement von Joe Beck selbst ist übrigens nicht so schlecht, wie die Orchesterfassungen ja auch zeigen - man muß trennen, zwischen der soundtechnisch abgrundtief schlechten Studioaufnahme von 1977 mit dem elektronischen Beiklang, und den Livefassungen dieses Charts, mit denen Sinatra immerhin 2 Jahre lang fast jedes seiner Konzerte bestritt. Und selbst bei der Studioaufnahme von 1977 gibt es ja (siehe Diskographie) immerhin ein Remix (allerdings nur auf der Vinyl-Maxi-Single), das erheblich besser klingt als die Originalfassung, die z.B. auf dem "Koffer" zu hören ist.
Übrigens war neben "Night and Day" und "All Or Nothing At All" ein dritter Disco-Song zur Aufnahme vorbereitet, sprich Orchestertrack war eingespielt, nämlich "Full Moon and Empty Arms". Sinatra lehnte den Song bei der Session aber ab.
***Und wenn ein Arrangement mal für meinen Geschmack erträglich war, kamen bestimmt die Pied-Pipers dazwischen und machten alles kaputt***
Die "Pied Pipers" mögen dem heutigen Geschmack mitunter nicht mehr entsprechen - in den 40ern jedenfalls war solch ein Sound, modern gesprochen, "mega in", und das Pied-Piper-Quartett bestand zudem aus hervorragenden Sängerinnen und Sängern (Jo Stafford!!), die zum Teil auch Solokarrieren machten. Da bin ich ganz Marcus' Meinung, sie runden den Sound nicht nur ab, sondern machen viele der Aufnahmen erst ausgewogen und zu den Meisterstückchen, die sie sind.
An den Aufnahmen und Mitschnitten mit Dorsey gefallen mir auch die vielen schönen Instrumentalsoli - es war die "Hohe Zeit" des Big Band Swing, und viele exzellente Solisten sind zu hören. Bei den Arrangements muß man sich immer klarmachen, daß Tommy Dorsey in erster Linie eine *Tanzkapelle* war, die Nummern sollten tanzbar sein (und waren es auch). Solche Bands gab es damals wie Sand am Meer - Dorsey erhob sich über den Durchschnitt durch exquisite Besetzung, hochklassige Charts (Sy Oliver!) und eben, sein Glück, 1940-42 durch einen wirklich herausragenden Sänger (Sinatra).
Zu Night and Day von 1942:
***Es handelte sich um ein Wiederkennenlernen, denn die CDs der Dorsey-Box werden bei mir nicht wirklich häufig gespielt. Zu sehr habe ich Vorbehalte gegen die Songs, die er mit Dorsey aufgenommen hat. ***
"Night and Day" von 1942 ist ja nicht zusammen mit Dorsey aufgenommen .
Bis letztes Jahr war diese Aufnahme mein Favorit - jetzt ist es die Filmversion, die einige Monate später entstand (#2). Obwohl die Aufnahme von "Sinatra & Strings" fast genauso wunderbar ist, hör ich die zwanzig Jahre ältere noch lieber. Oder am liebsten beide hintereinander . Die beiden Columbia-Aufnahmen von 1947 fallen demgegenüber etwas ab - auf höchstem Niveau aber immer noch.
Das Gitarrenduett mit Al Viola von der 1962er Tour (die Fassung aus London finde ich noch etwas besser als die aus Paris) ist aber vielleicht die begeisterndste. Hätte FS bloß mal ein ganzes Album in diesem Stil gemacht, so wie es z.B. Sammy Davis getan hat (Sammy Davis sings - Laurindo Almeida Plays, Reprise, nur Gesang & Gitarre).
Andreas Kroniger:
Die Disco-Version ist gar nicht mal so schlecht, wie die Studio-Aufnahme zu sein scheint. Der doppelte Hall auf Sinatra´s Stimme: grauselig! Die Live-Versionen sind viel besser. Eh besser, aber auch hier Live besser als Studio: "All or nothing at all". Sinatra goes Disco - ich gehe mit!
Ansonsten gefallen mir die Aufnahmen mit kleiner Besetzung am besten. Die 62er-Tour ist einfach nur genial und London das allerbeste!
Mit den gaaaaanz alten Aufnahmen kann ich mich nicht richtig anfreunden. "Vor 60 Jahren" vielleicht - heute nicht .
An "„Movin’With Nancy“ (NBC TV/Royal Crown Cola) vom 11.12.1967" kann ich mich nicht erinnern. Da war ich zwar schon 10 Tage auf der Welt, aber soweit ich mich erinnern kann gibt es nur einen Sinatra-Song in diesem TV-Special: "Younger than springtime". Muß ich die Kassette noch einmal einlegen?
"Night and Day" ist ein klassischer Sinatra-Song stimmlich für ca. 1955 - 1965. Die Disco-Version war überraschend und warum auch nicht - Live gefällt er mir besser.
