Street of Dreams
Infos
Samuel M. Lewis und Victor Young komponierten 1932 den Song „Street Of Dreams“, der gesungen von Russ Colombo alsbald zum Hit avancierte und seitdem zu den Swingklassikern gehört – und über ein halbes Jahrhundert lang begleitete er auch Frank Sinatra, 52 Jahre liegen zwischen seiner ersten und seiner letzten Version dieses Liedes!
Im Mai 1942 nahm das Orchester von Tommy Dorsey den damals bereits zum Ohrwurm geratenen Song für RCA Victor auf, mit Gesang von seinem Leadsänger Frank Sinatra und dem Vokalquartett „The Pied Pipers“, das auf zahlreichen Aufnahmen dieser Jahre gemeinsam mit Frank zu hören ist. Die Aufnahme wurde als Single veröffentlicht und erreichte auch einen Platz unter den „Top 20“ (=Version 1 in der Diskographie unten).
Zählt man Sinatras Fernsehshow vom 24.1.1958 nicht mit, als er gemeinsam mit der ehemaligen „Pied Pipress“ Jo Stafford einen Dorsey-Medley vortrug, der von ein paar Takten dieses Stücks eröffnet wurde, verging dann ein knappes Vierteljahrhundert, bis Sinatra sich der Nummer wieder annahm.
Im Juli 1965 trat Sinatra zusammen mit der Count Basie Band beim legendären „Newport Jazz Festival“ auf (ein damals keineswegs unumstrittener Auftritt, der bei vielen Jazzpuristen auf Kritik stieß), und aus diesem Anlaß schrieben Quincy Jones und Billy Byers ein Dutzend neuer Arrangements für Frank, darunter auch eins für „Street Of Dreams“. Diesen Chart behielt Sinatra dann bei seinen folgenden Konzerten mit Basie im Programm, und so ist er auch auf dem Live-Album „Sinatra At The Sands“ zu hören, aufgenommen im Januar 1966. (=Version 2).
In zwei seiner Fernsehspecials kam Sinatra auf den Song zurück, einmal in „Sinatra“ (1969), und einmal in „Ol’Blue Eyes Is Back“ (1973). In beiden Fällen leitete hier Don Costa das Orchester, beide Specials sind auf Video und jetzt auch auf DVD erschienen. (=Versionen 3 und 4).
Als Sinatra im Juli 1979 mit seinen Plattenaufnahmen für „Trilogy“ begann, war „Street Of Dreams“ das allererste Lied, das aufgenommen wurde. Billy May hatte dazu ein neues Arrangement geschrieben. Sinatra war aber mit der ersten Aufnahme unzufrieden und nahm das Lied im September 1979 erneut auf (in langsamerem Tempo), diese Fassung erschien dann auf dem Reprise-Album. (=Versionen 5 und 6).
Sinatra sang das Stück von nun an auch mehrfach in seinen Konzerten (z.B. in Ägypten 1979), bis in die frühen Achtziger Jahre hinein und dann wieder in den frühen Neunziger Jahren, z.B. auch zweimal bei seinen Konzerten in Deutschland (in Hamburg und in Stuttgart). Als Sinatra im Juli 1993 mit den Studioaufnahmen für „Duets“ begann, gehörte auch „Street Of Dreams“ zum Kanon der geprobten Songs, doch zu einer neuen Studioaufnahme kam es nicht mehr. Zum letzten Mal sang Sinatra das Stück im Sommer 1994 in der philippinischen Hauptstadt Manila; von den Konzerten wurde ein Fernsehspecial produziert, das aber bis heute nicht gesendet worden ist.
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie
(1) RCA VICTOR-STUDIOAUFNAHME vom 18.5.1942
aufgenommen in New York City, RCA Studio 2 (take 1)
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester Tommy Dorsey und „The Pied Pipers“ (= Jo Stafford, Clark Yocum, Chuck Lowry, John Huddleston)
CD: The Song Is You (Complete Dorsey-Sinatra Sessions, CD 4)
(2) LIVE Las Vegas, The Sands Hotel, Copa Room, 27.1.1966
Arrangement: Billy Byers
Orchester Count Basie geleitet von Quincy Jones
Album (LP/CD): Sinatra At The Sands (Reprise)
(3) „Sinatra“ (CBS TV/Budweiser) vom 5.11.1969
aufgenommen im Herbst 1969
Arrangement: Billy Byers
Orchester Don Costa
Auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(4) „Ol’Blue Eyes is Back“ (CBS TV/Magnavox) vom 18.11.1973
aufgenommen am 20.9.1973
Arrangement: Don Costa
Orchester Don Costa
Auf Video, Laserdisc und DVD erschienen
(5) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 16.7.1979
aufgenommen in Hollywood, Western Recorders
Arrangement: Billy May
Orchester Billy May
offiziell unveröffentlicht / CD: The Unissued Sinatra (Tyrecords TD-100)
(6) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 18.9.1979
aufgenommen in Hollywood, Western Recorders
Arrangement: Billy May
Orchester Billy May
Album (LP/CD): Trilogy – The Past
(*) LIVE Manila, Folk Art Theatre, 28.6.1994
Fernsehspecial „Sinatra In Manila“ (fertig produziert aber nie gesendet)
Arrangement: Billy Byers
Orchester Frank Sinatra jr.
Übersetzung
Straße der Träume
Street Of Dreams
Die Liebe lacht über Könige, Könige bedeuten nichts auf der Straße der Träume
Entzwei gebrochene Träume können wie neu werden auf der Straße der Träume
Gold, Silber und Gold
Alles, was du festhalten kannst, ist dort oben auf einem Mondstrahl
Dort gibt es keine Armen
Solange die Liebe auf der Straße der Träume sicher ist
Übersetzung: Andreas Bergmann
für Frank Sinatra - The Main Event
http://www.the-main-event.de
Stimmen zum Song:
Andreas Kroniger:
Es gibt von "Street von Dreams" nur eine Version, die sich von den anderen meilenweit absetzt und das ist die Version aus dem Konzert "Carnegie Hall 1980" vom 25.06.1980. Keine andere Version hat mehr "Schmiß", mehr Tempo und macht mehr aus diesem Song, als diese Version. Sinatras Mimik ist einfach nur genial bei diesem Konzert - wird Zeit, dass es offiziell rauskommt.
Hingegen würde ich keiner der Studioaufnahmen den Vorzug geben. Beeindruckend lediglich, wie Bernhard schon schrieb, das 52 Jahre (!) zwischen der ersten und letzten Version liegen. Beeindruckend aber auch das neue Arrangement von Billy May von der 79er Version und das Sinatra den Song bis ins hohe Alter brachte (u.a. auch auf der Deutschland-Tour 1993).
Holger Schnabl:
Fraglos handelt es sich bei „Street Of Dreams“ um einen recht guten Vertreter der Kategorie „Rhythm Tunes“ - allerdings auch nicht mehr und nicht weniger. Es gibt hier weder viel zu kritisieren noch viel zu loben.
Ich für meinen Teil kann nicht behaupten, dass mich irgendeine der fünf mir bekannten Versionen nachhaltig beeindrucken würde, weder die frühe Version mit Tommy Dorsey, bei welcher sowohl Sinatra als auch Dorsey für meinen Geschmack etwas zu kurz kommen (im wesentlichen handelt es sich hier um eine Chor-Gesangsnummer), noch die Trilogy-Version, die allerdings zumindest ein gutes Arrangement besitzt und Sinatra in für sein Alter erstaunlicher Form zeigt. Der Instrumental-Teil am Ende der Trilogy-Version zeigt eindrucksvoll die Fähigkeiten von Billy May, aber leider, leider endet der Song hier ohne wirklichen Schlußpunkt in einem Fade-Out. Für dieses Fade-Out müssen schon ein paar Punkte abgezogen werden, eine andere Lösung des Schlusses wäre hier sicher wirkungsvoller gewesen.
Bei der Live-Version aus dem Sands ist es vor allem die Basie-Band, die den Song hörenswert macht – Sinatra selbst könnte stimmlich jedenfalls besser sein, bei mindestens zwei Gelegenheiten bricht seine Stimme leider ganz deutlich.
Da ich nach Anhören der CD-Versionen also keine wirklichen Höhepunkte orten konnte, kramte ich auch die so gut wie nie gebrauchten Videos „Sinatra 1969“ und „Ol´ Blue Eyes Is Back“ hervor. Auch hier regiert der Durchschnitt – ich würde hier die 69er-Fassung als die erquicklichere bezeichnen, Sinatra ist stimmlich in besserer Verfassung als beim Sands-Konzert 1966, zudem gibt es ein kleines, aber feines Saxofon-Solo zu hören, welches leider in der 73er-Fassung nicht enthalten ist. Die 73er-Fassung zeigt uns einen körperlich inzwischen etwas stämmiger gewordenen Sinatra mit einer Stimme, die merklich dunkler geworden ist und an Elastizität deutlich eingebüßt hat.
Welche Version mir nun wirklich am besten gefällt, ist schwer zu sagen, da ich sie allesamt eher als Durchschnitt bezeichnen möchte. Nach etlicher Überlegung bleibt schließlich die Wahl zwischen der 69er-TV-Version und der 79er-Trilogy-Fassung. Hier hat wohl die Trilogy-Aufnahme dank des Arrangements die Nase vorn.
Ein Satz noch zum fertig produzierten, unveröffentlichten Manila-Konzert 1994: Ich stelle mir hier vor, dass es nicht gezeigt wurde, weil es letzlich vielleicht wieder einmal an monetären Forderungen lag, die der Sender nicht erfüllen wollte oder konnte oder – auch dies halte ich für sehr, sehr wahrscheinlich – weil Sinatra bei diesem Konzert in einem ausgesprochen wenig erfreulichen Zustand war. Oder aber man wollte sich die Aufnahme in Reserve halten, um hier ein paar Textschnippsel für das Duets 2-Projekt zu verwerten – vieles ist möglich.
Tim Bialek:
Um ehrlich zu sein, habe ich dem Song nie so viel abgewinnen können. Die Dorsey-Version hat ohne Zweifel ihren Charme, wenn auch Sinatra dort sicher nur "einer von vielen" ist.
Eher langweilig ist die Byers-Version, währenmd ich Mays Chart noch als den besten bezeichnen möchte. Das Arrangement spornt Sinatra deutlich zu mehr Esprit und Tempo an. Hervorragend und noch besser als auf dem Album ist die von Andreas Kroniger zurecht erwähnte Performance in der Carnegie Hall.
Bernhard Vogel:
Ich mag die Dorsey-Aufnahme sehr, weil das Arrangement so ganz in der Tradition der "gesungenen Tanzlieder" steht, aus der das Stück selber ja, wie eingangs geschildert, erwachsen war. Billy Mays Chart für "Trilogy" 1979 ist gut, aber wie Holger schon schrieb, da fehlt ein "richtiges" Ende, ein Schlußpunkt, der Fade-Out ist irgendwie schwach geraten.
Mein Favorit ist das Arrangement von Billy Byers , das Sinatra zuerst 1965/66 mit der Basie-Band vortrug, dann wieder 1969 in der TV-Show, und später live in den 80ern und 90ern. Byers ermöglichte Sinatra auch einen schönen Schluß mit "on the street of dreeeeeeeeeeeams", und vorher hat sein Arrangement auch Raum für ein schönes, wenn auch kurzes, Saxophon-Solo, wie auf der 1969er TV-Fassung zu hören und später bei vielen Konzerten stets genutzt. Billy Mays Chart hat leider keinen Raum für das Solo, deswegen finde ich auch Sinatras - großartig gesungene - Version von Carnegie Hall nicht so gelungen wie die Byers-Fassung, das Solo ist der gewisse Pep, der dem May-Chart fehlt, der Sinatra einfach die Strophen wiederholen läßt.
Im Ohr geblieben ist mir dieses Lied aber vor allem, seit ich es 1993 in Stuttgart live hörte, Sinatra sang den Billy-Byers-Chart und er sang ihn großartig, und das Saxophonsolo war es auch....
Also meine Wahl ist Version (3), die TV-Fassung von 1969.
