Thanks For The Memory
Infos
über ein halbes Jahrhundert lang war „Thanks For The Memory“ die „Erkennungsmelodie“ des in diesen Tagen hundertjährig verstorbenen Entertainers Bob Hope (http://www.bobhope.com), gesungen unzählige Male am Ende seiner Radio- und Fernsehshows oder Bühnenprogramme.
Ralph Rainger (1900-1942) und Leo Robin (1895-1984) hatten das Lied 1938 für Hope geschrieben, für seinen Vaudeville-Musikfilm „Big Broadcast Of 1938“, in dem Hope es gemeinsam mit Shirley Ross als Duett sang. Der Song wurde zu einem der erfolgreichsten Hits aller Zeiten und gewann im selben Jahr auch den ‚Oscar‘ als bestes Filmlied. Seinem Erfolg entsprechend wurde er von zahllosen Künstlern gecovert.
Obwohl auch Bob Hope selbst den Text im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder leicht variiert hatte, wurde der Song dann 1981 noch einmal ganz neu gedichtet, und zwar speziell für Frank Sinatra und sein Reprise-LP-Projekt „She Shot Me Down“.
Der ursprüngliche Songwriter selbst, Leo Robin, inzwischen fast 86 Jahre alt, schrieb für The Voice einen neuen Text, der aus dem populären Lied einen Saloon-Song erster Güte machte und ihn so in das Thema des Albums einfügte.
Wenige Wochen nach der Reprise-Aufnahme für das Album (=#1) nahm Sinatra das Lied nochmals im Studio auf, für sein NBC-Special „The Man and His Music“ (=2). Bis zum Frühjahr 1982 behielt er das Lied mit dem neuen Text auch in seinen Konzertprogrammen.
In diesem Falle sind beide Texte, der originale von 1938 – gibt es noch einen anderen Song im Great American Songbook, in dem „Pilsner“ Bier vorkommt? – und der neue für Sinatra von 1981, wiedergegeben.
Infos: Bernhard Vogel
Discographie:
(1) REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 20.7.1981
aufgenommen in New York City, Columbia Studios
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
Album/CD: She Shot Me Down
(2) NBC-STUDIOAUFNAHME vom 29.10.1981
„The Man and His Music“ TV Special (NBC), gesendet am 22.11.1981
aufgenommen in Burbank/CA, Warner Studios
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins
Video/Laserdisc/DVD
Übersetzung
Thanks for he memory
Danke für die Erinnerungen an Dinge, die ich nicht vergessen kann,
Reisen im Düsenflugzeug, unsere wunderbare Woche auf Martinique,
Und Vegas und Roulette: Wie glücklich war ich doch!
Und Dank dir für die Erinnerung an Sommer an der See,
Sonnenaufgänge in Waikiki; Wir hatten ein Zimmer in London,
Aber wir haben dort nicht zum Teetrinken Station gemacht: Wie gemütlich war das doch!
Doch jetzt nach unserem Zerwürfnis wache ich auf,
Allein an einem grauen Morgen danach;
Jetzt sehne ich mich nach dem Klang deines Lachens
Und ich muß erkennen, daß das Lachen auf meine Kosten geht…
Aber ich danke dir für alle Berührungen und reizvollen Empfindungen;
Ich habe viel durchgemacht, viel erlebt und dazugelernt:
Du hast mich nicht geliebt – und doch vermisse ich dich so sehr.
Ich danke dir für die Erinnerung daran, wie wir gemeinsam umhergezogen sind,
Sogar noch im Nebel, das Barbecue in Malibu,
Wenn wir uns auch von all dem Rauch abseits hielten – und wie das regnete!
Ich bin dir dankbar für Briefe, auch wenn ich die inzwischen weggeworfen habe,
Bücher, an denen wir uns gemeinsam erfreut haben: Wie es aber heute aussieht,
Brauche ich eher ein Buch von Sigmund Freud: Wie klug der doch war…
Vorüber sind jene Abende am Broadway;
Da pflegten wir gemeinsam eine große Show zu besuchen,
Doch jetzt fange ich mit der Spätvorstellung an
Und wünschte mir so, daß auch du dabeiwärst.
Ich weiß, es ist ein Trugschluß anzunehmen, daß erwachsene Männer niemals weinen;
Baby, das ist schlicht eine Unwahrheit! Wir waren wie auf Rosen gebettet,
Vergaßen aber, daß auch Rosen vergehen können. Und ich danke dir so sehr.
© Uwe Domnick für Sinatra – The Main Event, 2009
Marcus Prost:
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Das Lied ist große Klasse. Sinatras Fassungen (diesmal von überschaubarer Anzahl) sind genial. "Heitersentimental" ist wohl die beste Umschreibung für diese Liedergattung....und Sinatra verstand es, aus ihr das Beste herauszuholen. In den letzten Tagen hat man im Radio häufiger die Hope-Fassung hören können; perfektioniert hat sie aber Frank Sinatra. Hope war ein guter Komiker, aber emotional ansprechende Musik sollte man doch Profisängern überlassen. Hope war klasse, Frank war perfekt.
Holger Schnabl:
Dieser von Sinatra anno 1981 unternommene Ausflug ins Rezitations-Fach kann wohl nur von eingeschworenen Anhängern, welche jegliche Kritikfähigkeit längst über Bord geworfen haben, als gesungen bezeichnet werden. Die Ohren aller anderen Hörer werden hier eher von sich immer mehr steigerndem, äußerst peinlichem Unwohlsein geplagt, welches im Verlauf des Stückes – ich weigere mich kategorisch hier den Begriff „Song“ anzuwenden - nach und nach den gesamten Körper des Rezipienten zu erfassen droht – doch gottlob, die letzten Akkorde verklingen, die Tortur ist nach knapp viereinhalb Minuten zu Ende, die körpereigenen Heilmechanismen setzen ein, beginnen zu greifen, das überbeanspruchte Ohr beginnt sich zu erholen.
Der Herr prüft die Seinen, so sagt man – je nun, Sinatra tat es ihm in den letzten drei Jahrzehnten seiner Karriere bisweilen gleich und auferlegte seinen Fans manch schwer zu tragende Bürde. „Thanks For The Memory“ hätte auf jedem Balladen-Album der 50er und 60er Jahre eine ganz gute Figur gemacht, wenngleich festzuhalten ist, dass der Song an sich bloß Konfektionsware ist.
Damals aber hätte Sinatra – gleich einem guten Schneider, der auch aus einem zweit- oder drittklassigen Stoff einen gut sitzenden Anzug zu fertigen vermag, gleich einem Haubenkoch, der auch aus den unscheinbarsten, dürftigsten Gemüsen noch ein leckeres Süppchen zu sieden im Stande ist – damals also hätte Sinatra aus „Thanks For The Memory“ sicherlich wenn schon kein Meisterwerk, so doch ein schönes Stück Qualitätsarbeit gemacht und so die in ihn gesetzten Erwartungen einmal mehr erfüllt, wie es sich für einen Künstler seines Ranges geziemt.
Je, nun in den glorreichen Capitol- und Früh-Reprise-Jahren hat Sinatra dank seiner noch intakten Stimme und dank seines sicheren musikalischen Gespürs so manch Aschenbrödel von einem Song in ein strahlendes Schneewittchen, so manche Pechmarie in eine Goldmarie verwandelt. Wie weit, wie unsagbar weit entfernt von dieser zaubrischen Fähigkeit tritt uns der gealterte Sinatra der beginnenden 80er Jahre entgegen!
Da hilft es nichts, dass man der Aufnahme so starken Hall unterlegte, dass man meint, Sinatra hätte mitsamt seinem Mikrofon und seiner stellenweise schon schmerzhaft knarrenden Stimme in einer überdimensionalen Blechtonne gestanden – unüberhörbar sind die stimmlichen Mängel in jeder Zeile des Songs. Dies im Verein mit dem ausgesprochen langweiligen, fast lähmenden Arrangement (offenbar hatte auch Gordon Jenkins bei der Ausarbeitung dieses Arrangements einen schlechten Tag) macht die Nummer denn auch letztlich gänzlich unbekömmlich. Der in die Jahre gekommene Sänger wirkt in der Tat ausgesprochen ermattet, ja er schleppt seinen Text wie einen alten, verschlissenen Wisch-Mop hinter sich her, um einen bildhaften Vergleich zu bringen, der mehr erklärt als viele Worte.
Je nun, ich für meine Person muss also gestehen, von diesem Spaeth-Werk nicht allzu angetan zu sein. Tatsächlich, nach diesem doch sehr, sehr zweifelhaften Genuß verspüre ich ein deutliches Verlangen nach den neun A-Cappella-Aufnahmen des Jahres 1943, passend abgerundet vielleicht noch mit „Shine“ aus dem Jahre 1935, letzteres eine leider viel zu wenig gewürdigte Nummer, welche aber stets aufs Neue hörenswert ist.
Alfred Terschak:
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Heitersentimental ist ein schöner Ausdruck für diese Stimmung, die wohl keiner besser rüberbringt als Frank, selbst wenn es andernorts viele schöne Beispiele gibt. Und wie hier schon gesagt, auch der ältere Frank hatte schon noch was beizutragen. Ich find ja die ganze LP großartige, auch wenn sie manchen menschen ein wenig zu unheiter ist. Ein Freund von mir, an sich Musikfreund aber kein Sinatra-Fan hatte sie einmal bei einer Autofahrt geniessen dürfen. Künstlerisch war er von der LP She Shot Me Down beeindruckt, er meine aber es sei Musik für Selbstmörder, oder solche, die es noch werden wollen.
Thanks For The Memory hat aber genau dieses Quentchen Optimismus, das die melancholie quasi aufreißt, dieses "es geht wieder bergauf", das den Song für mich wieder zu einem optimistischen Song macht. Auf alle Fälle ists ein Meisterwerk von Frank.
Andreas Kroniger:
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Das ganze Album ist ein Widerspruch in sich und aus diesem Grunde habe ich es auch zum aktuellen Monatstopic gewählt. Tolle Songs, die "verhauen sind", grauenhafte Songs und eben auch geniale Songs, aber dazu mehr im anderen Thread.
Zitat:
Da hilft es nichts, dass man der Aufnahme so starken Hall unterlegte, dass man meint, Sinatra hätte mitsamt seinem Mikrofon und seiner stellenweise schon schmerzhaft knarrenden Stimme in einer überdimensionalen Blechtonne gestanden – unüberhörbar sind die stimmlichen Mängel in jeder Zeile des Songs.
Zum Schluss wird Sinatra noch einmal besser, aber Holger hat ansonsten vollkommen recht. Ist dieser Hall nicht grauenhaft? Das Thema hatten wir ja schon einmal - leider ohne Ergebnis.
Zitat:
Dies im Verein mit dem ausgesprochen langweiligen, fast lähmenden Arrangement (offenbar hatte auch Gordon Jenkins bei der Ausarbeitung dieses Arrangements einen schlechten Tag) macht die Nummer denn auch letztlich gänzlich unbekömmlich.
Auch diesen Satz von Holger kann ich nur unterstreichen! Die überladenen, langweiligen Arrangement, wie in schlimmsten Capitolzeiten, in Verbindung mit einer tragenden Sinatrastimme der 50er oder 60er, das wäre vielleicht noch was, aber Sinatra geht in diesem leiernden lahmen Arrangement völlig unter. Man hat das Gefühl, dass Sinatra und Jenkins hier aneinander "vorbeigearbeitet" haben.
Auch ein Meisterwerk von Frank kann ich - im Gegensatz zu Alfred - überhaupt nicht erkennen.
Das positivste zum Song ist lediglich, dass er nicht der schlechteste auf dem Album ist.
Michael Dörffler:
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Ich bin ja bestimmt kein "Saloon-Banause" kann mich der Kritik aber größtenteils anschließen. Sicherlich ist der Song ja ganz schön, aber leider auch nicht mehr. Saloon Atmospähre will bei mir jedenfalls leider nicht aufkommen.
Nicht nur das Arrangement, sondern das Lied an sich scheint mir etwas langweilig zu sein. Also ein Sinatra Meisterwerk ist dieser Song meiner Meinung nach jedenfalls nicht.
Tim Bialek:
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Natürlich klingt die Stimme knarzig und natürlich trifft er nicht mehr jeden Ton ganz exakt - aber bitte, der Mann ist mittlerweile 65... Wer Musik anscheinend überwiegend technisch-puristisch betrachtet, der muss dies sicherlich kritisieren. Und wer darüberhinaus auch noch Äpfel mit Birnen vergleicht und den Saloon-Sinatra von 81 dem der 50er Jahre gegenüberstellt - der wird noch viel mehr zu krtisieren haben. Aber ist so ein Vergleich zulässig? Ich meine nein.
Für einen Mitsechziger ist das rein musikalisch passabel und für die Darstllung eines Saloon-Songs wie "Thanks For The Memory" sogar phänomenal. Das Lied finde ich nämlich toll interpretiert. Ich kann vor meinem geistigen Auge den gealterten Sinatra sehen, der, während er das Lied wiedergibt und seinen Erinnerungen nachhängt, in sich gekehrt seinem Zigarettenrauch hinterhersieht und in sein Whiskyglas schaut. Das Arrangement strahlt dazu den richtigen Grad an Melancholie aus und der Sänger muss in diesem Fall sogar müde klingen und er sollte auch nicht jeden Ton supergenau ausbalancieren. Das wäre gaeradezu widersprüchlich im Hinblick auf den gezeichneten Charakter.





