The World We Knew (Over And Over)
Text & Musik
Musik von Bert Kaempfert & Herbert Rehbein, englischer Text von Carl Sigman (1967)
Infos
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Nachdem Frank und Nancy Sinatras Duett-Single „Something Stupid“ im Frühjahr 1967 die Spitzen der Charts erobert hatte, machte FS sich daran, für Reprise um diese Aufnahme herum ein neues Album im ‚contemporary sound‘ aufzunehmen, produziert von Jimmy Bowen.
Eines der Lieder, die er dafür aussuchte, war „The World We Knew“, eine Melodie aus der deutschen Feder von Bert Kaempfert (1923-1980, „Strangers In The Night“) und Herbert Rehbein, zu der ihm Carl Sigman (1909-2000, „Ebb Tide“) einen englischen Text geschrieben hatte – und das Stück sollte dann der Titelsong des neuen Albums werden.
Die Aufnahmesession, die in der Nacht vom 29. zum 30.6.1967 in den neuen A&R-Studios in New York City stattfand, sorgte für einiges Aufsehen in der Stadt, denn es war (von einer kleinen Ausnahme 1963 abgesehen) Sinatras erste Studio-Session im „Big Apple“ seit fast fünfzehn Jahren, seit seiner letzten Studio-Aufnahme für Columbia im September 1952. Der Andrang war aber auch bezogen auf die Teilnehmer riesig, denn im Studio, das Toningenieur Phil Ramone (der übrigens 1993/1994 auch für die „Duets“-Projekte verantwortlich zeichnete) mit der neuesten Kamera-Elektronik zur besseren Verständigung ausgestattet hatte, versammelte sich spätabends ein 60(!)köpfiges Orchester plus ein gutes Dutzend Begleitsänger. Sinatra selbst erschien erst kurz vor Mitternacht, und die Aufnahmen (insgesamt drei Lieder standen auf dem Programm) zogen sich bis in die frühen Morgenstunden hin.
Das Arrangement für „The World We Knew“ stammte von Ernie Freeman, während die Orchesterleitung in den Händen von Billy Strange lag. Als Sinatras Aufnahme nach dem sechsten Intercut zum fünften Take im Kasten war, ließ Strange noch in derselben Nacht Teile der Rhythmusgruppe in derselben Besetzung neu einspielen. Anschließend wurde das Masterband nach Hollywood verfrachtet, wo am 1.7.1967 wiederum unter Stranges Leitung eine erneute instrumentale Nachbearbeitung stattfand (Details siehe unten). Bei dieser Gelegenheit erst wurde auch das „fuzz bass“-Solo von Carol Kaye aufgenommen, das vor allem die Eingangstakte der veröffentlichten Fassung prägt.
Darüber, ob sich dieser ganze technische Aufwand gelohnt hat, gehen die Meinungen oft auseinander – manchen gefällt gerade dieser ‚zeitgenössische Einschlag‘ in Sinatras Repertoire, andere wieder halten Aufnahmen wie diese für reine Zeitverschwendung.
Die Single selbst, die Ende Juli 1967 herauskam, schlug sich in den Charts mit sieben Wochen Laufzeit und Platz 30 eher mäßig (aber auch nicht schlecht), während das gleichnamige Album, das von der Popularität von „Something Stupid“ profitieren konnte, es auf 24 Wochen und Platz 23 brachte. Im Jahr darauf erschien „The World We Knew“ nochmals als Single, als Rückseite der zweiten Single-Ausgabe von „Something Stupid“, und dann auch auf der Reprise-LP „Greatest Hits“.
© Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event 2005
PS: Ausführlicheres zur New Yorker Session gibt’s in Chuck Granatas Buch (Charles L. Granata: „Sessions with Sinatra. Frank Sinatra and the Art of Recording“, 1999) auf S. 186ff. nachzulesen.
Übersetzung
Wieder und Wieder
Wieder und wieder gehe ich in Gedanken
die Welt durch, die wir kannten,
damals, als Du an meiner Seite gingst.
Jene unvorstellbare, jene unglaubliche
Welt, die wir kannten,
als wir beide ein Liebespaar waren.
Und jede grelle Neonreklame verwandelte sich in Sterne,
und es war so, als ob Sonne und Mond uns gehörten.
Jeder Weg, den wir nahmen, verwandelte sich in Gold,
aber den Traum festzuhalten, war zuviel für Dich.
Nun gehe ich wieder und wieder in Gedanken
die Welt durch, die wir kannten,
damals, als Du an meiner Seite gingst.
Wieder und wieder gehe ich in Gedanken
die Welt durch, die wir kannten.
© Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event 2005
Diskographie:
REPRISE-Studioaufnahme vom 29./30.6.1967
aufgenommen nachts in New York City, A&R Studios (take 5-intercut 6)
Arrangement: Ernie Freeman
Orchester geleitet von Billy Strange:
Mel Davis, Ernie Royal, Clark Terry, Bernie Glow, Markie Markowitz (Trumpete); Buddy Morrow, Wayne Andre, Bob Alexander (Posaune); Paul Felise (Baßposaune); Richard Berg, Ray Alonge, Brooks Tillotson (Horn); Romeo Penque, George Berg, Ted Gompers, Vincent Abato, Harvey Estrin, Phil Bodner, Ray Beckenstein (Saxophon, Holzbläser); David Nadien, Gene Orloff, Sylvan Shulman, Mac Ceppos, Mannie Green, Tosha Samaroff, Raoul Poliakin, Leo Kruczek, Julius Schachter, Julius Brand, Joe Malin, Paul Winter, Max Hollander, Charles Libove, Fred Buldrini, Aaron Rosand (Violine); Sidney Brecher, Arnold Magnes, George Brown, Harold Coletta, Alfred Brown, Harold Furmansky (Bratsche); Maurice Bialkin, Maurice Brown, Alan Shulman, Charles McCracken, Peter Makas Jr., Joseph Tekula (Cello); Margaret Ross (Harfe); Stan Freeman, Moe Wechsler (Klavier); Eric Gale, Al Caiola, Bucky Pizzarelli, Carl Lynch, Toots Thielemans (Gitarre); Milt Hinton (Baß); Gary Chester (Schlagzeug); George Devens, Bobby Rosengarden, Phil Kraus (Percussion); Begleitchor [Namen nicht dokumentiert]
Instrumentale Nachbearbeitung vom 1.7.1967
aufgenommen in Hollywood
Orchester geleitet von Billy Strange:
Dick Hyde, Lew McCreary (Posaune); Don Randi (Klavier), Donnie Lanier, Dennis Budimir, Bobby Gibbons, Louis Morell (Gitarre); Lawrence Knechtel, Chuck Berghofer, Carol Kaye (Baß); Hal Blaine (Schlagzeug); Milt Holland, Gary Coleman (Percussion)
Erstveröffentlichung/Single: The World We Knew/You Are There (45rpm, Reprise) Juli 1967
Album/LP/CD: The World We Knew (Reprise) zuerst August 1967
Single: Something Stupid/The World We Knew (45rpm, Reprise) 1968
LP/CD: Greatest Hits (Reprise) zuerst August 1968
CD: The Complete Reprise Studio Recordings (20-CD-Box, Reprise) CD 11
Stimmen zum Song:
Andreas Bergmann:
Ich persönlich mag "The World We Knew" sehr gerne und werde jedes Mal, wenn ich den Song höre, unweigerlich an frühe James Bond - Melodien erinnert.
Obwohl der Song selbstverständlich zeitgenössisches Material aus den Sechzigern ist und wohl vor allem auf Chart-Erfolg abzielte, hat er dennoch eine recht komplizierte und ungewöhnliche Melodie, die Frank perfekt meisterte. Ich finde den leicht düsteren Sound und die "coole" Atmosphäre des Stückes jedenfalls klasse...
Holger Schnabl:
Nun also, was gibt es zu sagen über den Song „The World We Knew“? Nichts allzu Gutes von meiner Seite, was allemal niemand verwundern dürfte, der meine nicht eben wohlwollende Meinung zu dem Album, auf dem dieser Song enthalten ist, kennt. Wer wie ich die Glanzzeit von Sinatras Schaffen in die Jahre 1945-65 verlegt wissen möchte, kann sich naturgemäß mit dem Wenigsten, was Sinatra später eingespielt hat, befreunden. „The World We Knew“ ist, abgesehen von Sinatras leider betrüblicher stimmlicher Verfassung ein ziemlich fades, zäh dahinfließendes, bombastisch aufgemotztes Allerwelts-Liedchen mit einem simplen, auf Kommerz getrimmten breiigen Arrangement, das in den Gehörgängen des Hörers keine bleibenden Spuren hinterlässt. Trivial, anspruchslos, ohne Finesse und auf die Charts schielend, lautet daher mein Gesamturteil. Dabei würde ich das Lied noch nicht einmal in meine persönliche Crap-Liste der Reprise-Phase einordnen, es gibt sogar noch wesentlich schlechtere Songs, und zwar zuhauf, wie etwa „Downtown“, „Going Out Of My Head“ und amdere akustische Kapitalverbrechen, angesichts derer ich nicht umhinkann, die Hände in hilfloser und berechtigter Verzweiflung über dem Kopf zusammenzuschlagen. Eigentlich entwürdigend für Sinatra, dass er - als Mann in immerhin schon mittleren Jahren – allzu dürftige Tages-Schlager wie „Don´t Sleep In The Subway“ und andere nachgeträllert hat, um am Erfolg dieser Songs mitzunaschen. In den späten 60er-Jahren hat sich Sinatra ja recht häufig im Pop-Gefilde versucht, zumeist mit sehr, sehr mäßigem Ergebnis, wie uns allen bekannt ist. Diese Kommerzialisierung ist umso betrüblicher, als es eine riesige Anzahl von Songs des Great American Songbook gegeben hätte, derer sich Sinatra noch nicht angenommen hatte und die seine Aufmerksamkeit weitaus eher verdient hätten, als dürftiges Songmaterial vom Schlage „The World We Knew“. Wenn man sich anschaut, wie viele großartige Songbook-Lieder Sinatra in diesen Jahren zugunsten von trivialem Kommerzmaterial ausgelassen hat, wird einem schwarz vor Augen...
Mein Fazit in wenigen Worten lautet: „The World We Knew“ ist ein schlechter Song auf einem schlechten Album.
Gottlob hat Sinatra diese Scharte im darauffolgenden Jahr mit dem superben Album „Francis A. & Edward K.“, entstanden in Kooperation mit Duke Ellington, mehr als ausgewetzt. Die Zusammenarbeit mit Ellington ist – für mich zumindest - viel, viel besser geglückt, als alle Alben, die Sinatra mit Count Basie aufgenommen hat. Dies sei hier nur am Rande erwähnt und gebührend in Erinnerung gerufen.
Andreas Kroniger:
Der Song, mit Musik von Bert Kaempfert, Herbert Rehbein und Text von Carl Sigman, wurde am 29.06.1967 aufgezeichnet und liegt in der Aufnahmesession direkt nach den Sessions zu "Sinatra & Jobim". So gesehen konnte es ja nur besser werden .
Ebenso wie das ganze - gleichnamige Album - ist dieser Song eine Art "Pop-Music"-Sinatra und hätte auch von Tochter Nancy gesungen werden können. Ein etwas penetranter Hintergrundchor, der jedoch dem Song mehr Wirkung verleiht, und ein konstant gradlinig singender Frank Sinatra auf ungewohntem musikalischem Gebiet, machen aus dem Song, den sicherlich von uns - wenn er nicht von Sinatra gesungen worden wäre - gehört hätte, noch etwas Besonderes. Wie immer holte sich Sinatra, wie hier mit Arrangeur Ernie Freeman, den richtigen Arrangeur für jeden Song. Ein "World we knew" konnte es wohl nur von einem Ernie Freeman geben, dennoch gibt es sehr viel bessere Zusammenarbeiten zwischen Freeman und Sinatra.
"Somewhere in Your Heart", The Impossible Dream", "Tell Her (You Love Her Each Day)", vor allem aber "I Will Wait for You" - ebenfalls von Ernie Freeman arrangiert, höre ich da schon lieber.
Marcus Prost:
Bei dem Lied fällt mein Urteil leider nicht so positiv aus, wie bei dem Gesamtalbum. Während ich "You Are There" und die Solofassung von "Some Enchanted Evening" für großartig halte und alle anderen Lieder des Albums sehr schätze, ist ausgerechnet das Titellied des Albums meines Erachtens recht schwach.

