Wrap Your Troubles In Dreams
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Als Frank Sinatra ein Teenager war, wollte er, wie immer alle Kids in diesem Alter, „hip“ sein... in der Musik war vor allem Bing Crosby gerade ‚in‘, und so posierte schon der junge FS stilgerecht mit Hut und Pfeife in Crosby-Pose. Dessen Songs zuzuhören war für den kleinen Sinatra sozusagen auch die erste „Eintrittskarte“ in die Welt der amerikanischen Popular Music, die er selbst dann ein Jahrzehnt später so entscheidend verändern und für den ganzen Rest des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägen sollte.
Bing Crosby und sein Partner Al Rinker hatten sich Mitte der 20er Jahre dem Paul-Whiteman-Orchestra angeschlossen, wo sie bald gemeinsam mit dem Sänger und Komponisten Harry Barris die „Rhythm Boys“ bildeten. Zusammen mit Whiteman sollte Crosby dann viele seiner größten Hits aufnehmen, die ihn zum unangefochteten Plattenstar der späten 20er und 30er Jahre machten. Ein Hit aus dieser Zeit ist „Wrap Your Troubles In Dreams“, eine Komposition von Harry Barris, zu der Ted Koehler („I’ve Got The World On A String“) und Billy Moll den Text beisteuerten. Im Jahre 1931 stellte Crosby dieses neue Lied erstmals vor.
Ende der 40er Jahre fand der Song dann auch Eingang in Sinatras Repertoire; erstmals wohl im Rahmen seiner Radio-Show „Light Up Time“ auf NBC (1947-49). Die bislang früheste auf Platte erschienene Fassung stammt aus einem Radiospecial zugunsten des amerikanischen Roten Kreuzes von 1948 (=Version #1). In seiner „Light-Up Time“ Show sang Sinatra das Stück dann noch mehrere Male (= #2 a-d), und auch zweimal in seiner ersten regelmäßigen Fernsehshow 1950 (#3) und 1951 (#4), jeweils arrangiert von Axel Stordahl bzw. George Siravo.
Sinatra hatte also schon Erfahrung mit dem Lied gesammelt, als er Ende 1953 eine Fassung in gänzlich anderem Sound aufnahm, zusammen mit dem „Sinatra Symphonette“ seines Pianisten Bill Miller, für seine Radioshow „To Be Perfectly Frank“ (#5). Und ein halbes Jahr später kam dann Anfang April 1954 die schon überfällige Capitol-Studioaufnahme, mit einer kleinen sehr jazzigen Orchesterbesetzung unter der Leitung von – natürlich – Nelson Riddle (#6), die auf seinem zweiten Album für sein neues Label herauskam, „Swing Easy“, erschienen im August 1954 und alsbald bis auf Nummer 3 in den Billboard-Charts emporgeklettert.
Zwei Versionen aus seiner TV-Serie 1957/58 (#7 und #8) runden Sinatras Begegnungen mit diesem Song ab; danach kam er nur noch ansatzweise (z.B. im Medley seines Auftritts in der Sammy-Davis-Jr.-Show vom 1.2.1966) auf das Lied zurück.
Ein Stück also, das ganz der frühen Phase Sinatras gehört, das aber – so jedenfalls denke ich – auch nach 50 Jahren und mehr nichts von seinem Esprit eingebüßt hat. Und einen wunderschönen, einfachen Text gibt’s obendrein....
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie:
(1) „Red Cross Time“ Campaign 1948 #4 (AFRS Radio) vom 4.3.1948
voraufgezeichnet (Datum und Ort nicht dokumentiert)
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: „The Stars for the American Red Cross“ (St.Yuhon Records SPC2-608)
CD: „The Radio Years“ (6 CD set) Vol. 4
(2a-d) „Light Up Time“ (NBC Radio/AFRS)
(2a) 20.10.1949
Arrangement: Axel Stordahl(?)
Orchester geleitet von Jeff Alexander
CD: „Old Time Radio Shows“ (Crappable Sounds) Vol. 24
(2b) 28.10.1949
Arrangement: Axel Stordahl(?)
Orchester geleitet von Jeff Alexander
CD: „Old Time Radio Shows“ (Crappable Sounds) Vol. 13
(2c) 16.1.1950
Arrangement: Axel Stordahl(?)
Orchester geleitet von Jeff Alexander
CD: „Old Time Radio Shows“ (Crappable Sounds) Vol. 15
(2d] 4.4.1950 (= AFRS edition #67)
Arrangement: George Siravo
Orchester geleitet von Skitch Henderson
CD: „Old Time Radio Shows“ (Crappable Sounds) Vol. 20
CD: Sinatra On The Air (IOA Records)
(3) „The Frank Sinatra Show“ (CBS TV/Bulova) vom 9.12.1950
aufgezeichnet in New York City
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
(4) „The Frank Sinatra Show“ (CBS TV/Bulova) vom 21.4.1951
aufgezeichnet in New York City
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: There’ll Be Some Changes Made: The Rarities 1950-1951 (Voice Records Vo1102)
(5) „To Be Perfectly Frank“ #6 (NBC Radio/AFRS edition) vom 11.12.1953
voraufgezeichnet (Datum und Ort nicht dokumentiert)
Arrangement: N.N.
The Sinatra Symphonette geleitet von Bill Miller
CD: FS After Hours (Artistry)
(6) CAPITOL-STUDIOAUFNAHME vom 7.4.1954
aufgenommen in Hollywood, KHJ Studios
Arrangement: Nelson Riddle & George Siravo
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Album/CD: Swing Easy (Capitol)
(7) „The Frank Sinatra Show“ #6 (ABC TV/Chesterfield) vom 22.11.1957
voraufgezeichnet in Hollywood, El Capitan Theatre (Datum nicht dokumentiert)
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
(8) „The Frank Sinatra Show“ #15 (ABC TV/Chesterfield) vom 24.1.1958
voraufgezeichnet in Hollywood, El Capitan Theatre (Datum nicht dokumentiert)
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von Nelson Riddle
Übersetzung
Wrap your troubles in dreams
Wenn der Himmel wolkenverhangen und grau ist,
Dann ist er das nur einen Tag lang;
Wickle daher deine Probleme in Träume ein
Und träume deine Probleme kurzerhand weg!
Bis die Sonne wieder zum Vorschein kommt,
Kann man nur eines machen:
Hülle deine Plagen in Träume
Und träume deine Plagen einfach weg!
Deine Schlösser mögen zusammenbrechen – so ist nun mal das Schicksal;
Manchmal ist das Leben wirklich komisch.
Grollen hilft da gar nichts, lächle einfach, wenn sie einstürzen:
Immerhin bist du doch einen Tag lang König gewesen!
Erinnere dich stets daran,
Daß auf Regen immer Sonnenschein folgt:
Also packe deinen Ärger in Träume
Und träume deinen Ärger hinweg!
(Orchester-Zwischenspiel)
Wenn auch deine Schlösser einstürzen – es ist halt so im Leben,
Und das Leben ist schon seltsam.
Aber was soll alles Klagen, lache einfach, wenn sie einfallen –
Warst du nicht immerhin für einen Tag König?
Denk’ also dran, daß Sonnenschein stets auf Regen folgt;
Stecke allen Verdruß in Träume hinein
Und träume, ja träume alle Widrigkeiten einfach beiseite!
© Uwe Domnick für Frank Sinatra – The Main Event, 2011
Stimmen zum Song:
Andreas Est:
Recht nette Unterhaltung - mehr nicht!
Alfred Terschak:
Naja, wenn mir ein Sinatra-Song im ersten Moment nichts sagt, dann sagt das schon einiges ...
Gebe zu mir, nur die "Swing-Easy-Version" reingezogen zu haben. Toller Beginn, aber dann verflacht der Song; so spannend er auch beginnt, er verflacht gegen Ende. Also das Lied ist trotz deutlicher Jahresringe - auch heute noch recht gut spielbar, das Arrangemant ist flott und Frank in bestechender Form, aber es handelt sich denn doch mit Sicherheit um die klar schwächste Nummer auf "Swing Easy", ein Album, das gar nicht weit davon entfernt davon war, in meinen TOP 10 Einzug zu finden - zumal die restlichen Songs nahezu alle sensationell gut sind.
Tim Bialek:
Dieser Song hat Einzug gehalten in das "Great American Songbook" und Sinatra hat sehr weise gehandelt, indem er ihn mit auf "Swing Easy" nahm, denn "Wrap Your Troubles In Dreams" verkörpert genau das, für das das Album steht: Swing Easy!
Aber Sinatra konnte schon in den 40ern sehr gut swingen, wenn vielleicht auch nicht so relaxt wie dann bei Capitol. Bei Version 1 kann man sich davon überzeugen: Wer da nicht mitwippt, dem kann kaum geholfen werden. Version 4 (gleiches Arrangement) fällt da von der Performance etwas ab.
Ich glaube auch, dass es kein Zufall war, dass das Lied gerade zu Anfang der Capitol-Phase sowohl bei "To Be Perfectly Frank" und "Swing Easy" auftaucht; steht der (natürlich sehr einfach gestrickte) Text doch für den neuen Sinatra, der nach den schweren Jahren des "Out-Seins" eben zu neuem Selbstvertrauen gefunden hat. Was könnte besser zur damaligen Verfassung Sinatras passer, als Textzeilen wie
"When skies are cloudy and grey,
they're only grey for a day,
so: wrap your troubles in dreams,
and dream your troubles away!"
Mit der Radiosendung bereitet er den Weg zu "Swing Easy", weil ja auch hier die Instrumentierung sehr sparsam ist. Riddle hat ein harmonisch sehr progressives und eben überhaupt nicht langweiliges Arrangement geschrieben, und auch einen Spannungsabfall kann ich nicht bemerken. Im Gegenteil: Hier hört man für mich eigentlich, dass man aus relativ wenig Substanz (zugegeben) noch sehr viel rausholen kann. Man achte nur mal auf die sehr schrägen Harmonien der Holzbläser im Mittelteil...
Frank swingt hier vielleicht so locker wie auf keinem anderen Album, ähnlich wie schon bei "To Be Perfectly Frank." Zwischen der Radiosendung und diesem zu Recht preisgekröntem Album besteht ein ganz enger Zusammenhang und man wünschte sich, dass auch die anderen tollen Aufnahmen aus dem Radio in Studioqualität vorlägen...
Noch ein Sprung zum Ellington-Album: Alfred hat sehr richtig auf die mangelnde "Präsenz" Franks bei "Francis A. & Edward K." hingewiesen. Wer hören möchte, wie präsent Frank sein konnte, der sollte sich meiner Meinung nach gerade "Swing Easy" anhören.
Mein Votum geht klar an Capitol, aber dicht gefolgt von der ersten Version, die aufzutreiben sich lohnt.
