Satisfy Me One More Time
Infos
Floyd Huddleston, ein Komponist, der vor allem durch seine Musik für zahlreiche Disney-Filme (z.B. „Robin Hood“ 1973) bekannt ist, schrieb 1973 zwei Songs für Frank Sinatra. Den einen, „I’m Gonna Make It All The Way“, nahm Sinatra im Dezember 1973 als ‚Rückseite‘ für seine Reprise-Single „Bad Bad Leroy Brown“ auf --- den zweiten, unser neues Topic „Satisfy Me One More Time“ nahm Sinatra Ende Mai 1974 auf, gedacht als Rückseite für die Single „You’ve Turned My World Around“, die im Sommer erschien. Im Juli erschienen beide Tracks dann auch auf der Reprise-Pickup-LP „Some Nice Things I’ve Missed“. Die Arrangements zu beiden Huddleston-Stücken hatte Don Costa geschrieben.
„Satisfy Me One More Time“ sorgte 1974 für eine Menge ‚Aufruhr‘ in der Fangemeinde – es ist sehr amüsant, heute nachzulesen, wer wie warum sich damals über den „schweinischen“ Text entrüstete.
Aber, tempora mutantur et nobis in illis (die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen), heute würde das niemanden mehr vom Hocker reißen. Skandale von gestern sind da die Perlen von heute .
Dabei steht allerdings nach wie vor fest, daß Frank Sinatra in seiner gesamten Karriere kein anderes Lied so eindeutig sexuellen Inhalts aufgenommen hat wie „Satisfy Me One More Time“, siehe den Text unten – alles andere als „jugendfrei“! Schon 1974 nach dem Erscheinen wurde das Lied in Presse und Fanmagazinen treffend als „The Blowjob Song“ betitelt...
Bei allem, was wir über FS wissen, nimmt es aber daher wahrlich nicht Wunder, daß er bei der Aufnahme seinen diebischen Spaß hatte, und das ist auch hörbar so – Don Costa schrieb einen wunderbar rasant swingenden, aber dank der kleinen Besetzung trotzdem zuürckhaltend jazzigen Chart, und wer bei diesem Lied nicht schmunzeln muß, hat FS wohl nicht verstanden.
Kaum bekannt ist, daß Sinatra diesen Song nach der Studio-Aufnahme 1974 tatsächlich noch mehrmals im Konzert gesungen hat, nämlich im März und April 1983, als er unter der Ägide von Vincent Falcone jr. viele jazzige Experimente in seine Shows einbrachte. Professionelle Aufnahmen existieren davon leider nicht, wohl aber Konzertmitschnitte aus dem Publikum.
Infos: Bernhard Vogel
Diskographie:
REPRISE-STUDIOAUFNAHME vom 21.5.1974
aufgenommen in Burbank/Ca., Warner Studio (rented)
(orchestrale Nachbearbeitung im Overdub-Verfahren am 24.5.1974)
Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Bill Miller (FS-Session und Overdub-Session)
Album/CD: Some Nice Things I’ve Missed (Reprise)
Übersetzung
Befriedige mich noch ein mal!
Weise mich nicht ab, befriedige mich noch ein mal
Sperr mich ein und fall noch einmal über mich her
Opfere mich, sei nicht nett - sei wild und frei
mach ein Sex-Symbol aus mir.
Schmeichle mir und belästige mich noch einmal
Missbrauche mich und beschimpfe mich noch einmal
Entzücke und entzünde mich mit deinem süßen Bauch
Benütze deine Muskeln, meine Blutkörperchen wollen sich regen.
Greif mich an, attackiere mich, verliere die Kontrolle, woa!
Lass uns uns gegenseitig in den Würgegriff nehmen.
Ich habe nichts außer Liebe im Sinn -
Weise mich nicht ab, befriedige mich noch ein mal!
Stell mich bloß, mach mich kaputt, habe Spaß!
Zerstöre mich und genieße mich durch und durch
Reiß mich nieder, nimm mich auseinander, zerlege meine eigenen Zellen
Wenn mein Geburtstagsanzug nicht schön ist, ziehe ich ein Fass an.
Beiss an meinen Ohren, Baby, knabber an meiner Nase.
Lass diese Grübchen diese Pickel auf meine Zehen schieben
Da strömt Zucker von meinem Ellbogen bis zu meinen Knien.
Bedecke mich mit Küssen, hol dir ein paar Kalorien!
Wenn du nicht willst, dass ich die Wand hoch gehe,
dann trödel nicht um mein fruchtbares Gebiet herum, hmmm
Da die Kaltherzigen kälter werden, kannst du sicher sein:
Alles was wir haben ist Körperwärme!
Wärme mich!
Es sind immer noch viele coole Dinge übrig
Wenn du ein Glückspilz bist, hilf dir selbst!
Ich habe nichts außer Liebe im Sinn -
Weise mich nicht ab, befriedige mich noch ein mal!
Nochmal! Nochmal! Nochmal!
Übersetzung: Marc Rothballer für Sinatra - The Main Event
Stimmen zum Song:
Alfred Terschak:
Frank pur, spannend dargeboten - genau deshalb liebe ich diese Phase. Mag es kleine Schwächen bei diesem schnellen Song geben, zumindest der Unterhaltungswert ist groß.
Songbook-Puristen werden ob der großen Begeisterung ja vielleicht den Kopf schütteln, aber es gibt noch etwas, das für diesen Song und manche anderen der Spätphase gilt: Er ist ein hervorragender Stimmungsmacher. Man kann den Song auch dann spielen, wenn man mit "unserer" Musik normalerweise keinen Staat machen würde. Und das erfreut natürlich, wenn man ein wenig missionarisch in Sachen frank unterwehs ist. Obwohl ja auch dieser Song schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat, wirkt er immer noch sehr modern und sozusagen immer spielbar, wenn was flottes gefragt ist.
Marc Rothballer:
"Satisfy Me One More Time" gehört zu meinen absoluten Favoriten (sodenn man aus sovielen schönen Liedern "Favoriten" auswählen kann), deswegen möchte ich Bernhard gleich mal dafür danken, dass er es zum "Topic Of The Week" gemacht hat!
"Satisfy Me One More Time" ist auf der LP "Some Nice Things I've Missed" enthalten, meine erste Sinatra-LP - und der Song hat mich sofort vom Hocker gerissen!
Weniger wegen dem Text - mit dem habe ich mich anfangs noch nicht so beschäftigt. Ich war zuerst von dieser unwahrscheinlichen Spritzigkeit (Honi soit qui mal y pense ) und der Schnelle des Songs beeindruckt.
Der Song geht sofort ins Blut, man kann einfach nicht ruhig sitzen bleiben, wunderbar!
Ich kann den Song immer und immer wieder hören und bin einfach noch nicht "satt". Der Song wirkt immer "frisch" und bei jedem Hören entdeckt man wieder etwas neues, eine Kleinigkeit, die den ganzen Song umso schöner und anziehender macht. Es ist einfach ein schönes Stück Musik, nur schade, dass es davon nicht mehr Versionen gibt.
Frank hatte hörbar Spaß an dem Song: Jedesmal wenn ich diesen Song höre (und ich höre ihn wirklich oft), stelle ich mir Frank in dem Studio mit dem Mikrofon vor, mit einem riesigen Grinsen auf den Lippen. Und dieses Grinsen ist irgendwie während des ganzen Liedes vorhanden. Zum Beispiel an der Stelle "When you reach the cookie jar, ya, help yourself" oder "Destroy me and enjoy me through it all"
Nicht zuletzt wegen des doch sehr "freizügigen" Textes dürfte Frank Spaß gehabt haben. Und um so schöner sind seine "mhhh" und "yeah" und das "Warm it up!". Auch wenn er einige Silben fast verschluckt, so passt das doch sehr gut zu diesem "hektischen" Song.
Sicher ist der Song kein Stück Weltmusik, auch erfordert der Song keine Hochleistung, was die Stimme des Sängers betrifft, aber es ist einfach ein schönes kleines (unvernünftiges?) Lied, das man eigentlich immer hören kann.
Leider hat Frank das "Encore" nicht allzu wörtlich genommen, von diesem Song wäre die ein oder andere Studioversion sicher schön gewesen. Von den Live-Versionen ganz zu schweigen!
Andreas Kroniger:
Ich kann Alfred nur zustimmen. Seien wir froh, dass Sinatra "alles mitgemacht" hat: Rock´n Roll, Country, 60er und 70er Pop, Disco....
Sinatra ist offener und nicht auf eine Richtung zu beschränken, auch wenn viele von Euch das gerne hätten.
"Satisfy me one more time" ist ein "spritziger" und witziger Song, der heute noch prima gespielt werden kann.
Marcus Prost:
Das war das beeeindruckende an Frank, daß er diese riesige Bandbreite besaß, und offen für so vieles war. Manch einer mag Jobim nicht, der andere Diskomusik und der dritte schüttelt den Kopf über die schmissigen Singlestücke aus der Capitolzeit. Festzustellen ist aber, daß Sinatra alles ausprobiert hat und nirgendwo eine schlechte Figur machte. Damit ragt er um Längen aus der Masse der reinen American-Songbook-Interpreten heraus, die dieses nur raus und runtersingen können, aber nicht in der Lage sind nach links oder rechts zu schauen.
"Satisfy me one more time" ist ein absolut Klasselied. Beste US-amerikanische Popmusik, vorgetragen von ihrem bedeutensten Interpreten.
Holger Schnabl:
Sinatra, der jahrzehntelang die Liebe in romantisierter, idealisierter Form besungen hat, dürfte mit der Aufnahme dieses Songs damals in der Tat einen Teil seiner Fangemeinde – zumindest viele, die seinen musikalischen Weg über lange Zeit mitverfolgt haben – einigermaßen überrascht, vielleicht auch schockiert haben. Vor allem in den USA, in welchen Prüderie und Doppelmoral schon immer weitverbreitet waren und sind, dürfte die Nummer von Kritik und Publikum teils mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden sein.
Je nun, Sinatra musste bald sechzig Jahre alt werden, um aus romantisch verklärten Sphären sozusagen auf den Boden der Tatsachen „hinabzusteigen“ und er dürfte in der Tat seinen Spaß an den recht eindeutigen Anspielungen, von denen der Text nur so wimmelt, gehabt haben. Aus heutiger Sicht ist das alles natürlich verhältnismäßig harmlos, aber damals ging sicherlich ein kleiner Ruck durch die Fangemeide - -
Läßt man den zumindest für Sinatra-Verhältnisse sicher aufsehenerregenden Text einmal beiseite, was bleibt ansonsten über den Song zu sagen? Das Erwähnenswerteste ist sicherlich das Arrangement und die Instrumentierung: So eindeutig jazzig wie bei diesem Song war Sinatra schon längere Zeit nicht mehr zur Sache gekommen, die kleine Besetzung ist eine angenehme Abwechslung zum gewohnten Orchester-Sound, das Trompetensolo verleiht der rasanten, kaum zwei Minuten langen Song-Miniatur enorme Würze, schade, dass es von Sinatra verhältnismäßig wenige Nummern gibt, die musikalisch in diese eindeutig jazzige Richtung gehen. Dieses musikalische Konzept wäre durchaus ausbaufähig gewesen. Über die Jahre hinweg war ja immer wieder die Rede von einem Album in kleinerer Besetzung, leider wurde nie etwas daraus... Sinatra selbst scheint die Sache also Spaß zu machen, wenngleich ich öfters den Eindruck habe, dass er - mittlerweile schon in einem gewissen Alter - hin und wieder seine Schwierigkeiten damit hat, dem rasanten Tempo zu folgen.
Betrachtet man nun aber Sinatras rein gesangliche Leistung für sich allein, liegt der Schluss nahe, er habe nie zuvor „schlechter“ gesungen, habe nie zuvor „älter“ geklungen und in der Tat: die gesanglichen Unsauberkeiten, die er sich hier leistet, sind enorm und sicherlich nicht alle unbedingt beabsichtigt. Auch wenn bei einem derart rasanten Tempo naturgemäß wenig Spielraum für Entfaltung bleibt – hier ist von der swingenden Leichtigkeit und Mühelosigkeit, welche immer ein Markenzeichen von Sinatras Swing-Aufnahmen waren, rein gar nichts mehr übrig. Das ist - wir wissen es alle – leider mehr oder weniger symptomatisch für die Post-Retirement-Phase, welche weltweit so vielen Sinatra-Anhängern ein Dorn im Auge ist und welche uns oft zu Recht verdrießt.
Der Unterhaltungswert des Liedes ist groß, wie ich zugeben will, aber Sinatra ist stimmlich in ziemlich schlechter Form, fast schon so schlecht wie beim 1977 entstandenen „Sweet Lorraine“, welches auch in kleiner Besetzung und jazzig arrangiert ist, aber interpretatorisch zu einer absoluten Katastrophe geriet.
Fazit: Ein schwungvoller Titel, nicht gerade hervorstechend, aber gut instrumentiert. Größter Minuspunkt: Sinatras leider grausige stimmliche Verfassung.
Tim Bialek:
Ein frisches, man ist schon geneigt zu sagen spritziges , Spätwerk.
Legt man puristische Maßstäbe an, so liegt er bei einigen Tönen arg daneben und der Frosch im Hals ist auch einige Male nicht zu überhören.
Aber dies gerade bei diesem Lied zu tun, wird dem wohl auch nicht gerecht, denn schließlich ist es ja eh sehr schlicht gestrickt. Das mindert den Unterhaltungswert mitnichten, sondern zeigt eher, dass man eben auch mit einfach gestrickten Melodien, welche in diesem speziellen Fall sowieso vom Text getragen werden, durchaus erfolgreich sein kann. Zweite Voraussetzung: Sie müssen swingen und das ist hier natürlich der Fall!
Sinatra hat Spaß bei der Sache, das ist das Wichtigste, denn so haben wir halt auch unseren Spaß damit.
Noch nie habe ich einer Lyrik so uneingeschränkt beipflichten müssen...
