The Main Event

Laura

Titel

Laura

Text & Musik

Musik von David Raksin, Text von Johnny Mercer

Infos

Vor genau sechzig Jahren gelang dem kürzlich verstorbenen David Raksin (1912-2004), der bereits am Soundtrack für Charlie Chaplins berühmten Streifen „Moderne Zeiten“ (1935) mitgewirkt hatte, sein Durchbruch als Filmkomponist in Hollywood – mit dem Film „Laura“ (1944) unter der Regie von Otto Preminger.

Das Konzept war revolutionär: Mit nur einer einzigen(!) Melodie bestritt Raksin den Soundtrack des gesamten Films, eines verwobenen Thrillers, in dem sich der Titelheld, ein Detektiv, in eine augenscheinlich ermordete Frau verliebt und dabei immer tiefer in den Bann seiner unerreichbaren Liebe gerät. Zur Gänze ist die Melodie dabei aber nie zuhören, stets nur Teile, in immer neuen, dramatisch sehr unterschiedlichen Variationen, „so zerissen wie der Held selbst“, wie es Raksin selbst später beschrieben hat.

Als der Film in die Kinos kam, wurde die Melodie über Nacht zum nationalen Erfolg, und alsbald verpflichtete man niemand geringeren als Johnny Mercer (1905-1976), einen Text dazu zu schreiben. Der Song, zuerst von Johnny Johnson eingespielt, aber bald auch von vielen anderen namhaften Sängern der Zeit aufgenommen, stürmte an die Spitze der Charts und ist seither ein ‚Evergreen‘ geblieben.

Frank Sinatra und „Laura“ fanden wenige Wochen nach Erscheinen des Songs zusammen, und blieben dann über vier Jahrzehnte und insgesamt vier Studioaufnahmen hinweg ein musikalisches „Paar“.

Erstmals sang Sinatra den Song bereits im Oktober 1944 bei seiner Konzertserie im New Yorker Paramount Theatre, und dann im Mai 1945 auch in seiner Radioshow auf CBS (= Version #1). Das Arrangement dazu hatte Axel Stordahl beigesteuert. Mit dieser Version ging Sinatra in den folgenden Monaten und Jahren immer wieder auch auf die Konzertbühnen. Die so gewachsene Erfahrung mit dem Lied merkt man dann der zwei Jahre später eingespielten, wieder von Stordahl orchestrierten Fassung aus seiner Radioshow „Songs By Sinatra“ (= #2) deutlich an.

Im Oktober 1947 nahm Sinatra das Lied dann für sein drittes Columbia-Album „Frankly Sentimental“ zusammen mit Axel Stordahl auch im Studio auf; zwei verschiedene Takes dieser Session sind bislang offiziell herausgekommen (= #3a und #3b). Die Erfahrung aus drei Jahren ‚Umgang‘ mit der Melodie, gepaart mit dem später in keinem anderen Studio wieder erreichten Sound der legendären New Yorker Liederkrantz Hall, in der Sinatra damals viele seiner Columbia-Aufnahmen einspielte, machte das Stück zu einer der bekanntesten Nummern des reiferen Columbia-Sinatra.

Nachdem Sinatra die Stordahl-Fassung im November 1947 auch nochmals in „Your Hit Parade“ zu Gehör gebracht hatte (= #4), erklang sie zwei Jahre in seiner Radioshow „Light-Up Time“, begleitet von einem jazziger eingestellten, weniger streicherbetonten Orchester unter der Leitung von Jeff Alexander in etwas veränderter Form (= #5).

Einen ganz neuen Ansatz wählte Sinatra dann im Frühjahr 1953 für seine erste große Europatournee – „Laura“ kam als intimes Duett mit Sinatras neuem Pianisten Bill Miller zum Zuge. Im Mai 1953 gaben Sinatra und Miller diese Fassung auch in einer Sondersendung des „Radio Club“ der italienischen Sendeanstalt RAI zum Besten (= #6).

Ganz auf Streicher und wallende Emotion setzt dann wieder die Studioaufnahme vom Juli 1957, die Sinatra zu einem neuen Arrangement von Gordon Jenkins für sein Capitol-Album „Where Are You?“ einspielte (= #7).

Auch für sein neues Label Reprise nahm Sinatra das Stück im Sommer 1962 im Studio auf – allerdings ohne Gesang. Zu einem Arrangement von Jack Hayes und Leo Shukin, an dem FS selbst dann noch einige Verfeinerungen vornehmen ließ, dirigierte Sinatra ein vielköpfiges Orchester. Das Ergebnis erschien auf seinem – bislang nicht offiziell auf CD herausgekommenen – Album „Sinatra Conducts Music From Pictures And Plays“ (= #8).

Danach tauchte „Laura“ erst zu Beginn der Achtziger Jahre, unter der Ägide seines Pianisten und Konzertdirigenten Vincent Falcone jr., wieder in Frank Sinatras Repetoire auf, allerdings nur auf den Konzertbühnen, leider nicht im Studio. Von Januar bis August 1981 konnte sich sein Publikum regelmäßig über eine ausgereifte, von Falcone am Klavier und einem streicherfreien Orchester begleitete Fassung des Klassikers freuen, die Don Costa arrangiert hatte.

In den beiden folgenden Jahren bestritt dann Sinatras Solotrompeter Charles Turner mit seinem Instrument des öfteren den Part, während Sinatra die Orchesterleitung übernahm. Sinatra selbst ermunterte schließlich Turner dazu, eine eigene LP mit Trompetensoli einzuspielen, und gewann viele seiner regulären Studiomusiker für die Anfang 1983 stattfindenden Sessions – für einige der Stücke, darunter auch „Laura“ im Arrangement von Costa (= #9), übernahm FS persönlich die Orchesterleitung. Das so entstandene Album kam als LP auf dem kleinen Label Chas Records heraus.

PS: Ob die "Laura" betitelte 'Magnum'-Episode von 1987, in der Sinatra als pensionierter Polizeioffizier gemeinsam mit den Helden der Krimiserie den Mörder seiner Enkeltochter zur Strecke bringt, auch eine kleine Reminiszenz an den Song bzw. den Film sein sollte?

Copyright © Bernhard Vogel, 2004, für Sinatra – The Main Event

Übersetzung

Laura

Laura ist das Gesicht im lichten Nebel,
Schritte, die Du unten im Flur hörst,
das Lachen, das über einer Sommernacht schwebt,
an die [oder: an das] Du dich nie richtig erinnern kannst.

Und du siehst Laura in einem Zug, der vorbeifährt.
Diese Augen – wie vertraut sie scheinen!
Sie gab Dir Deinen aller ersten Kuß:
Das war Laura...
Aber sie ist bloß ein Traum

Übersetzung: Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event


Diskographie:



(1) „The Frank Sinatra Show“ (CBS Radio/Max Factor) vom 9.5.1945
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(2) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 28.5.1947
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(3) COLUMBIA-Studioaufnahmen vom 22.10.1947
aufgenommen in New York City, Liederkrantz Hall
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl:
Joseph Singer (Horn); Hymie Shertzer, Bernie Kaufman, Wolffe Taninbaum, Ernie Caceres, Harry Feldman (Saxophon, Holzbläser); Leo Kruczek, Zelly Smirnoff, Sid Harris, Fred Buldrini, Felix Orlewitz, Merle Pitt, Harry Urbont, Maurice Hershaft, Sylvan Kirsner, Harry Katzman, Mac Ceppos, Jack Zayde (Violine); Solomon Deutsch, Harold Coletta, Harold Furmansky (Bratsche); Armand Kaproff, Maurice Brown, George Ricci (Cello); Elaine Vito Ricci (Harfe); Johnny Guarnieri (Klavier, Celeste); Matty Golizio (Gitarre); Trigger Alpert (Baß); Bunny Shawker (Schlagzeug)
(3a) take 1
Erstveröffentlichung/Album: Frankly Sentimental (Columbia 78rpm-Album, erschienen Juni 1949)
Album/LP: Frankly Sentimental (Columbia 10-inch-LP, erschienen Juli 1949)
LP: The Voice (Columbia 12-inch-LP, erschienen 1955)
LP: The Frank Sinatra Story In Music (1-LP-Set, Columbia, erschienen 1958) LP 2
CD: The Columbia Years – The Complete Recordings (12 CD Box, Columbia/Legacy) CD 7
(3b) take 2
Erstveröffentlichung/CD: Sings His Greatest Hits (Columbia/Legacy, erschienen 1997)

(4) „Your Hit Parade“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) vom 22.11.1947
aufgenommen in New York City
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(5) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) vom 14.11.1949
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: N.N.
Orchester geleitet von Jeff Alexander

(6) „Radio Club“ (RAI Radio, Italien) vom 20.5.1953
aufgenommen in Rom/Italien, RAI Studios
Duett mit Bill Miller, Klavier

(7) CAPITOL-Studioaufnahme vom 29.4.1957
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Gordon Jenkins
Orchester geleitet von Gordon Jenkins:
Vincent DeRosa, Richard Perissi, Arthur Frantz (Horn); Wayne Songer, Jack Chaney, Dent Eckels, Clyde Hylton, Matty Matlock (Holzbläser, Konzertflöte); Mischa Russell, Walter Edelstein, Joseph Livoti, Marshall Sosson, David Frisina, Sol Kindler, Jacques Gasselin, Samuel Cytron, Harold Dicterow, Achille Mierlot jr., Howard Colf, Leonard Atkins, Emil Briano, Amerigo Marino, Alex Beller, Ben Gill (Violine); Paul Robyn, David Sterkin, Ray Menhennick, William Baffa (Bratsche); Armand Kaproff, Ray Kramer (Cello); Kathryn Thompson Vail (Harfe); Bill Miller (Klavier); Allan Reuss (Gitarre); Jack Ryan (Baß); Nick Fatool (Schlagzeug)
Album/LP/CD: Where Are You? (Capitol)

(8) REPRISE-Studioaufnahme [Instrumental] vom 20.6.1962
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Jack Hayes & Leo Shukin
Orchester geleitet von Frank Sinatra :
Joe Howard (Posaune); Richard Perissi, Vincent de Rosa, George Price, John Cave (Horn); Ted Nash, Justin Gordon (Holzbläser); Michael Mangus, Hugo Raimondi (Klarinette); Massie Victor, Norman Herzberg (Saxophon); Arnold Koblentz (Oboe); Arthur Gleghorn, June Russo (Flöte); Erno Neufeld, Isadore Roman, Ralph Schaeffer, Joe Stepansky, Victor Arno, David Frisina, James Getzoff, Gerald Vinci, Alfred Lustgarten, Nathan Ross, Paul Shure, Lou Raderman, Anatol Kaminsky, Ben Gill, Marshall Sosson, Dan Lube, Louis Kaufman (Violine); Allan Harshman, Virginia Majewski, Alvin Dinkin, Paul Robyn, Alex Neiman, Armand Roth (Bratsche); Kurt Reher, Armand Kaproff, Joseph Saxon, Ray Kramer, David Filerman, Emmet Sargeant (Cello); Catherine Gotthoffer (Harfe); Bill Miller, Harry Sukman (Klavier); Mike Rubin, Ray Siegel (Baß); Dale Anderson, Lou Singer (Schlagzeug)
Album/LP: Frank Sinatra Conducts Music From Pictures And Plays (Reprise)

(9) CHAS-Studioaufnahme [Instrumental] vom 3.1.1983
aufgenommen in Burbank/Kalifornien
Arrangement: Don Costa
Trompetensolo: Charles Turner
Orchester geleitet von Frank Sinatra :
Charles Findley, John Audino, Uan Rasey (Trompete); Dick Nash, Lloyd Ulyate, Joe Howard (Posaune); James Self (Baßposaune); Tommy Johnson (Tuba); Richard Perissi, Henry Sigismonti, Arthur Maebe (Horn); Ronny Lang, Ted Nash (Altsaxophon); Gene Cipriano, Jules Jacob (Tenorsaxophon); John Lowe (Baritonsaxophon); Paul Smith (Klavier); Bob Bain (Gitarre); Gene Cherico (Baß); Irving Cottler (Schlagzeug)
Album/LP: Charles Turner – What’s New? (CHAS Records CTR-1101, erschienen 1983)

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